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02. Mai 12

Life Forestry: Teakholz mit hohem Risiko


Convent Es klingt so schön einfach. Man kauft sich bei der Schweizer Firma Life Forestry aus Stans 1.100 Teakholzsetzlinge für 37.400 Euro, lässt diese auf einer Plantage in Costa Rica (siehe Lageplan) oder Ecuador 20 Jahre lang wachsen und kassiert dann als Altersvorsorge von dem Teakholzverkauf oder Rückkauf von Life Forestry netto 286.601 Euro, woraus sich eine IRR (Internal Rate of Return) von 11,06 Prozent ableitet.

12 Prozent und mehr Rendite pro Jahr sei möglich. Die Anlage sei "100 Prozent krisensicher", und der Preis für Teakholz werde auf keinen Fall unter den Plantagen-Teakholzpreis von 2007 (480 Euro pro Kubikmeter) fallen, verspricht nun schon der dritte Geschäftsführer seit Gründung des Unternehmens im Mai 2006, der Deutsche Carl-Lambert Liesenberg, in zahlreichen Werbungen.

Eine Tradition oder Erfahrung im Holzbusiness kann die Life Forestry nicht aufweisen. Die erste eingetragene Person war Guido Schwerzmann aus Zug. Schwerzmann war vormals Treuhänder der Dr. Jürgen Amann-Fonds aus Köln (Hotels, Golfobjekte). Dr. Amann wurde im Jahre 2004 vom Handelsgericht Sankt Tropez wegen unordentlicher Buchführung und Konkursverschleppung mit einem 20jährigen Verbot belegt, wieder als Geschäftsführer, Verwaltungsrat oder Kontrolleur von Gesellschaften zu arbeiten. Die Staatsanwaltschaft Zug musste dann im Jahre 2008 mehr als 400 Strafanzeigen bearbeiten, weil Dr. Amann zweistellige Millionenbeträge aus seinen zehn Firmen abgezweigt haben soll.

Im Falle von Teak-Holz-Investments warnte das Frankfurter Verbrauchermagazin ÖKO-TEST bereits im November 2009 die Anleger vor zu viel Gutgläubigkeit: "Die Kosten für solche Fonds sind zu hoch. Einige Anbieter verlangen Gebühren von über 20 Prozent für Agio und Werbung. Dazu kommen noch laufende Verwaltungsgebühren von fast 15 Prozent. Das heißt, die Emittenten streichen über ein Drittel der Anlagesumme für sich selbst ein", erklärte Jürgen Stellpflug, Chefredakteur des ÖKO-TEST-Magazins.

Ein Hektar Grund kostet in Costa Rica nach Einschätzung des Betreibers der Handelsplattform investingalternatively.com, Cyrill Haenni, rund 4.000 bis 7.000 Euro pro Hektar. Aber den bezahlt der Kunde ja gar nicht, das Land bleibt im Besitz von Life Forestry. Für Aufforstung und Pflege rechnen Experten nach Handelsblatt-Recherchen rund 15.000 Euro.

Life Forestry verlangt aber für 1 Hektar, auf den 1.100 Teakholzsetzlinge passen, stolze 37.400 Euro vom Anleger. Konkurrent ShareWood Switzerland AG aus Zürich kommt für seine zwei Plantagen in Brasilien mit 26.500 Euro für einen Hektar mit 1.100 Teaksetzlingen aus. Die deutsche Forest Finance Service GmbH aus Bonn verlangt für das gleiche Engagement in Panama 23.000 Euro.

Laut Life Forestry muss der Preis des Teakholzes jährlich um sechs Prozent steigen, um zwölf Prozent Rendite zu erreichen. John Gilliland von Tectona G. Capital, der seit Jahren Plantagen für Profi-Anleger betreut, schätzte im Jahr 2010 ein, dass heute eher ein Preis von 350 Euro je Kubikmeter Plantagenholz realistisch ist.

Preissteigerungen von sechs Prozent jährlich seien nur für natürlich gewachsenes Holz zu erwarten. Bei Plantagenholz rechnet Gilliland mit Preissteigerungen von einem Prozent jährlich. Den hohen Anfangseinsatz von 37.400 Euro mitberücksichtigt, seien zwölf Prozent Rendite wenig realistisch. Auch Fachmann Haenni verweist Preissteigerungen von sechs Prozent jährlich "in den Bereich der Spekulation".

Auch mit der 100prozentigen Sicherheit lehnt sich die Life Forestry weit aus dem Fenster

Teakholzplantagen gibt es nicht erst seit der Life Forestry. Die Branche ist vor Pech, Pleiten und Pannen nicht gefeit. Zur selben Zeit, als die Life Forestry gegründet wurde, meldete die Prime Forestry Group und Prime Forestry Switzerland AG aus Zürich mit ihren Panama-Plantagen Konkurs an. Das war kein einzelner Unternehmer, sondern ein mittelgroßes Unternehmen mit mehr als 700 Mitarbeitern in fünf Ländern.

Konkurrenten der Life Forestry, die sogar an der Frankfurter Börse vertreten sind, haben mit sinkenden Aktienkursen zu kämpfen. So fiel der Aktienkurs des Plantagenbewirtschafters Teakholz International AG aus Linz in Österreich mit seinen Teakwäldern in Costa Rica von 10,5 Euro pro Aktie (6,24 Millionen Aktien sind im Umlauf) auf 3,31 Euro, Tendenz fallend. Auch die Schweizer Precious Woods Holding AG befindet sich wegen ihrer Plantagen in Brasilien in schwierigem Fahrwasser. Der Kurs der 3,44 Millionen Aktien fiel von 90 Euro Mitte 2007 auf heute 7,31 Euro, Tendenz sinkend.

Die pleite gegangene Prime Forestry Switzerland AG soll denselben Teakspezialisten wie nun Life Forestry haben

Dr. Diego Perez,<br /> Ausriss aus Eco-Interview
Dr. Diego Perez,
Ausriss aus Eco-Interview
Prime Forestry-Anleger B. Wieland erinnert sich im Internetportal Die Bewertung wie folgt an seine Investition und erkennt im Forstingenieur Dr. Diego Perez denselben Teakholzexperten von damals nun als Direktor beim Unternehmen Life Forestry wieder:

Wieland:

Zitat:


Die Prime Forestry Switzerland AG war ein Unternehmen, das mit Hilfe intensiver Werbung und Telefonverkäufer bis zum Konkurs 2006 Teakbäume verkaufte. Auch ich bin damals darauf reingefallen.Nach dem Konkurs kam heraus, das die aufgeforsteten Flächen großteils völlig ungeeignet waren. Eine Bewirtschaftung wurde aufgegeben, teilweise wurden die Bäume sogar entfernt und die Flächen wieder beweidet. Für uns Anleger ein Riesenverlust.

"Vice President" der Prime Forestry Panama damals ein Diego Perez, der auch für die Pflanzungen verantwortlich war ("Director of Plantation Operations"). Er wurde damals als Teakspezialist vorgestellt.

Der jetzige Direktor der Life Forestry Costa Rica S.A. heißt ebenfalls Diego Perez (siehe hier).

Es würde mich sehr wundern, wenn das nicht der gleiche Diego Perez der Prime Forestry ist.

Dazu passt auch, dass ehemalige Prime Forestry-Kunden, die nachher Aktionäre der Rettungsgesellschaft Forests for Friends AG wurden, ohne vorherigen Kontakt von Life Forestry angemailt wurden.Woher Life Forestry wohl die Emailadressen der Prime Forestry-Kunden hatte?!? Dies ist hier auffindbar.


Hinzu kommt: Costa Rica ist weit, zwischen Berlin und der dortigen Hauptstadt San Jose liegen 9.138 Kilometer. Ein Investor aus dem brandenburgischen Luckau schaltete vor einem Einstieg ins Edelholz-Investment den Anlegerschutzanwalt Dr. Thomas Schulte aus Berlin-Charlottenburg ein, und bat ihn zu erkunden, ob man wirklich Bäume kaufen sollte.

Dr. Thomas Schulte
Dr. Thomas Schulte
Dr. Schulte wandte sich an die Deutsche Botschaft in Costa Rica. Die Beamten empfahlen den deutschen Wirtschaftsdetektiv Michael Golonsky, der sei für solche Recherchen genau der richtige Mann. Dr. Schulte schickte den Detektiv auf die Spur. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Der Privatdetektiv Golonsky schickte folgende Depesche: "Heute sprach ich mit den Leuten von MINAE (Umwelt- und Energieministerium - die Redaktion) und erhielt eine interessante Auskunft.

Die Schweizer Firma ist eingetragen, und sie dürfen auch solche Geschäfte anbieten. Bis hierhin alles in Ordnung und legal!"

Doch dann warnte der Detektiv ganz allgemein vor den Risiken eines Teakbaum-Investments in Costa Rica, ohne sich speziell mit Life Forestry beschäftigt zu haben. Er schrieb: "Was allerdings etwas zweifelhaft ist, sind die Jahre und die Erträge. Der Beamte sagte mir, dass die meisten Erträge, die versprochen werden, nur zu 50 Prozent eingehalten werden können... Solche Geschäfte sind sehr stark abhängig vom Wetter und von den Naturereignissen hier in Costa Rica. Ausserdem ist die Kontrolle der gekauften Bäume sehr schwierig bis unmöglich."

Der Finanznachrichtendienst GoMoPa.net wollte vom Life-Forestry-Chef Carl-Lambert Liesenberg wissen, warum er das Teakholzinvestment in Costa Rica und Ecuador für sicher hält?

Liesenberg: "Selbstverständlich müssen die geographischen und klimatischen Voraussetzungen dafür stimmen. In Costa Rica und Ecuador sind diese optimal. In Panama beispielsweise ist das Klima für Teak zwar geeignet, aber aus unserer Sicht nicht optimal, da es dort in der Regel zu feucht ist. Dies spiegelt sich in der Holzqualität und der Erntemenge am Ende der Laufzeit wider.

So erzielt Panama-Teak auf dem Weltmarkt geringere Preise als Costa-Rica-Teak. Mit dem Teakanbau alleine ist es jedoch nicht getan. Wo liegen die Plantagen, und wie sind die logistischen Rahmenbedingungen? Teakanbaugebiete in Brasilien liegen beispielsweise bis zu 2.000 Kilometer vom nächsten Hafen entfernt. So ist davon auszugehen, dass ein grosser Teil der eigentlichen Erlöse von hohen Transportkosten geschmälert wird.

Die Regionen, in denen Life Forestry seine Forstwirtschaft betreibt, liegen nachgewiesen ausserhalb jeglicher natürlicher Risiken wie Vulkanismus,Erdbeben oder Wirbelstürmen. Die Bodenqualität ist hervorragend, und die politische Situation in Costa Rica wie in Ecuador darf als sehr stabil gelten.

Teakholz selbst hat kaum natürliche Feinde oder Schädlinge, und selbst Feuer kann dem Holz praktisch nichts anhaben.

Um dem illegalen Abholzen des Regenwaldes einen Riegel vorzuschieben und auch, um die Natur zu schützen, haben sich praktisch alle westlichen Staatenverpflichtet, nur noch FSC-zertifiziertes Holz zu importieren. Sie sollten bei einer Anlage also unbedingt ganz konkret auf das FSC-Siegel der Bäume achten und sich nicht von Aussagen wie Anbau nach internationalen Standards et cetera blenden lassen."

Das mag sein, doch der Anleger kauft zunächst einmal von der Life Forestry Setzlinge ohne Zertifikat. Erst im Alter von 4 bis 6 Jahren werden diese dann eventuell zertifiziert. Man hat gar keine Garantie, dass die gekauften Bäume überhaupt das FSC-Gütesiegel erhält, das später für den Verkauf nach Europa so wichtig ist.

Liesenberg verweist dafür auf die Geschäftsbedingungen. Liesenberg: "Das bedeutet, dass der Kunde im Falle einer Nichtzertifizierung ein Rücktrittsrecht vom Vertrag hat." Wenn man Pech hat, fängt man nach 6 Jahren wieder von vorne an.

Plantagenteakholz hält keinen Vergleich mit Naturwald-Teak stand

Die Life Forestry betont besonders die Qualität des angebauten Holzes: "Wegen seiner enormen Dichte und dem hohen Öl- und Kautschukgehalt kann das Holz nicht von Würmern oder Pilzen befallen werden." Zudem seien Teakbäume "kaum entflammbar".

Michael Köhl, der am Zentrum Holzwirtschaft der Uni Hamburg das Institut für Weltforstwirtschaft leitet, sieht solche Aussagen jedoch kritisch: "Jedes Holz und jeder Baum kann brennen. Nur hat Teak eine silikatreiche, dicke Rinde, die die Hitze von Bodenbränden relativ lange abhält. Wenn die Flammen in die Krone schlagen, hat auch Teak keine Chance mehr." Auch ein Befall mit Pilzen und Insekten könne nicht generell ausgeschlossen werden, sagte er dem Handelsblatt.

Life Forestry bezeichnet solche Bedenken eines Experten in ihrer Stellungnahme jedoch als "Suggestivformulierung", da ein Risikoszenario dargestellt werde, das "faktisch nicht existiert".

Zudem wird das Holz als "Königsklasse der Edelhölzer" beworben. Es sei "dauerhaft und exklusiv, strapazierfähig und witterungsbeständig". Auch diese Aussage passt nicht zur Expertenmeinung: "Bei Teak aus Plantagen von Königsklasse zu sprechen ist wohl eher Wunschdenken als Realität", sagt Forstexperte Michael Köhl. "Teakholz ist entweder robust oder es wächst schnell." Beides gehe nicht. Und das Holz auf den Plantagen wachse sehr schnell. Zudem sei das Plantagen-Teak weniger widerstandsfähig als Edelholz aus Naturwald und beispielsweise für den Einsatz im Außenbereich, der Witterungseinflüssen ausgesetzt ist, nicht geeignet.

Auf diesen Widerspruch angesprochen, verweist der Life Forestry-Geschäftsführer auf wissenschaftliche Studien und eine Dissertation des Life-Forestry-Forstdirektors, Dr. Diego Perez. "Teak wächst auf Plantagen in Mittel- und Südamerika schneller und besser als auf vergleichbaren Plantagen in Asien oder Afrika", sagt Liesenberg. Außerdem: "Vor allem jüngeres Teakholz unter zehn Jahren erreicht nicht die Qualität von Naturteak, da in dieser Phase noch weniger hochwertiges Kernholz ausgebildet ist. Hingegen erreichen gut gemanagte und intensiv bewirtschaftete Teakplantagen bereits nach 20 Jahren die Qualität von 40- bis 50-jährigem Naturteak. Und zwar in Bezug auf Durchmesser, Kernholz und Dichte."

Life Forestry vergisst dabei allerdings, auf die Unterschiede zwischen Natur- und Plantagenholz hinzuweisen. Genannt werden etliche Stabilitätseigenschaften, daneben wird das Holz auch als "faszinierend schön" beschrieben. "Davon kann bei Plantagen-Teak keine Rede sein", sagt Experte Köhl. "Es hat einen rötlichbraunen Kern und einen hellen Splint, Bretter aus diesem Holz sind also nicht einheitlich gefärbt, sondern völlig scheckig." Nun denn ...

Links zum Thema
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» Life Forestry AG

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02. Mai 11

Haifischbecken Musikindustrie


Convent Offiziell sind die Musikproduzenten Erwin (48, Foto) und Bianca Hültzbeck (41) aus Heinsberg in Nordrhein-Westfalen schon seit 2008 privat und geschäftlich insolvent.

"Wir haben ja immense Verluste (360.000 Euro) von der Pleite der GSiMUSIC in Deutschland aufzuarbeiten. Alleine 65.000 Euro haben wir privat an den tollen Künstlerinnen TSCHILLY, NINA und ARIESNN verloren", schrieb Erwin in jenem Jahr an seinen Ex-Tontechniker Florian Z. (30) nach Bielefeld.

Das hielt Erwin und Bianca aber nicht davon ab, im Pleitejahr 2008 in Benferri an der Costa Blanca in Spanien eine Traumvilla zu beziehen. Erwin mailte nach Deutschland: "Unser neues Domizil liegt zirka 45 Kilometer südwestlich von Alicante und zirka 15 Kilometer westlich von Torrevieja beziehungsweise 6 Kilometer von ORIHUELA CIUDAD. Wir haben uns extra kein Haus in der Strandnähe genommen, weil wir doch mehr innerhalb der spanischen Bevölkerung leben möchten und nicht bei den TOURIS."

Erwin weiter: "Wir haben insgesamt 240 Qudratmeter Wohnfläche und einen großen Pool, einen Garten und auf jeden Fall sehr viel Platz."

Convent Und in einer zweiten E-Mail kurz vor Weihnachten 2008: "Wir haben das neue Tonstudio aufgebaut und sind bereits fleißig. Ab Januar eröffnen wir unsere DEUTSCHE MUSIKSCHULE und im Sommer unsere RADIO STATION EL RADIO."

Fragt man sich doch: Wie machen die beiden Pleitiers das bloß?

Denn Bianca nannte sich zwar Direktorin, aber eigentlich hat sie lediglich eine Ausbildung als Kosmetikerin, und ihre Firma Bianca Cosmetics Limited kann nicht wirklich viel abgeworfen haben - sie wurde schließlich am 16. September 2010 von Amts wegen in Heinsberg gelöscht. Erwin ist ein frühpensionierter Polizist. Er kassiert zwar eine Rente, aber für das süße Leben im Süden und drei schulpflichtige Kinder dürfte sie zu mager sein. Also wie?

Convent Die Antwort findet man möglicherweise auf Musiker-Börsen wie Popdanceradio, Music Two Deals oder Musik-anzeigen.net. Da sucht zum Beispiel die Firma "Park11studio" aus Alicante Sängerinnen für ein neues Internationales Girl Group Project und Solokünstlerin für Musikproduktionen. Am Ende winke ein Plattenvertrag. Man gehöre zu den Top20 in Europa und USA, verspricht der Lockruf-Text.

In E-Mails behauptet dann gar eine Lupina Wolf von einer "LW Artist Consulting" aus Alicante: "Ich bin an der Spitze der Musikindustrie".

Das Park11Studio ist das Studio, in dem Erwin an den Reglern steht. Und hinter Lupina Wolf verbirgt sich in Wahrheit seine Frau Bianca. Die Werbe-Masche scheint aber viele junge Talente anzulocken. Schon im Frühjahr 2009 mailte Erwin seinem Ex-Tontechniker: "Wir konnten tolle neue Künstler unter Vertrag nehmen, und wir produzieren eine tolle neue Girl Group mit 4 Mädchen, eine Boy Group mit 5 Jungs, 4 Einzelkünstler International Pop + Rock, eine Musicalsängerin aus Österreich und 3 neue Schlagersängerinnen und Schlagersänger. Jeden Tag bekommen wir über 10 neue Bewerbungen rein, und es läuft alles bestens."

Alles bestens - nur nicht für die Künstler

Soweit der schöne Schein, wie er von Erwin Hültzbeck beschrieben wird. Doch die GSiMusic hat seit 2005 eine Spur von Tränen und Nervenzusammenbrüchen bei den Sängerinnen hinterlassen, die den Versprechungen von Erwin und Bianca geglaubt hatten und ihre Unterschrift unter Verträge setzten, die sie praktisch zu rechtlosen Marionetten machten.

Einerseits mussten die Künstlerinnen laut Vertrag den Produzenten kostenlos zur Verfügung stehen. Anderseits stellte das Produzententeam dicke Rechnungen aus: Eine Tonstudiostunde kostet 70 Euro, das Mastering 1.200 Euro, 3.000 Maxi-CDs herzustellen kosten 4.000 Euro. Bei Unverkäuflichkeit der Maxis verlangte das Studio schon mal rund 8.000 Euro für entgangene Gewinne.

Convent Die beiden gerade mal 22 Jahre jungen Realschul-Abgängerinnen Nebiha und Nihal Celenler aus Aachen sollten im Jahre 2008 an Erwin und Bianca erst 130.000 Euro und am Ende sogar eine Viertelmillion Euro Schadenersatz zahlen, weil die Zwillinge erkrankt waren und nicht auftreten konnten. Die Zwillinge traten kurz in der vierten Staffel von Dieter Bohlens "Deutschland sucht den Superstar" auf. Nach der Krankheit der einen flog auch die zweite Sängerin raus. Die Aachener Zeitung schrieb: "Nach dem Superstar-Auftritt gibt es heftige Probleme mit der Musikfirma".

Die GSiMusic Ltd. & Co. KG (reichte am 28 Mai 2008 Insolvenz ein) wollte mit den Mädchen Kasse durch die Aufnahme einer CD und durch Auftritte in Diskotheken oder auf Wochenmärkten machen, wie die Aachener Zeitung schrieb. Doch die Künstlerinnen brauchten schließlich einen Anwalt, nachdem Erwin den Mädchen wie ein Sklavenhalter aufs Band sprach: "Ich schicke Euch Kanaken zurück in die Türkei oder nach Marokko" , "Ich habe die Schnauze voll von euch Idioten" sowie "Und jetz beweg Deine Muse, sonst beweg ich Deinen Arsch". Der Aachener Anwalt Ulrich Ropohl hörte sich das an und erklärte das Vertragsverhältnis für beendet.

Doch Erwin und Bianca dachten nicht daran, die Mädchen ziehen zu lassen. Sie bombardierten sie nicht nur mit horrenden Rechnungen. Sie stalkten die Sängerinnen, und zwar so geschickt, dass man Bianca als Direktorin nichts anhaben konnte. Ein Benny Kennath, den keiner kennt, verbreitete in einer Presseerklärung an den Aachener Zeitungsverlag, die Mädchen seien "unverschämt und kriminell".

Für den Anwalt der Mädchen ein klarer Vertragsbruch, die Mädchen waren doch nur krank. Bianca als Direktorin gab am nächsten Tag eine Erklärung raus, wo sie dann den forschen Benny Kennath rügte, aber dennoch unterstrich, dass die Mädchen gerade ihre Karriere vermasseln würden.

Nachdem der Anwalt der Sängerinnen die Honorarforderungen abschmetterte, versetzte Bianca den Mädchen den öffentlichen Todesstoß: Über ihr so genanntes Artistmagazin ließ Bianca auf RTL.de verbreiten, dass den Zwillingen Drogen- und Sex-Gerüchte vorgeworfen würden.

Nach Aussagen von Anwalt Ropohl trauten sich die Sängerinnen nicht mehr ins Studio. Ihre Karriere war beendet.

Ex-Tontechniker wurde nicht bezahlt

Florian Z. heuerte im Frühjahr 2008 bei GSiMusic an, weil Bianca Hültzbeck ihn per E-Mail anschrieb und ihm einen Job als Tontechniker mit einem Gehalt von 3.000 Euro in Aussicht stellte. Doch der Job entpuppte sich dann als Trainingsmaßnahme des JobCenters. Eine Dame in der Verwaltung der GSiMusic sei unter den gleichen Voraussetzungen beschäftigt gewesen. Sie habe bereits vorzeitig ihre Tätigkeit beendet.

Florian Z. hielt durch und hatte die Arbeit mit den Zwillingen betreut, die man unter dem Bandnamen AriesNN kannte. Z. erinnert sich an "Unstimmigkeiten mit dem Duo und der GSiMusic, was anscheinend zu großen Streitigkeiten und dem Ausbleiben von Tourterminen geführt haben soll." Eine weitere Künstlerin sei Nina Barton gewesen. Florian Z.: "Nach meinem Empfinden gab es auch hier Reibungspunkte mit der GSiMusic. Gelegentlich gaben sich Bianca und Erwin Hültzbeck als Lupina Wolf und Ven Visagi aus. Häufiger vielen in meiner Gegenwart die Drohungen, Künstler, mit denen es Streitigkeiten gab, zu verklagen."

Florian Z. wurde nach Strich und Faden veräppelt. Er lehnte alle fremden Angebote ab, weil ihm nach der Trainingsmaßnahme der Job sicher sein sollte. Am Wochenende vor dem Jobantritt wurde ihm telefonisch mitgeteilt, man könne sich keinen Tontechniker leisten. Stattdessen bot Erwin dem Tontechniker an, ihn zu seinem Partner ohne Handelsregistereintrag oder Gewerbeanmeldung zu machen und mit ihm das Risiko finanzieller Investitionen zu tragen. Florian Z.: "Ich habe abgelehnt. Zu einer Entlohnung ist es nicht gekommen."

Mit dem neuen Domizil in Alicante hat sich der Arbeitsstil von Bianca und Erwin kaum verändert. Das bekam schmerzlich auch die als DSDS-Teufel (siebte Staffel) bekannt gewordene Bernauer Sängerin Mabel Winkler (21) zu spüren. Sie war im November 2010 auf eine Anzeige von Bianca und Erwin hin mit ihrer Mutter Heidi nach Spanien geflogen und unterschrieb einen Musikverlegervertrag mit einer Lupina Wolf und einer Firma GSiMusic Publishing House, ohne zu wissen, dass diese Firma schon am 11. Mai 2010 im englischen Handelsregister von Amts wegen gelöscht worden war.

Mabel Winkler brachte sogar einen selbstverfassten Song mit "Who is the Guy". Wie sich heute herausstellt, hat er das Zeug zu einem Hit. Aber Lupina Wolf alias Bianca Hültzbeck stellte drei nichtssagende und gleichlautende Meldungen in kostenlose Presseportale ein, die so gut wie gar nicht in den Kulturredaktionen landen. Mabel sollte in der U-Bahn, in Einkkaufszentren, Straßenbahnen, in Hotels und Kneipen als Straßenmusikantin arbeiten.

Doch das war gar nicht das Schlimmste, sagte die Künstlerin dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net: "Trotz meines Bekanntheitsgrades als Maybel sollte ich plötzlich zu einer erfundenen kanadisch-französischen Sängerin namens YRA-Lords (Y-Rock) werden. Da merkte ich, dass sie gar nicht an meinem Erfolg interessiert sind. Ich kündigte den Vertrag und sang als Maybel weiter. Und hatte Erfolg. Ich sang Open Air, wurde nach Frankfurt/Oder und Dresden eingeladen. Ich wechselte das Management."

Seitdem wird Mabel Winkler von Lupina Wolf alias Bianca Hültzbeck mit einer Stalkingkampagne überzogen. Als spanische Firmen Lupina Wolf "LW Artist Consulting" & GSiMusic (GSiMUSIC Label Group, GSiMUSIC Musikverlag, GSiMUSIC Publishing) melden sich die beiden Firmen aufgrund von Veranstaltungshinweisen, die auf der Webseite Maybel.de im Internet öffentlich einsehbar sind, bei den dort genannten Veranstaltern und fordern völlig unberechtigt Gagen, Gagenoffenlegungen oder GEMA-Lizenzgebühren.

Bei Nichtbefolgung wird den Veranstaltern straf- und zivilrechtliche Verfolgung angedroht. Einige Veranstalter wurden dadurch so verunsichert, dass bei weiteren geplanten Veranstaltungen Unklarheiten wegen dieser Behauptungen ausgeräumt werden mussten. Anschließend meldeten sich die spanischen Firmen bei Maybel Music und forderten Geld. Man sei "oben in der Musikindustrie" und sitze am längeren Hebel. Von jedem Auftritt fordert Bianca Hültzbeck 20 Prozent Gage im I. Quartal 2011 waren das 440 Euro. Bianca droht mit Inkasso und klebt an der Künstlerin wie Teer.

Mabel Winkler schrieb an Lupina Wolf eine E-Mail, sie doch endlich in Ruhe zu lassen:

Zitat:


Hallo Lupina,

ich kann immer noch nicht glauben, dass ich an Betrüger wie euch geraten bin. Euretwegen hatte ich starke psychosomatische Probleme. Nur der Unterstützung und Kraft meiner Familie ist es zu verdanken, dass es mir heute etwas besser geht. Ich hätte nicht gedacht, dass in einzelnen Personen konzentriert so viel menschlicher Unrat existieren kann.

Lupina, Du und Ven haben mir immer gesagt, dass es in der Musikbranche keine Freunde gibt. Nun weiß ich, dass Ihr diese Bewertung auf Euch bezogen habt.

Lupina, sage Ven, dass er wissen sollte, wann man aufhören muss. Aber Gier und niedere Beweggründe treiben ihn, bei Strafe Eures Untergangs, in seinem kriminellen Handeln immer weiter.


Biance Hültzbeck alias Lupina Wolf antwortete darauf:

Zitat:


Mein ist die Rache sprach Gott. Und Gott ist in uns allen. Und ich glaube an göttliche Gerechtigkeit. Lupina.


Mabel Winkler gehört zu den wenigen Künstlerinnen, die sich nicht einschüchtern und psychisch unter Druck setzen lassen. Viele andere jedoch hatten und haben gegen die Masche des Produzententeams aus Alicante keine Chance.

Also Vorsicht, falls Sie von einer Bianca Hültzbeck-Wiesemann, Lupina Wolf, Carla Maria Valdez, Mona Landner, Virginia la Rose oder einem Erwin Erich Wilhelm Aven Hültzbeck alias Ven Visagi, Steven Richmann, Lenny, Avenheart, Revolution 4 Life, Double V, Paul Adams oder Arther Human kontaktiert werden.

Beitrag zum Thema
» Lupina Wolf - LW Artist Consulting - GSIMusic

Kategorie zum Thema
» Dubios

 

05. Mai 10

Die doppelte Buchführung


Convent Die Päpste in Rom hatten jahrzehntelang eine doppelte Buchführung. Über frei erfundene Stiftungen für Bedürftige wurden Milliarden Euro Schwarzgelder von und für Politiker und hohe italienische Staatsbeamte gewaschen. Das enthüllt das Buch "Vatikan AG" des italienischen Panorama-Zeitungsredakteurs Gianluigi Nuzzi (Foto, GoMoPa.net), das am 26. März 2010 zum ersten Mal in die deutschen Buchläden kam.

In Österreich ist das Buch (22,50 Euro, ecowin) seit dem 25. März 2010 zu haben und landete dort sofort auf die Top-100-Bestsellerliste.

Mit schonungsloser Genauigkeit beweist Nuzzi auf 356 Seiten, dass neben der offiziellen Vatikanbank, dem Institut für die Werke der Religion (IOR), auf dem Petersplatz in Rom ein paralleles, geheimes IOR existierte, das mit wohltätigen Zwecken nichts zu tun hatte.

Bestechung statt Heilige Messen

So kam es vor, dass über das Spendenkonto für Heilige Messen (je Heilige Messe 10.000 Euro) viele Millionen Euros für Schmiergelder an korrupte Politiker und hohe Geistliche und deren Sippe, aber auch in dubiose Finanzspekulationen bis hin zu Bankenübernahmen geflossen sind.

Nach dem Motto "Vom Ave Maria allein kann man nicht leben" konnte ein vom Papst eingesetzter Prälat (geistlicher Führer) über die Köpfe der Bankdirektoren des IOR hinweg und ohne Kontrolle schalten und walten, wie es ihm beliebte. Seine Anweisungen wurden bedingungslos ausgeführt. Sein Netzwerk war riesig.

Praktisch alle großen Banken- und Firmencrashs Italiens haben Spuren ins IOR.

Damit zum Beispiel das italienische Parlament der Verstaatlichung eines nicht zu rettenden Chemiekonzerns namens Enimont zustimmte, der dann 1991 nach einem Jahr tatsächlich in Konkurs ging, flossen laut Mailänder Staatsanwaltschaft von 130 Milliarden Lire (70 Millionen Euro) an Enimont-Schmiergeldern allein 88,9 Milliarden Lire (50 Millionen Euro, also gut zwei Drittel) über das IOR, und zwar in Form von 234 eingelösten Staatsanleihen, die zuvor auf Konten einer gar nicht existierenden, aber so benannten Kardinal-Spellmann-Stitung eingezahlt und von dort aus geschickt weiterverteilt worden sind. Zeichnungsberechtigter dieses Kontos war nach IOR-Unterlagen auch der siebenmalige italienische Ministerpräsident Giulio Andreotti von der ehemaligen katholischen Volkspartei Democrazia Cristiana, die den Deal mit Enimont durchboxte.

Nachfragen von Staatsanwälten und Richtern scheiterten regelmäßig an den Mauern des Vatikanstaates und der diplomatischen Immunität (Straffreiheit nach Artikel 11 der Lateranverträge zwischen Italien und dem Heiligen Stuhl). Keine Auskunft. Keinen Einblick. Kein Abhören. Keine Durchsuchung. Keine Verhaftung. Keine Bestrafung. Das IOR war eine unangreifbare Offshore-Geldwäsche mitten in Europa. Und jeder, der wollte und einen guten Kontakt zur Nomenklatura des Vatikans hatte, konnte und kann am Schalter im Nikolaus V. Festungsturm, dem Sitz der Bank in Rom, ein Konto eröffnen, wenn er sich nur verpflichtet, wenigstens ein bisschen für wohltätige Zwecke zu spenden. Dafür bekommt man ein Nummernkonto, Schließfach, Debitkarten, Schecks und internationale Bankverbindungen. Und einen Decknamen. Andreotti hieß zum Beispiel Omissis.

Der Finanznachrichtendienst GoMoPa.net traf den Buchautor Gianluigi Nuzzi im Berliner Hotel Adlon zum Interview.

GoMoPa.net: Herr Nuzzi, wie hat der Heilige Stuhl auf Ihre Enthüllung reagiert?

Nach 20 Jahren abgelöst:<br /> Bankchef Angelo Caloia (70)
Nach 20 Jahren abgelöst:
Bankchef Angelo Caloia (70)
Nuzzi: "In Italien erschien mein Buch ja bereits im Mai 2009. Ich habe dem IOR-Präsidenten Professor Angelo Caloia (70) persönlich ein Exemplar überbracht. Er schien davon völlig überrascht zu sein. Er hat wohl niemals für möglich gehalten, dass die Buchführung jemals öffentlich werden könnte. Er reichte seinen Rücktritt ein. Papst Benedikt XVI. wechselte am 23. September 2009 die gesamte Führungsriege des IOR aus."

GoMoPa.net: Hat sich dadurch tatsächlich etwas verändert?

Nuzzi: "Oh ja, man machte im Vatikan einen sauberen chirurgischen Schnitt. Im Januar 2010 strich Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone den zentralen Posten des Prälaten aus dem Organigramm der Papstbank. Der Posten des Prälats wurde abgeschafft, ein Amt, das ein gewisser Donato de Bonis jahrelang ausgenutzt hat, um Schmiergelder und Girokonten italienischer Spitzenpolitiker, deren Namen geheim gehalten wurden, zu verwalten. Ohne jede Vorwarnung wurde nun der aktuelle Prälat des IOR, Piero Pioppo, aus dem Vatikan abberufen. Er wird Apostolischer Nuntius in Kamerun und Guinea-Bissau."

GoMoPa.net: Wie sieht es mit der Geldwäsche aus?

Nuzzi: "Nach Unterzeichnung einer Währungsvereinbarung mit der Europäischen Union unterliegt der Vatikan nunmehr den in der EU geltenden Gesetzen zur Verhinderung von Geldwäsche. In Zukunft wird das IOR, das mehr als fünf Milliarden Euro Ersparnisse von Orden, kirchlichen Einrichtungen und Diözesen weltweit verwaltet und die Gewinne daraus unmittelbar dem Papst zur Verfügung stellt, keine Offshore-Bank mehr sein, die außerhalb jeglicher Kontrollvorschriften steht und ihren Mitarbeitern Straffreiheit zusichert."

GoMoPa.net: Warum ging die Vatikanbank diesen schweren Weg, sie hätte doch ihr Buch einfach als Lüge verteufeln können?

Der Buchhalter:<br /> Renato Dardozzi
Der Buchhalter:
Renato Dardozzi
Nuzzi: "Nein, die Dokumente, auf die sich mein Buch stützt, sind alle echt. Sie stammen von Monsignore Renato Dardozzi, einem führenden Mitarbeiter des IOR, der als Kontrolleur vom Papst bestellt war. Dardozzi hat zwar zu Lebzeiten geschwiegen. Aber er hat alle Vorgänge dokumentiert und in die Schweiz geschmuggelt. Erst nach seinem Tod im Jahre 2003 wurde sein Geheimarchiv gefunden. In seinem Testament verfügte er, dass alles veröffentlicht werden soll. Die Testamentsvollstrecker vertrauten sich der italienischen Wochenzeitung Panorama an, die als gemäßigt gilt und bei der ich Redakteur für solche Themen bin. So kam ich zu den Dokumenten."

GoMoPa.net: Und konnten Sie ungestört arbeiten?

Nuzzi: "Nein, ich lebe schließlich in Italien. Die Polizei fing an, mich zu überwachen. Das ging so weit, dass die Beamten sogar den Namen meiner Labradorhündin Mathilde recherchierten und auch, zu welchem Osteoporosen meine Schwiegermutter ging. Meine Familie wollte nicht, dass ich das Buch schreibe, weil sie nicht wollte, dass mir was zustößt. Ich musste es einfach tun, ich bin Journalist. Der Vatikan versuchte, die Angelegenheit nach außen hin totzuschweigen. Im Fernsehen, über das sich in Italien 80 Prozent der Bevölkerung informiert, kam gar nichts. Dennoch wurde mein Buch in Italien binnen weniger Monate 250.000 Mal verkauft und musste schon elf Mal neu aufgelegt werden. Die Vatikanmitarbeiter trauen sich nicht, es offen zu kaufen. Aber man sieht die Würdenträger mit weißen undurchsichtigen Plastiktüten aus Buchhandlungen herauskommen."

GoMoPa.net: Der alte IOR-Präsident Professor Angelo Caloia vertrat die Freimaurerloge Propaganda Due (P 2), der auch Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi angehören soll (man fand seine Mitgliedsnummer). Der neue IOR-Chef Professor Ettore Gotti Tedeschi soll dagegen dem erzkatholischen Orden Opus Dei (Das Werk Gottes) angehören, deren Ziel es ist, Kontrolle in Wirtschaft und Politik zu übernehmen. Ist die Vatikanbank Spielball von Geheimbünden?

Die Vatikanbank in Rom
Die Vatikanbank in Rom
Nuzzi: "Ob P 2 oder Opus Dei, das spielt keine entscheidende Rolle. Der Heilige Stuhl wird immer auch von sich aus versuchen, weltlichen Einfluss auszuüben. Aus meiner Sicht wird es im Vatikan immer Kräfte geben, die separatistische Strömungen im Vereinten Europa unterstützen werden. Das hat nichts mit P 2 oder Opus Dei zu tun. Der Vatikan vertritt zum Beispiel auch USA-Interessen."

GoMoPa.net: Welche Rolle kommt dabei der Vatikanbank zu?

Nuzzi: "Nun, die Bank hat in den vergangenen Jahren meist Gold gekauft. Jetzt ist die Bank dazu übergegangen, wie schon in den 60er Jahren, wieder Staatsanleihen zu kaufen. Der Erzbischof von Genf hat als Vorsitzender der Bischofskonferenz jüngst 100 Millionen Euro an Bonds mit anderthalbjähriger Laufzeit gezeichnet. Das ist ein möglicher Weg, um auf andere Banken und Unternehmen und damit auch auf Politiker mehr Einfluss ausüben zu können."

GoMoPa.net: Herr Nuzzi, vielen Dank für das Gespräch.

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01. Mai 09, 02:00:00

Gold ist Wette auf die Krise, Silber Platin und Palladium auf die Konjunktur


Gold hat Hochkonjunktur. Immer mehr Anleger flüchten zur Zeit ins Gold, weil es Sicherheit und Wertbeständigkeit verspricht. Gold ist zugleich ein Mythos. Deshalb ist die Anlage in Gold auch immer eine Anlage des Gefühls, weiss Wolfgang Heraeus vom Hanauer Technologiekonzern Heraeus, dessen Mitarbeiter in der Edelmetallschmelze wegen der großen Nachfrage immer wieder Überstunden schieben. Heraeus: Es ist sicherlich eine Anlage, die funktioniert, weil viele Leute daran glauben und weil sie Beständigkeit hat. Es ist auch anders als Geld, das man beliebig nachdrucken kann. Es gibt nur 2.500 Tonnen Gold, die jedes Jahr neu auf den Markt kommen.

Deshalb sollte man einen kleinen Teil des Vermögens, sicherlich nicht 50 Prozent, auch nicht 30 Prozent, sondern fünf bis zehn Prozent in Gold anlegen. Beimischung nennt das der Finanzprofi.

Der Mythos des Goldes liegt darin, dass es immer einen Wert hatte. Im alten Rom kostete eine Tunica umgerechnet eine Unze (rund 31,1 Gramm) Gold. Heute, 200 Jahre später, bekommt man für denselben Gegenwert einen sehr guten Herrenanzug. Aber auch in der Krise gilt: Die Goldmenge ist begrenzt.

Ganz anders Bargeld. Wenn der Staat die Notenpresse anwirft, ist der Wert des Geldes schnell dahin. Edelmetall-Analyst Thorsten Proettel von der Landesbank Banden-Württemberg in Stuttgart: Bei allen Anlagen haben wir ein Emmitentenrisiko, das heisst, dass ein Gläubiger auch Konkurs gehen könnte. Aktiengesellschaften, Anleihen. Mit Gold kann man nicht Pleite gehen. Gold hat als Rohstoff immer einen Wert. Kurz- bis mittelfristig schwankt der Goldpreis enorm. Wer 1980 gekauft hat, kommt erst in diesen Tagen auf seinen Anschaffungswert. Während der Finanzkrise fiel der Goldkurs um bis zu 30 Prozent. Schuld daran ist die Schmuckindustrie, die weniger Schmuck verkaufte und deshalb auch weniger Gold einkaufte. Aber auch der schwankende Dollarkurs, der manchen einen Strich durch die Rechnung machte, der hierzulande Gold gekauft hat.

Was den derzeitigen Goldboom antreibt und den Goldpreis steigen lässt, ist die Angst vor der Superkrise. Auf Anlegermessen ist Gold das beherrschende und von der Finanzbranche stark propagierte Thema. Dass die Sparer auf den Gold-Zug aufspringen, wird auch an den Mittelzuflüssen in börsengehandelte Fonds mit physischer Hinterlegung deutlich, die bis Ende April diesen Jahres 13,3 Milliarden US-Dollar betragen haben. Die Mittelzuflüsse des Gesamtjahres 2008 in Höhe von 9,5 Milliarden USDollar wurden damit schon im Frühjahr 2009 weit überschritten.

Münzen, Goldbarren oder Goldpapiere

Wer Sicherheit in Gold sucht, muss erst mal für das Lagern zahlen und später Abschläge beim Wiederverkauf einkalkulieren. Längerfristig wird der Goldpreis wieder nach unten gehen. Die Kosten unterscheiden sich je nach Form, in der man das Gold kauft. Münzen verzeichnen die höchsten Kosten bei Ankauf, Lagerung und Abschläge beim Verkauf. Barren sind günstiger im Einkauf, verursachen aber hohe Lagerkosten und haben auch Abschläge im Verkauf.

Börsengehandelte Goldzertifikate, also Papiere über den Besitz von Gold, schneiden in allen Punkten besser ab. Hinter den Papieren sollte aber tatsächlich gekauftes Gold stehen. Der Nachteil besteht darin, dass man mit den Goldpapieren abhängig vom Herausgeber bleibt.

Fazit: Goldkauf ist eine Wette auf die Krise. Er zahlt sich nur aus, wenn es mit der Wirtschaft weiter bergab geht.

Silber, Platin und Palladium für kommende Konjunktur kaufen

Landesbanker Proettel: Nun gibt es gute Gründe, warum der Goldpreis auch nach Überwindung der gegenwärtigen Krise langfristiges Potenzial hat. Hierzu gehören beispielsweise das nicht beliebig erweiterbare Angebot, zunehmende Inflationsängste sowie eine wachsende Bevölkerung in Ländern mit hoher Schmucknachfrage. Im konjunkturellen Aufschwung dürften allerdings eher die weißen Edelmetalle die Gewinner sein.

Bei Silber, Platin und Palladium stammen jeweils mehr als 50 Prozent der Nachfrage aus dem industriellen Bereich, dessen schwache Entwicklung hauptsächlich für das derzeit niedrige Preisniveau verantwortlich ist. Umgekehrt dürfte der Bedarf bei einer konjunkturellen Belebung wieder zunehmen und die Preise positiv beeinflussen. Hinzu kommt, dass die Anleger bei den weißen Edelmetallen unterinvestiert sind. Die Mittelzuflüsse in Silber-, Platin- und Palladium-Fonds betrugen in diesem Jahr mit insgesamt 1,2 Milliarden US-Dollar lediglich einen Bruchteil des Wertes aus dem Goldbereich. Noch ist es allerdings zu früh, um das Ende der Wirtschaftskrise ausrufen zu können.

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01. Mai 08

Steuerhinterziehung durch Banken

Bradley Birkenfeld ist ein ehemaliger Mitarbeiter der Schweizer Großbank UBS und hat vor einem US Gericht ausgesagt, mit welchen Tricks und Betrügereien die Bank Kunden geholfen haben soll, Steuerzahlungen in Millionen-Dollar-Höhe zu umgehen. Mit diesem Kronzeugen zwingen US-Behörden nun die Bank dazu, Tausende von Kundendaten herauszugeben. Mehr als 20 MRD USD von US Bürgern sollen mit Hilfe der UBS nicht versteuert worden sein!

Große Fehler auf dem US Immobilienmarkt sowie im Anlage- und Risikomanagement zwangen die Großbank erst kürzlich dazu, weitere 37 MRD US-Dollar abzuschreiben. Frisches Kapital aus Singapur und arabischen Staatsfonds glichen die Verluste kurzfristig aus. 16 MRD SFR wurden zusätzlich bei Aktionären eingesammelt. Bedenklich, denn all das passiert einer der renommiertesten Banken - und dem größten Vermögensverwalter - der Welt!

Nun könnte ein Urteil des US-Bundesgerichts Miami den eidgenössischen Supergau auslösen. Es verpflichtet das Bankhaus zur Herausgabe der Daten ihrer amerikanischen Kunden. Damit hat die gefürchtete US-Steuerbehörde IRS die Möglichkeit, Konten ihrer Bürger einzusehen! Die UBS wird es schwer haben, wieder Vertrauen aufzubauen, aber was wird zukünftig aus dem Vertrauen und dem Image des Finanzplatzes Schweiz generell?

 

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