GoMoPa: Was kann ich von der Steuer absetzen?
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12.07.2010
Was kann ich von der Steuer absetzen?

In diesem Jahr greift das neue Bürgerentlastungsgesetz, was Auswirkungen auf die Absetzung von Kranken-, Pflege-, Unfall-, Haftpflicht-, Berufsunfähigkeits- und Arbeitslosenversicherung hat. Und der Bundesfinanzgerichtshof hat in diesem Jahr wegweisende Entscheidungen getroffen - über das heimische Arbeitszimmer, Leasingsonderzahlungen, die Teilnahme von Unternehmern an Regierungsreisen, Sportarztweiterbildung, Unterhalt für behinderte erwachsene Kinder mit Altersvermögen oder selbständige Musiker, die für private Orchester spielen.

Der Finanznachrichtendienst GoMoPa.net hat alle Neuerungen in einer Tipp-Liste zusammengetragen: Was kann ich von der Steuer absetzen?

1. Das Bürgerentlastungsgesetz - es gilt die Günstigerprüfung zum alten Gesetz

Das Bürgerentlastungsgesetz begrenzt die steuerliche Absetzbarkeit von Unfall-, Haftpflicht-, Berufsunfähigkeits- und Arbeitslosenversicherung auf jährlich 1.900 Euro für Beschäftigte und 2.500 Euro für Selbständige - und zwar einschließlich der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung.

Übersteigen allein die Aufwendungen für die Kranken- und Pflegeversicherung die 1.900 Euro für Beschäftigte oder 2.500 Euro für Selbständige, was oft geschieht, dann bleiben zwar diese wegen eines Verfassungsurteils vom 13. Februar 2008 voll, also auch über die Höchstmarken hinaus, absetzbar, aber die anderen Beiträge werden dann nicht mehr berücksichtigt.

Dieser Minimalismus der Bundesregierung könnte dazu führen, dass bald wieder eine Klage beim Bundesverfassungsgericht landet. Zu Absetzbarkeit von Kranken- und Pflegeversicherung ist noch zu sagen, dass sie nur für den Basisschutz gilt. Leistungen wie Chefarztbehandlung, Ein- oder Zweibettzimmerzuschlag und Krankentagegeld oder Krankenhaustagegeld sind gar nicht mehr steuerlich absetzbar.

Was passiert, wenn die alte Regelung für mich günstiger ist als die neue? Muss ich dann mehr Steuern zahlen?

Nein. Auch das Bürgerentlastungsgesetz sieht von 2010 bis 2019 eine so genannte Günstigerprüfung vor. Das bedeutet, dass in jedem Einzelfall geprüft wird, ob die bisherige oder die neue Rechtslage für den Steuerpflichtigen günstiger ist. Die Günstigerprüfung bezieht das bis Ende 2004 geltende Recht ein. Hätte der Steuerpflichtige nach altem Recht höhere Beiträge als Vorsorgeaufwendungen geltend machen können, dann kann er den höheren Betrag unter den bereits genannten Voraussetzungen bis zum Jahr 2019 auch weiterhin absetzen.

Wie werden die Abzüge im Lohnsteuerverfahren berücksichtigt?

Damit sich bei Arbeitnehmern die regelmäßig anfallenden Vorsorgeaufwendungen für die Renten-, Kranken und Pflegepflichtversicherung nicht erst nach Ablauf des Kalenderjahres bei der Einkommensteuerveranlagung, sondern bereits im laufenden Jahr auswirken, wird bei der Lohnsteuerberechnung eine Vorsorgepauschale berücksichtigt. Durch diese Vorsorgepauschale wird ein möglicher Sonderausgabenabzug vorweggenommen. Die Eintragung eines Freibetrages für Vorsorgeaufwendungen auf der Lohnsteuerkarte ist daher nicht notwendig.

2. Häusliches Arbeitszimmer

Einem Lehrerehepaar ist es zu verdanken, dass die alte Regelung (bis 2007), nach der man jährlich 1.250 Euro als Werbungskosten für ein häusliches Arbeitszimmer absetzen kann, auch für die Jahre 2009 und 2010 gilt. Der Bundesfinanzhof hat die Finanzämter angewiesen, bis zu einer endgültigen Entscheidung diese Kosten in Form von Vorläufigkeitsbescheiden anzuerkennen. Im ungünstigsten Fall muss der Steuerzahler die erstatteten Steuern für das Arbeitszimmer ans Finanzamt zurückzahlen.

Eine klare Entscheidung hat der Bundesfinanzhof dahingehend getroffen, dass jemand, der außerhalb des Wohnbereichs ein Arbeitszimmer hat, kein häusliches Arbeitszimmer absetzen kann. Mit seinem Urteil (Az. VI B 150/09) sprach der Bundesfinanzhof einem Betriebsprüfer dieses Recht ab, obwohl ihm dessen Arbeitgeber einen mobilen Arbeitsplatz genehmigte. Nach Auffassung der Richter bestehe der Schwerpunkt der Arbeit des Prüfers in den zu prüfenden Betrieben. Und außerdem habe der Prüfer ein Büro im Finanzamt.

Es spiele keine Rolle, ob sich der Prüfer Arbeit mit nach Hause nehme. Somit gehen auch Außendienstmitarbeiter, Handelsvertreter, Versicherungsmakler, Lehrer oder Dozenten jetzt wie viele andere Angestellte bereits zuvor leer aus, deren häusliches Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit darstellt. Damit kommen jetzt nur noch wenige Berufsgruppen wie etwa freiberufliche Journalisten, Autoren oder Heimarbeiter in den Genuss von Werbungskosten oder Betriebsausgaben.

Ein weiteres Urteil des Bundesfinanzhofes vom 7. Juli 2010 (Az. VI B 153/09) schloss auch die Absetzbarkeit eines häuslichen Arbeitszimmers für Angestellte aus, die mit ihrem Arbeitgeber verheiratet sind. Genau wie beim Berufstätigen ist das Büro ein Teil der durch Artikel 13 des Grundgesetzes geschützten Privatsphäre des im Haushalt lebenden Ehegatten. Vor diesem Hintergrund sind die Kontrollmöglichkeiten der Finanzverwaltung nur äußerst begrenzt, wenn es um die heimische Sphäre der Bürger geht, der nunmal auch das Büro zuzurechnen ist.

Bei einer familien- oder haushaltsfremden Arbeitskraft stellt sich diese Frage hingegen nicht. Denn bei fremden Dritten kann davon ausgegangen werden, dass in solchen Fällen die berufliche Sphäre betroffen ist, wenn etwa der Chef seinen Mitarbeiter anweist, sich wegen der Tätigkeit in den Abendstunden ein Büro außerhalb der eigenen Wohnung zuzulegen. Der eigene Gatte als Arbeitgeber hat hier andere und eher private Motive. Daher ist eine Kontrolle der Verwaltung nur bei Fremden entbehrlich.

3. Leasingsonderzahlung oder Kilometerpauschale

Es geht nur eines: Entweder die Leasingsonderzahlung oder die Entfernungspauschale bzw. pauschale Kilometersätze. Beides zusammen geht nicht.

Die Pressestelle des Bundesfinanzhofes führt dazu aus:

Zitat:


Verwendet ein Arbeitnehmer einen geleasten PKW für Auswärtstätigkeiten und macht er dafür die tatsächlichen Kosten geltend, kann nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) eine bei Leasingbeginn zu erbringende Sonderzahlung in Höhe der anteiligen beruflichen Nutzung des PKW zu den sofort abziehbaren Werbungskosten gehören.

Soweit allerdings der Arbeitnehmer den PKW auch für die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte einsetzt, ist die Leasingsonderzahlung durch die Entfernungspauschale abgegolten. Dies hat der BFH mit Urteil vom 15. April 2010 VI R 20/08 entschieden. Mit der Entfernungspauschale seien sämtliche, durch die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte veranlassten Kosten abgegolten, also auch die anteilige Leasingsonderzahlung.

Der BFH hat zudem klargestellt, dass der sofortige steuerliche Abzug der Leasingsonderzahlung in Höhe des auf die Auswärtstätigkeit entfallenden Nutzungsanteils nicht in Betracht kommt, soweit der Arbeitnehmer während der Laufzeit des Leasingvertrags die Kraftfahrzeugkosten nach pauschalen Kilometersätzen geltend macht. Durch die Pauschalbetragsrechnung seien ebenfalls sämtliche mit dem Betrieb des Fahrzeugs verbundenen Kosten abgegolten.




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