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21.06.2010
HCI MPC - Deepsea Oil Explorer Anleger gucken 7 Jahre in die Röhre?
Nach außen präsentiert sich die Hanseatische Capitalberatungsgesellschaft mbH (HCI Capital AG) aus Hamburg gern als "bankenunabhängiges Emissionshaus und Treuhandunternehmen". Aber genau wegen einer Bank, die kein Geld wegen einer Bauverzögerung nachschießt, sollen die 5.500 Anleger der Öl-Erkundungsplattform "HCI MPC - Deepsea Oil Explorer" (Kosten: 549 Millionen Euro) nun für die nächsten sieben Jahre auf jegliche Auszahlung verzichten. Sie sollen darüber am 8. Juli 2010 in Hamburg mit einfacher Mehrheit abstimmen.
Sieben Jahre ist exakt die Zeit, über die mit dem Abnehmer der Ölplattform, dem staatlichen brasilianischen Mineralölunternehmen Petrobras, überhaupt ein Chartervertrag besteht. Tagesmiete: 317.500 US-Dollar (256.222,50 Euro).
HCI bot den Plattform-Fonds im vorigen Jahr gemeinsam mit dem Hamburger Partnerhaus MPC Münchener Petersen Capital AG an. Die Mindesteinlage betrug 12.105 Euro plus 5 Prozent Agio. Mit der ersten Charter-Rate von Petrobras im Juni 2010 sollten die Anleger auch die ersten Ausschüttungen bekommen. Aber der Übergabetermin der Plattform am 1. Juni 2010 ist geplatzt. Der Deepsea Oil Explorer ist nur zu 83,6 Prozent fertig. Ein Übergabetermin wird nun erst in sieben Monaten am 15. Januar 2011 erwartet.
Faule Ausrede für Bauverzögerung
Über die Ursache der Bauverzögerung präsentierten die HCI und MPC den Anlegern nun eine hahnebüchende Story. Wegen eines Streits um verspätete Bauzeichnungen sei es bei der bauausführenden Firma, der SBM Offshore N.V. aus Schiedam in Holland, auf deren Werft in Abu Dhabi zu einem Rückstand gekommen.
Doch wie konnte dieser Umstand der Fonds-Bauaufsicht verborgen bleiben, die jeden Bauschritt in den Vereinigten Arabischen Emiraten vor Ort verfolgt? Und was interessiert die deutschen Anleger überhaupt die Bauverzögerung, sie haben doch einen Schlüsselübergabe-Vertrag?
Dazu sagte MPC-Geschäftsführer Jörg Klepper letzte Woche in einer Vertriebs-Online-Konferenz: "Natürlich hat die Bauaufsicht bemerkt, dass ein Zulieferer Bauzeichnungen verspätet eingereicht hat. Aber das hat mit der Bauverzögerung überhaupt nichts zu tun. Das ist sozusagen ein Nebenkriegsschauplatz.
Die Baufirma SDM baut neben unserer Plattform noch zwei weitere. Auf der ersten Plattform habe es wohl einen Brand gegeben. Dadurch verzögerte sich auch der Bau der zweiten Plattform und auch der Bau unserer Plattform. Nun hat SDM mit allen Bestellern Festpreise. Und offenbar lief SDM das Budget aus dem Ruder.
SDM schickte nun an alle drei Besteller wortgleich das gleiche Schreiben, in dem SDM 50 Millionen US-Dollar (rund 40 Millionen Euro) von jedem nachfordert, weil einige Bauzeichnungen für Erst-Ausrüstungen zu spät geliefert worden seien."
Warum verklagen HCI und MPC den Festpreis-Erbauer nicht auf Vertragserfüllung?
Dazu Klepper: "Die 1. Plattform hat sich mit SDM verglichen, zu schlechteren Bedingungen. Die 2. Plattform ist rein mit Eigenkapital finanziert, da steht keine Bank dahinter, die Druck macht. Die Fondsgesellschaft geht den juristischen Weg. Auch wir haben vorgehabt, juristisch gegen SDM vorzugehen. Schließlich sind wir im Recht.
Doch auch wenn der juristische Weg praktikabel wäre, ist es aber wichtig, die Sache kaufmännisch zu betrachten. SDM hat für die Bauverzögerung ein 400 Seiten dickes Dokument vorgelegt. Gutachter und Anwälte werden sich trefflich darüber mehrere Jahre streiten.
Darauf wird Petrobras nicht warten, denn SDM wird während des Streits nicht weiterbauen. Wir müssen für jeden Tag Verzögerung an Petrobras eine Vertragsstrafe von 95.250 US-Dollar (rund 77.000 Euro) bezahlen. Wir zogen es vor, uns mit SDM zu vergleichen und haben sogar eine Zielprämie an SDM in Höhe von 12,5 Millionen US-Dollar (rund 10 Millionen Euro) ausgelobt, wenn sie unserer Plattform den anderen vorzieht und sogar schon zum 1. September 2010 liefert."
Was ist dann jetzt noch das Problem?
Klepper: "Die ganze Verzögerung in der Ablieferung der Plattform kostet zusätzlich 74 Millonen US-Dollar (rund 60 Millionen Euro). Abzüglich der Budget-Reserven bleibt eine Lücke von netto 67,2 Millionen US-Dollar (54,2 Millionen Euro), also rund 10 Prozent der Gesamtinvestsumme."
Bank bestehe auf zusätzlichen Fremdkredit
Das Projekt sei nur über eine Anleihe (Bond) in Höhe von 54,2 Millionen Euro zu retten. Das verlange die IDB (Inter-American Development Bank) in Washington, die keinen Cent nachschießt. Sie habe bereits 371 Millionen Euro finanziert. "Um mit uns überhaupt über weiteres Geld zu verhandeln, wollte die Bank 60 Millionen US-Dollar (rund 48 Millionen Euro) haben. Wir haben die Gesprächsgebühren auf 6 Millionen US-Dollar (rund 4,8 Millionen Euro) drücken können", erinnert sich Klepper an seinen Versuch, schnell eine Lösung herbeizuführen.
Die Anleger, die 178 Millionen Euro halten, dürfen nach dem Willen der Bank auch nicht nachschießen, heißt es weiter. Das halte die Bank für utopisch, ebenso das nötige Kapital auf dem deutschen Markt hereinzuholen. Die Bank habe auf einen Profi bestanden, der nur institutionelle Anleger ab 5 Millionen US-Dollar (rund 4 Millionen Euro) aquiriert. Die Wahl sei auf das Internationale Schiffs- und Offshore-Maklerhaus und Investment Bank RS Platou aus Oslo in Norwegen gefallen, die soll nun den Bond besorgen.
Der Bond wiederum müsse natürlich zuerst bedient werden. Würden die Anleger Nein sagen, drohe laut HCI und MPC ein Totalverlust, da eine unfertige Plattform unverkäuflich sei. Dem Fonds drohe die Insolvenz, denn die finanzierende Bank IDB gewähre keinen Aufschub und lasse auch nicht zu, dass die Lücke durch Eigenkapital seitens der Anleger gedeckt werde.
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