
Es klingt so schön einfach. Man kauft sich bei der Schweizer Firma Life Forestry aus Stans 1.100 Teakholzsetzlinge für 37.400 Euro, lässt diese auf einer Plantage in Costa Rica (siehe Lageplan) oder Ecuador 20 Jahre lang wachsen und kassiert dann als Altersvorsorge von dem Teakholzverkauf oder Rückkauf von Life Forestry netto 286.601 Euro, woraus sich eine IRR (Internal Rate of Return) von 11,06 Prozent ableitet.
12 Prozent und mehr Rendite pro Jahr sei möglich. Die Anlage sei "100 Prozent krisensicher", und der Preis für Teakholz werde auf keinen Fall unter den Plantagen-Teakholzpreis von 2007 (480 Euro pro Kubikmeter) fallen, verspricht nun schon der dritte Geschäftsführer seit Gründung des Unternehmens im Mai 2006, der Deutsche Carl-Lambert Liesenberg, in zahlreichen Werbungen.
Eine Tradition oder Erfahrung im Holzbusiness kann die Life Forestry nicht aufweisen. Die erste eingetragene Person war Guido Schwerzmann aus Zug. Schwerzmann war vormals Treuhänder der Dr. Jürgen Amann-Fonds aus Köln (Hotels, Golfobjekte). Dr. Amann wurde im Jahre 2004 vom Handelsgericht Sankt Tropez wegen unordentlicher Buchführung und Konkursverschleppung mit einem 20jährigen Verbot belegt, wieder als Geschäftsführer, Verwaltungsrat oder Kontrolleur von Gesellschaften zu arbeiten. Die Staatsanwaltschaft Zug musste dann im Jahre 2008 mehr als 400 Strafanzeigen bearbeiten, weil Dr. Amann zweistellige Millionenbeträge aus seinen zehn Firmen abgezweigt haben soll.

Im Falle von Teak-Holz-Investments warnte das Frankfurter Verbrauchermagazin ÖKO-TEST bereits im November 2009 die Anleger vor zu viel Gutgläubigkeit: "Die Kosten für solche Fonds sind zu hoch. Einige Anbieter verlangen Gebühren von über 20 Prozent für Agio und Werbung. Dazu kommen noch laufende Verwaltungsgebühren von fast 15 Prozent. Das heißt, die Emittenten streichen über ein Drittel der Anlagesumme für sich selbst ein", erklärte Jürgen Stellpflug, Chefredakteur des ÖKO-TEST-Magazins.
Ein Hektar Grund kostet in Costa Rica nach Einschätzung des Betreibers der Handelsplattform investingalternatively.com, Cyrill Haenni, rund 4.000 bis 7.000 Euro pro Hektar. Aber den bezahlt der Kunde ja gar nicht, das Land bleibt im Besitz von Life Forestry. Für Aufforstung und Pflege rechnen Experten nach Handelsblatt-Recherchen rund 15.000 Euro.
Life Forestry verlangt aber für 1 Hektar, auf den 1.100 Teakholzsetzlinge passen, stolze 37.400 Euro vom Anleger. Konkurrent ShareWood Switzerland AG aus Zürich kommt für seine zwei Plantagen in Brasilien mit 26.500 Euro für einen Hektar mit 1.100 Teaksetzlingen aus. Die deutsche Forest Finance Service GmbH aus Bonn verlangt für das gleiche Engagement in Panama 23.000 Euro.
Laut Life Forestry muss der Preis des Teakholzes jährlich um sechs Prozent steigen, um zwölf Prozent Rendite zu erreichen. John Gilliland von Tectona G. Capital, der seit Jahren Plantagen für Profi-Anleger betreut, schätzte im Jahr 2010 ein, dass heute eher ein Preis von 350 Euro je Kubikmeter Plantagenholz realistisch ist.
Preissteigerungen von sechs Prozent jährlich seien nur für natürlich gewachsenes Holz zu erwarten. Bei Plantagenholz rechnet Gilliland mit Preissteigerungen von einem Prozent jährlich. Den hohen Anfangseinsatz von 37.400 Euro mitberücksichtigt, seien zwölf Prozent Rendite wenig realistisch. Auch Fachmann Haenni verweist Preissteigerungen von sechs Prozent jährlich "in den Bereich der Spekulation".
Auch mit der 100prozentigen Sicherheit lehnt sich die Life Forestry weit aus dem Fenster
Teakholzplantagen gibt es nicht erst seit der Life Forestry. Die Branche ist vor Pech, Pleiten und Pannen nicht gefeit. Zur selben Zeit, als die Life Forestry gegründet wurde, meldete die Prime Forestry Group und Prime Forestry Switzerland AG aus Zürich mit ihren Panama-Plantagen Konkurs an. Das war kein einzelner Unternehmer, sondern ein mittelgroßes Unternehmen mit mehr als 700 Mitarbeitern in fünf Ländern.
Konkurrenten der Life Forestry, die sogar an der Frankfurter Börse vertreten sind, haben mit sinkenden Aktienkursen zu kämpfen. So fiel der Aktienkurs des Plantagenbewirtschafters Teakholz International AG aus Linz in Österreich mit seinen Teakwäldern in Costa Rica von 10,5 Euro pro Aktie (6,24 Millionen Aktien sind im Umlauf) auf 3,31 Euro, Tendenz fallend. Auch die Schweizer Precious Woods Holding AG befindet sich wegen ihrer Plantagen in Brasilien in schwierigem Fahrwasser. Der Kurs der 3,44 Millionen Aktien fiel von 90 Euro Mitte 2007 auf heute 7,31 Euro, Tendenz sinkend.
Die pleite gegangene Prime Forestry Switzerland AG soll denselben Teakspezialisten wie nun Life Forestry haben
Dr. Diego Perez,
Ausriss aus Eco-Interview
Prime Forestry-Anleger B. Wieland erinnert sich im Internetportal Die Bewertung wie folgt an seine Investition und erkennt im Forstingenieur Dr. Diego Perez denselben Teakholzexperten von damals nun als Direktor beim Unternehmen Life Forestry wieder:
Wieland:
Zitat:
Die Prime Forestry Switzerland AG war ein Unternehmen, das mit Hilfe intensiver Werbung und Telefonverkäufer bis zum Konkurs 2006 Teakbäume verkaufte. Auch ich bin damals darauf reingefallen.Nach dem Konkurs kam heraus, das die aufgeforsteten Flächen großteils völlig ungeeignet waren. Eine Bewirtschaftung wurde aufgegeben, teilweise wurden die Bäume sogar entfernt und die Flächen wieder beweidet. Für uns Anleger ein Riesenverlust.
"Vice President" der Prime Forestry Panama damals ein Diego Perez, der auch für die Pflanzungen verantwortlich war ("Director of Plantation Operations"). Er wurde damals als Teakspezialist vorgestellt.
Der jetzige Direktor der Life Forestry Costa Rica S.A. heißt ebenfalls Diego Perez (siehe hier).
Es würde mich sehr wundern, wenn das nicht der gleiche Diego Perez der Prime Forestry ist.
Dazu passt auch, dass ehemalige Prime Forestry-Kunden, die nachher Aktionäre der Rettungsgesellschaft Forests for Friends AG wurden, ohne vorherigen Kontakt von Life Forestry angemailt wurden.Woher Life Forestry wohl die Emailadressen der Prime Forestry-Kunden hatte?!? Dies ist hier auffindbar.
Hinzu kommt: Costa Rica ist weit, zwischen Berlin und der dortigen Hauptstadt San Jose liegen 9.138 Kilometer. Ein Investor aus dem brandenburgischen Luckau schaltete vor einem Einstieg ins Edelholz-Investment den Anlegerschutzanwalt Dr. Thomas Schulte aus Berlin-Charlottenburg ein, und bat ihn zu erkunden, ob man wirklich Bäume kaufen sollte.
Dr. Thomas Schulte
Dr. Schulte wandte sich an die Deutsche Botschaft in Costa Rica. Die Beamten empfahlen den deutschen Wirtschaftsdetektiv Michael Golonsky, der sei für solche Recherchen genau der richtige Mann. Dr. Schulte schickte den Detektiv auf die Spur. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Der Privatdetektiv Golonsky schickte folgende Depesche: "Heute sprach ich mit den Leuten von MINAE (Umwelt- und Energieministerium - die Redaktion) und erhielt eine interessante Auskunft.
Die Schweizer Firma ist eingetragen, und sie dürfen auch solche Geschäfte anbieten. Bis hierhin alles in Ordnung und legal!"
Doch dann warnte der Detektiv ganz allgemein vor den Risiken eines Teakbaum-Investments in Costa Rica, ohne sich speziell mit Life Forestry beschäftigt zu haben. Er schrieb: "Was allerdings etwas zweifelhaft ist, sind die Jahre und die Erträge. Der Beamte sagte mir, dass die meisten Erträge, die versprochen werden, nur zu 50 Prozent eingehalten werden können... Solche Geschäfte sind sehr stark abhängig vom Wetter und von den Naturereignissen hier in Costa Rica. Ausserdem ist die Kontrolle der gekauften Bäume sehr schwierig bis unmöglich."
Der Finanznachrichtendienst GoMoPa.net wollte vom Life-Forestry-Chef Carl-Lambert Liesenberg wissen, warum er das Teakholzinvestment in Costa Rica und Ecuador für sicher hält?
Liesenberg: "Selbstverständlich müssen die geographischen und klimatischen Voraussetzungen dafür stimmen. In Costa Rica und Ecuador sind diese optimal. In Panama beispielsweise ist das Klima für Teak zwar geeignet, aber aus unserer Sicht nicht optimal, da es dort in der Regel zu feucht ist. Dies spiegelt sich in der Holzqualität und der Erntemenge am Ende der Laufzeit wider.
So erzielt Panama-Teak auf dem Weltmarkt geringere Preise als Costa-Rica-Teak. Mit dem Teakanbau alleine ist es jedoch nicht getan. Wo liegen die Plantagen, und wie sind die logistischen Rahmenbedingungen? Teakanbaugebiete in Brasilien liegen beispielsweise bis zu 2.000 Kilometer vom nächsten Hafen entfernt. So ist davon auszugehen, dass ein grosser Teil der eigentlichen Erlöse von hohen Transportkosten geschmälert wird.
Die Regionen, in denen Life Forestry seine Forstwirtschaft betreibt, liegen nachgewiesen ausserhalb jeglicher natürlicher Risiken wie Vulkanismus,Erdbeben oder Wirbelstürmen. Die Bodenqualität ist hervorragend, und die politische Situation in Costa Rica wie in Ecuador darf als sehr stabil gelten.
Teakholz selbst hat kaum natürliche Feinde oder Schädlinge, und selbst Feuer kann dem Holz praktisch nichts anhaben.
Um dem illegalen Abholzen des Regenwaldes einen Riegel vorzuschieben und auch, um die Natur zu schützen, haben sich praktisch alle westlichen Staatenverpflichtet, nur noch FSC-zertifiziertes Holz zu importieren. Sie sollten bei einer Anlage also unbedingt ganz konkret auf das FSC-Siegel der Bäume achten und sich nicht von Aussagen wie
Anbau nach internationalen Standards et cetera blenden lassen."
Das mag sein, doch der Anleger kauft zunächst einmal von der Life Forestry Setzlinge ohne Zertifikat. Erst im Alter von 4 bis 6 Jahren werden diese dann eventuell zertifiziert. Man hat gar keine Garantie, dass die gekauften Bäume überhaupt das FSC-Gütesiegel erhält, das später für den Verkauf nach Europa so wichtig ist.
Liesenberg verweist dafür auf die Geschäftsbedingungen. Liesenberg: "Das bedeutet, dass der Kunde im Falle einer Nichtzertifizierung ein Rücktrittsrecht vom Vertrag hat." Wenn man Pech hat, fängt man nach 6 Jahren wieder von vorne an.
Plantagenteakholz hält keinen Vergleich mit Naturwald-Teak stand
Die Life Forestry betont besonders die Qualität des angebauten Holzes: "Wegen seiner enormen Dichte und dem hohen Öl- und Kautschukgehalt kann das Holz nicht von Würmern oder Pilzen befallen werden." Zudem seien Teakbäume "kaum entflammbar".
Michael Köhl, der am Zentrum Holzwirtschaft der Uni Hamburg das Institut für Weltforstwirtschaft leitet, sieht solche Aussagen jedoch kritisch: "Jedes Holz und jeder Baum kann brennen. Nur hat Teak eine silikatreiche, dicke Rinde, die die Hitze von Bodenbränden relativ lange abhält. Wenn die Flammen in die Krone schlagen, hat auch Teak keine Chance mehr." Auch ein Befall mit Pilzen und Insekten könne nicht generell ausgeschlossen werden, sagte er dem Handelsblatt.
Life Forestry bezeichnet solche Bedenken eines Experten in ihrer Stellungnahme jedoch als "Suggestivformulierung", da ein Risikoszenario dargestellt werde, das "faktisch nicht existiert".
Zudem wird das Holz als "Königsklasse der Edelhölzer" beworben. Es sei "dauerhaft und exklusiv, strapazierfähig und witterungsbeständig". Auch diese Aussage passt nicht zur Expertenmeinung: "Bei Teak aus Plantagen von
Königsklasse zu sprechen ist wohl eher Wunschdenken als Realität", sagt Forstexperte Michael Köhl. "Teakholz ist entweder robust oder es wächst schnell." Beides gehe nicht. Und das Holz auf den Plantagen wachse sehr schnell. Zudem sei das Plantagen-Teak weniger widerstandsfähig als Edelholz aus Naturwald und beispielsweise für den Einsatz im Außenbereich, der Witterungseinflüssen ausgesetzt ist, nicht geeignet.
Auf diesen Widerspruch angesprochen, verweist der Life Forestry-Geschäftsführer auf wissenschaftliche Studien und eine Dissertation des Life-Forestry-Forstdirektors, Dr. Diego Perez. "Teak wächst auf Plantagen in Mittel- und Südamerika schneller und besser als auf vergleichbaren Plantagen in Asien oder Afrika", sagt Liesenberg. Außerdem: "Vor allem jüngeres Teakholz unter zehn Jahren erreicht nicht die Qualität von Naturteak, da in dieser Phase noch weniger hochwertiges Kernholz ausgebildet ist. Hingegen erreichen gut gemanagte und intensiv bewirtschaftete Teakplantagen bereits nach 20 Jahren die Qualität von 40- bis 50-jährigem Naturteak. Und zwar in Bezug auf Durchmesser, Kernholz und Dichte."
Life Forestry vergisst dabei allerdings, auf die Unterschiede zwischen Natur- und Plantagenholz hinzuweisen. Genannt werden etliche Stabilitätseigenschaften, daneben wird das Holz auch als "faszinierend schön" beschrieben. "Davon kann bei Plantagen-Teak keine Rede sein", sagt Experte Köhl. "Es hat einen rötlichbraunen Kern und einen hellen Splint, Bretter aus diesem Holz sind also nicht einheitlich gefärbt, sondern völlig scheckig." Nun denn ...
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