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23.05.2012
EECH Group AG: Vorstände wegen Betruges vor Gericht

Windpark Frankreich, Solar Spanien und Sachsen, Windkraft Italien oder gar Kunst. Man muss schon aufpassen, dass man bei den vielen Unternehmensanleihen und Fonds nicht durcheinander kommt, die die börsennotierte und seit vier Jahren insolvente EECH Group AG (ehemals P&T Technologie AG) von der Hamburger Außenalster seit dem Jahre 2003 am laufenden Band emittierte und wie ein Schwamm für ihren Vertrieb und ihr Marketing aufsaugte, ohne jemals eine Solar- oder Windkraftanlage in Deutschland, Spanien, Frankreich oder Italien fertig zu stellen.

Nur in Kunst wurde angeblich kräftig investiert. 17 von mehr als 65 Millionen Euro sollen in 25 Werke international anerkannter Künstler wie Andy Warhol, Gerhard Richter, Georg Baselitz, Robert Rauschenberg, A. R. Penck und Markus Lüpertz geflossen sein.

Reale Zinsen (versprochen waren mehr als 8 Prozent im Jahr) wurden auch durch die Wertsteigerung der Kunstobjekte nie realisiert. Mehr als 10.000 Anleger haben der EECH Group AG am Ende unfreiwillig mindestens 65 Millionen Euro geschenkt.

Seit heute müssen sich der ehemalige Vorstandsvorsitzende der EECH Group AG, Tarik Ersin Yolerin (53), und der einstige Vorstand für Unternehmensentwicklung, Michael Bode (50), zumindest für zwei Anleihen wegen schweren Betruges vor dem Landgericht Hamburg verantworten. Der Gesetzgeber sieht dafür eine Höchststrafe von bis zu zehn Jahren Haft vor. Das Urteil soll nach weiteren neun Prozesstagen am 31. August 2012 gesprochen werden.

Yolerin und Bode, die ihre Anleihen mit volksnahen Werbemethoden wie Postkartenwurfsendungen mit Fotos von spanischen Stränden oder 5.000 Euro Solargewinnspielen zu verkaufen pflegten, zogen es nun im Gerichtssaal vor zu schweigen und ließen die Richter erst einmal auf Voreingenommenheit überprüfen.

Umso deutlichere Worte fand die Anklage. Der Pressesprecher der Hamburger Staatsanwaltschaft, Wilhelm Antonius Möllers, fasste die Vorwürfe gegen die beiden Angeklagten gegenüber dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net heute so zusammen:

Zitat:


Der damalige Vorstandsvorsitzende der zur Tatzeit börsennotierten EECH-Group AG (Y.) und der ehemalige Vorstand Unternehmensentwicklung (B.) sind angeklagt, in der Zeit zwischen Oktober 2004 und September 2006 zwei betrügerische Unternehmensanleihen herausgegeben zu haben.

Zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs von konzerneigenen Gesellschaften und des betriebenen Anleihesystems sollen sie mit unwahren Angaben die Unternehmensanleihe "Euro Anleihe Zukunftsmarkt Solarenergie" herausgegeben haben, die sodann von rund 5.400 Anlegern mit einem Gesamtbetrag von 50 Millionen Euro gezeichnet wurde.

Die derart vereinnahmten Erlöse wurden jedoch nicht in Projekte der Solarenergie investiert, sondern zweckwidrig für den Geschäftsbereich "Kunst" sowie zur Tilgung von Darlehen und zur Bedienung fälliger Zinszahlungen einer zuvor herausgegebenen Anleihe verwendet.

Weiterhin sollen die Angeklagten die Unternehmensanleihe "Euro Anleihe Zukunftsmarkt Windkraft Italien" mit falschen Versprechungen herausgegeben haben. Von rund 1.700 Anlegern wurden Schuldverschreibungen im Wert von zirka 15 Millionen Euro erworben. Eine Rückzahlung der Anleihe erfolgte auch in diesen Fällen nicht.


Kunstsammler Tarik Ersin Yolerin hatte den Vostandsvorsitz der EECH AG am 30. September 2002 unter denkbar schlechten Bedingungen übernommen. Die P&T Technologie AG war im Jahre 2000 mit euphorischen 19 Euro pro Aktie an den Neuen Markt der Frankfurter Börse gegangen. Die Aktie stürzte im Jahr 2002 auf unter 4 Euro ab (im Jahre 2004 auf 50 Cent, heute auf 0,01 Cent).

Das Problem des Windkraftentwicklers war, so wurde auf der Hauptversammlung im Jahre 2002 deutlich, viel zu spät Fonds ins Boot geholt oder aufgelegt zu haben: "Fondsgesellschaften, auch die eigene Tochter EECH, die als Käufer der Windparks auftreten, haben ihre Fonds in der Vergangenheit erst in der Bauphase aufgelegt. Dadurch haben sich die Einnahmen zeitlich nach hinten verschoben."

Da die Banken kein Geld gaben, suchte die EECH Group AG ihr Heil im Anpumpen von Anlegern. Die Tochtergesellschaft EECH - European Energy Consult Holding AG (über die dann das Amtsgericht Hamburg am 1. Mai 2008 das Insolvenzverfahren eröffnete, Aktenzeichen 67a IN 68/08) gab am 19. August 2003 eine Anleihe Windkraft Frankreich (Invest France) in Höhe von 15 Millionen Euro mit jährlichen Zinsen von 8,15 Prozent heraus, die von 1.500 Anlegern gezeichnet wurde. Diese hätten ihre Kredite nach fünf Jahren am 19. August 2008 zurückbekommen sollen.

Am 16. November 2004, als die Aktie der EECH Group AG schon auf 4 Euro gesunken war, emittierte die EECH - European Energy Consult Holding AG noch eine Anleihe, dieses Mal für Solarenergiekraftwerke: die Euro Anleihe Zukunftsmarkt Solarenergie. Den 5.400 Anlegern, die hier 50 Millionen Euro investierten, wurde eine Verzinsung von 8,25 Prozent im Jahr versprochen. Die Anleihe sollte nach sechs Jahren am 16. November 2010 zurückbezahlt werden. Für die angeblichen Projekte in Spanien wurde eigens in Hamburg eine Global Solar System GmbH (GSS) gegründet.

Die Pläne der EECH lasen sich in einer Presseaussendung von Entwicklungs-Vorstand Michael Bode fantastisch:

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