GoMoPa® - der Finanznachrichtendienst (www.gomopa.net) - Pressemeldung vom 22.08.2012


Von seiner Villa Auf dem Berg 11 im schweizerischen Ermatingen am Bodensee narrte der Geschäftsführer Karl Ernst Siegle (69) nicht nur viele Jahre lang seine 1.071 Kapitalanleger, die zwischen 1993 bis September 2009 insgesamt 8,5 Millionen Euro als Altersvorsorge in seinen, nach ihm benannten KS Index Immofonds GdbR in Konstanz eingezahlt, aber in Wahrheit nur das Luxusleben und persönliche Liegenschaften von Siegle in Thurgau am Bodensee, auf Gran Canaria und in Deutschland finanziert haben sollen; der Fondsemittent veräppelte obendrein noch die Staatsanwaltschaft Konstanz.

"Wir haben diskutiert, ob wir ihn in Haft nehmen sollten", erinnert sich der Sprecher der Staatsanwaltschaft Konstanz, Dr. Christoph Hettenbach, gegenüber dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net. "Aber dann haben wir es gelassen, weil er doch im Schweizer Grenzgebiet zu Baden-Württemberg wohnhaft war und angekündigt hatte, dass er sich dem Strafverfahren stellen werde."

Doch Pustekuchen: Als die Staatsanwaltschaft Konstanz ihm im Mai 2011 die Anklageschrift wegen Betruges zustellen wollte, sei diese wieder als nicht zustellbar zurückgekommen. Dr. Hettenbach: "Darauf haben wir ihn mit einem internationalen Haftbefehl gesucht."

Die Suche gestaltete sich jedoch als schwierig. Siegle hatte seine Schweizer Villa verlassen und war vermutlich in Richtung Frankreich untergetaucht.

Zwar konnte die Polizei in Siegles deutschem Heimatort Tägerwilen, vier Kilometer von Ermatingen entfernt, einen 66jährigen Mann festnehmen, bei dem Siegle ein Zimmer gemietet hatte und der sich als "rechte Hand von Siegle" entpuppte, wofür dieser im April diesen Jahres wegen Beihilfe zum Betrug zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt wurde.

Doch das umfassende Geständnis des Helfers (eines Ex-Notars, der nach einem Gefängnisaufenthalt dann als Makler weiter gemacht hatte) brachte weder an den Tag, wo die 8,5 Millionen Euro Anlegergelder gelandet sind, noch, wo sich Siegle verstecken könnte. Siegle habe dem Mann, der für Siegle seit 2002 gearbeitet hatte, am Ende kein Gehalt mehr bezahlt und sei ihm Mietzahlungen für das Zimmer schuldig geblieben. Der Helfer habe mit Siegle nur über eine Schweizer E-Mail-Adresse Kontakt gehabt.

Eine ihm bekannte Adresse, an der sich Siegle in Frankreich aufhalten könnte und die er den Ermittlern nannte, entpuppte sich als falsch. Zumindest war Siegle dort nicht anzutreffen. Doch die Zielfahnder der Landespolizeidirektion Freiburg verfolgten akribisch alle möglichen Spuren des Lebemannes. Vorige Woche hatten sie den Gesuchten schließlich entdeckt. Siegle wurde am 13. August 2012 in Frankreich verhaftet.

Marco Troll, Sprecher der Landespolizeidirektion des Regierungspräsidiums Freiburg, vermeldete am 16. August 2012: "Der Beschuldigte konnte am vergangenen Montag mit Unterstützung der französischen Behörden festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert werden. Er wurde dem Haftrichter vorgeführt und befindet sich in Untersuchungshaft in Offenburg."

David Eisele, Richter am Landgericht Konstanz, sagte gegenüber GoMoPa.net: "Wir rechnen damit, noch im Herbst 2012 einen Prozesstermin bekanntgeben zu können. Der Vorsitzende Richter muss sich ja erst mal wieder in den Fall einlesen."

Allein im Prozess gegen Siegles "rechte Hand" musste die Verhandlung für zwölf Tage unterbrochen werden, damit die Schöffen Gelegenheit hatten, die mehr als 10.000 Seiten umfassende Anklageschrift durchlesen zu können.

Laut Anklage täuschte der Hauptangeklagte geschickt eine nicht vorhandene, zusätzliche Kapitalkraft und Sachkenntnisse auf dem Immobiliensektor vor. Die Anleger sollten ihr Kapital als "atypisch stille Gesellschafter" einbringen. Man habe von Anfang an geplant, die einbezahlten Gelder für eigene Zwecke zu verwenden. Den Geschädigten habe man Prospekte mit Immobilien vorgelegt, die nie im Besitz des Fonds waren. Einer rechtzeitigen Entdeckung des Schwindels sei vorgebeugt worden, indem raffinierte Sicherungen in die Verträge eingebaut wurden. Wer versuchte auszusteigen, weil keine Renditen kamen, wurde gnadenlos von Siegle zum Bleiben verklagt. Die Mindesthaltezeit betrug 10 Jahre, frühestens nach elf Jahren konnte ein Auseinandersetzungsguthaben ausbezahlt werden.

Doch dazu kam es nie. Obwohl Siegle den Gesellschaftern in einem Rundschreiben im Juli 2007 mitgeteilt habe, der Fonds werde aufgelöst und eine Ergebnisverteilung könne für März 2008 erwartet werden, gab es auch 2008 kein Geld.

Denn der Fonds leide an Liquiditätsverlust, mussten die Gesellschafter am 15. August 2008 in Siegles Rundschreiben lesen. Wohl um nun Schadenersatzklagen der Kapitalanleger aus dem Wege zu gehen, wurde der Verwaltungssitz des Fonds von Deutschland in die Schweiz verlegt.

Der Finanznachrichtendienst GoMoPa.net hatte den KS Index Immofonds im Jahre 2005 auf eine "Liste der Luftschlossanbieter" gesetzt, nachdem ...

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