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20.10.2009
Jetzt fordern auch Männer: Frauen in die Aufsichtsräte

Frauen in die Aufsichtsräte, so heißt ein Verein, der sich vor drei Jahren in Berlin gegründet hat und bislang nur Frauen als Mitglieder hatte. Doch damit der Verein seinen Vereinszweck ? mehr Frauen in die Aufsichtsräte zu bringen - noch besser erfüllen kann, hat FidAR beschlossen, als erster Frauenverein Deutschlands nun auch Männer als Mitglieder zuzulassen.

"Wir nehmen aber nicht jeden", erläutert die Vereins-Chefin und Unternehmensberaterin Monika Schulz-Strelow im Gespräch mit dem Finanznachrichtendienst www.GoMoPa.net. Ihr Anspruch: "Es müssen Männer aus der Wirtschaft sein, und sie müssen Aufsichtsratserfahrungen aufweisen. Männer, die nur an Kontaktdaten von wirtschaftlich erfolgreichen Frauen kommen wollen, haben keine Chance."

Drei solcher Männer hat FidAR schon aufgenommen, ein vierter, er ist Aufsichtsratsvorsitzender eines großen deutschen Unternehmens, hat sich gerade beworben. Warum gehen Männer in einen Frauenverein?

FidAR-Präsidentin Monika<br /> Schulz-Strelow©FidAR
FidAR-Präsidentin Monika
Schulz-Strelow©FidAR
Schulz-Strelow: "Weil sie Verantwortung für ihr Unternehmen tragen und auf bestens qualifizierte Frauen nicht verzichten wollen. Manche als Väter von Töchtern erkennen die Hindernisse, da selbst ihre Töchter trotz Eliteschulen nicht aus der zweiten Reihe an die Spitze gelangen und die Glasdecke durchbrechen können. Wir haben nur ein Ziel für unseren Verein, denn unser Name -Frauen in die Aufsichtsräte - ist Programm, und damit unterscheiden wir uns abermals von anderen Frauenvereinen, können aber mit diesem einen zentralen Anliegen sehr gut mit allen Frauen- und Wirtschaftsverbänden zusammenarbeiten. Unsere Forderung lautet: Paritätische Besetzung aller Aufsichtsratsposten in der Wirtschaft. Wenn das erreicht ist, löst FidAR sich auf."

GoMoPa: Und da machen Männer freiwillig mit?

Schulz-Strelow: "Nicht nur freiwillig, sondern auch aus der Erkenntnis der Notwendigkeit heraus. Die Akzeptanz der tradierten Aufsichtsratsbesetzungen hat sich seit der Finanzkrise radikal geändert. Die geforderte größere Transparenz und die persönliche Haftung der einzelnen Aufsichtsratsmitglieder führen zu einer neuen Sachlichkeit bei der Besetzung der Positionen. Es kommt mehr auf Qualität, Wissen und Eignung an und weniger, ob man zusammen Golf spielt, gemeinsam studiert hat oder sich in schlechten Zeit mal geholfen hat."

GoMoPa: Können Sie das näher erläutern?

Schulz-Strelow: "Bislang war es doch nicht selten so, dass man sich bei der Zustimmung zu Unternehmensaktivitäten auf die Meinung des Aufsichtsratsvorsitzenden verlassen hat und die Hand gehoben hat, auch wenn man nicht immer den Gesamtzusammenhang verstanden hat, besonders bei Finanztransaktionen. Mit der verschärften persönlichen Haftung ist das ein riskantes Unterfangen. Die Aufsichtsräte müssen sich kompetent aufstellen und aus verschiedenen Spezialisten zusammengesetzt sein. Einer muss beispielsweise Erfahrungen von Bilanzen und Finanzen haben, die anderen sollten weit reichende Kenntnisse jeweils von unternehmerischen Schwerpunkten vorweisen wie Personalmanagement, Vertriebs- und Marketingerfahrungen oder im Innovationsmanagement und Unternehmensstrategien zu Hause sein."

GoMoPa: Aber das alles können doch Männer auch leisten, warum pochen Sie da so auf einen Frauenanteil?

Schulz-Strelow: "Weil gemischt besetzte Führungsgremien erfolgreicher agieren. Dies belegen viele Studien. Außerdem ist es dringend notwendig, die Ressourcen, die Frauen einbringen können, auch zu nutzen. Sie kennen doch auch die Ergebnisse der Untersuchungen über die Vergleiche der Qualifikationen von Hochschulabsolventen. Hier haben Frauen in vielen Disziplinen die Führung übernommen. In den Unternehmen sieht dann die Karriereentwicklung schnell anders aus. Männer überspringen auf der Karriereleiter schon mal ein paar Stufen. Frauen durchlaufen in der Regel jede Ebene und brauchen länger und stoßen dabei an die schon erwähnte Glasdecke.

Für die ausgewogene Unternehmensführung sollten die Fähigkeiten von Männern und Frauen optimal eingesetzt werden. Frauen bringen von Hause aus eine größere Teamfähigkeit mit und fragen gnadenlos nach, wenn sie etwas nicht verstehen. Männer schweigen da lieber in ihren gewohnten Kreisen, aus Angst, ihr Gesicht zu verlieren. So etwas können sich Unternehmen nicht mehr leisten. Außerdem gelten Frauen risikoaverser als Männer. Diese Eigenschaft steht derzeit noch hoch im Kurs."

GoMoPa: Aber das sind doch Erkenntnisse, auf die jedes Unternehmen selbst kommen könnte. Warum braucht es denn Ihren Verein?

Schulz-Strelow: "Sicher kann jede Unternehmensleitung zu dieser Erkenntnis gelangen, doch warum sollte sie eine Veränderung herbeiführen? Jede Veränderung bringt auch Unruhe mit sich. Somit findet auch die freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaftsverbände mit der Politik zur paritätischen Besetzung von Gremien in der Privatwirtschaft, die es seit 2002 gibt, nur auf dem Papier statt.

Außerdem gibt es gut funktionierende Männerbünde, aber kaum vergleichbare Frauennetzwerke. Wie denn auch? Frauen durften doch erst ab Mitte der 70er Jahre ohne Unterschrift ihres Mannes einen eigenen Beruf ergreifen. Nach dem II. Weltkrieg ersetzten Frauen die Männer als Trümmerfrauen. Als die Männer zurückkehrten, übernahmen sie schnell die zentralen Wirtschaftspositionen und haben sich gut eingerichtet. Die Funktion der Trümmerfrauen kam zumindest in der Finanzkrise kurzfristig wieder zum Tragen, denn durch die Finanzkrise wurden viele Fehlentwicklungen der letzten Jahre drastisch freigelegt."

GoMoPa: Wie wollen Sie denn Ihr Ziel, gleich viel Frauen und Männer in den Aufsichtsräten zu haben, verwirklichen?

Schulz-Strelow: "Ideal wäre ein Machtwort eines starken Mannes. Wie es in Norwegen geschehen ist. Dort hat Wirtschaftsminister Ansgar Gabrielsen im Jahre 2002 in einem Handstreich eine Frauenquote von 40 Prozent in den Boards der Aktiengesellschaften eingefordert und gesetzlich festgelegt. Im Jahre 2008 haben 80 Prozent der norwegischen Unternehmen die Vorgabe erfüllt."

GoMoPa: Freiwillig?

Schulz-Strelow: "Teils, teils. Die Aktiengesellschaften hätten die Börsenberechtigung verloren. Diese Sanktion hätte nur der norwegische König wieder aufheben können. Also haben sich die meisten Unternehmen an die Vorgaben gehalten. Einige Firmen haben ihre Rechtsform geändert, um die Quotenvorgabe nicht erfüllen zu müssen."

GoMoPa: Ginge das in Deutschland auch?

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