
20.12.2011
SLR Beteiligungsfonds I: Leere Villa, kein Treuhänder und Null Auszahlung

Verlassene Villa in Berlin Lichterfelde
Bis vor kurzem residierten der Hobby-Schafzüchter Alexander Welitschkow (36) und die nebenberufliche Zoohändlerin Melanie Weltischkow (44) aus Zinndorf (Märkische Schweiz) hauptberuflich als Fondsinitiatoren und Finanzvertriebler in einer Dienstvilla in der Frauenstraße 6 in Berlin Lichterfelde. Die Miete von 8.350 Euro beziehungsweise 100.020 Euro im Jahr übernahmen die Anleger eines Blindpool-Fonds, den Melanie und Alexander Welitschkow im Frühjahr 2005 auflegten. Die laufenden Kosten in Höhe von 219.000 Euro im Jahr ebenfalls. So sah es der 74seitige Prospekt vor, den Melanie Welitschkow am 18. Mai 2005 unterschrieb und den jeder Anleger mit seinem Beitritt anerkannte.
Der Name des Fonds lautet SLR Beteiligungsfonds I GmbH & Co. KG. Ein Lebenswerk für die Emittenten und Anleger gleichermaßen, denn die Laufzeit endet erst zum 31. Dezember 2032. Bis dahin wollten die Welitschkows 20 Millionen Euro eingesammelt haben und den Anlegern je nach Anlageform (Einmalzahlung ab 500 Euro, Ratenzahlung ab 25 Euro im Monat oder beides kombiniert) pro Jahr zwischen 3 und 5,5 Prozent Rendite erwirtschaften.

Rechtsanwalt Sven
Tintemann aus Berlin
©Kanzlei Dr. Schulte
Diese 20-Millionen-Fonds-Idee kam den Welitschkows nicht einfach so in den Sinn. Neben der Tierzucht und dem Handel mit Tierfutter hatte das Paar im Jahre 2002 am damaligen Wohnort in Kleinmachnow einen klassischen Versicherungsstrukturvertrieb gegründet: die Allround Capital Management Cooperation GmbH & Co. KG, kurz ACM. Diese ACM sollte besser und größer werden als der berühmte AWD von Carsten Maschmeyer aus Hannover.
In Kaltanrufen wurden Kunden zu Versicherungsvergleichen im heimischen Wohnzimmer überredet. Es gebe doch viel bessere Investitionen als Bausparverträge, Kapitallebensversicherungen oder Sparbücher. Der ACM vermittelte Fondsprodukte. Im Jahre 2005 initiierten die Welitschkows schließlich ihren eigenen Dachfonds.
Die außergewöhnlich hohen Kosten des Fonds schienen den zuhause aufgesuchten Kunden wohl nicht aufgefallen zu sein, als sie bei der SLR Beteiligungsfonds I GmbH & Co KG einen 15jährigen, 20jährigen oder 25 Jahre laufenden Vertrag unterschrieben, bei dem es während der Laufzeit keine ordentliche Kündigung gibt.
Das betraf nicht nur die 8.350 Euro teure Dienstvilla im Monat:
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