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13.12.2011
Clerical Medical Investment: Ex-Vermittler kaufen Forderungen
Vor zehn Jahren verdienten sich die Erfinder und Vermittler fremdfinanzierter Rentenmodelle wie Europlan oder Sicherheits-Kompakt-Rente (SKR) mit der englischen Lebensversicherung Clerical Medical Investment Limited (CMI) dumm und dusselig. Heute bieten dieselben Vermittler ihren Kunden in Briefen an, sie aus den mittlerweile wertlosen Policen wieder rauszuholen.
Doch die Hilfe sei zu teuer, zu riskant und komme viel zu spät. Die bereits laufenden 1.000 Prozesse gegen die CMI haben gute Chancen, auch ohne die plötzlichen Helfer gewonnen zu werden, wie der Finanznachrichtendienst GoMoPa.net von der Münchener Kanzlei KAP Rechtsanwälte erfuhr.
Für die Vermittler war CMI eine Goldgrube
Bei einer Versicherungssumme von 400.000 Euro kassierten die Vermittler bis zu 10 Prozent Provision (40.000 Euro) aus dem gleichzeitigen Abschluss eines Kredits bei der Landesbank Hessen-Thüringen, einer Sofortrente gegen Einmalbetrag bei der Alten Leipziger, einer fondsgebunden Rente zur Bezahlung des Kredits bei der Clerical Medical Investment Limited und einer Risikolebensversicherung zur Absicherung des Kredits im Krankheitsfall oder bei Arbeitslosigkeit.
Die hohen Versicherungssummen kamen durch Kredithebelung zustande. Wer eine Abfindung oder Auszahlung aus einer Lebensversicherung in Höhe von 100.000 Euro zur Verfügung hatte, durfte per Kredit bis zu 400.000 Euro als Einmalzahlung oben drauflegen und hatte so einen fünffachen Hebel seines Kapitals.
Wer nur 12.000 Euro zur Verfügung hatte, durfte diese 12.000 Euro und zehn Jahre lang monatlich 880 Euro in das Modell einzahlen und bekam dann bei einem im Hintergrund laufenden Kredit von 200.000 Euro nach 21 abgeschlossenen Jahren, wenn der Kredit durch die Wertentwicklung der Anlage abbezahlt worden sei, eine jährliche Rente von 31.190 Euro. Und zwar 60 Jahre lang und auch für die Erben in voller Höhe. So die Versprechungen.
Durch angeblich zweistellige Wertzuwächse bei der englischen Versicherung, die damals bis zu 90 Prozent in Aktien anlegen durfte (in Deutschland sind Versicherern nur 35 Prozent Aktien erlaubt), würden sich die Kredite praktisch von allein abbezahlen, und man hätte am Ende eine schöne Rente.
Doch die Börsencrashs von 2000 und 2003 verhagelten allen britischen Lebensversicherern, so auch der Clerical Medical Investment, die Renditen. Statt zehn Prozent gibt es nur noch zwei oder gar null Prozent. Die Helaba (Landesbank Hessen-Thüringen) aus Frankfurt am Main verlangt unterdessen jedoch die Bedienung ihrer Kredite. Tausende Kunden sehen sich unbezahlbaren Forderungen ausgesetzt und können auch keine Rückzahlung ihres Kapitals von der CMI erwarten.
Anders als deutsche Versicherer bieten englische Versicherer keine Garantieauszahlung. Es wird das gezahlt, was jeweils im vergangenen Jahr auch wirklich vom Versicherer erwirtschaftet wurde, wobei die Weitergabe von Boni an die Versicherten stets, also auch in fetten Jahren, im Ermessen der britischen Versicherer liegt. Der Einbruch der Aktienmärkte ließ die Kapitalstocks der britischen Versicherungen schrumpfen.
In dieser Situation haben die Ex-Vermittler und Erfinder von Europlan und Schnee Rente (Sicherheits-Kompakt-Rente) ein neues Geschäftsfeld entdeckt.
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