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10.05.2012
IFES AG: Betrugsprozess gegen Meinungsforscher Prof. Liepelt

Sein ehemaliges Institut sei "finanziell ausgeplündert" worden, warf der Vater der deutschen Meinungsforschung, Professor Klaus-Hartmut Liepelt (80), im Jahre 1996 in einer Presseerklärung den Gesellschaftern des Bonner Instituts für angewandte Sozialforschung (Infas GmbH) vor, das er 1958 mitgegründet hat.

Bei einem Schuldenstand von umgerechnet rund 13 Millionen Euro ging Infas-Gründer Liepelt im März 1996 nach 38 Jahren von Bord. Die kleine Firma mit damals 88 Mitarbeitern hatte sich wie ein großer Konzern aufgestellt. Die Abteilungen bildeten Profitcenter, die an einer Holding hingen und sich so Gelder hin- und herschieben konnten. Liepelt wollte eigentlich Strafanzeige stellen, er ließ es.

Nun steht Professor Liepelt selbst wegen Betruges und Untreue von Anlegergeldern und Landesfördermitteln in Millionenhöhe seit einem Jahr vor Gericht.

Nach inzwischen 21 Prozesstagen seit dem 2. Mai 2011 will die Vorsitzende Richterin Ulrike Phieler-Morbach von der 5. Strafkammer am Potsdamer Landgericht nun endlich am 5. Juni 2012 ein Urteil fällen.

Im November 2011 waren die Richter der Strafkammer zusammen mit Staatsanwälten und Liepelt sowie zwei Mitangeklagten nach Zürich gereist, um an der Zeugenvernehmung von Vertretern eines involvierten Schweizer Finanzhauses durch einen Züricher Untersuchungsrichter teilzunehmen. Eine Ladung an das Landgericht Potsdam hatten Zeugen verweigert, so dass die Schweiz über ein deutsches Rechtshilfeersuchen eingeschaltet wurde. So hatten die Gäste aus Brandenburg einen Fragenkatalog eingereicht, durften aber vor Ort in Zürich auch eigene Fragen stellen. Die Aussagen werden über mehrere Prozesstage aufwendig im Verfahren verlesen und damit formal eingeführt.

Professor Liepelt hatte nach seinem Weggang von der Infas GmbH 1996 noch im selben Jahr zusammen mit zwölf namhaften Umfrageunternehmen wie der Basisresearch GmbH aus Frankfurt am Main und mit einem Startkapital von knapp einer halben Million Euro in Potsdam ein neues Institut gegründet: das Institut für empirische Sozialforschung IFES AG.

Für 1 Million Euro Miete pro Jahr wollte sich die IFES AG in den Roten Kasernen (ehemaliges Militärareal) am Pfingstberg in Potsdam einmieten und zum Beispiel dem alten Institut Infas den Hauptkunden ARD für Wahlprognosen und Meinungsumfragen abjagen.

Die IFES AG sollte Glanz nach Potsdam bringen. Der damalige Potsdamer Oberbürgermeister und heutige Ministerpräsident von Brandenburg, Matthias Platzeck, sprach von einer Meile des Wissens, die im Potsdamer Norden entstehen werde.

Denn die IFES AG hatte große Pläne: 30.000 Haushalte in Deutschland sollten unentgeltlich mit Kleinstcomputern (Panelboxen) ausgestattet werden, mit der IFES AG in Potsdam verbunden werden und Daten über Konsumverhalten liefern.

Doch der Kapitalbedarf für ein solches Konsumforschungsprojekt belief sich auf mindestens 8 Millionen Euro. Um dieses Geld zu erlangen, habe Professor Liepelt die Aktiengesellschaft gegründet, behauptet die Staatsanwaltschaft.

Anleger investierten laut Anklage Millionensummen in die Gesellschaft. Diese kam jedoch nicht zustande:

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