GoMoPa: Die Bank des Papstes
Sie sind noch kein Mitglied auf GoMoPa? Jetzt registrieren!
30. Mai 2017
931 User online, 50.420 Mitglieder
Scoredex anfordern!
Scoredex anfordern!
Vergleich der Leistungen
Registrieren
GoMoPa® - Wahl



Ihr Thema nicht dabei?
» Thema vorschlagen
GoMoPa® Affiliates
Presse-Echo
GoMoPa® Mastercard Gold


Jetzt sämtliche Vorteile der GoMoPa® Mastercard Gold geniessen! » Hier beantragen


29.10.2009
Die Bank des Papstes

Papst Benedikt XVI. (82)
Papst Benedikt XVI. (82)
Der Papst vergibt keine Kredite. Dennoch tauchen immer wieder Kreditangebote über Millionen von Euros auf, die direkt von der Vatikanbank kommen würden. Man müsse nur 15 Prozent an Vorkosten bar zu einem italienischen Herrn, meistens heißt er Rossi, in die Schweiz bringen.
So mancher Geschäftsmann wurde auf diese Weise 250.000 Euro los, ohne dass anschließend auch nur ein Euro aus Rom floss.


Der Finanznachrichtendienst GoMoPa.net wollte das nun von oberster Stelle wissen und fragte direkt beim Heiligen Stuhl, bei Papst Benedikt XVI., nach, ob seine Privatbank tatsächlich Kredite vergebe und ob man bei der Bank Gottes auch ein Konto eröffnen könne.

Der Papst antwortete nicht selbst. Einer seiner Präfekten erläuterte gegenüber GoMoPa: "Das Institut für religiöse Werke, so lautet der richtige Name der Vatikanbank, ist nicht die Privatbank des Papstes, weil es keine Bank im herkömmlichen Sinne ist. Das Institut ist eine reine Geschäftsbank, die lediglich das Eigenkapital der römischen Ordensgesellschaften verwaltet. Das Institut unterhält keine Privatkonten und vergibt auch keine Kredite."

Die Abkürzung der päpstlichen Bank lautet IOR. Das steht für Instituto per la Opere di Religione. 150 Banker verwalten laut italienischen Medienberichten eine Barschaft von 3,2 Milliarden Dollar und ein Anlagevermögen von 5 Milliarden Dollar. Kunden sind Vatikanmitarbeiter, Diözesen, Klöster, kirchliche Stiftungen. Das IOR veröffentlicht weder Bilanzen noch Rechenschaftsberichte. Der Wettbewerbsvorteil ist die Geheimhaltung. Aus Vatikankreisen heißt es dazu: "Das IOR wird sich bestimmt keiner italienischen oder europäischen Bankenaufsicht beugen."

Allerdings hatte 38 Jahre lang die Geheimloge P2 das Sagen

Der Buchhalter:<br /> Renato Dardozzi
Der Buchhalter:
Renato Dardozzi
Zu Lebzeiten konnte Monsignore Renato Dardozzi (91) gegen die übermächtige Geheimloge P2, zu der auch Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi (73) gehören soll (man fand seine Mitgliedsnummer), nichts ausrichten. Der starke Arm der unter Mussolini gegründeten angeblichen Freimauerloge reichte bis hinter die dicken Mauern des Nikolaus-Turms im Vatikanstaat in Rom, dem Sitz der Vatikanbank.

An ihrer Spitze stand 20 Jahre lang der Logen-Getreue Professor Angelo Caloia (70). Der Papst stellte ihm zwar Monsignore Dardozzi (1922-2003) als Aufpasser zur Seite, doch Dardozzi war offenbar weitestgehend machtlos und beugte sich der Schweigepflicht. Erst sein Tod im Jahre 2003 brachte alles ans Licht und führte nach einer langjährigen Aufarbeitung nun endlich zum Sturz der Freimaurer-Loge in der Vatikanbank, die seit dem Ende der 60er die Oberhand inne hatte.

Die Vatikanbank in Rom
Die Vatikanbank in Rom
Papst Joseph Ratzinger Benedikt XVI. wechselte am 23. September 2009 die gesamte Führungsriege seiner Privatbank aus und besetzte sie mit Männern, die, wie der Papst selbst, für Transparenz im Finanzwesen stehen. Grundlage dieser päpstlichen Finanzrevolte von oben war der Nachlass, den Monsignore Dardozzi nach seinem Tod im Jahre 2003 hinterließ. Die Nachlaßtreuhänder fanden in Dardozzis Tresor in der Schweiz 5.000 geheime Dokumente, die der päpstliche Aufpasser während der Bankherrschaft von Angelo Caloia penibel zusammengetragen und Blatt für Blatt in die Schweiz geschmuggelt hatte. Die Treuhänder erfüllten Dardozzis Testament, in dem er verfügte, dass sein geheimes Archiv nach seinem Tod veröffentlicht werden soll. 2007 wandten sich die Testamentsvollstrecker an den prominenten italienischen Journalisten ?Gianluigi Nuzzi. Nuzzi fuhr in die Schweiz und nahm im ?Keller eines entlegenen Bauernhofes zwei Samsonite-Koffer voller Dokumente in Empfang. Nach intensiven Nach-Recherchen veröffentlichte Nuzzi im Mai 2009 das Sachbuch ?Vaticano S.p.A.? (Die Vatikan AG). Von ihm wurden bereits 160.000 Exemplare verkauft.

Sein Inhalt gleicht einer Anklageschrift gegen die von der Geheimloge P2 beherrschte Privatbank des Papstes. Die Dokumente Dardozzis beweisen Geldwäsche im Dienste der Mafia, Steuerhinterziehungen, Blockade von Korruptionsermittlungen, Schmiergeldaffären und geheime Nummernkonten, wie etwa das Geld von Ex-Staatspräsident Giulio Andreotti. Oder die Schmiergelder, die der ehemalige Bürgermeister von Palermo, Mafiaboss Vito Cianciminio, bis ins Jahr 2007 auf den Konten des IOR deponierte.

Der neue Bank-Präsident:<br /> Ettore Gotti Tedeschi (64)
Der neue Bank-Präsident:
Ettore Gotti Tedeschi (64)
Professor Tedeschi ist der neue Bank-Präsident

Angesichts der erdrückenden Beweislast kamen Bankchef Angelo Caiola und seine Mitarbeiter einer Entlassung durch den Papst zuvor und reichten ihren Rücktritt ein. Papst Benedikt XVI. nahm die Gesuche an. Neuer Präsident des IOR wurde der Wirtschaftsethik-Hochschullehrer an der katholischen Universität von Mailand und Herausgeber der Vatikan-Zeitung "L Osservatore Romano", Professor Ettore Gotti Tedeschi. Der 64-jährige war seit 1993 der Italienchef des spanischen Konzerns Banco Santander, der drittgrößten Bank Europas (Marktkapitalisierung 85,2 Milliarden Euro) und seit 2006 Sponsor des Formel1-Rennstalls McLaren-Mercedes.

Tedeschi hat an der Enzyklika "Caritas in veritate" von Papst Benedikt XVI. mitgewirkt und bekräftigte in einem Interview mit seiner eigenen Zeitung, dass man dem Papst für dieses Werk den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften verleihen sollte. Die Enzyklika verurteilt skrupellose Finanzjongleure und mahnt ein neues Werteverständnis der Wirtschaft und vor allem Transparenz an. Gotti Tedeschi schrieb im Jahre 2004 mit Rino Camilleri das Buch: "Geld und Paradies. Die globale Wirtschaft und die katholische Welt". Seine These: "Die Überlegenheit des Kapitalismus wird durch die christliche Moral inspiriert." An der Uni lehrt Tedeschi einen Kapitalismus mit "menschlichem Antlitz".

Armut ist für den neuen vatikanischen Bankchef eine Folge von Geburtenrückgang. Kinderreiche Familien sind seiner Ansicht nach "der Motor für wirtschaftliche Entwicklung". Tedeschi selbst ist Vater von fünf Kindern, die "alle von einer einzigen Frau" stammen, und bekannte: "Gott ist immer präsent, bei allem, was ich tue." Er sei "zu 100 Prozent Bankier, aber auch zu 100 Prozent Katholik."Laut italienischen Medienberichten ist Tedeschi der erzkonservativen katholischen Vereinigung Opus Dei eng verbunden. Der neue päpstliche Bankenboss ist allerdings kein Geheimniskrämer. Er mag öffentliche Diskussionen, und in seinen Kommentaren für seine Vatikanzeitung "L Osservatore Romano" vertritt er offen seine Meinung.

Der letzte Papst, der die Vatikanbank reformieren wollte, lebte keine 24 Stunden mehr

... Fortsetzung lesen. » Registrieren Sie sich jetzt oder erwerben Sie das Leserecht! «

 



Um diese GoMoPa® - Meldung vollständig lesen zu können, müssen Sie mindestens registriertes GoMoPa® Mitglied sein. Jetzt registrieren.


Sollten Sie bereits registriert sein, loggen Sie sich bitte jetzt ein:

Benutzername:
Zugangsdaten vergessen?
Passwort:
Registrieren?



Ab sofort können Sie unsere Pressemeldungen auch via Einzelabruf kostenpflichtig erwerben. Holen Sie sich unsere Pressemeldung - Jetzt kaufen!

 

Beiträge zum Thema
» Vatikanbank
» Der Vatikan: irdische Güter und scheinheilige Geschäfte
» IOR-Vatikanbank-Darlehen-Finanzierung
» Unheilige Geschäfte des Vatikan
» Bankgarantie
» Kredite ab 1 Million, 15 Prozent Provision nach Auszahlung
» Trading über Schweiz
» Offshorefirma, Bank, Ungewissheit
» Senden Sie Papst Benedikt XVI. doch eine E-Mail in den Vatikan

Kategorien
» Kapitalbeschaffung
» Kommentare & Meinungen
» Kapital & Kreditangebote
» Aktien Fonds & Wertpapiere
» Firmengründung und Offshore

 

Stichwörter zum Thema

» Bank Religion Steuern Schwarzgeld 

Nachdruck, Aufnahme in Onlinedienste sowie Internet und Vervielfältigungen auf Datenträger wie CD-ROM, DVD-ROM etc. nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung durch GoMoPa®. Nutzungsrechte sind ganz oder teilweise zu erwerben. © Goldman Morgenstern & Partners Consulting LLC

 



Werden Sie GoMoPa® - Mitglied


Es liegen 2 Kommentare zu dieser Pressemitteilung vor.

#4 - Kommentar von Nino K. am 30.10.2009 11:47
Solche Artikel schreibt nur Gomopa! Ich lese hier immer wieder gern und finde es klasse welchen Themen ihr euch annehmt! Mach weiter so, bitte,bitte!

#5 - Kommentar von Corinna Milborn am 30.12.2009 12:47
Die dunklen Geschäfte des Vatikan: Buch enthüllt Finanznetzwerk für Geldwäsche

Vatikanbank führte geheime Konten für die Mafia

Spitzenpolitiker Andreotti tief in Skandal verwickelt


Der Vatikan als Drehscheibe für Mafiagelder, Schmiergeldzahlungen und Steuerhinterziehung: Eine nun veröffentlichte Sammlung von 5.000 Dokumenten aus dem Inneren der Vatikanbank ist eine politische Bombe.

Ende dieser Woche tritt, erzählen gut informierte Vatikan-Journalisten, in einer hochvertraulichen Sitzung im Inneren des Vatikans die versammelte Spitze der Weißen Finanz zusammen. Eine ganze Reihe von Kardinälen, der Präsident und der innerste Kreis der Vatikanfinanzen schreiten zur Krisensitzung. Thema des geheimnisvollen Meetings: Seit zwei Monaten untersucht eine Kardinalskommission die dunklen Seiten der Weißen Finanz. Ziel: die Ablöse des lang gedienten Präsidenten der Vatikanbank Angelo Caloia vorzubereiten.

Brisante Dokumentensammlung

Hinter der hochnotpeinlichen Zusammenkunft stehen jüngst veröffentlichte Finanzskandale des Vatikans aus den 1990erJahren, die an Brisanz jeden verschwörungstheoretischen Roman schlagen. Die Zutaten der Skandalsaga sind korrupte Politiker, die Mafia, Kardinäle, das Opus Dei und mindestens 275 Millionen Euro an Mafia- und Schmiergeldern, die in den 1990er-Jahren durch Nummernkonten der Vatikanbank geschleust wurden. Offiziell waren diese Konten auf wohltätige Stiftungen gemeldet. Aufgedeckt hat den Sumpf niemand Geringerer als jener Mann, der seit den großen Finanzskandalen der 1980er-Jahre in der Vatikanbank aufräumen sollte: Monsignore Renato Dardozzi, Mitglied des innersten Kreises der vatikanischen Hochfinanz, hat über die Jahre ein geheimes Archiv von fast 5.000 Dokumenten angelegt und Stück für Stück in die Schweiz geschmuggelt ? Akten des vatikanischen Staatssekretariats und Papiere der Vatikanbank, die Istituto per le Opere di Religione (IOR), also Institut für religiöse Werke, heißt. Die Dokumente zeugen allerdings kaum von christlicher Ethik: Sie beweisen Geldwäsche im Dienste der Mafia, die Blockade von Korruptionsermittlungen, Schmiergeldaffären und geheime Nummernkonten, die etwa das Geld von Ex-Staatspräsident Giulio Andreotti enthielten.

Bestseller "Vaticano S.p.A."

Dardozzi schwieg als getreuer Kirchenmann zeit seines ­Lebens über die skandalösen Vorgänge. Doch in seinem Tes­tament verfügte er, sein geheimes Archiv solle nach seinem Tod veröffentlicht werden. 2007 wandten sich die Testamentsvollstrecker an den prominenten italienischen Journalisten ­Gianluigi Nuzzi. Nuzzi fuhr in die Schweiz und nahm im ­Keller eines entlegenen Bauernhofes zwei Samsonite-Koffer voller Dokumente in Empfang (Interview). Nun hat er sie ins Internet gestellt und nach intensiven Nach-Recherchen ein Buch dazu veröffentlicht: ?Vaticano S.p.A.? kam im Mai in Italien auf den Markt und hat seither bereits 160.000 Exemplare verkauft. ?Wären diese Dokumente damals öffentlich geworden, wäre ich nie zurückgetreten ? und die Geschichte Italiens hätte anders ausgesehen?, kommentiert es Antonio Di Pietro, der Staatsanwalt der Anti-Korruptions-Ermittlungen ?Mani Pulite? in den 1990er-Jahren, heute wesentlicher Oppositionspolitiker gegen Silvio Berlusconi. Denn die Dokumente enthalten nicht nur eine Bombe ? sondern eine ganze Reihe davon.

Marcinkus am Beginn

Die Geschichte der Skandale beginnt vor den 1990ern mit den gerichtsnotorischen, aber immer noch nicht ganz aufgeklärten Vorgängen rund um den berüchtigten ?Banker Gottes? Paul Casimir Marcinkus. Der Amerikaner, aufgewachsen in Chicago und nach der Priesterweihe schnell in der Hierarchie des Vatikans aufgestiegen, trat Ende der 1960er-Jahre in einem heiklen Moment auf den Plan der Vatikanfinanzen: Nach dem Tod von Johannes XXIII. brachen die Spenden ein. Zugleich hob Italien die Steuerfreiheit auf, die Mussolini der Kirche gewährt hatte. Der neue Papst Paul VI. beschließt, so viel Geld wie möglich ins Ausland zu schleusen, und betraut damit zwei Personen: Marcinkus und den sizilianischen Banker Michele Sindona. Aus der Zusammenarbeit entwickelt sich der größte Finanz- und Politskandal, den die Kirche bisher erlebt hat.

Johannes Paul II stützt das Trio Infernale

Marcinkus steigt 1971 zum Präsidenten der Vatikanbank auf, die Zusammenarbeit mit Sindona bleibt, dazu kommt der Banker Roberto Calvi, Chef der Banco Ambrosiano. Das Trio infernale baut dank des Bankgeheimnisses der Vatikanbank ein undurchsichtiges Finanznetzwerk auf, über das schmutziges Geld geschleust wird und das ein verzweigtes Netz an Beteiligungen erwirbt. Als 1978 Paul VI. stirbt, will der neue Papst ? Johannes Paul I. ? Marcinkus entmachten, wobei ihm gelegen kommt, dass dieser (wie sein Sekretär Donato De Bonis, von dem noch die Rede sein wird) als Freimaurer enttarnt wird. Darauf steht seit dem 18. Jahrhundert die Exkommunikation. Doch Johannes Paul I. stirbt am Tag nach dieser Entscheidung, 33 Tage nach seinem Amtsantritt. Offizielle Todesursache: Herzinfarkt. Sein polnischer Nachfolger Johannes Paul II. stärkt Marcinkus, Sindona und Calvi wieder den Rücken. Angeblicher Grund: Die drei helfen dem Papst, Gelder für Osteuropa zu besorgen ? darunter bis zu 100 Millionen Dollar an die polnische Solidarnoscz.

Marcinkus überlebt als einziger

Das Trio arbeitet weiter, bis die ­Bombe platzt: Sindona lässt durch die Cosa Nostra einen Anwalt ermorden und verschuldet den Crash der Franklin Bank in den USA. 1980 wird er dort zu 25 Jahren Haft verurteilt. 1982 geht Calvis Banco Ambrosiano bankrott und zieht eine ganze Reihe Banken mit in den Abgrund. Calvi flieht nach London und wird erhängt unter der Brücke der Schwarzen Mönche gefunden: ermordet von der Mafia, wie die Staats­anwaltschaft meint. Sindona überlebt den Skandal ebenfalls nicht: Er stirbt kurz nach seiner Überstellung nach Italien im Gefängnis an einer Tasse vergiftetem Kaffee. Nur Marcinkus, der Präsident der Vatikanbank, geht unbeschadet durch den Skandal. Das IOR gibt zwar keine Schuld zu, zahlt aber freiwillig 240 Millionen Dollar an die geschädigten Banken. Die italienische Justiz stellt 1987 einen Haftbefehl gegen Marcinkus aus ? doch der Vatikan liefert ihn nicht aus, er bleibt im Amt. Erst 1990 folgt ihm der lombardische Banker Angelo Caloia, bis heute Präsident der Vatikanbank IOR. Caloia gilt als integrer Banker ohne jegliches Verständnis für kriminelle Machenschaften. Deshalb glaubte man bis jetzt, dass mit seinem Amtsantritt die Ära der Skandale in der Weißen Finanz zu Ende sei und nun gründlich aufgeräumt würde. ­Einer der Männer, die dafür sorgen sollten, war Monsignore Renato Dardozzi.

Die Geldwäsche geht weiter

Doch dessen Archiv, das er nun posthum der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt, zeigt detailliert, festgehalten in Tausenden Konto­auszügen, Briefen und Dokumenten: Der ?Banker Gottes? betrieb das Geschäft mit dem schmutzigen Geld unvermindert weiter. Auch nach dem Abgang von Marcinkus blieb sein System aufrecht ? nur nicht in den offiziellen Konten des IOR. Zwar änderte Johannes Paul II. die Statuten, doch weiterhin war es Privatpersonen möglich, bei der Vatikanbank IOR ein Konto zu eröffnen ? unter der Bedingung, dass ein Teil des Geldes für wohltätige Zwecke gewidmet wurde. Zusätzlich entstand im Vatikan in den 1990er-Jahren eine parallele Offshore-Finanzstruktur, über die Schmiergelder, Steuerhinterziehung und Mafiazahlungen abgewickelt wurden. Allein in den Jahren 1991 bis 1993 liefen über die geheimen Konten, die auf Nummerncodes, Decknamen und wohltätige Stiftungen lauteten, 276 Millionen Euro.

Zentralfigur De Bonis

Die zentrale Person hinter dieser parallelen Vatikanbank heißt Donato De Bonis. Der persönliche Sekretär von Paul Casimir Marcinkus, dem Skandalbanker Gottes, bekam trotz der eben überstandenen Wirren einen Posten, den es eigentlich nicht mehr gab: Er wurde Prälat der Vatikanbank und somit die Nummer zwei des Instituts. Hinter dem Rücken des neuen Präsidenten Caloia und wohl in Zusammenarbeit mit dem abgesetzten Marcinkus, der bis 1997 vor der Justiz geschützt hinter den Mauern des Vatikans lebte, eröffnete er beim IOR ein Konto nach dem anderen. Der Anblick des Prälaten, der wöchentlich dicke Koffer mit Bündeln von 100.000-Lire-Scheinen in die Bank schleppte, wurde zur Normalität im wehrhaften Turm Nikolaus V., in dem die Bank ihren Sitz hat.

Die Mega-Schmiergeldaffäre

Die Vatikanbank spielte ? das zeigt nun erstmals Dardozzis Archiv in allen Einzelheiten ? eine zentrale Rolle in der gigantischen Schmiergeldaffäre, die in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre Italien erschütterte und unter dem Namen ?Tangentopoli? in die Annalen einging. Der Begriff steht für das gewaltige System von Korruption, Amtsmissbrauch und illegaler Parteifinanzierung, das der Staats­anwalt Antonio Di Pietro in der Operation ?Mani ­Pulite? (?saubere Hände?) aufdeckte. Die ­Affäre betraf Politiker in ganz Italien und führte zu einem politischen Erdbeben: 3.200 Prozesse wurden geführt, 1.250 Personen verurteilt, mehrere nationale Politiker gerichtlich belangt. Die Folge war der Zusammenbruch der alten Parteienlandschaft und ein neues Wahlrechtsgesetz.

Vatikan blockiert Ermittlungen

Der wichtigste Fall waren die Bestechungsgelder aus dem Unternehmen Enimont, von dem aus ? für die Genehmigung einer Teilung des Unternehmens ? an praktisch alle Politiker des Landes Schmiergeld floss. Es wurde nicht in Koffern übergeben, sondern lief über ein kompliziertes Netzwerk von Banken. An einer davon bissen sich die Ermittler die Zähne aus: der Vatikanbank. Nun zeigt das Archiv Dardozzis, was dort hinter den Kulissen lief. Der immer noch amtierende Präsident der Vatikanbank, Angelo Caloia, wusste durchaus Bescheid, und zwar noch bevor die Ermittler auftauchten: ?Sie sind dabei, uns in die Zange zu nehmen. Befreundete Quellen in der Finanzpolizei haben mich gewarnt?, schreibt er in einer Memo. Doch der Vatikan gibt halbe Antworten und legt seine Konten nicht offen. Die Schmiergelder werden über ein kompliziertes System wohltätiger Stiftungen weißgewaschen. Der polnische Papst, von Caloia in Kenntnis gesetzt, schützt den Prälaten der Bank, Donato De Bonis. Der Vatikan beschließt zu ­schweigen.

Andreotti: Codename ?Omissis?

Der Grund für diese Vorsicht dürfte ein weiterer Politiker sein, der seine Gelder über das IOR verwaltete: Es handelt sich um Giulio Andreotti, seit 30 Jahren der konservative Spitzenpolitiker, mit besten Beziehungen zur Kirche ? und mit zu guten Beziehungen zur Mafia, was ihn wiederholt ins Visier der Justiz brachte. Zur Zeit der Ermittlungen von ?Mani Pulite? trat Andreotti zur Wahl für das Amt des Staatspräsidenten an. Der Vatikan hatte größtes Interesse an seinem Sieg und keines an der Aufdeckung seiner geheimen Konten. Für Andreotti ? Code­name in der Vatikanbank: ?Omissis? ? legte De Bonis gleich eine ganze Reihe davon an. Eines davon war die ?Stiftung Spellmann?. Nun ist das Gründungsdokument dieser angeblich wohltätigen Stiftung im Archiv Dardozzis aufgetaucht. ?Zeichnungsberechtigt: Donato De Bonis und Giulio Andre­otti?, steht dort. Umgerechnet 60 Millionen Euro sollen über die geheimen Konten ­Andreottis bei der Parallelstruktur der ­Vatikanbank geflossen sein, recherchierte Nuzzi. Als er den Ex-Präsidenten darauf ansprach und ihm die Dokumente zeigte, meinte der schlicht: ?Ich kann mich nicht erinnern, jemals ein ­Konto beim IOR besessen zu haben.?

Die unheilige Allianz mit der Mafia

Die Vatikanbank erwarb sich so einen guten Ruf als Hafen für schmutziges Geld: Sie gehört dem Papst, unterliegt keinen Regulierungen, die Einlagen sind steuerfrei. Der Vatikan hat auch nie ein Geldwäscheabkommen unterzeichnet. Kein Wunder also, dass auch die Mafia das IOR weiterhin nutzte. Dass dies noch weit über die Ära von De Bonis ? der 1994 abgesetzt wurde ? hinausging, zeigen nun die Aussagen eines Kronzeugen: Der Sohn des ehemaligen Bürgermeisters von Palermo, Mafiaboss Vito Cianciminio, begleitete seinen Vater bei dessen Gängen ins IOR. Nun sagte er aus, dass die Schmiergeldzahlungen, die sein Vater für öffentliche Aufträge in Palermo kassierte, sämtlich in der Vatikanbank gebunkert wurden. Von diesen Konten, so Massimo Ciancimino, gingen zeitweise 20 Prozent der Eingänge an den ?capo dei capi? Toto Riina. Die letzte Transaktion auf ein Konto der Vatikanbank, sagt der Kronzeuge, ist nun gerade einmal zwei Jahre her.

Papst räumt auf

Der Vatikan hat zu den Enthüllungen des ehemaligen Beraters seines Staatssekretariats bisher eisern geschwiegen. Doch hinter den Kulissen brodelt es: Papst Benedikt XVI. nimmt die Gelegenheit sogar gerne wahr, mit der alten Riege der Vatikanfinanz aufzuräumen. In seiner Enzyklika ?Caritas in Veritate? hat der Papst ? wohl inspiriert durch die Finanzkrise ? zu Transparenz auf den Finanzmärkten aufgerufen. Nun muss er beweisen, dass er in seiner eigenen Bank dazu imstande ist. Erstes Opfer wird jener Mann sein, der schon 1990 mit dem Vorsatz der Transparenz angetreten ist: Der Präsident der Vatikanbank, Angelo Caloia, wird wohl vorzeitig abgelöst.



Kommentar hinterlassen
 
Name:
E-Mail Adresse:
Kommentar:
Sicherheitscode:


 

» Caracta Finanzstrategien GmbH: Die Bankgarantie za ...   26.05.2017

» Leitberg AG: Pflegeheim-Monopoly a la Baxter und A ...   25.05.2017

» POC Restart: Öl & Gas - Turbulenzen   23.05.2017

» EN Storage GmbH: Nun auch Finanzchef Lutz Beier in ...   21.05.2017

» Manhattan Investment Fund Ltd.: Banker Michael Ber ...   18.05.2017

» Weitere Pressemeldungen (Archiv)




Werden Sie GoMoPa® - Mitglied
GoMoPa bei Facebook
Stimmen zu GoMoPa®
"...eine Datenbank, die ich nicht mehr missen möchte..."
» weitere Test - Stimmen

"...und wurde schon vor mancher Dummheit bewahrt..."
» weitere User - Stimmen

"...gomopa.net enthielt Mitte Oktober mehrere hundert (!) Beiträge von interessierten Privatpersonen sowie Finanzierungs- und Anlageberatern zum Thema..."
» weitere Presse - Stimmen

"...empfangen wir inzwischen täglich qualifizierte und werthaltige Anfragen..."
» weitere Werbepartner - Stimmen
Meinungen
"...der beste Weg, detaillierte Informationen einem großen Publikum schnell zugänglich zu machen..."
Kanzlei Balthasar

"...als Werbepartner hat man bei Gomopa die Möglichkeit, sich vom sogenannten Grauen Markt abzuheben..."
Jörg Petersen, jp - invest

» weitere Stimmen