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01.07.2010
BaFin warnt vor Aktien-Piraten

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Bonn warnt vor unbefugt erteilten Wertpapierorders durch "Piraten", die unter fremder Kundenflagge eigentlich unverkäufliche Aktien mit hohen Gewinnen an den Mann bringen. Das Geld der Kunden fließt ins Ausland. Die Kunden bleiben mit einer Ladung Schrott-Aktien zurück.

"Wir haben Informationen, dass es in jüngster Zeit zu Wertpapiergeschäften gekommen ist, die nicht von den berechtigten Personen in Auftrag gegeben wurden. Dies betrifft insbesondere Geschäfte in illiquide ausländische Freiverkehrswerte", teilte eine BaFin-Sprecherin dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net mit.

Im Klartext heißt das: Ich als Bankkunde komme zu einem Aktienpaket, das im Open Market (Freiverkehr) der Frankfurter Börse gehandelt wird, wie die Jungfrau zum Kind. Irgendjemand hat sich illegal meine Depotdaten, Bankzugänge und TAN-Listen geschnappt und geht unter meinem Namen auf Einkaufstour. Wenn ich den Pirateneinkauf merke, ist mein Geld längst in verlustreiche Firmen im Ausland investiert.

Plötzlich bin ich völlig ungewollt Mitbesitzer von fünf Gold-Konzessionen in Guinea (Westafrika) der Firma Anglo Africa Minerals PLC aus Dublin in Irland. Die Aktie ist seit Januar 2010 von 2,20 Euro beinahe um die Hälfte auf aktuell 1,37 Euro abgestürzt.

Oder ich vermarkte plötzlich die Mode von Barbara Becker über ein Fernsehformat "Mode TV" oder ein "Modemagazin". Die dazugehörige Berliner Firma Fashionakt Industries Incorporation hat ihren Hauptsitz in Denver im US-Bundesstaat Colorado. Die Aktien fielen von 1,75 Euro im August 2009 auf aktuell 55 Cent.

Doch wer hat einen Vorteil, wenn er unter meinem Namen Pennystockaktien kauft? Die Firmen wohl kaum, die merken meinen Kauf meist nicht einmal.

Die Antwort gibt Dirk Althoff, der Leiter Unternehmenskommunikation des Online-Brokerhauses Cortal Consors S.A. aus Paris mit Niederlassung in Nürnberg. Cortal Consors gehört der BNP Paritas, der größten Bank der Eurozone. Althoff erklärt GoMoPa.net das Motiv der Piratenkäufer so: "Jemand, der bereits im Besitz von Aktien ist, die schlecht laufen und die er deshalb nur mit großen Verlusten verkaufen könnte, greift zu einer hochgradig kriminellen Masche. Über einen eingeschleusten Trojaner werden Ihre Daten, insbesondere TANs, ausspioniert, sobald Sie eine Aktienorder bei Ihrer Bank auslösen. Mit der TAN aus einer TAN-Liste, die Ihnen Ihre Bank zugeschickt hat, nimmt der so genannte Daten-Pisher nun eine Order vor. Unter Ihrem Namen kauft er nun die schlechten Aktien, die er selbst im Depot hat.

Wenn er Ihnen auf diesem Wege 100.000 Aktien zu einem Stückpreis von 20 Cent, also für 20.000 Euro, verkauft, für die er selbst nur 3 Cent je Aktie, also 3.000 Euro, bezahlt hat, hat er mit dem Geschäft einen Gewinn von 17.000 Euro gemacht. Die Aktien machen kurz einen Sprung nach oben, fallen dann aber an der Börse ganz schnell wieder auf den realen Kurs zurück. Sie sind der Dumme, Ihr Geld ist ins Ausland gegangen. Meist sogar noch an zwischengeschaltete Strohmänner."



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