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Die Deutsche Anlagen AG und "Alte Bekannte"

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frank neidzel
Insider


Anmeldungsdatum: 17.07.2002
Beiträge: 600
Wohnort: bremerhaven

BeitragVerfasst am: 18.Jun 2005 9:57    Titel: Die Deutsche Anlagen AG und "Alte Bekannte" Antworten mit Zitat

Zitat:
Die Deutsche Anlagen AG startet den Vertrieb eines Fondskonzepts, das schon bei der Göttinger Gruppe nicht funktioniert hat.

Die Deutsche Anlagen AG will groß herauskommen – mit einem Ex-Minister, einem dubiosen Vertrieb und Ideen der Göttinger Gruppe“ titelte kürzlich die Süddeutsche Zeitung. Und tatsächlich finden sich unter den Akteuren prominente Politiker. Als Beiräte in der Unternehmensspitze des noch jungen DA-Finanzkonzerns haben sich der ehemalige Bundesverteidigungsminister Rupert Scholz (CDU) und der Berliner Schulsenator a. D. Walter Rasch (FDP) sowie Helmut Holl (SPD), Wighard Härdtl (CDU) und der Ex-Pressesprecher des Berliner Senats, Michael-Andreas Butz, zusammengefunden, um nach eigenen Aussagen mit „ihren guten und unbelasteten Namen“ für das erste Produkt des neuen Finanzkonzerns, den „MSF Master Star Fund Deutsche Vermögensfonds I“, zu werben. Die Namen Jürgen Rinnewitz und Michael Turgut könnten für die Vermarktung dafür etwas problematischer werden. Ersterer war noch vor kurzem Konzernchef der Göttinger Gruppe, während Turgut bis 2001 langjähriger Securenta-Vertriebspartner war. Rinnewitz’ soll der geistige Urheber des „Deutsche Vermögensfonds I“ sein, Michael Turgut hingegen will den Fonds mit seinem Allfinanzvertrieb Futura Finanz
Zitat:
http://www.gomopa.net/foren/htopic/3872/deutsche+anlagen/futura-finanz-verspricht-8prozent-rendite.htm

Privatanlegern in vergleichsweise kleinen Stückelungen anbieten: Der Einstieg werde mit einem Mix aus 600 Euro Einmaleinlage und monatlichen Rateneinzahlungen von 25 Euro möglich.
Dabei geht es bei der Deutsche Anlagen AG grundsätzlich eigentlich eher um große Summen. Der Plan sieht vor, dass 200 Millionen Euro in den geschlossenen Fonds fließen. Wenig bescheiden kündigt der neue Finanzkonzern an, innerhalb von vier Jahren zu den führenden Unternehmen im Bereich der geschlossenen Fonds gehören zu wollen. Dabei will die Gesellschaft das Kapital der Investoren nicht selbst verwalten, sondern unabhängige Portfoliomanager mit der Geldvermehrung betrauen. Die Planrendite (nach Abzug der Kosten) ist ehrgeizig, man geht von zehn Prozent Ertrag pro Jahr aus.

Erfahrungswerte
Das alles sieht auf den ersten Blick interessant aus, ist aber angesichts der Erfahrungswerte, die von ähnlichen Projekten aus der Vergangenheit vorliegen, mit Vorsicht zu genießen, denn Marktbeobachter können sich des Eindrucks nicht erwehren, dass bei der Deutsche Anlagen AG alter Wein in neuen Schläuchen verkauft werden soll. Ihrer Meinung nach erinnert sehr vieles beim Deutsche Vermögensfonds I an das Anlagekonzept der Göttinger Gruppe. Der Fonds investiert aus Diversifikationsgründen in vier Geschäftsfelder: Private Equity, Immobilienanlagen, Wertpapiere und Alternative Investments (Hedgefonds). Die Kunden der Göttinger Gruppe erinnern sich, dass ihre Gelder seinerzeit in atypisch stillen Beteiligungen nach demselben Muster angelegt werden sollten, merkten bislang allerdings wenig von der risikosenkenden Wirkung dieser Vorgangsweise. Ganz im Gegenteil: Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 10. September 2002 wurde der Verlust der Hälfte des Stammkapitals der Securenta AG, Konzernmutter der Göttinger Gruppe, bekannt gegeben. Und im letzten öffentlich zugänglichen Jahresabschluss des Jahres 2001, der übrigens erst Mitte 2003 bei der Hauptversammlung der Securenta AG vorgelegt wurde, wird von einem Bilanzverlust über 310 Millionen Euro berichtet. Laut einem HV-Bericht des Informationsdienstes GSC Research (www.gsc-research.de) habe Jürgen Rinnewitz zwar reichlich optimistische Prognosen abgegeben, die aber längst nicht mehr so viele Zuhörer fanden wie in den Jahren zuvor. Nur noch 140 Aktionäre interessierten sich für die Durchhalteparolen, „vermutlich“, so die Einschätzung von GSC Research, „haben aber auch viele das Thema Securenta abgeschlossen und sich bereits mit dem Totalverlust ihres Einsatzes abgefunden“. Belege dafür könnten aus dem Securenta-Geschäftsbericht 2001 auf den Seiten 25 und 26 abgeleitet werden. Da heißt es: „Sollten die Ertragsprognosen wider Erwarten tatsächlich nicht eintreffen und andere Ertragsquellen nicht geschaffen werden können, so wäre die Gesellschaft infolge der bisherigen Investitionen nur schwerlich in der Lage, die bisher den Anlegern zugewiesenen Verluste durch Gewinne wieder auszugleichen. Das von den Kapitalanlegern eingesetzte Kapital bliebe weitgehend aufgezehrt.“ Und ein Stück weiter: „… wird deutlich, dass Zahlungen der stillen Gesellschafter zu einem erheblichen Teil den Aufwand der laufenden Geschäftstätigkeit und Zahlungsverpflichtungen (Bankhaus Partin, Steuerzahlungen) abdecken müssen.“ Konkret bedeute das nach der Interpretation eines Insiders, dass die von den Anlegern seit 1986 bis heute eingezahlten Gelder weg seien. Die laufenden Ratenzahlungen der Anleger würden demnach nicht investiert, sondern für laufende Geschäftskosten und Schuldenabbau verbucht.
Fatal, wenn man bedenkt, dass die Göttinger Gruppe seit 1986 insgesamt ein Zeichnungskapital über 14 Milliarden Mark (rund sieben Milliarden Euro) policiert haben will. Mit solchen Summen war sie wiederholt an die Presse gegangen. Marktbeobachter schätzen, dass die in besseren Zeiten bis zu 450.000 Köpfe zählende Anlegergemeinde zwischen 1,1 und 1,7 Milliarden Mark (550 bis 800 Millionen Euro) eingezahlt haben muss. In den letzten Jahren auch mithilfe des Securenta-Vertriebspartners Michael Turgut.

„Shootingstar“
Genau derselbe Turgut sieht heute nicht nur im Vertrieb seine Leidenschaft, sondern bekleidet bei der DA Deutsche Anlagen AG auch das Amt des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden. Bis vor kurzem verkaufte die Turgut-Truppe noch nahezu ausschließlich Fonds der Würzburger Frankonia-Gruppe. Auch heute noch fühlt sich Turgut laut einem Interview in „Cash“ den mehr als 30.000 Frankonia-Anlegern verbunden und will im gleitenden Übergang zu anderen Vertriebspartnern verhelfen. Für „Cash“ ist Turgut ein „Vertriebs-Shootingstar“, er erzählte da auch, dass er die Zahl seiner Berater „spätestens bis 2010 auf 100.000 gesteigert haben“ will. Im Februar wurde Turgut in „BILD“ mit der Äußerung „Das Geld der kleinen Leute liegt mir am Herzen“ als „Gewinner des Tages“ gefeiert. Dagegen werden die Futura-Finanz-Vertriebsmethoden in den Zeitschriften „Focus“ (Nr. 9/2004) und „Finanztest“ (Nr. 3/2004) in die Nähe unseriöser Anlageberatung gerückt (Vorwurf der Stiftung Warentest: dubiose Beratungspraxis). Der gleiche Tenor auch im Beitrag über die Turgut-Truppe, der am 10. Februar 2004 in der ARD-Sendung „PlusMinus“ ausgestrahlt wurde. Turgut-Mitarbeiter wurden von der „Plusminus“-Redaktion beschuldigt, dass ihre Verkaufsgespräche in der Regel nach einem genau eintrainierten Protokoll mit dem einzigen Ziel ablaufen würden, dem Kunden eine möglichst hohe Beteiligung bei der Frankonia zu verkaufen. „Plusminus“ zitierte den Ex-Vermittler Martin Köck: „Das ist keine Anlageberatung. Das Ziel ist es, den Kunden auszurauben bis zum letzten Pfennig. Auszubeuten. Und das (Geld) in eine so genannte Anlage zu stecken, die Vorteile fingiert, die niemals dem Kunden sein Geld – weder mit Gewinnen noch überhaupt – mal bringen wird.“
Wen wundert’s, dass jetzt Juristen von Berlin bis München auf die Turgut-Aktivitäten aufmerksam machen. Beispielsweise ist auf den Internetseiten der Rechtsanwälte Schulte & Röhlke (http://www.ra-schulte.de) und Wilhelm Lachmair & Kollegen (www.
ra-lachmaier) über „dubiose Methoden der Futura Finanz AG aus Hof“ aus vergangenen Tagen zu lesen. Und weiter: „Manchmal fällt es einem schwer, die Dinge zu glauben, die man liest. Ausgerechnet Michael Turgut, Chef der Hofer Futura Finanz AG, die praktisch bis zur letzten Minute und trotz zahlreicher Warnhinweise Securenta-Beteiligungen vertrieben hat und die noch heute in so großem Umfang (1,69 Milliarden Euro Gesamtumsatz) für die artverwandte Produkte anbietende Frankonia AG tätig ist, ..., fordert eine produktbezogene Qualitätsoffensive. Das schmerzt.“ Selbst wenn jetzt die Frankonia-Aktivitäten passé sein sollten, dürfte der Turgut-Vertrieb auch bei der Vermittlung des neuen „Deutsche Vermögensfonds I“ auf seine Kosten kommen: Die Vermittlungsgebühr wird mit 8,86 Prozent des Zeichnungskapitals berechnet. Das Agio beträgt – wie ehemals bei der SecuRente der Göttinger Gruppe – fünf Prozent.

Backoffice der Göttinger
Dass die DA Deutsche Anlagen AG in einem Atemzug mit der Göttinger Gruppe genannt wird, wundert den Geschäftsführer des Fonds Walter Rasch dennoch: „Wir haben mit der Göttinger Gruppe überhaupt nichts zu tun.“ Es gebe weder gesellschaftsrechtliche noch personelle Verquickungen. Was solle schon dabei sein, dass man für die Fondsverwaltung das Backoffice der Göttinger Gruppe in der niedersächsischen Universitätsstadt nutze? Und laut Emissionsprospekt fließt an eine Tochterfirma der Göttinger Gruppe für die Fondskonzeption eine einmalige Gebühr von 2,784 Millionen Euro. Insidern blieb auch nicht verborgen, dass der inzwischen in Berlin ansässige Anwalt Matthias Jung neben Michael-Andreas Butz und dem früheren Expo-Werbe-Chef Matthias Gindsberg zum Gesellschafter-Triumvirat der DA Deutsche Anlagen AG gehört. Jung, der in Göttingen Rechtswissenschaften studierte, gehörte schon in den frühen 90er Jahren zum Mitarbeiterstab der Securenta. Und gleich nach seinem Staats-Examen stieg er in den Vorstand einer Göttinger-Gruppe-Tochter auf. Noch 1999 fungierte er als Aufsichtsrat von zwei Konzerntöchtern.

„Atypisches“ der Göttinger Gruppe

1986 Gründung der Securenta AG, von der in späteren Jahren die Initiatoren Michael Hebig, Erwin Zacharias und der heutige Konzernchef Jürgen Rinnewitz stolz als der „Keimzelle“ der Göttinger Gruppe und der Göttinger Querdenker berichten.
1987 Start des Vertriebskonzepts für das Anlagemodell „atypisch stille Beteiligung“, das später als PSP (zunächst als Persönlicher Sachwert-Plan und ab 1994 als Pensions-Spar-Plan) verkauft wird.
1988 Göttinger Gruppe erreicht ein Platzierungsvolumen von 100 Millionen Mark.
1989 Vertriebsvolumen 200 Millionen Mark.
1990 Vertriebsvolumen 367 Millionen Mark. – Erwerb der SFR-Bank, München, die später in Securenta-Bank umfirmiert.
1991 Platzierungsvolumen überschreitet die Milliardenmarke. HML Bank kündigt Verwaltung der Securenta-Wertpapiersparverträge auf. Am 27. 9. schreibt Anlegerschützer Heinz Gerlach erstmals über „üble Rendite-Gaukeleien – modifiziertes Schneeballsystem“.
1992 Vertriebsvolumen 680 Millionen Mark. Bericht im gerlach-report vom 21. 4.: SFR-(Securenta)Bank 12 Millionen Mark Mittelverfehlverwendung; gerlach-report
vom 11. 9.: Mindestens 20 Millionen Mark fehlverwendet – „Abzockunternehmen“.
1993 Securenta AG kommt auf die „schwarze Liste“ der Stiftung Warentest. – Am 30. 3. bestätigt das Landgericht Köln die Rechtmäßigkeit der Gerlach-Behauptung der Mittelverfehlung.
1994 Göttinger Gruppe kommt auf die „schwarze Liste“ der Verbraucherzentrale Bundesverband, Berlin.
1996 Bundesgerichtshof (BGH) erlaubt Gerlach-Äußerung „Abzocktruppe“.
1997 Göttinger Gruppe sponsert Fußball-Bundesligisten VFB Stuttgart (20 Millionen Mark für drei Jahre – vorzeitige Kündigung durch VFB im Februar 1999).
1998 Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen äußert erste Zweifel an PSP.
1999 Neues Produkt „KombiPlan 7“ plus Verknüpfung Sun Life Aktienfonds, VWL SecuRente. – Gründung „Neue Märkte Venture Capital Berlin AG“.
2000 Bundesaufsichtsamt stellt Strafanazeige wegen Verdachts des Kapitalanlagebetrugs. Die Göttinger Gruppe investiert
60 Millionen Mark in Fußball-Club Tennis Borussia, Berlin, dem kurz darauf wegen fehlender wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit die Lizenz entzogen wird. – 4. 11.: Göttinger Gruppe stellt Vertrieb ihrer Beteiligungssparpläne ein.

Quelle: FONDS professionell
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bonton
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Anmeldungsdatum: 29.10.2005
Beiträge: 5
Wohnort: Frankfurt am Main

BeitragVerfasst am: 29.Okt 2005 2:34    Titel: Deutscher Vermögensfonds I Antworten mit Zitat

BaFin: Rückabwicklung angeordnet
Fonds: Insolvenz eröffnet
Betreiber/Verantwortliche: allesamt verklagt
Dumme: Vermittler und Anleger - Kohle weg, Zivilverfahren, viele tragische Einzelschicksale im wirtschaftlichem Ruin

Das ist die Realität, egal, wie es manch einer hier in den Threads sich und anderen schön reden will.
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