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15.02.2012
Neuapostolische Kirche NRW verzockte 15 Millionen Euro

Für die Medien in der britischen Grafschaft Norfolk ist die deutsche Neuapostolische Kirche Nordrhein-Westfalen aus Dortmund reich. Deshalb wird in den Artikeln über einen großen Betrugsprozess eher klein erwähnt, dass die sechs Briten und ein Holländer, die seit dieser Woche in der Hauptstadt Norwich wegen Investmentbetruges und Geldwäsche vor Gericht stehen, unter anderem eben auch die "reiche deutsche Kirche" im Jahre 2007 um 15 Millionen Euro erleichterten. Insgesamt habe die Bande 30 Millionen Euro für sich abgezweigt, anstatt das Geld auf dem High Yield Parkett zu investieren.

Kirchenpräsident und Bezirksapostel Armin Brinkmann,<br /> Eigendarstellung im Geschäftsbericht auf der Webseite
Kirchenpräsident und Bezirksapostel Armin Brinkmann,
Eigendarstellung im Geschäftsbericht auf der Webseite
Die Neuapostolische Kirche räumte heute erstmals öffentlich ein, dass sie sich im Jahre 2007 bei einem Anlagegeschäft verzockte - weil sie an Kriminelle geraten war.

Die sieben Angeklagten hätten versprochen, das Geld auf einer High-Yield-Handelsplattform hochprofitabel anzulegen. High Yields sind festverzinsliche Anleihen (Bonds) von Unternehmen und Staaten, die wegen eines schlechten Ratings nur schwer Anleger finden und deshalb besonders hohe Zinsen versprechen. Staatsanwalt Mark Fenhall aus Norwich habe aber keinen Beweis für eine Handelsaktivität finden können. Stattdessen sei das Geld in einem Netz von Offshore-Konten verschwunden.

Der deutsche Kirchenpräsident und Bezirksapostel Armin Brinkmann spricht von zehn Millionen Euro, die man an Kriminelle verloren habe. "Die Enttäuschung ist groß", bekennt Brinkmann. "Unsere Hoffnung setzen wir nun darauf, nach dem Prozess das eingesetzte Kapital zurück zu erlangen."

Als Teil der Kirche Jesu Christi habe die Neuapostolischen Kirche Nordrhein-Westfalen die zentrale Aufgabe, die Gläubigen auf die baldige Wiederkunft des Sohnes Gottes Jesu Christi vorzubereiten. Dafür haben die 85.711 Mitglieder der 420 Gemeinden ihren 4.258 Amtsträgern im Jahre 2010 rund 18,7 Millionen Euro geopfert. Insgesamt nahm die Neuapostolische Kirche im selben Jahr 31,3 Millionen Euro ein, unter anderem, weil sie eines ihrer Goldposten für 8,2 Millionen Euro verkaufte.

Der Marktwert der Vermögensanlagen der Neuapostolischen Kirche Nordrhein-Westfalen lag per 31. Dezember 2010 bei 168,5 Millionen Euro. Aufgeteilt in 24 Prozent Liquidität, 6 Prozent Edelmetalle, 13 Prozent Aktien, 32 Prozent Rentenpapiere und 25 Prozent Immobilien. Kirchen und kirchliches Land sind da noch nicht enthalten. 2010 erwirtschaftete die Kirche eine Gesamtrendite von 7,1 Prozent. Im Jahre 2007 erhoffte man sich offenbar noch mehr.

Aus Anlass des Prozessauftakts gegen die mutmaßliche Betrügerbande in Norwich teilte heute der Pressesprecher der Neuapostolischen Kirche Nordrhein-Westfalen, Frank Schuldt, mit: "Ende 2007 führte die Kirche erste Gespräche mit internationalen Investoren über eine neue Kapitalanlage. Das Investment erschien gewinnbringend und sicher."

Kirchenpräsident Brinkmann ergänzt: "Nach den Gesprächen waren wir überzeugt, eine weitere sinnvolle Kapitalanlage gefunden zu haben."

Doch schon bald kam das böse Erwachen. Kirchensprecher Schuldt erinnert sich: "Nach Abschluss der Investition im Jahr 2007 traten jedoch erste Ungereimtheiten auf. Drei Jahre lang bemühte sich die Neuapostolische Kirche intensiv, auf dem Verhandlungsweg das eingezahlte Kapital zurück zu erhalten. Als klar wurde, dass es sich um kriminelle Machenschaften handelte, schaltete die Kirchenleitung umgehend die deutschen Behörden ein. Strafanzeige erstattete die Kirche bei der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte in Bochum.

In Großbritannien wurde in Absprache mit den Strafverfolgungsbehörden ebenfalls Anzeige erstattet, weil auch dort ? wie sich herausstellte ? eine Person des öffentlichen Lebens geschädigt worden war. Bis Ende 2011 wurden daraufhin alle Akteure des Betrügerrings verhaftet.

Ziel des in den letzten Monaten verdeckt geführten Strafverfahrens war nicht nur die Strafverfolgung der verantwortlichen Personen, sondern vor allem die Klärung der Frage, wo sich das eingesetzte Kapital befindet. Die Gerichtsverhandlung, so hofft die Kirchenleitung, soll Licht in den Fall bringen."

Und wer sind die Angeklagten, und was sagen sie?

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