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06.10.2011
Insiderhandel mit GAGFAH-Aktien

Die Staatsanwaltschaften in Düsseldorf und Duisburg prüfen gerade, wer die Ermittlungen gegen fünf Verdächtige aufnimmt, die mit Wertpapieren (Aktien) der luxemburgischen GAGFAH SA Insiderhandel begangen haben sollen. GAGFAH S.A. (Gemeinnützige Aktien-Gesellschaft für Angestellten-Heimstätten Societe Anonyme) hat ihren deutschen Hauptsitz in Essen und ist mit deutschlandweit 155.000 Wohnungen das größte an einer deutschen Börse notierte Wohnungsunternehmen.

Convent Wie der Finanznachrichtendienst GoMoPa.net aus zuverlässiger Quelle erfuhr, sollen zu den Verdächtigen auch der GAGFAH-Vorstandsvorsitzende William Joseph Brennan (Foto © Michael Wiegmann) und vier weitere Manager gehören. Wegen des Zuständigkeitsstreits der Ermittlungsbehörden bestätigte Oberstaatsanwalt Ralf Möllmann aus Duisburg gegenüber GoMoPa.net lediglich, dass die Anzeige von der Bonner Finanzmarktaufsicht BaFin stammt.

Der amtierende BaFin-Sprecher Ben Fischer sagte daraufhin zu GoMoPa.net: "Wir haben im Sommer diesen Jahres eine förmliche Untersuchung wegen des Verdachts auf Insiderhandel in Wertpapieren der GAGFAH aufgenommen und Ende August abgeschlossen. Da sich die Vorwürfe bestätigten und Insiderhandel eine Straftat ist, haben wir das Verfahren an die Staatsanwaltschaft abgegeben. Die Staatsanwaltschaft muss nun entscheiden, ob sie aufgrund unserer Ergebnisse Anklage erhebt."

GAGFAH S.A.-Pressesprecherin Bettina Benner schickte GoMoPa.net eine Stellungnahme des Verwaltungsrates, der sich beklagt, dass man nicht darüber informiert wurde, gegen wen sich die Insiderhandels-Vorwürfe richten würden. Der Verwaltungsrat wörtlich: "Die Geschäftsführung hat den Verwaltungsrat ferner darüber informiert, dass ihr derzeit nicht bekannt sei, gegen welche Person oder Personen welche genaue Beschuldigung erhoben werde, da weder die BaFin noch die Staatsanwaltschaft mit Einzelpersonen oder mit dem Unternehmen Kontakt aufgenommen hätten und da sie selbst von der Anzeige durch eine redaktionelle Presseanfrage erfahren habe."

Dazu sagte BaFin-Sprecher Ben Fischer zu GoMoPa.net: "Bei Untersuchungen von Insiderhandel muss niemand kontaktiert werden. Wir werten zum Beispiel Daten der Handelsbuchungsstelle aus."

Die GAGFAH habe nun selbst eine Untersuchung eingeleitet und konnte keine Insidergeschäfte feststellen. Der Verwaltungsrat teilte GoMoPa.net mit: "Der Verwaltungsrat hat den der Untersuchung und Anzeige mutmaßlich zugrunde liegenden Sachverhalt mit der gebotenen Sorgfalt selbst untersucht sowie durch eine externe Anwaltskanzlei prüfen lassen. Hierbei sind dem Verwaltungsrat keine Tatsachen bekannt geworden, welche den Verdacht einer Straftat begründen.

Der Verwaltungsrat der GAGFAH S.A. und die Geschäftsführung werden auch weiterhin bestmöglich mit den Behörden mit dem Ziel einer Aufklärung der Angelegenheit kooperieren."

Knackpunkt sind die Vorgänge in Dresden

Im April 2006 hat die GAGFAH von der Stadt Dresden die WOBA Dresden mit zirka 48.000 Wohnungen und zirka 1.320 Gewerbeeinheiten übernommen. Die Stadt entsandte ihren Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) in den Aufsichtsrat der WOBA. Die Geschäftsführung übernahmen die GAGFAH-Chefs William Joseph Brenann, Stephen Charlton, Stefan de Greiff und Nicolai Kuß.

Die GAGFAH verkaufte in den Jahren 2007 bis 2010 insgesamt 74 Objekte der WOBA und habe, so die Vorwürfe der Stadt, in den Verkaufsverträgen nicht die bei der Privatisierung im Jahre 2006 ausgehandelte Sozialcharta weitergegeben. Die Stadt Dresden warf der GAGFAH vor, die GAGFAH habe es nur auf einen schnellen Weiterverkauf der Wohnungen abgesehen und würde die Wohnungen vernachlässigen. Die Stadt verlangte die Durchsetzung der Sozialcharta. Doch die GAGFAH lenkte nicht ein. Insbesondere sah die Sozialcharta ein günstiges Vorkaufsrecht der Mieter für die eigene Wohnung vor. Die Klausel fehlte in den Weiterverkaufsverträgen, um offensichtlich einen höheren Preis zu erzielen oder überhaupt die Wohnungen verkaufen zu können.

GAGFAH-Chef Brennan verkaufte rechtzeitig vor Dresden-Klage Aktien im Wert von 4,7 Millionen Euro

Nachdem die Verhandlungen mit der Stadt Ende 2010 erfolglos abgebrochen worden waren, verkaufte WOBA- und zugleich GAGFAH-Chef Brennan Anfang Februar Aktien im Wert von 4,7 Millionen Euro. Brennan soll von Insiderwissen profitiert haben, behauptet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe. Nach den geplatzten Verhandlungen und dem abgelehnten Vergleich habe er und das Management gewusst, dass Dresden nur noch der Klageweg bleibe. Zumal in einem Vermerk von damals die Klagefrist bis 31. März 2011 stehe.

Wollte Brennan vor der Dresden-Klage Kasse machen?

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