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08.02.2012
Pleite der Global Real Estate bestraft die stillen Teilhaber

Seit dem Jahre 2001 hat die Immobilienfirma GRE Global Real Estate AG aus München von 1.200 atypisch stillen Gesellschaftern per Einmalzahlung oder in Raten 31,4 Millionen Euro eingeworben, wovon allerdings 19,1 Millionen Euro noch nicht eingezahlt worden sind.

Nun ist die Gesellschaft am Ende, doch die Anleger sollen weiter zahlen.

Am 25. Januar 2012 hat das Amtsgericht München über die GRE AG das Insolvenzverfahren eröffnet (1507 IN 3929/11). Schuld sei laut Gutachten des Insolvenzverwalters nicht das Missmangagement, sondern die Flut von Ausstiegsklagen aus den zehnjährigen Beteiligungsverträgen.

Dabei hatten die Anleger dafür gute Gründe. Die GRE AG hat, und das musste auch der Insolvenzverwalter feststellen, bis heute lediglich ein paar Mehrfamilienhäuser und Wohnungen in Sachsen gekauft, die lediglich eine monatliche Mieteinnahme von 19.000 Euro einspielen. Dem Verkehrswert von 1,8 Millionen Euro stehen Kreditverbindlichkeiten bei der Deutschen Kreditbank DKB Berlin, der Volksbank Schärding und der Commerzbank Fraureuth in Höhe von mehr als 7,4 Millionen Euro gegenüber.

Alle Auszahlungen an die Gesellschafter erfolgten nicht aus Gewinnen, sondern waren nichts anderes als Entnahmen ihres eigenen Geldes oder weiterer Einzahler.

Rechtsanwalt Christian Heinrich Röhlke aus Berlin, der mehr als 100 stille Gesellschafter der GRE AG vertritt und dem das Insolvenz-eröffnungs-gutachten vorliegt, sagte dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net über weitere Objektpläne: "Die GRE Seniorenanlagen und Wohnanlagen GmbH und die Pflegeheim Zwickau Besitz- und Verwaltungs GmbH haben jeweils Bauprojekte geplant, die jedoch noch nicht umgesetzt worden sind."

Allerdings stehen fast eine Million Euro an unbezahlten Lieferantenrechnungen an.

Und selbst das einzige realisierte Seniorenresidenz-Projekt, die Seniorenresidenz Salzweg bei Passau ist pleite. Über die Betreibergesellschaft Seniorenresidenz Salzweg GmbH AG, die der GRE AG gehört, hat das Amtsgericht München am 1. Januar 2012 das Insolvenzverfahren eröffnet. Im Gegensatz zur GRE AG soll die Residenz durch den Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Dr. Martin Prager von der Pluta Rechtsanwalts GmbH aus München weitergeführt werden.

Von den 74 Einheiten mit insgesamt 96 Betten sind erst 20 Wohnungen verkauft worden. Der beurkundete Kaufpreis dafür beträgt rund 2 Millionen Euro, wovon rund 300.000 Euro noch nicht eingezahlt sind. Der Verkehrswert der noch nicht verkauften Wohnungen beläuft sich auf 3,5 Millionen Euro, so dass möglicherweise ein Gesamterlös von rund 5,5 Millionen Euro zu erzielen sein wird. Das reicht allerdings nicht einmal, um die gekündigten Kredite mit der Volksbank Schärding über 5,62 Millionen Euro zu befriedigen. Die Bank steht erstrangig im Grundbuch.

GRE AG-Vorstand Professor Dr. h.c. Frank Andre Audilet<br /> © PR-Agentur Michael Oheme FinanzMarketingBeratung
GRE AG-Vorstand Professor Dr. h.c. Frank Andre Audilet
© PR-Agentur Michael Oheme FinanzMarketingBeratung
Nachrangig hat sich Vorstand Frank Andre Audilet beziehungsweise sein Deutscher Sachwertfonds ins Grundbuch der Seniorenresidenz eintragen lassen. "Doch wie aus dem Insolvenzeröffnungs-gutachten hervorgeht, werde diese Grundschuld ohne Zahlungen gelöscht werden können, deren Sicherheiten aber auch wertlos sind", sagte Röhlke gegenüber GoMoPa.net.

Eine Planinsolvenz, also eine Weiterführung der GRE AG, sei laut Röhlke nicht möglich, "da nach Einschätzung des Insolvenzgutachters eine Einwerbung neuen Beteiligungskapitals vor dem Hintergrund der laufenden Rechtsstreitigkeit ausscheidet und ohne frisches Kapital eine Fortführung nicht möglich ist."

Die GRE AG ist überschuldet, weil einem Gesamtvermögen von 7,45 Millionen Euro Gesamtverbindlichkeiten von 10,8 Millionen Euro gegenüberstehen. Und die GRE AG ist zudem zahlungsunfähig (das ist man, wenn man 10 Prozent der Schulden nicht in 3 Wochen zahlen kann), weil sofortigen Fälligkeiten von über 9 Millionen Euro nur ein Kassenbestand von 248,55 Euro und ein frei verfügbares Bankguthaben von knapp 64.000 Euro gegenüberstehen.

Als die GRE AG den stillen Gesellschaftern im März 2011 schon zum dritten Mal in Folge Ausschüttungen verweigerte, zogen viele Anleger vor Gerichte und verlangten die Auflösung ihrer Beteiligungen und Rückzahlungen ihrer Einlagen samt Zinsen. Nachdem das Oberlandesgericht in Dresden kurz darauf der GRE AG Prospektfehler nachwies und außerdem feststellte, dass der Vorstand Frank Andre Audilet vorsätzlich handelte und deshalb persönlich gegenüber Anlegern haften müsse, suchte die GRE AG ihr Heil in einem rechtlichen Schachzug. Die GRE verlegte am 17. Juni 2011 einfach ihren Hauptsitz aus dem angemieteten Schloss Steinpleis in Sachsen in ein Bürohaus nach München. In der Hoffnung, dass die dortigen Richter sich nicht wie die Richter in Sachsen am OLG Dresden orientieren würden.

Die Rechnung ging zwar für neue Aussteiger auf. Aber 200 Anleger hatten bereits in Sachsen Titel gegen die GRE AG errungen und schickten Gerichtsvollzieher zur GRE AG. Die GRE konnte aber nicht zahlen. Audilet blieb nur eine Rettung. Er stellte am 7. November 2011 Insolvenzantrag, dem am 25. Januar 2012 entsprochen wurde.

Was bedeutet das für die Anleger?

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