
21.11.2011
MPC, PRORENDITA, Lloyd - mit britischen Policen verspekuliert?
Böses Erwachen für deutsche Anleger, die zur Absicherung eines Kredits, zur Altersvorsorge oder einfach nur zum Kapitalaufbau in einen Fonds eingezahlt haben, der mit gebrauchten britischen Lebensversicherungspolicen handelt.
Ihre noch vor zehn Jahren versprochenen Renditen von sechs bis zehn Prozent jährlich sind auf ein Minimum von zwei Prozent oder gar auf Null geschrumpft. Aufgrund der Finanzkrise 2008 kam auch der britische Lebensversicherungszweitmarkt fast vollständig zum Erliegen. Die Rückkaufswerte und Ablaufleistungen der Policen waren stark zurückgegangen, ein Verkauf konnte nur unter Wert stattfinden.

Mathias Nittel © Eigendarstellung
Webseite Kanzlei Nittel Heidelberg
Die Hälfte der Anleger sei über 60 Jahre alt. "Zwischenzeitlich sind einige dieser Fonds in ernsthaften Schwierigkeiten, vielfach droht die Verwertung der Policen durch die Banken, die den Fonds zusätzliche Kredite gegeben haben. Für die Anleger droht der Totalverlust."
Hintergrund der aktuellen Schieflage sei die Abhängigkeit der Rendite britischer Lebensversicherungen von der Entwicklung der Aktienmärkte. "Aufgrund des Börsencrashs 2000 bis 2003 mussten die britischen Versicherungen, die bis dahin bis zu 90 Prozent in Aktien investieren durften, zum Teil erhebliche Verluste hinnehmen", erläutert Nittel.
"Diese müssen erst mühsam wieder durch erwirtschaftete Renditen aufgefüllt werden. Die britische Finanzmarktaufsicht FSA hat darüber hinaus nach dem Börsencrash den Aktienanteil auf 50 Prozent reduziert, was sich auf die Möglichkeiten zur Renditeerzielung in steigenden Märkten negativ auswirkte. Kein gutes Umfeld für eine Spekulation auf steigende Policenwerte. Die anhaltende Unruhe auf den Finanzmärkten trägt nicht dazu bei, dass sich die Ablaufsummen und damit die Policenwerte erhöhen." Die von deutschen Kapitallebensversicherungen angebotenen garantierten Zinsen von 2,25 Prozent (ab 2012 nur noch 1,75 Prozent) mögen mager sein - sie sind wenigstens garantiert. Dafür dürfen die deutschen Versicherer nur bis zu 35 Prozent in Aktien investieren.
Bei britischen Kapitallebensversicherungen gibt es keine Garantie auf den Rückkaufswert. Es wird das gezahlt, was jeweils im vergangenen Jahr auch wirklich vom Versicherer erwirtschaftet wurde, wobei die Weitergabe von Boni an die Versicherten stets, also auch in fetten Jahren, im Ermessen der britischen Versicherer liegt.
Der Einbruch der Aktienmärkte ließ die Kapitalstocks der britischen Versicherungen schrumpfen.
Rückkaufswerte um 20 Prozent gesenkt
Verschiedene britische Versicherungsgesellschaften haben nun die Rückkaufswerte ihrer Policen aufgrund der aktuellen Lage auf den Kapitalmärkten um bis zu 20 Prozent gesenkt, berichtet Rechtsanwalt Nittel. Die Folgen für die deutschen Fonds, die sich mit diesen Policen eingedeckt haben, sind fatal. Ein Weiterverkauf, von dem die Fonds normalerweise nach einem Wertzuwachs der Policen leben, wäre zur Zeit nur mit hohen Verlusten machbar. Endfälligkeiten der Policen, also Auszahlungen, gibt es auch immer weniger, da die Leute länger leben als erwartet.
Dennoch müssen die monatlichen Prämien weitergezahlt werden. Und natürlich die Kredite bedient werden, die die Fonds zusätzlich aufgenommen haben, um das Geschäft zu hebeln. Oder die Banken stellen die Kredite fällig, und wenn die Fonds nicht zahlen können, werden die Policen als Pfand genommen und eben unter Wert verkauft. Die Anleger gehen in diesem Fall leer aus. Einige Fonds müssen ums Überleben kämpfen.
MPC, PRORENDITA, Lloyd
Rendite oder böses Erwachen und wie agiert man als Anleger?
MPC Rendite-Fonds Britische Leben Plus: Bislang nur 2 Prozent Ausschüttung:
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