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18.12.2009
HSH Nordbank: Bürgschaften für Schiffe wertlos?

Dick verbandelt: HSH Nordbank<br /> und Sparkassen©HSH Nordbank AG
Dick verbandelt: HSH Nordbank
und Sparkassen©HSH Nordbank AG
In einem Brief an den Finanznachrichtendienst GoMoPa.net erhob ein Bankdirektor a. D. schwere Vorwürfe gegen die HSH Nordbank aus Hamburg und Kiel.

Sie soll Schiffs-Fonds zur Bereinigung ihrer Bilanzen mit falschen Versprechen von angeblich hundertprozentig sicheren Anlagen an kleine Sparkassenkunden vertrieben haben.
Sie soll weiter ohne Genehmigung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Millionenkreditgeschäfte eingefädelt haben, die die Bank an den Rand der Insolvenz brachte.
Sie soll hinter dem Rücken des Aufsichtsrats die Zweckgesellschaft Omega Capital gegründet haben, die einen Verlust von einer halben Milliarde Euro bescherte.
Und jetzt soll das Schiffs-Fonds-Emissionshaus HCI Capital (Hanseatische Capitalberatungsgesellschaft), in deren Prospekten (über deren Tochter HSC) die HSH Nordbank bürgt, auch noch durch Enthaftung gegenüber den Kunden vor einer drohenden Pleite gerettet werden. Gläubiger sei die HSH Nordbank.

Der Pressesprecher der HSH Nordbank AG, Christian Buchholz, schickte GoMoPa folgende Stellungnahme:

Im Folgenden finden Sie Richtigstellungen zu Ihrem Bericht über die HSH Nordbank:

Zitat:


Die Vorwürfe entbehren jeglicher Grundlage.

Wir sind kein Initiator von KG-Modellen und legen somit auch keine Schiffsfonds auf. Zudem haben wir keinen Einfluss auf Sparkassenkunden. Mit Kunden der Sparkassen stehen wir nicht im Kontakt. Dies wäre ausschließlich Vermittlungsgeschäft der einzelnen Kreditinstitute. Die ansatzweise beschriebenen Produkte können nicht aus dem Fundus der HSH Nordbank stammen.

Wir konzipieren die Fonds nicht.


Kommentar des Bankdirektors a. D.: Die Realität sehe anders aus.

Convent Der Bankdirektor a. D. schickte GoMoPa einen Schiffs-Verkaufs-Prospekt, in welchem die HSH Nordbank eine hundertprozentige Garantie für die Anleger übernimmt.

Die HSH Nordbank teilt in dem Fonds-Prospekt mit:

Zitat:


Hiermit garantiert die Bank zum Stichtag die Rückzahlung von 100 Prozent der von den Anlegern anfänglich eingezahlten Einlagen (ohne Agio).


Der Fonds begann im November 2008 und endet im Jahre 2025. Vorausgesagt wird eine Gesamtrendite von 225 Prozent, Ausschüttung jährlich fünf Prozent. Das Eigenkapital-Fondsvolumen beträgt 40 Millionen Euro.

Der Banker a. D. sieht sehr wohl einen Zusammenhang zwischen HSH Nordbank und Schiffsfonds und kommentiert die Zurückweisung seiner Vorwürfe durch die HSH Nordbank so:

Zitat:


Die Behauptung, die HSH Nordbank habe mit den Schiffsbeteiligungen nichts zu tun, ist nur bei rein formaljuristischer Betrachtungsweise richtig, in der Realität muss das anders betrachtet werden.

Emittiert werden die Beteiligungen von der HSC GmbH. Diese ist zu 100 Prozent eine Tochter der HCI Kapital AG, die mit 37 Prozent Streubesitz börseneingeführt ist und ansonsten zu circa 22 Prozent der Döhle Gruppe Hamburg (Peter Döhle Schiffahrts KG) und zu circa 41 Prozent der MPC Capital AG gehört.

Die Döhle Gruppe ist eine international tätige Reederei aus über 100 konzernabhängigen Gesellschaften weltweit, die MPC bezeichnet sich selbst als Emmissionshaus im Assetmanagement. So weit so gut.

Bei der Verwaltung der Anlage, die dem Finanzderivat angehört, tritt als Bank ebenso die HSH Nordbank auf. Die HSH verbirgt solche Fonds, so beispielsweise beim HSC Shipping Protect II und III, wie sich aus dem Emissionsflyer der HSC ergibt. Mit diesem Auftreten auch nach außen macht sich die HSH das Projekt insofern zu eigen, als sie nicht nur für Risiken einsteht, sondern auch als Bürge öffentlich für die Bonität des Vorhabens einsteht, einer Veröffentlichung jedenfalls nicht widersprochen hat.


GoMoPa fragte den Banker a. D.: Warum ist die 100prozentige Bürgschaft für die Fonds durch die HSH Nordbank faul?

Der Bankdirektor a. D. schrieb dazu an GoMoPa:

Die HCI ist, flapsig gesagt, nahezu pleite.

Aus einer Ad-hoc-Mitteilung von HCI vom 28. August 2009 ergibt sich, dass das Unternehmen durch eine ?mehrstufige Umsetzung von Enthaftungs- und Kapitalmaßnahmen? gerettet werden soll. Dies sei mit den Hauptgläubigern abgesprochen.

Hauptgläubiger sind die Commerzbank und ? wen wunderts ? die HSH Nordbank!

Folgende Maßnahmen sind geplant:

Enthaftung von allen wesentlichen, gegenüber Banken bestehenden Eventualverbindlichkeiten. Von Bankdeutsch auf Normaldeutsch übersetzt, heißt das: HCI hat Bürgschaften oder ähnliche Verpflichtungen gegenüber den Hausbanken, also auch der HSH für Risiken aus ihren Projekten übernommen, die Banken verzichten nun auf diese Absicherung und tragen die Risiken allein. Dies soll bis 28. Februar 2010 vereinbart werden. Bis 30.06.2013 sind schon jetzt fällige und noch fällig werdende Beträge gestundet.


Wenn die Banken verzichten, werden die Gesellschafter Döhle Gruppe und MPC 22 Millionen Euro einlegen. Wenn die Mehrheitseigentümer eines Schuldners die Bank dazu zwingen können, auf Sicherheiten zu verzichten, muss die Not der Bank schon sehr groß sein.

12,5 Millonen Euro werden auf Besserungsschein geregelt. Was heißt das nun wieder? Das heißt, die Bank verzichtet auf Zins, Tilgung, oft auch auf das Kapital unter der Bedingung, dass sie ihr Geld verlangen kann, wenn es dem Schuldner wieder besser gehen sollte.

Fällige Forderungen von 36 Millionen Euro werden bis 30. September 2010 einschließlich der Zinsen gestundet, das Unternehmen muss also nicht einmal mehr Zinsen bezahlen. Dies zur Aufrechterhaltung der Liquidität. Das heißt: kommt das Abkommen nicht zu Stande, droht der Gang zum Konkursrichter. Hauptgläubigerin: die HSH, wer sonst!

Die massivste Maßnahme wird aber ganz elegant kaschiert. Es heißt: Es ist angedacht, die gestundeten Verbindlichkeiten in Eigenkapital oder alternativ in eine langfristige Finanzierung umzuwandeln. Das heißt? Umwandlung von Krediten in Eigenkapital ist eine Notmaßnahme, die man vor allem dann verwendet, wenn dem Schuldner nicht nur Illiquidität sondern außerdem der Konkurs wegen Überschuldung droht. Die Bank verzichtet auf ihren Kredit und die Zinsen, gibt die Sicherheiten frei und ist ab sofort Anteilseigner des bisherigen Kreditnehmers, kauft sich also den Kunden um den Preis des Verzichts auf die Rückzahlung der Kredite.

Wenn die HSH Nordbank unter diesen Umständen behauptet, sie habe mit ihrem Emittenten nichts zu tun, ist das alles Andere als glaubwürdig, es ist eine formale Rechtsposition, für die der Begriff Umgehung wohl nicht weit hergeholt ist.

GoMoPa entnahm aus verschiedenenen Pressemitteilungen und aus den letzten Bilanzveröffentlichungen folgende Fakten:



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