26.04.2010
Massenbetrug durch EuMedien Callcenter?
Gegen die Gründer und Betreiber des angeblichen Markenprodukte-Testers EuMedien aus Lüneburg in Niedersachsen, das Ehepaar Claudia und Jörg Rohde, sowie gegen deren Oranienburger Callcenter-Chefin Ilona Stühler hat die Staatsanwaltschaft Lüneburg jetzt "Anklage wegen Massenbetruges" beim Landgericht Lüneburg erhoben. Das bestätigte die Pressestelle der Staatsanwaltschaft Lüneburg dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net.
Statt vorgegaukelter hochwertiger Nähmaschinen und Laptops habe es für die Callcenter-Kunden der EuMedien GmbH nur Sekundenkleber und Waschmitteldosierhilfen zum Testen gegeben. 35.000 Kunden der EuMedien GmbH sollen laut Ermittlungsakten allein in den Jahren 2006 und 2007 rund 3 Millionen Euro an die EuMedien überwiesen haben und hätten für ihr Jahresabo in Höhe von bis zu 90 Euro im Gegenzug nur Billigramsch geschickt bekommen.

EuMedien Callcenter Oranienburg über Mäc-Geiz
© Karsten Trampe
Die Staatsanwaltschaft konnte auch nicht feststellen, dass die EuMedien GmbH eventuelle Test-Produkte von namhaften Firmen eingekauft hätte. Bezeichnender Weise befindet sich das EuMedien-Callcenter in Oranienburg (Schulstraße 3) genau über einer Filiale von Mäc-Geiz, in der es viele der verschickten Pfennigartikel zu kaufen gibt.
Die Geprellten reagierten mit Betrugsanzeigen. Einige verteilten zur Warnung Handzettel und klebten diese an Türen und Bäume rund um das Oranienburger Bahnhofsviertel, wo sich das Callcenter befindet. Das Callcenter selbst schaltet unverdrossen Anzeigen in der örtlichen Presse, in denen es neue Telefonisten/innen mit "Verkaufstalent und echter Begeisterungsfähigkeit" zu einem "attraktiven Grundgehalt mit erfolgsorientierten Provisionen sowie zusätzlichen Prämien!" sucht.
Was steht in der Anklageschrift?

Staatsanwältin Angelika Klee führte aus:
Zitat:
Die Staatsanwaltschaft Lüneburg hat gegen Verantwortliche eines ortsansässigen Unternehmens Anklage wegen gemeinschaftlichen, gewerbs- und bandenmäßigen Betruges beim Landgericht Lüneburg erhoben.
Der Geschäftsführerin, ihrem Ehemann, der im Wesentlichen die Geschäfte der Firma geführt haben soll, und der Leiterin eines Callcenters in Oranienburg wird vorgeworfen, seit Juni 2005 mehrere tausend Kunden als Produkttester gewonnen zu haben, indem ihnen vorgespiegelt wurde, mindestens die Chance auf den Erhalt eines hochwertigen Produktes zu haben, das aufgrund seiner Aktualität auf dem Markt zur Herstellung einer Markttransparenz eines Testes bedürfe.
Tatsächlich sei eine Vielzahl der in Aussicht gestellten höherwertigen Gegenstände (zum Beispiel Multimedia-Notebook oder Mobiltelefon) nicht an die Kunden geliefert oder von vornherein gar nicht eingekauft worden. Die Kunden hätten jeweils eine Jahresgebühr von bis zu zirka 90 Euro leisten müssen, aber zu vermeintlichen Testzwecken allenfalls nahezu wertlose Gegenstände (zum Beispiel Sekundenkleber Einkaufsstückpreis: 19 Cent - oder Miniohrhörer Einkaufsstückpreis: 75 Cent) erhalten.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es die Angeschuldigten nur auf das Geld der Kunden abgesehen hatten, um sich dadurch eine dauerhafte Einnahmequelle von erheblichem Umfang zu verschaffen. In Wahrheit habe es keinen einzigen Auftrag der Industrie zum Testen bestimmter Produkte gegeben, und auch eine Auswertung von Bewertungsbögen der Kunden sei nicht erfolgt.
Den Angeschuldigten wird vorgeworfen, allein im Zeitraum 01. Januar 2006 bis 31. Dezember 2007 durch etwa 35.000 Verträge, die über das Callcenter in Oranienburg abgeschlossen worden sein sollen, auf betrügerische Weise Einnahmen von zirka 3 Millionen Euro erzielt zu haben.
Wer sind die Eheleute Rohde eigentlich?
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