Verfasst am: 12.Jun 2005 17:08 Titel: Offshore - Geht das so?
Hallo,
ich bin von der Qualität dieses Forums wirklich begeistert!
Das schonmal vorweg
Angenommen, folgender fiktiver Fall tritt in der Praxis auf:
Ein Schüler, der später mal studieren will, betreibt ein Gewerbe - nebenberuflich.
Das meiste Geld verdient der Schüler mit dem Verkauf von Werbung auf seiner eigenen Website.
Er hat auch noch in der Gewerbeanmeldung angegeben, dass der mit Domains handelt und Internetprojekte kauft und verkauft.
Jetzt überlegt der Schüler, ob er nicht dem deutschen Steuersumpf entkommen kann.
Dabei hat er folgende Idee:
Er verkauft seine Website - unter Wert - an eine Offhore-Firma.
Die Offshore-Firma stellt den Schüler ein und zahlt ihm für die Pflege der Website ein minimales Gehalt, von sagen wir mal 500 Euro pro Monat.
Da der Schüler als Angestellter unter 7.000 Euro verdient, muss er ja keine Steuern in Deutschland zahlen.
Er hat auch keine weiteren Projekte mehr, die er - als Selbsttändiger - verkaufen kann.
Das Gewerbe soll aber weiterhin angemeldet bleiben.
Natürlich brauche ich euch nicht zu erzählen, dass der Inhaber der Offshore-Firma der Schüler selbst ist.
Fällt sowas auf bzw. würde man mit so einer Idee durchkommen?
Wie sieht es dann aus, wenn der Schüler die Website an eine Firma verkauft, mit der ihr nichts zu tun hat.
Diese Firma verkauft dann an die Offshore-Firma und stellt den Schüler für die Pflege der Internetseite ein.
Ist das besser?
Bin gespannt auf eure Meinungen zu meinem erdachten Fall.
Hmm, irgendwie kann ich meine Beiträge hier nicht editieren
Hab noch was vergessen.
Wie sieht es aus, wenn der Schüler nicht nur für die Pflege der Website zuständig ist, sondern auch "Geld transferieren soll".
Der Schüler wird deutscher Ansprechpartner für Werbekunden.
Der Schüler stellt auf seinem Namen eine Rechnung an die Kunden aus und bekommt von ihnen das Geld.
Das Geld leitet er an die Offshore-Firma weiter.
Würde das funktionieren?
Oder soll die Offhore-Firma im eigenen Namen eine Rechnung an die Werbekunden ausstellen und als Bankverbindung, die Bankverbindung des Schülers angeben?
Der Schüler überweist dann das Geld an die Offshore-Firma.
Schließlich kostet ja so eine Überweisung ins Ausland Geld und die Offshore-Firma glaubt, dass es die komfortabelste Möglichkeit für ihre Kunden ist, ohne großen Aufwand Geld zu überweisen.
Hierdurch steigen Sie sofort in die Kernproblematik bei Offshore-Firmen ein und Sie werden sehr schnell erkennen, daß Sie mit einer solchen Gesellschaft, IBC - International Business Company - genannt, geschäftlich in Deutschland goar nix anfangen können (über die Eröffnung eines Bankkontos will ich jetzt gar nicht sprechen).
Und dann kommen Sie unweigerlich zu einem weiteren Porblem, das ich einmal unter
dargestellt hatte; hieraus erkennen Sie, daß deutsche Behörden durchaus eine gemeine Briefkastenfirma problemlos als solche identifizieren können. Dabei drohen empfindliche Sanktionen (hoffentlich will unser Schüler nicht Rechtswissenschaft studieren ... ).
Das, was Sie brauchen, wenn Sie in Deutschland weiter wohnhaft sein wollen, gibt es selbstverständlich, ist aber etwas teuer.
Jetzt haben Sie mich natürlich neugierig gemacht, in welcher Preisklasse sich so ein Konstrukt bewegen würde, wenn der Schüler noch in Deutschland leben würde.
Ich bin gespannt!
P.S. Ich glaube nicht, dass der Schüler Rechtswissenschaften studieren möchte.
während meiner Schulzeit war ich in etwa einer ähnlichen Situation, zumindest glaubte damals noch alle Welt, mit der Zeichnung einer dot.com sein Kapital über Nacht verdoppeln zu können.
Problem wie immer ist, das man sich erst Gedanken über die steuerliche
Optimierung macht, wenn die Tür schon ins Schloss gefallen ist.
Daher mein wohlgemeinter Rat an Sie:
Lesen Sie sich quer durch diese Forum, wenn Sie offshore gehen wollen, lassen Sie sich gut beraten und melden Sie Ihr Gewerbe in D auf jeden Fall ab.
Vergessen Sie alles was mit Verkäufen, Verlagerungen etc. von bestehenen Gewerben zu tun hat, mit einer Vorstrafe (geht verdammt schnell) sieht die Zukunft weit schwieriger aus (Studium, Praktika, Arbeitsplatz etc.)
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