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24.11.2010
Buenos Aires: das bezahlbare Paradies

Wer sich darüber ärgert, dass man in Deutschland selbst in einem Internetcafe seinen Ausweis vorzeigen muss, wenn man sich einloggen will, oder seine Daten in Spanien dem Tankwart preiszugeben hat, wenn man nur eine Benzinfüllung mit der Kreditkarte bezahlt, braucht wahrscheinlich eine Luftveränderung nach Buenos Aires.

Convent In der 12-Millionen-Hauptstadt von Argentinien benötigt man seinen Pass nur, um alle 90 Tage zur Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung einmal nach Uruguay und zurück zu fahren. Ansonsten interessiert sich in Südamerika niemand dafür, wer Sie sind und was Sie bei sich haben. Freiheit pur. Und bezahlbar. Trotz einer Inflationsrate von 20 Prozent (die Regierung spricht offiziell von 11 Prozent) gilt Buenos Aires als die nach wie vor preiswerteste Metropole der gesamten zivilisierten Welt. Mit mehr Theatersälen als Paris (Buenos Aires: 187, Paris: 150) und mehr Taxis auf jeden Einwohner als New York (Buenos Aires: ein Taxi auf 72 Einwohner, New York: ein Taxi auf 681 Einwohner). Mit sechs U-Bahnlinien und mit einem Hafen, der als der geschäftigste Umschlagplatz der Welt gilt.

Während die Ureinwohner vom Stamm der Guarani den ersten Besucher aus Europa, den Matrosen Juan Diaz de Solis, im Jahre 1516 einfach töteten und verspeisten, haben die heutigen Einwohner wegen des Überangebots an Lebensmitteln (Rindfleisch, Korn und Tabak), Kultur (Operngesang, Tangotänze) und Sport (Pferdewetten, Polo, Autorennen, Golf, Basketball, Rugby, Feldhockey, Tennis und natürlich Fußball) ganz andere Sorgen. Das Skyline-Viertel Palerma, in dem die gehobene Mittelschicht lebt, hat inzwischen den Beinamen "Villa Freud", weil dort der weltweit höchste Anteil von Menschen lebt, die eine Psychoanlyse in Anspruch nehmen. Was wohl die Kehrseite von etwas zu viel Gelassenheit ist. Was in Deutschland in einer Stunde geklärt ist, dauert in Buenos Aires schon mal fünf Stunden.

Buenos Aires ist voller Kontraste und erst auf den zweiten Blick schön: In edlen Eingangshallen polieren Portiers Messingschilder, davor durchsuchen Papiersammler den Müll. Wenn man von Puerto Madero ins Microcentro nach Montserrat läuft, ist es ein Spaziergang vom Jahr 2010 ins Jahr 1950. Denn in manchen Stadtteilen scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Die Stadt sieht aus wie Paris, Rom oder Madrid, und gleichzeitig ziehen nachts die Cartoneros um die Häuser. Sie schlitzen stundenlang Kehrichtsäcke auf, bringen Kartons, Plastik und Leergut mit ihren Leiterwagen zu den Sammelstellen, verdienen sich so ein paar Pesos und erledigen nebenbei die Abfalltrennung.

Buenos Aires besteht aus 48 eigenständigen Stadtteilen mit verschiedenen Schwerpunkten. Shoppingmeilen sind Almagro und Balvanera. Wohngebiet der reichen Bevölkerung: Recoleta und Palermo. Börsen- und Geschäftszentrum: Retiro und San Nicolas. Typisches Bahnhofsviertel: Balvanera. Gerichtsbezirk: San Nicolas El Bajo. Buenos Aires ist ein bischen wie Berlin: arm, aber sexy.

Das hat auch die größte homosexuelle Gemeinschaft Lateinamerikas angezogen. Seit 2006 legen viele Kreuzfahrtschiffe mit homosexuellen Gästen an. Es gibt einen Anstieg der von Homosexuellen betriebenen Geschäfte bis hin zum Bau eines 5 Sterne Hotels für Homosexuelle.

Was das Leben in Buenos Airos kostet, wo man zu welchem Preis Immobilien kauft und wo man mit welchen Tricks sparen kann erfahren Leser im kostenpflichtigen Bereich von GoMoPa.net.



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