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A. Henneberg ** Consulter **
Anmeldungsdatum: 28.08.2002 Beiträge: 4926 Wohnort: Osten
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Verfasst am: 2.Aug 2005 12:12 Titel: Ungefragt Auskunft eingeholt - bei der Schufa |
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60 Millionen Menschen bei Schufa gelistet
Der Vergleich von Konditionen bei Geldanlage oder Ratenkrediten ist für den aufgeklärten Verbraucher eine Pflichtübung. Wer bei dieser Suche nach dem günstigsten Darlehen mit Banken spricht, muss damit rechnen, dass ungefragt eine Auskunft über ihn eingeholt wird - bei der Schufa (Wiesbaden), der Schutzorganisation für allgemeine Kreditsicherung. Denn durch den Wunsch nach einem Kredit hat die Bank bereits ein "berechtigtes Interesse", das für eine Schufa-Anfrage notwendig ist. Damit überprüfen Banken die finanzielle Zuverlässigkeit potenzieller Kunden. Nicht jedes Institut informiert darüber, dass sie Auskünfte einholt - so etwa eine Münchner Niederlassung der GE-Money-Bank.
Zwar werden Anfragen erfasst und zwölf Monate gespeichert. Aber über eine solche Kreditanfrage berichtet die Schufa ihren Vertragspartnern nur, wenn nicht mehr als zehn Tage seit der Anfrage vergangen sind. Anders ist dies bei ausgezahlten Krediten - sie werden erst drei Jahre ab dem Jahr der Rückzahlung aus der Datei gelöscht. Wer selber wissen will, wie es um seine Bonität steht, der kann die so genannte Eigenauskunft über sich anfordern, postalisch oder auf der Internetseite der Schufa. Dafür berechnet das Unternehmen 7,60 Euro.
Wessen Einträge insgesamt "auffällig sind, der kommt beispielsweise auch an einen Handyvertrag nur sehr schwer heran", warnt der Bremer Verbraucherschützer Lovis Wambach. Denn auch die Mobilfunkbetreiber bedienen sich der Dienste der Auskunftei - ebenso wie der Versandhandel. Wer dort bei der Bestellung ankreuzt "Rechnung zahlbar in x Monatsraten", nimmt letztlich auch einen Kredit in Anspruch. Der Versandhändler informiert sich dann bei der Schufa - in der Regel ohne den Betroffenen darüber in Kenntnis zu setzen.
60 Millionen Menschen sind mit 330 Millionen Daten bei der Schufa gelistet, hinter der als Anteilseigner weit überwiegend Banken und Sparkassen stehen. Was vielfach unbekannt ist: Guthaben, Einkommen, Depot- und Vermögenswerte sowie der Familienstand werden nicht in die Datei aufgenommen. Die Schufa sieht ihre Hauptaufgabe darin, ihre 5 000 Vertragspartner aus Kreditwirtschaft, Handel und Telekommunikationsunternehmen vor Kreditausfällen zu schützen. Sie wirkt durchaus aber auch verbraucherschützend, indem sie Bürger vor Überschuldung bewahrt.
Neben der bekannten Schufa-Auskunft bietet das Unternehmen zusätzlich ein so genanntes Scoring-Verfahren an. Wegen dieses Bonitätsindex für Privatpersonen wird die Auskunftei von Datenschützern kritisiert. Denn beim Scoring - sinngemäß: Auswertung, Note - wird man gerade nicht als einzelner Kunde mit seinen persönlichen Daten bewertet, sondern nach denen einer Vergleichsgruppe mit ähnlichen Daten. Und wenn in der Vergleichsgruppe die Kreditverträge nur schleppend erfüllt wurden, dann wird einem das auch zugerechnet. Auch dann, wenn man selbst immer pünktlich gezahlt hat. Das zunehmend in Anspruch genommene Scoring bereitet auch der zuständigen Aufsichtsbehörde "durchaus Probleme", so Christiane Wiettel-Berge vom Datenschutzdezernat des Regierungspräsidiums Darmstadt. Denn nicht alles, was in einem Wahrscheinlichkeitsindex über Forderungsausfälle aufgeführt ist, gilt auch als "bonitätsrelevant". "Sachlich nicht relevante Aussagen wie das Geburtsdatum" tauchten dort auf und beeinflussten die Kreditvergabe der Banken, kritisiert Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein. Man kann sich zwar für das Scoring sperren lassen, aber dies kann sich bei den Schufa-Vertragspartnern ebenso nachteilig auswirken wie ein schlechter Punktewert.
Wer bei der Schutzorganisation nicht ordentlich punktet, für den können die Folgen gravierend sein. Denn bei manchen Verbrauchern mit schlechtem Scorewert und negativen Einträgen geht es nicht mehr darum, ob sie einen Kredit bekommen. Für sie ist die Frage entscheidend, so der Bremer Verbraucherjurist Wambach, ob eine Bank ihnen überhaupt ein Konto eröffnet - damit Arbeitsplatz und Wohnung nicht gefährdet werden.
Quelle: Wormser-Zeitung |
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