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19.04.2011
Abgetaucht

Convent Einfach so abtauchen - frei nach dem Motto "Ich geh mal eben Zigaretten holen" und dann nicht zurückkommen und nie wieder erreichbar sein? Der Finanznachrichtendienst GoMoPa.net ging der Frage nach, wie man so etwas macht, was es kostet und wovor man sich dabei hüten sollte.

Im Udo-Jürgens-Hit "Ich war noch niemals in New York" hat die erträumte Flucht nicht geklappt. Aber mit dem entsprechenden "Kleingeld" in der Tasche (eine Million Euro sollten es schon sein) ist das im wahren Leben nicht mehr ganz so schwer, wie einige prominente Beispiele beweisen.

Dr. Kloiber mit 15 Millionen auf der Flucht

Da ist der falsche Kreditversprecher Dr. Maximilian Kloiber (Fahndungs-Foto, 53) aus Hennigsdorf bei Berlin. Er charterte am 20. November 2004 auf dem Flughafen Eberswalde im Land Brandenburg ein Kleinflugzeug und flog mit seiner mongolischen Geliebten Gantuya Yonon (46) und einem Koffer mit mindestens 15 Millionen Euro nach Ulan Bator und ward nicht mehr gesehen.

Convent Erzählt hat er seiner Frau und den Geschäftsfreunden, er müsse sich mal eben in der Schweiz operieren lassen. Die Staatsanwaltschaft Potsdam lässt den Millionenbetrüger seit dem 2. Juni 2009 mit Zielfahndern weltweit suchen. Aber weder die Fahnder, noch 20.000 Euro Belohnung, noch Privatdektive aus halb Europa führten zum Versteck des falschen Doktors, der aus Bayern stammt und eigentlich Sanders heißen soll.

Er hatte den Anlegern im Jahre 2004 mindestens 18 Prozent Rendite verprochen, wenn sie bei ihm einen Millionenkredit bestellten. Sie müssten zehn Prozent der Kredithöhe anzahlen, das Geld arbeite dann bei einer geheimen Großbank für sie. Sie bekämen das Achtfache des Angezahlten zurück, so dass der Kredit in 12 Jahren fast von alleine getilgt sei. Es gab aber weder Kredite noch ein Investment, sondern nur ein Schneeballsystem.

 Liebt den Jet-Set:<br /> Ulrich Engler (50)<br />©Staatsanwaltschaft<br />Mannheim
Liebt den Jet-Set:
Ulrich Engler (50)
©Staatsanwaltschaft
Mannheim
Aktienbetrüger Engler mit 112 Millionen Euro verschwunden

Nicht weniger erfolgreich verschwand im Jahre 2007 der Daytrader Ulrich Engler (50) aus Andelfingen. Er war der große Sponsor der Galopprennen von Iffezheim bei Baden-Baden. Doch seit Oktober 2007 ist der Lebemann auf der Flucht, nachdem aufflog, dass er mit einem Schneeballsystem mindestens 100 Millionen Euro deutscher Anleger verbrannt hatte. Bis heute fehlt von dem Aktienbetrüger jede Spur. Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat auf Engler ein Kopfgeld von 10.000 Euro ausgesetzt, wie Staatsanwaltschaftssprecher Thomas Pfeiffer GoMoPa.net bestätigte.

Staatsanwalt Pfeiffer: "Der mit internationalem Haftbefehl gesuchte Engler soll in den Jahren 2005 bis 2007 von Florida/USA aus ein riesiges Schneeballsystem initiiert haben, indem er vortäuschte, durch so genannte Day-Trading-Geschäfte am amerikanischen Markt (Börse) hohe Gewinne zu erzielen. Er garantierte den geprellten Kapitalanlegern Renditen von bis zu 72 Prozent pro Jahr. Über 6.000 Geschädigte in Deutschland, Österreich und der Schweiz überwiesen im Glauben an die sehr hohen Gewinne Gelder auf Bankkonten des Beschuldigten in den USA. Der Schaden beläuft sich auf mindestens 160 Millionen US-Dollar."

Engler bewohnte bis zu seiner Flucht im Sommer 2007 eine Villa in Bonita Springs/Florida und führte ein luxuriöses Leben. Er hat ein Faible für schnelle, teure Autos und ist leidenschaftlicher Golfer. Bereits vor über zehn Jahren hatte sich Engler in die USA abgesetzt. Die Ermittler gehen davon aus, dass er in Begleitung seiner Lebensgefährtin und des gemeinsamen Yorkshire Terriers immer wieder seinen Aufenthaltsort wechselt.

Hedgefondsmanager Forian Homm setzte sich mit Millionen ab

Angeblich aus persönlichen Gründen verließ der Großinvestor bei Borusssia Dortmund und Gründer des von Mallorca aus operierenden Hedgefonds Absolute Capital Manager (ACM), Florian Homm (50), im September 2007 überstürzt den Vorstand des ACM, verkaufte seinen 15-Prozent-Anteil und tauchte unter. Selbst engere ehemalige Mitarbeiter wissen nicht, wo Deutschlands bekanntester Hedge-Fonds-Manager steckt.

Florian Homm in seiner Paraderolle<br /> als Großinvestor bei Borussia Dortmund © BVB
Florian Homm in seiner Paraderolle
als Großinvestor bei Borussia Dortmund © BVB
Der Zwei-Meter-Mann wurde in den letzten drei Jahren ein paar Mal in der Schweiz gesichtet, unter anderem in Zürich. Seine Investoren lassen ihn auf der ganzen Welt suchen. In Finanzkreisen kursieren wilde Gerüchte: Weil "Florian Wilhelm Juergen Homm" einen liberianischen Pass besitzt und von der Unesco als liberianischer Kulturattache geführt wird, soll er in Liberia sein. Die Russenmafia sei hinter ihm her, oder die Hells Angels. Eine von Investoren Anfang 2010 beim US-Distriktgericht für New York Süd eingereichte Klage allerdings lässt vermuten, dass er sich schlicht an einem sicheren Ort vor der Justiz verbirgt.

Homm und seine Helfer sollen die Investoren um 140 Millionen Euro geprellt haben. Laut Klageschrift habe Homm ein System entwickelt, bei dem sich die Manager gleich vier Mal die Taschen voll stopfen konnten: Erstens kauften die Fonds nullwertige private Aktien der Manager, kauften die Aktien dann gegenseitig und pushten sie so nach oben. Neben den Verkaufserlösen bekamen die Manager zweitens Gebühren für die Platzierung von Aktien, drittens Handelsprovisionen und viertens Boni.

Doch es gibt nicht nur Beispiele für einen erfolgreichen Ausstieg. Es kann auch mal was schief gehen.

Die Zeitung Arabian Business<br /> zeigte 2009<br /> Robin Lohmann auf<br /> dem Cover und fragte:<br /> Wo ist das Geld hin, Robin?
Die Zeitung Arabian Business
zeigte 2009
Robin Lohmann auf
dem Cover und fragte:
Wo ist das Geld hin, Robin?
Vergeigt: Falsche Identitäten für die ACI-Lohmänner

Das man die Sache auch vergeigen kann, bewies zum Beispiel der Lohman-Clan aus Gütersloh in Nordrhein-Westfalen. Die Chefs der ACI-Dubai-Pleitefonds bestellten per E-Mail am 12. Juni 2009 bei der Firma Baker Offshore Incorporation auf den British Virgin Islands einen "Second Passport" verbunden mit einer neuen Identität, auch "Emergency Passport" genannt, wie Kathleen Hartwell von Baker Offshore GoMoPa.net mitteilte. Die E-Mail liegt GoMoPa.net vor. Nach mehreren Telefonaten mit Nadine Lohmann (36) und Vater Uwe Lohmann (66) scheiterte schließlich die Aktion nach Aussagen von Kathleen Hartwill daran, dass Juniorchef Robin Lohmann (36) zum vereinbarten Termin in Bahrain nicht persönlich erschien, sondern nur einen Mittelsmann schickte. Die Lohmanns hatten nach Aussage der Offshore-Firma eine Anzahlung von 750.000 Euro geboten.

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld erhebt derzeit gegen Uwe Lohmann und dessen Sohn Robin Anklage wegen Kapitalanlagebetruges in drei Fällen. 56 Millionen Euro Kommanditeinlagen von rund 8.000 Anlegern der Alternative Capital Invest Dubai Fonds III, IV und V aus den Jahren 2006 bis 2007 seien verschwunden.

Dumm gelaufen: das geplatzte Panamaversteck von Firmenbestatter Elders

Der Erfinder des Firmenbestattersystems "GmbH-Verkauf ins Ausland statt Insolvenz in Deutschland" und Boss der berüchtigten Marbella-Connection Herbert Elders (71, Foto © Spiegel) aus Kleve am Niederrhein war nach seinem Geständnis und seiner Verurteilung zu fünf Jahren Haft am 13. Dezember 2006 vor dem Landgericht Mühlhausen in Thüringen zunächst krank und dann verschwunden. Statt seine Haft anzutreten war Elders nach Panama geflüchtet.

Convent Allein bei den bekannt gewordenen Fällen soll Elders 4,7 Millionen Euro an Provisionen kassiert haben. Von diesem Schwarzgeld, das er nach Aussagen seiner auf Bewährung verurteilten und in Berlin lebenden Ehefrau Christine Maria Elders (57) in Gibraltar versteckt habe, sowie von einer Rente der Deutschen Rentenversicherung in Höhe von 765 Euro monatlich hätte Elders wohl bis zu seinem Tod ein "lebenswertes Leben ... in einem fantastischen Sonnen-Klima" führen können, wie er in einem Internet-Blog schrieb. Stattdessen musste er unbedingt an seinem Staatsanwalt Frank Erdt (48) Rache nehmen wollen und schrieb im Internet einen öffentlichen Beschwerdebrief ans Bundeskriminalamt. Den Brief schrieb er an seinem Computer in seinem Versteck in dem Provinzort El Coco in der Nähe von La Chorrera. Wohl in Erwartung, er bekäme eine Antwort, gab Elders sogar seine richtige E-Mail-Adresse an: rvacris@gmail.com.

Da nützte ihnm sein schöner neuer Pass auf den Namen Herbert Josef Helders und ein falsches Geburtsdatum (6 Jahre jünger) gar nichts. Am 13. Dezember 2010 holten ihn Thüringer Zielfahnder aus Panama ab und brachten ihn in ein deutsches Gefängnis.

Was sagt nun ein Identitäts-Beschaffer dazu? Wie kann man Fehler vermeiden? Lesen Sie hier das Exklusiv-Interview von GoMoPa.net mit einem Profi aus der sonst so verschwiegenen Zunft:



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