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22.02.2011
Schalke 04 Tönnies: Ein Milliardär hat es schwer in Deutschland

Clemens Tönnies<br /> © Schalke 04
Clemens Tönnies
© Schalke 04
In Deutschland Milliardär zu sein, ist nicht leicht. Wie bequem und unbehelligt könnte der Schalke 04-Aufsichtsratschef Clemens Tönnies (54) und zugleich größter Schweineschlachter Deutschlands (4,3 Milliarden Euro Umsatz 2010) in der Schweiz leben wie zum Beispiel Pharmamilliardär August von Fink (81), die Brüder Gert-Rudolf Flick (45) und Friedrich Christian Flick (44) oder Spediteur Klaus-Michael Kühne (73), Metrogründer Otto Beisheim (87) oder Massa/Metro-Milliardär Karlheinz Kipp (87).

Doch der Westfale Tönnies bleibt seinem geliebten Gelsenkirchener Fußballclub Schalke 04 treu und lebt in Rheda, wo sein inzwischen verstorbener Bruder Bernd Tönnies im Jahre 1971 den Familienbetrieb "Großhandel für Fleisch und Wurst" gründete. Und zahlt brav in Deutschland seine Steuern.

Dennoch sieht sich Tönnies seit dreieinhalb Jahren aufgrund einer anonymen Anzeige aus dem Jahre 2006 schweren staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ausgesetzt und steht in einem heute in Essen beginnenden Mammutprozeß vor Gericht. Sein Anwalt, Dr. Sven Thomas aus Düsseldorf, beantragte die Einstellung des Prozesses, weil die Ermittlungen das Gebot der Fairness verletzt haben. Das Motiv einer anonymen Anzeige sei nicht überprüft worden. Und die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft sei einfach aufgrund von Befangenheitsbehauptungen des anonymen Anzeigenden von Bielefeld nach Bochum verlegt worden.

60 Razzien musste der Privatmensch und Unternehmer Tönnies seit dem 13. September 2007 über sich ergehen lassen. Beim Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen wurde für Tönnies eine Sonderermittlergruppe FISH (fraud in slaughterhouse - Betrug im Schlachthaus) gegründet. Tönnies sollte auf Zypern Schwarzgeld versteckt haben und in großem Stil Waagen manipuliert und mit Gammelfleisch gehandelt haben. Insgesamt 24 Vorwürfe. Erst das Oberlandesgericht (OLG) Hamm konnte die eifrige Staatsanwaltschaft Bochum stoppen. Nur noch ein einziger Vorwurf blieb übrig, und der wird seit heute vor dem Landgericht Essen verhandelt: Etikettenschwindel beim Hackfleisch. Statt 45 Prozent sollen in 175 Millionen Packungen nur 26 bis 36 Prozent Rindfleischanteil gewesen sein, die zwischen 2004 und 2007 an Aldi, Lidl, Rewe und Edeka ausgeliefert worden seien.

Verstöße gegen das Lebensmittelgesetz seien "alles andere als Peanuts", verteidigt der Bochumer Staatsanwaltschaftssprecher Bernd Binioßek in der Neuen Westfälischen die harte Hand der staatlichen Ermittler. Die Bochumer Staatsanwaltschaft habe in dem Fall einfach nur ihre vom Gesetzgeber vorgeschriebene Arbeit gemacht, meinte er. Doch seine Behörde musste im Laufe der Ermittlungen einen Vorwurf nach dem anderen fallen lassen. Zum Schluss fiel sogar der schwerste Vorwurf: Betrug. Das Oberlandesgericht bestätigte am 7. Februar 2011 die bereits vom Landgericht Essen ausgesprochene Nichtzulassung eines Betrugs-Prozesses gegen Tönnies. Gegen dieses Landesgerichtsurteil ist die Staatsanwaltschaft Bochum in Revision gegangen und fing sich eine schallende Ohrfeige ein.

Im Prinzip hat das Oberlandesgericht Hamm dem Landgericht Essen, das heute den angeblichen Etikettenschwindel verhandelt, einen deutlichen Hinweis in Richtung Unschuld von Tönnies gegeben:



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