
13.02.2012
Bankverein Werther AG wegen Wiener Karussels zerschlagen

Der Sitz des Bankvereins Werther AG in der Ravensberger
Str. 23, Werther gehört jetzt der Volksbank © Patrick Kautz 2007
Der Stammsitz der Bank samt Grundstück, Gebäude, Wortmarke und Hausbankgeschäft wurde am 1. Dezember 2011 an die Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold e.G. verkauft.
Der verbliebene börsennotierte Rest (Freiverkehr Frankfurter Börse) zog unter dem neuen Namen "Privatbank 1891" nach München (Odeonsplatz 18) und wurde am 2. November 2011 zu 93 Prozent vom japanischen Telekommunikationsriesen NTT DoGoMo Gruppe geschluckt. Die Privatbank 1891 wird keine normalen Konten mehr führen, sondern für Internethändler die Bonität von Kredit-Kunden überprüfen und den Zahlungsverkehr elektronisch abwickeln und Firmen Factoring-Kredite vergeben.
Die erst im Oktober 2006 im Zuge einer Wachstumsstrategie eröffnete Beratungs-Repräsentanz des Bankvereins in Bielefeld (Jöllenbecker Straße 189) ist nur noch ein internes Büro, das der Privatbank 1891 zur Abwicklung von internen Verwaltungstätigkeiten dient. Der Kundenverkehr ist eingestellt.
Seit Sommer 2010 ermittelt die Bielefelder Staatsanwaltschaft gegen den Ex-Vorstandsvorsitzenden Werner Hachmeister, die Vorstände der "Privatbank 1891" Christoph Böckle und Danyon Lloyd sowie drei weitere Bankmitarbeiter der "Privatbank 1891" wegen des Verdachts der Beihilfe zum gewerbsmäßigen und zum bandenmäßigen Betrug, wie der Bielefelder Oberstaatsanwalt Klaus Pollmann bestätigte.

Im Januar und Juli 2010 wurde der Bankverein Werther von der Staatsanwaltschaft durchsucht. Es wurden Dokumente beschlagnahmt. Der Bankverein Werther hatte zwischen Mai 2009 und Juli 2010 massenhaft unautorisierte Lastschriften im Auftrag von angeblichen Gewinnspielvermittlerfirmen wie Fortuna24, Gewinntipp88, WinTipp88, Gewinnkomet, Sunnytipp, Sunnytipp150, Sunnytipp200, Tipptresor und Gewinntraum bei 140.000 meist ahnungslosen und von Callcentern zuvor übertölpelten Opfern aus ganz Deutschland eingezogen und das Geld (10 Millionen Euro) an die Schweizer Firma TFH AG aus Cham im Kanton Zug weitergeleitet.
Auf diese Weise seien die Banker zu Helfern der Gewinnspiel-Mafia geworden - so der Vorwurf. Die Banker bestreiten das: Man habe nichts mit Gewinnspielen zu tun gehabt, sondern nur die technische Abwicklung der Zahlungen übernommen. Vorstand Christoph Böckle sagte dazu, die Einrichtung von Konten sei beim Werther Bankhaus vollständig standardisiert. Nachdem die Staatsanwaltschaft den Bankverein Anfang des Jahres 2010 über kriminelle Finanzgeschäfte informiert habe, habe die Bank keine Buchungen mehr über dieses Konto vorgenommen.
Oberstaatsanwalt Heinrich Rempe teilte jedoch mit, dass die Abbuchungen dennoch weitergegangen seien und zwar zigtausende Abbuchungen im Gesamtwert von mehreren Millionen Euro, weshalb es ja am 20. Juli 2010 zu einer zweiten Durchsuchung kam.
Zwar buchte das Bankhaus bei Widersprüchen das eingezogene Geld anstandslos zurück. Aber wenig später zog die Bank wieder Geld über das Lastschriftverfahren ein, obwohl doch die Kunden widersprochen hatten. Diesmal erschien als Einziehender ein anderer Firmenname.
Das System fiel zum Beispiel dem Filialleiter der Commerzbank Köln, Hermann-Josef Vraetz, negativ auf:
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