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28.07.2010
MLP AG: Keine Rückstellung für Prozessrisiko
Das Drama eines Absturzes in tiefrote Zahlen aus dem Jahre 2002 könnte sich für Deutschlands drittgrößten Finanzmakler, der MLP AG aus Wiesloch in Baden (730.000 Kunden, 90 Prozent Akademiker), in diesem Jahr wiederholen, da die MLP ohne Rückstellungen in einen Schadensersatzprozeß mit Forderungen seitens geschädigter Anleger in Höhe von 34,7 Millionen Euro geht, weil sie offenbar glaubt, diesen Prozeß vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe nicht verlieren zu können.

Mit einer Zahlung von 100.000 Euro konnte Dr. Ing. Bernhard T. (55) im Jahre 2007 gerade noch einen öffentlichen Strafprozess am Landgericht Mannheim wegen Bilanzfälschung verhindern. Doch die Schadensansprüche von Aktionären und Mitarbeitern der MLP AG (1971 als Eicke M., Manfred L. & Partner GbR in Heidelberg gegründet) kann der laut "Who is Who" zu den 100 reichsten Deutschen zählende T. kaum abschütteln. Ebensowenig die MLP AG selbst.

Als Vorstandsvorsitzender der MLP (1999 bis 2003) schoss T. den seit 1988 ersten börsennotierten Finanzmakler Deutschlands im Jahre 2001 in den DAX-30-Börsenhimmel. Die Aktie erlebte einen Höhenflug von bis zu 172 Euro, um dann ein Jahr später auf bis zu 8 Euro abzustürzen, wo sie mit mehreren Schwankungen bis heute steht.

Das Kunststück des Höhenfluges der Aktie und einer Dividendenzahlung von 50 Cent pro Aktie für das Jahr 2001 soll T. nur geschafft haben, weil er den Anlegern 30 Prozent mehr Gewinn vorgegaukelt haben soll, als die MLP tatsächlich hatte. Der Ex-Vorstand und heutige Aufsichtsratsvorsitzende des Finanzdienstleisters Mayflower Capital AG aus Eschborn in Hessen sowie Miteigentümer der Travemünde-Trelleburg TT-Line aus Lübeck bestreitet das.

Den Absturz der Aktie und eine Dividenden-Aussetzung für das Jahr 2002 sowie das Bekanntwerden eines Minus von 36,6 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2002 (der ersten roten Zahl in der MLP-Firmengeschichte) hat ein Bericht des Hamburger Gruner+Jahr-Magazins "Börse Online" im Frühjahr 2002 ausgelöst. Die Staatsanwaltschaft Mannheim nahm Ermittlungen gegen Termühlen und zwei weitere Manager des Unternehmens auf. MLP legte mehrere Gutachten von Wissenschaftlern und Finanzexperten vor, die den Vorwurf zurückwiesen. Ein Hauptverfahren wurde nicht eröffnet.

T. musste dennoch im Jahre 2003 seinen Hut nehmen. Sein Nachfolger wurde im Jahre 2004 bis heute Dr. Uwe Sch. (44). Der ausgebildete Opernsänger (Bariton) aus Mannheim Sch. verkaufte nicht nur die beiden Lebensversicherungstöchter des Unternehmens, um sich auf das Finanzmaklergeschäft zu konzentrieren. Sch. räumte auch mit der zur Schau gestellten Dekadenz seines Vorgängers, dem Bauunternehmers-Sohn T. aus Münster, auf. Seit T.s Weggang fuhr niemand mehr in einem Porsche 911 in der MLP-Zentrale in Wiesloch (26.000 Einwohner), 13 Kilometer südlich von Heidelberg, vor. Der MLP-Learjet, mit dem T. an manchen Tagen in bis zu fünf Länder flog, wurde sofort verkauft. Auch schaffte Sch. die eher peinlichen Kennzeichen M-LP ab, indem er die MLP-Firmenwagen-Flotte von München nach Heidelberg verlegte.

Für die Schäden seines Vorgängers will Sch. nicht so recht gerade stehen. Da stößt er in das Horn seines Vorgängers und weist jegliche Schadensersatzansprüche weit von sich. Im Geschäftsbericht für das Jahr 2009 verkündete Sch. am 21. Mai 2010 vollmundig, dass die Klagen keine Aussicht auf Erfolg hätten. Der Vorstandsvorsitzende hielt es nicht mal für nötig, für die Risiken eines Prozesses Rückstellungen zu bilden.



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