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30.10.2009
Inkasso: Mahnschüsse ins Blaue

Der Inkassodienstleister mr. nexnet aus Berlin-Tegel verschickt dieser Tage Massen-Mahnbriefe ins Blaue. Telefonkunden sollen zwischen 1,19 und 2,49 Euro plus 4 Euro Mahngebühr innerhalb von vier Tagen überweisen, oder man bekäme einen teuren Inkassobrief.

Wofür das Geld eigentlich gezahlt werden soll, müssen die Briefeempfänger allerdings selbst herausfinden. Denn nexnet weiß es nicht. Wahllos zählt nexnet Telefonanbieter wie die Telekom oder Arcor auf. Irgendein Anbieter werde schon passen. Am Ende sei halt noch ein offener Posten übrig, den man nun dem Service-Nummern-Anbieter dtms aus Mainz schulde. Es könnte sich dabei um ein "Call-by-call-" oder ein "Mehrwertdienst-Gespräch" handeln, schlägt nexnet vor.

Der Finanznachrichtendienst GoMoPa.net wollte es genau wissen, was hinter den unkonkreten Mahnbriefen steckt und rief beim Auftraggeber von nexnet, der dtms (Deutsche Telefon- und Marketing Services GmbH) in Mainz, an. Ein dtms-Mitarbeiter erklärt die Sache gegenüber GoMoPa so: "Ja, die Firma Nexnet arbeitet für uns. Allerdings ist sie nicht unser Inkasso, denn wir haben ein eigenes Inkasso, nämlich unsere Schwester-Firma Netrada-Collection in Hamburg. Nexnet ist unser Clearinghouse und soll unsere Forderungen bei den Kunden klären. Legen die Kunden Widerspruch gegenüber nexnet ein, dann verfolgen wir die Forderung nicht selbst weiter, sondern verkaufen die Forderung an nexnet. Zahlen die Kunden nicht und legen keinen Widerspruch ein, schalten wir unser Inkasso Netrada ein.?

GoMoPa: Wenn Sie die Forderung erst mal klären wollen, heißt das doch, dass Sie selbst gar nicht wissen, wofür die 2,49 Euro überhaupt zu zahlen sind?

Der dtms-Mitarbeiter: "Viele Kunden haben bei ihren Anbietern beantragt, die Daten löschen zu lassen. Das ist auch geschehen. Nun haben die Telefonkunden aber kostenpflichtige Service-Hotlines von Drittanbietern benutzt. Für diese Drittanbieter stellen wir Hotlines zur Verfügung. Es gibt leider viele unbezahlte Hotline-Gespräche, die wir zuordnen müssen.

Viele Telefonkunden behaupten, sie hätten nie eine Sonderrufnummer gewählt. Auf Nachfragen, ob sie in der fraglichen Zeit umgezogen sind oder ein wichtiges Paket erwartet haben, stellt sich in 99 Prozent der Fälle heraus, dass die Kunden, doch die GEZ oder die Paketauskunft der Post angerufen haben. Das versuchen wir zu klären, bevor wir unser Inkassobüro beauftragen, ein teures Mahnverfahren einzuleiten. Die Kunden können auf der Internetseite von nexnet selbst prüfen, welche Daten über sie bei uns vorliegen. Sie brauchen dazu nur ihre Kundennummer eingeben, die ihnen nexnet mitgeteilt hat."

Starkstromelektriker Horst Schmitt (28) aus Berlin-Pankow hat am 26. Oktober 2009 so ein Klärungsschreiben von nexnet bekommen. Allerdings war da von Klärung keine Rede. Das Schreiben war mit "Mahnung wegen Telefongebühren? überschrieben. 6,49 Euro soll er auf das Commerzbankkonto der nexnet überweisen.

Schmitt zu GoMoPa: "Ich habe nie zuvor eine Rechnung erhalten. Ich bin weder bei der Telekom noch bei Arcor noch bei einer Firma, die nexnet auf ihrer Internetseite angibt. Ich bin auch nicht umgezogen und habe auch nicht nach einem Paket nachgefragt. Ich wähle keine Sonderrufnummern an.?

Und die Überprüfung der bei dtms gespeicherten Daten auf der nexnet-Internetseite hält Schmitt für eine Falle.

Schmitt: "Mit der Eingabe der von nexnet erfundenen Kundennummer erkläre ich zugleich, Inhaber des Anschlusses zu sein, der unter der Buchungskontonummer bzw. der Kundennummer geführt wird. Damit würde ich also die Rechtmäßigkeit der Forderung zugeben.?

Der dtms-Mitarbeiter versucht zu beruhigen: "Nein, es soll doch nur verhindert werden, dass ein Unbefugter die gespeicherten Daten aufruft. Wenn das nämlich einer täte, der gar nicht der Telefonanschlussinhaber ist, dann würde er sich strafbar machen.?

Schmitt: "Ich schreibe der nexnet, dass ich der Forderung widerspreche.?

Der dtms-Mitarbeiter: "Dann überlassen wir die Forderung der nexnet. Sie wird dann wahrscheinlich die Forderung über ihre eigenen Inkassoanwälte Bussek & Mengede weiterverfolgen. Wir sind dann raus.?

Aber warum behält dtms die Kunden, die nicht widersprechen, selbst und gibt die Widerspenstigen an ein fremdes Inkasso ab?

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Es liegen 2 Kommentare zu dieser Pressemitteilung vor.

#4 - Kommentar von sudabeh (thehellion) am 30.10.2009 21:38
Klasse Beitrag !

#5 - Kommentar von megapearl am 09.12.2009 22:46
Tja, der Mahnbrief wurde bei mir ausgelassen und man ist gleich die Inkassoschiene gefahren. Der Rechtsanwaltskammer Berlin sind die Herren Bussek & Mengede bereits bekannt. Eine Schande.


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