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22.10.2011
Anlagebetrug: Das Steuerberater-Testat
Wie wenig Wahrheit in einem Steuerberater-Testat stecken kann, mussten 30 Anleger erleben, die zwei mittellosen, vorbestraften und hochverschuldeten Deutschen in fünf Jahren 6,8 Millionen Euro in die Schweiz überwiesen, weil sie annahmen, bei den Männern handele es sich um zwei ehrbare Vorstände zweier Schweizer Aktiengesellschaften.
Dass alles nur ein großer Bluff war, hatte nicht einmal ein institutioneller Anleger gemerkt. In Erwartung, an Fonds Schweizer Großbanken und an einer Bankgründung in Neuseeland beteiligt zu werden und dafür zehn Prozent Rendite im Jahr zu kassieren, überwies auch eine bayerische Pensionskasse dem Betrüger-Duo 3,3 Millionen Euro. Das Geld ist weg.
Knapp 10.000 Euro waren der klägliche Rest, den die Staatsanwaltschaft der Pensionskasse zurückgeben konnte, nachdem sie die Betrüger vor 11 Monaten hochnahm und in Untersuchungshaft steckte. Die Anleger, viele aus Unterfranken, haben praktisch ihr investiertes Geld verloren. Die Einlagen variierten zwischen 30.000 und 500.000 Euro. Letzten Dienstag (18. Oktober 2011) wurden die Männer vom Landgericht Würzburg nach einem umfassenden Geständnis zu je knapp 7 Jahren Haft verurteilt.
Doch wie konnten ein 50jähriger gelernter Elektriker aus dem Dorf Wildflecken (Bayern), der nach einer gescheiterten Karriere als Versicherungsverkäufer und nach einer Pleite mit einem Möbelhandel im Altlandkreis Bad Brückenau im Jahre 1998 wegen Betruges und Steuerhinterziehung für 3 Jahre ins Gefängnis geschickt wurde, sowie sein gleichaltriger Knast-Kumpel, ein ehemaliger Devisenbanker aus dem hessischen Kreis Fulda, der wegen Untreue in 16 Fällen einsaß, nach der gemeinsamen Freilassung als angebliche Kaufleute so viele Anleger täuschen?
Der Trick war verblüffend einfach:
Sie heuerten einen Fälscher an, den sie ebenfalls im Gefängnis kennengelernt hatten. Für ein späteres Monatssalär von 3.000 bis 5.000 Euro erstellte er dann als Computerspezialist regelmäßig Kontoauszüge, Bankschreiben und Anlagebestätigungen von Schweizer Banken, die den Eingang des Geldes und die rasante Vermehrung des Kapitals bestätigten.
Diese total gefälschten Unterlagen legten die vermeintlichen Kaufleute einer Steuerberater-Kanzlei im Landkreis Bad Kissingen in der Rhön vor. Vor Freude über so solvente Kunden stellte die Kanzlei den Betrügern Testate aus. Diese Steuerberater-Testate waren der Türöffner zu den Anlegern und zerstreuten sogar bei der Pensionskasse alle Zweifel über die Sicherheit der Gelder, die den Betrügern als Darlehen zur Verfügung gestellt wurden.
Ein plumper Schreibfehler fiel den Steuerberatern nicht auf:
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