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23.03.2010
Zu geizig: Mr. IKEA bekam bei Putin keinen Termin

Das IKEA-Enthüllungsbuch
Das IKEA-Enthüllungsbuch
Wer einen persönlichen Termin beim russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin in Moskau haben möchte, muss 7,4 Millionen Euro Eintrittsgeld zahlen. Mr. IKEA Ingvar Kamprad (83) war dazu nicht bereit und bekam deshalb keinen Termin.

Das enthüllt der Schwede Lennart Dahlgren in seinem Buch "IKEA liebt Russland", das zunächst im Oktober 2009 in Schweden erschien und dieser Tage auch in Russland auf den Markt kam. Eine deutsche Fassung gibt es noch nicht.

Dahlgren war von 1997 bis 2006 Generaldirektor von IKEA-Russland. Das weltweit größte Möbelhaus (21,5 Milliarden Jahresumsatz) eröffnete seit 2000 in Russland 12 Häuser (allein drei in Moskau und zwei in Petersburg) und zählt außerhalb des Ölsektors zum größten Auslandsinvestor Russlands. Bis heute stehen die Russen Schlange für ein Billy-Regal aus dem "unmöglichen Möbelhaus aus Schweden", weil sie mal etwas Anderes als den Sowjet-Einheitslook im Wohn- oder Schlafzimmer haben wollen.

IKEA-Chef Ingvar<br /> Kamprad © IKEA
IKEA-Chef Ingvar
Kamprad © IKEA
Dennoch bekam der IKEA-Gründer und fünftreichste Mann der Welt, Ingvar Kamprad, bei Putin keinen Termin. Es sei denn, er hätte die Beamten bestochen. Sein Generaldirektor Dahlgren hatte für ihn einen Terminversuch unternommen. Dahlgren erinnert sich in seinem Buch, das in der russischen Fassung ?Trotz der Absurdität" heißt und den Untertitel trägt: "Wie ich Russland bezwungen habe ? und Russland mich", wie folgt:

Zitat:


Ob die Beamten im Vorzimmer des damaligen Präsidenten gescherzt hatten oder nicht, kann ich nicht sagen. Jedenfalls sagte einer der Beamten im Kreml, dass IKEA wohl kaum mit Putin reden wolle, weil die Schweden nicht bereit seien, den Eintrittspreis zu zahlen: "Unsere Taxe für ein Treffen mit Putin sind fünf bis zehn Millionen Dollar, die Ihr nie bezahlen werdet."


In diesem Punkt schätzten die Beamten die Schweden richtig ein. Zu dem Treffen von Kamprad und Putin kam es nicht. Denn Kamprad hatte sich gegen den Strom gestellt. Schon seit dem Beginn seiner Expansion nach Russland vor 13 Jahren hat der IKEA-Boss verfügt, keine Schmiergeldzahlungen oder andere Formen der Korruption zuzulassen. Das brauche Geduld und Konsequenz. "Es gibt da die goldene Regel", schrieb Dahlgren: "Zahlst Du einmal, zahlst Du immer. Und Summen und Mengen wachsen unaufhaltsam an.?

Der schwedische Generaldirektor wurde vom russischen Inlandsgeheimdienst FSB in einem Dossier zwar als tüchtig eingeschätzt. Allerdings habe er einen "Hauptfehler". Er sei "sehr geizig und übermäßig sparsam".

Der Fall Krasnodar

Aus diesem Grunde haben zum Beispiel die Krasnodarsker bis heute kein IKEA-Möbelhaus und müssen in die benachbarte Republik Adygeja fahren, um ein IKEA-Möbelstück zu kaufen. Lennart Dahlgren beschreibt den geplatzten Deal mit Krasnodar so:

IKEA-Direktor<br /> Lennart Dahlgren
IKEA-Direktor
Lennart Dahlgren

Zitat:


Weil das Grundstück, das die Stadtverwaltung angeboten hatte, ideal war, wollte IKEA auch zuschlagen. Der Handel begann wie gewöhnlich. Aber schon bald kam mir zu Ohren, dass die Stadt das Grundstück an eine anonyme Person übergeben hatte. Dessen Vertreter nannten IKEA den Preis, der fünf Mal höher war als jener, den IKEA schon mit der Stadt ausgehandelt hatte. Wer die Differenz kassieren sollte, war nicht nachzuvollziehen. Ich packte in Krasnodar meine Koffer.


Dahlgren erzählt in seinem Buch von unzähligen Schikanen. Eine davon, noch bevor im Jahre 2000 überhaupt der erste IKEA-Markt eröffnet werden konnte:

Zitat:


Um 39 Hektar Wald zu roden, mussten 39 Genehmigungen eingeholt werden, einschließlich der Unterschrift von Premierminister Jewgenij Primakow (1988 bis 1989 Premierminister - Anmerkung der Redaktion).


IKEA kämpfte gegen einen starken alten Zopf. Korruption ist in Russland schon lange zu einer fixen Säule in der Wirtschafts- und Sozialstruktur geworden. Zwischen 240 und 300 Milliarden Dollar (178 und 222 Milliarden Euro) - ein Fünftel des jährlichen Bruttoinlandsproduktes - fließen jährlich in die Taschen von Hunterttausenden Beamten, schätzt das Nationale Komitee zur Korruptionsbekämpfung (NAK) aktuell ein.

Und die Wirtschaftskrise, bei der Russland im Jahre 2009 fast 8 Prozent an Wirtschaftskraft verlor, hat den Appetit weiter erhöht. Die Beamten seien unsicher und "langen zu, als wäre es zum letzten Mal", meint Georgi Satarow, Korruptionsexperte der Stiftung Indem. Im Korruptionsindex von Transparency International teilte sich Russland Platz 146 mit Kenia, Kamerun ? und der Ukraine.

Und neben den Beamten wächst ein Heer von Kontrolleuren, die nach den Beamten auftauchen und auch ein Stück vom Kuchen verlangen. "Es gab Momente, da schien mir, dass sich in unseren Büros mehr Kontrolleure als Mitarbeiter befanden", schreibt Dahlgren. "Ich konnte sie nicht immer auseinanderhalten. Um jemanden zu identifizieren, grüßte ich und sagte etwas. Wenn mich die Person nicht verstand, hieß das, dass sie nicht von uns war", erinnert er sich an die Zeit in Russland.

Die Kontrolleure können im schlimmsten Fall eine bereits erfolgte Investition zunichte machen. IKEA erlebte so einen Fall im Jahre 2009 und fror daraufhin alle weiteren geplanten Projekte ein - sofort drei Möbelmärkte in Saratow, Woronesch und Tjumen für 160 Millionen Euro und insgesamt zehn neue Geschäfte für 3,6 Milliarden Euro.

Der jüngste IKEA-Fall in Samara

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Es liegt 1 Kommentar zu dieser Pressemitteilung vor.

#3 - Kommentar von Kristin Böchert am 16.07.2014 17:23
Ich heiße es gut dass Mr.IKEA das Schmiergeld nicht bezahlt hat.
Wahrscheinlich hätte sich Ingvar Kamprad das als reichster Mann Europas leisten können, aber das sei mal dahin gestellt.

Was IKEA jetzt aber im Iran möchte verstehe ich nicht so ganz...

Mit freundlichen Grüßen


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