GoMoPa: Österreich: Marktmanipulation keine Straftat - Pascal Geraths auf freiem Fuß
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25.03.2011
Österreich: Marktmanipulation keine Straftat - Pascal Geraths auf freiem Fuß

Haftbefehl in Deutschland:<br /> Pascal Geraths (31)<br /> © The brandgeneration AG
Haftbefehl in Deutschland:
Pascal Geraths (31)
© The brandgeneration AG
Der am 16. März 2011 in seiner Salzburger Wohnung verhaftete mutmaßliche deutsche Millionenbetrüger Pascal Geraths (31) ist schon wieder auf freiem Fuß und muss auch keine Auslieferung nach Deutschland fürchten. "Trotz unseres Haftbefehls ist der Beschuldigte wieder frei und wird nicht ausgeliefert, weil Marktmanipulation in Österreich keine Straftat ist", sagte die Erste Staatsanwältin und Pressedezernentin der Staatsanwaltschaft Stuttgart, Claudia Krauth, dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net.

Natürlich bleibe der Haftbefehl in Deutschland bestehen. Aber solange sich Geraths in Österreich aufhält, haben die deutsche Justiz und Polizei keinerlei Handhabe. Dabei war die österreichische Polizei sehr hilfsbereit. Der Salzburger Kripo-Chef, Andreas Huber, reagierte sofort, als er von deutschen Fahndern den Hinweis bekam, dass sich der in Deutschland per Haftbefehl gesuchte mutmaßliche Millionenbetrüger Pascal Geraths in Salzburg aufhalten soll. Der Kripo-Chef ließ den Deutschen in Haft nehmen. Doch nach Überprüfung des genauen Tatvorwurfs Marktmanipulation musste ein Richter den Gesuchten nach österreichischen Gesetzen wieder freilassen. Marktmanipulation ist in Österreich nur ein Vergehen und begründet kein Strafverfahren.

In Stuttgart ist man darüber nicht erfreut. "Immerhin hat der Beschuldigte durch die Marktmanipulation im Frühsommer 2006 einen Erlös von über 47 Millionen Euro erzielt", sagte die Erste Staatsanwältin Claudia Krauth gegenüber GoMoPa.net.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart wirft dem aus Nordrhein-Westfalen stammenden Geraths vor, im Jahre 2006 über seine Salzburger PR-Firma Pascal Geraths GmbH die kanadische Goldminenfirma De Beira Goldfields mit gezielten Falschmeldungen im Freiverkehr der Frankfurter Börse gepusht zu haben, um dadurch später, als herauskam, dass die Gesellschaft gar kein operatives Geschäft hat und eigentlich nur ein leerer, wertloser Firmenmantel war, an den Leerkäufen (Wetten auf fallende Kurse) ein Vermögen zu verdienen. Geraths soll sich dabei zweier Komplizen bedient haben, über deren Identität sich die Staatsanwaltschaft Stuttgart bedeckt hält.

Die Financial Times Deutschland berichtete über zwei Auffälligkeiten:

Zum einen gab der in Australien lebende deutsche Geologe Klaus Eckhoff seinen zugkräftigen Namen für die Goldminen-Firma her und übernahm sogar den Vorstandsvorsitz von De Beira Goldfields. Die Aktie schoss dadurch im Juni 2006 für einen Moment um 400 Prozent in die Höhe.

Zum anderen habe das Finanz- und Newsmagazin "bullVestor" von Inhaber Helmut Pollinger aus Österreich seit Anfang 2006 die Aktie von De Beira beworben. Geraths durfte dann den Börsenbrief "bullVestor" ab Mai 2007 exklusiv vermarkten und übernahm sogar die Chefredaktion. Geraths hatte nach eigenen Angaben für insgesamt 17 Goldminen-Pennystocks PR-Arbeit geleistet.

Pollinger erklärte gegenüber GoMoPa.net: "Ich bin kein Komplize von Geraths. Ich bin auch nicht angeklagt. Geraths hat bullVestor erst Ende 2006 übernommen, da war die Sache mit De Beira schon gelutscht. Die Vermarktung von bullVestor durch Geraths hat nichts gebracht, so dass ich den Vertrag mit Geraths später wieder aufgelöst habe."

Eine unrühmliche Rolle habe ein Focus-Redakteur gespielt, der dann aber sofort entlassen wurde.

Der verantwortliche Finanzredakteur Christian Euler hatte eine Doppelrolle inne. Erstens als Focus-Redakteur und zweitens als Herausgeber eines Börsenbriefes namens "Blue SkyLevel", den er über die britische Firma Grosvenor vertrieb. Euler empfahl am 15. Mai 2006 im "Focus" die Aktie des Goldminenkonzerns De Beira und und wenig später auch in seinem Börsenbrief. Die Aktie von De Beira fiel aber in den zwei Monaten nach dem "Focus-Money"-Bericht von 18 Euro auf 3,58 Euro.

Nachdem die Bonner Finanzmarktaufsicht BaFin bei den dubiosen Goldminen-Firmen eine Untersuchung auf Marktmanipulation eingeleitet hatte, sattelte Geraths auf einen neuen Geschäftszweig um: Die Verlags-, Musik- und Filmindustrie. Und pusht aktuell schon wieder unter dem Schutz österreichischer Gesetze eine leere Firmenmantel AG im Freiverkehr der Frankfurter Börse. Und natürlich wieder mit Hilfe eines Börsenbriefes, der anonym arbeitet, aber ihm gehören soll.

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