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16.03.2010
Die Porno-Abmahnung als Joe-Job

Convent Für das illegale Tauschen seiner Pornofilme im Internet fordert der Essener Filmträger-Vertrieb Videorama GmbH (40 Millionen Euro Jahresumsatz, Exklusivrechte an Gina Wild) von jedem Erwischten 650 Euro Schadenersatz.

"Wir verschicken ein bis zwei Mal im Monat eine Abmahnung", sagt der Vertriebsleiter von Videorama dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net. "Das erledigt für uns die Anwaltskanzlei U + C Rechtsanwälte aus Regensburg in Bayern, die auch das Internet für uns regelmäßig überwacht. Doch mit der Abmahnwelle, die eine so genannte Rechtsanwaltskanzlei Knil und Partner in unserem Namen verschickt, haben wir nichts zu tun. Das sind Fälschungen."

Convent Mit freundlichen Grüßen verschickt seit drei Wochen eine "Kanzlei Knil - KUW Rechtsanwälte und Partner - Thomas Urmann - Christopher Lihl" aus Regensburg zumeist in Deutschland, aber auch in Österreich, der Schweiz, in Belgien und den Niederlanden E-Mail-Abmahnungen an ausgesuchte Firmen.

100 Euro oder Strafverfahren

Die Rechtsanwälte fordern die zumeist männlichen Firmenmitarbeiter auf: Sie haben während der Arbeitszeit illegal Pornos und Musik heruntergeladen. Ein Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft Essen ist eingeleitet. Wir gestatten Ihnen jedoch, den Schadensersatzanspruch unserer Mandantin, der Videorama GmbH, in Höhe von 100 Euro anonym zu bezahlen. Dann lassen wir das Ermittlungsverfahren einstellen und schicken auch keinen Brief an Ihre Firma.

Zur Zahlung der 100 Euro sollten sich die Angeschriebenen an der Tankstelle oder am Kiosk oder im Internet eine anonyme paysafecard kaufen und dann den 16-stelligen Geheimcode per E-Mail an die Kanzlei schicken. Offenbar rechneten die Anwälte damit, dass die Angestellten aus Angst vor Entlassung auch zahlen würden, obwohl sie gar nicht auf einer illegalen Sex-Tauschbörse (P2P) gewesen waren. Viele erstatten jedoch sofort Anzeige.

Oberstaatsanwalt Wilhelm Kassenböhmer<br /> © Staatsanwaltschafte Essen, NRW
Oberstaatsanwalt Wilhelm Kassenböhmer
© Staatsanwaltschafte Essen, NRW
Der Essener Oberstaatsanwalt Wilhelm Kassenböhmer bestätigte heute dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net: "Ja wir haben zahlreiche Anzeigen bekommen. Aber einen Täter haben wir noch nicht ermitteln können."

Die Anwaltskanzlei UWG aus Regensburg gibt es seit dem 1. Juli 2008 nicht mehr. Die bei den Abmahn-E-Mails angegebene Internetadresse der Kanzlei www.kanzlei-knil.de wird von einem polnischen Provider ins Netz gestellt. Der verantwortliche Administrator ist ein Krzysztof Wojteczko von der Firma prot - Profesjonalne Technologie aus Lublin.

Als Inhaber der Kanzlei-Seite ist ein Steven Inger aus der Neuen ABC-Straße 2 in Hamburg eingetragen. GoMoPa.net rief die angebene Telefonnummer von Steven Inger an. Am anderen Ende meldete sich allerdings ein freundlicher, aber mittlerweile ziemlich genervter Mitarbeiter vom Tiefkühlfachgroßhandel Reinhold Bruck GmbH & Co. KG in Hamburg-Bahrenfeld: "Hier gibt es keinen Steven Inger. Wir haben mit der Pornoseite Videorama nichts zu tun und sind auch keine Rechtsanwaltskanzlei. Da hat wohl jemand unsere Telefonnummer missbraucht."

Kripo Regensburg: Es geht nicht um Bereicherung, es geht um Rufschädigung

Am Sitz der fiktiven Kanzlei Knil und Partner in Regensburg hat die Kripo die Ermittlungen aufgenommen. Nach Kripo-Erkenntnissen handelt es sich um einen Joe-Job auf die Abmahn-Kanzlei U + C Rechtsanwälte. Als Joe-Job bezeichnet man laut Wikipedia E-Mails mit gefälschtem Absender, die auf eine Person oder Institution verweisen, die damit diskreditiert werden soll. Der Pressesprecher vom Polizeipräsidium Oberpfalz mit Sitz in Regensburg, Thomas Plößl, sagte gegenüber GoMoPa.net:

Zitat:


Die Kriminalpolizei Regensburg hat 100 Vorgänge aufgenommen, bearbeitet und der Staatsanwaltschaft Regensburg übergeben. Die meisten E-Mails, fast 99 Prozent, sind in Deutschland gelaufen. Wir würden sie nicht eindeutig als Spam-E-Mails einordnen. Die Intention des Verfassers war nicht, sich zu bereichern. Die Zielrichtung lag eher darin, den Ruf der echten Kanzlei U + C Rechtsanwälte aus Regensburg zu schädigen.

Bei den 100 Vorgängen waren Leute dabei, die die E-Mail angeklickt hatten und sich sagten: Da falle ich nicht drauf herein. Sie leiteten die E-Mail an die Polizei weiter und baten um Prüfung und eine strafrechtliche Bewertung.

Ich erinnere mich an einen Fall, da lautete der E-Mail-Text in etwa so: Sie sind auf Kinderpornographie-Seiten gewesen. Zahlen Sie 100 Euro, dann wird es keine Anzeige gegen Sie geben.

Nach Überprüfung aller Vorgänge kommen wir im Moment zu dem Ergebnis, dass es keinen Betrug und auch keinen Schaden gibt. Die Zahlung hätte gar nicht funktionieren können. Das angebene Konto bei der Sparkasse Regensburg gibt es nicht. Allerdings haben wir Anzeigen wegen des Verdachts eines Vergehens nach dem Urheberrechtsgesetz geschrieben, weil der Name der echten Rechtsanwaltskanzlei unbefugt gebraucht wurde.

Der Täter ist uns nicht bekannt. Wir gehen davon aus, dass der Server der fiktiven Rechtsanwaltskanzlei von Osteuropa gesteuert wurde.


GoMoPa.net fragte die echte Abmahn-Kanzlei Thomas Urmann (U + C Rechtsanwälte) der Firma Videorama: Wie erwehrt sich Ihre Kanzlei gegen die falsche Kanzlei Knil?

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» Falsche Abmahnung der Kanzlei Knil und KUW Regensburg

Beitrag zum Thema
»Kanzlei Knil und Partner - gefälschte E-Mail!

 

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» Abmahnanwalt Urheberrecht Pornoindustrie PrivateTauschbörsen 

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Es liegen 3 Kommentare zu dieser Pressemitteilung vor.

#4 - Kommentar von Dasia am 09.09.2011 13:24
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#6 - Kommentar von Tobias Kränke am 01.07.2014 01:59
Einen ähnlichen Fall gab es auch vor nicht allzu langer Zeit.
In dem Fall war ich, bzw eher mein Sohn auch betroffen.
Meine Empfehlung ist es mit dem Schreiben direkt zum Anwalt zu gehen, denn auch wie in diesem Fall war die Abmahnung gefälscht.


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