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22.06.2010
Was steckt hinter der Studie "Anlegerschützer zwischen Dichtung und Wahrheit"?
20.000 Euro soll sie gekostet haben. Doch weder das Salär noch der glanzvolle Rahmen des Steigenberger Hotels Frankfurter Hof konnten am 10. Juni 2010 über die miserable Qualität einer wissenschaftlichen Studie hinwegtäuschen, die dort auf einer Pressekonferenz zum eigentlich wichtigen Thema Anlegerschutz präsentiert wurde. Das Motiv für die Studie "Anlegerschützer zwischen Dichtung und Wahrheit" dürfte allerdings weniger im Anlegerschutz liegen, sondern vielmehr im Konkurrenzkampf um Finanzprüfsiegel, Goldhandelsclaims und Vorteile im Immobilienvertrieb. Alles Dinge, die in der Studie angeprangert werden, aber vom Studienauftraggeber selbst praktiziert werden, wie ein Blick hinter die Kulissen zeigt.
Verfasser ist der bei Journalisten, die mal schnell zu einem Thema eine Expertenmeinung brauchen, sehr beliebte "Multi-Finanz-Experte" und pensionierte Mathematiklehrer an einer Erwachsenenweiterbildungs-Schule Werner Siepe (68) aus Erkrath in NRW, der nach eigener Darstellung auch als freier Berater der Stiftung Warentest auftritt.
Auftraggeber der Studie und Einladender zur Pressekonferenz war der Geschäftsführer der VERS Versicherungsberater Gesellschaft mbH aus Berlin-Reinickendorf, Hans-Herrmann Lüschen, den man an Berliner Gerichten als Rechtsbeistand in Versicherungsstreitigkeiten auf Honorarbasis (119 Euro die Stunde) kennt und der ansonsten eine eigens entwickelte Software über seinen Oldenburger VERS-Vertrieb verkauft (299 Jahresgebühr), mit der man alte Versicherungsbedingungen mit neuen vergleichen kann. Laut Wirtschaftsbilanzen laufen die Geschäfte eher schlecht als recht, woraus sich die Frage stellt, wovon Lüschen die "Studie" eigentlich bezahlt hat?
Die Studie ist 45 Seiten lang. Eine konkrete wissenschaftliche Fragestellung gibt es nicht, demzufolge auch keine stimmig zusammengetragenen Fakten. Die Studie gleicht einem schnell zusammengestoppelten Rundumschlag, bei der so genannte Anlegerschützer ihr Fett abkriegen. "Die Studie deckt die wahren Interessen bei bestimmten Anlegerschutzorganisationen auf und nennt dabei Ross und Reiter", schrieb Lüschen in der Einladung. Das weckte hohe Erwartungen, die allerdings mehr als enttäuscht wurden.
Viel Neues ist der Studie nicht zu entnehmen. Der Finanznachrichtendienst GoMoPa.net berichtet schon seit langem und öfter beispielsweise über die Praktiken des "Direkten Anlegerschutzes" von Heinz Gerlach (64) aus Oberursel in Hessen (gutes Rating gibt es garantiert bei einer Prospektvoruntersuchung für 12.500 Euro). Oder den Bund der Sparer aus Weilheim in Bayern, der übrigens genauso wie Studienauftraggeber Lüschen eine Vermittler-Software vertreibt, allerdings jeden, der nicht zahlt, auf eine öffentliche Warnliste setzt: "Berater ohne Empfehlung".
GoMoPa.net berichtete auch schon über den in der Studie vorkommenden Bund der Verbraucher aus München, dessen Gründer Verbraucherschützer Heinz Köller (60) mit Hilfe seines Vereins außerhalb der Börse und völlig ohne Banken eine angebliche Super-Anlagemöglichkeit verkauft. 200 Millionen US-Dollar will Köller bis zum Jahre 2018 von deutschen Anlegern für seine neue Firma Serve Advance Incorporation mit Sitz in Oregon (USA) einsammeln. Die Projekte seien innovativ. Doch in Wirklichkeit sind sie alt und, wie im Falle von Nicstic, einer rauchlosen Zigarette, ein Fall für den Staatsanwalt.
GoMoPa.net ist kein Anlegerschützer, sondern ein Finanznachrichtendienst
Insofern mag Werner Siepe bei manchen seiner Beispiele ins Schwarze getroffen haben. Aber völlig neu und überraschend war seine Behauptung, dass GoMoPa.net ein Anlegerschützer sei. Siepe widmet GoMoPa.net in der Studie ein ganzes Kapitel und nahm als Aufhänger für eine angebliche dubiose Praxis die Meldung von GoMoPa.net, dass der am 18. Februar 2010 in Florida verhaftete deutsche mutmaßliche Scheinfirmengründer Michael Olaf Sch. (28), der über sein Firmengeflecht illegale Wettgewinne in den USA ausgezahlt haben soll, in seinem Geständnis die Vorstände des deutschen Bezahldienstes Wirecard AG aus Grasbrunn bei München als Auftraggeber belastet habe.
Zwar wurde die Wirecard AG tatsächlich bei einer deutschen Staatsanwaltschaft wegen Geldwäscheverdachts angezeigt, und auch die Kontoauszüge aus der Anklageschrift des FBI gegen den Verhafteten belegten, dass die Wirecard AG an die Firmen des Verhafteten Zahlungen geleistet hatte, aber, dass der Verhaftete die Wirecard zusätzlich auch noch persönlich belastete, war eine Falschinformation, die GoMoPa.net nicht genügend gegengecheckt hatte. Ein schlampiger Arbeitsfehler eines Redakteurs. Doch weder der Redakteur noch das Unternehmen GoMoPa.net hatten irgendeinen Vorteil von einer Kursschwankung der Wirecard AG an der Frankfurter Börse - die mitnichten 30 Prozent ausmachte, wie Siepe recherchiert haben will.
Wie kommt nun Lüschen dazu, GoMoPa.net als Anlegerschützer darzustellen, obwohl GoMoPa.net definitv keine Anlegerschutzorganisation ist, sondern schon immer ein kommerzielles Unternehmen war, wie im Übrigen jedes andere Unternehmen aus der Medienbranche auch? Die Besonderheit beim Finanznachrichtendienst GoMoPa.net besteht darin, dass die Verbreitung von Nachrichten nur ein Nebenprodukt der eigentlichen Arbeit ist. Diese besteht darin, für vermögende Klienten gegen Honorar Informationen über Chancen und Risiken von Investitionen und Personen auf dem Finanzmarkt zu beschaffen.
GoMoPa.net beschafft Insiderinformationen und überprüft dabei auch Finanzprodukte und klopft deren Anbieter ab. Die Besitzerin des inzwischen verbotenen Schwabenland-Büros (Schnellballsystem), Christl B. (35), sagte gegenüber GoMoPa.net: "Wer den GoMoPa.net-Test überstanden hat, der hat auf dem Markt einen guten Leumund." Das Schwabenland-Büro wurde von GoMoPa.net von Anfang an als Betrug entlarvt, es wurde von der BaFin geschlossen. Die GoMoPa.net-Leser konnten diese und andere Nachrichten gegen ein Honorar (Jahresabo) lesen. Aber deshalb ist GoMoPa.net keine Anlegerschutzorganisation.
GoMoPa.net ist scheinbar ein Konkurrent für den Studien-Auftraggeber
Aber GoMoPa.net ist scheinbar ein Konkurrent für die VERS Versicherungs mbH. Genauso wie die VERS Versicherungs mbH auf Honorar-Basis Klienten berät, tut das auch GoMoPa.net. Und was hat das nun mit den Anlegerschutzvereinen zu tun, die Lüschen in der Studie angreifen ließ? Es gibt bei aller Verschiedenheit der in der Studie Aufgeführten eine Gemeinsamkeit: Alle bemühen sich auf die eine oder andere Art um ein Prüfsiegel für Finanzprodukte. Auf GoMoPa.net gibt es zum Beispiel eine Warnliste vor dubiosen Anbietern und Finanzprodukten. Und da scheint für den Rundumschlag von Lüschen gegen alle Konkurrenten der erste Hase im Pfeffer zu liegen.
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Stichwörter zum Thema
» Studie Anlegerschutz Prüfsiegel FinanzprodukteNachdruck, Aufnahme in Onlinedienste sowie Internet und Vervielfältigungen auf Datenträger wie CD-ROM, DVD-ROM etc. nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung durch GoMoPa®. © Goldman Morgenstern & Partners Consulting LLC
Es liegen 2 Kommentare zu dieser Pressemitteilung vor.
| #1 - Kommentar von Dieter Seifert am 19.09.2010 15:16 |
Wegen unlauteren Wettbewerbes hat das Landgericht Erfurt - Kammer für Handelssachen - auf Betreiben der PWB Rechtsanwälte (Jena) und des Deutschen Verbraucherschutzringes e.V. (DVS) unter dem 03.08.2010 zum AZ: 1 HKO 124/10 eine einstweilige Verfügung erlassen. Im Rahmen der Studie ?Anlegerschützer zwischen Dichtung und Wahrheit? hat Herr Werner Siepe für die Versicherungsberater-Gesellschaft mbH über die Verbindungen des Herrn Rechtsanwaltes Philipp Wolfgang Beyer zum DVS - Deutscher Verbraucherschutzring e.V. und weiteren Organisationen berichtet. |
| #2 - Kommentar von Redaktion am 21.01.2011 09:31 |
Nachtrag: Das Thüringische Oberlandesgericht in Jena hat mit Urteil vom 19.1.2011 der Berufung stattgegeben und damit das Urteil des LG Erfurt sowie die Einstweilige Verfügung wieder aufgehoben (Az. 2 U 760/10). |
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