GoMoPa® - der Finanznachrichtendienst (www.gomopa.net) - Pressemeldung vom 20.03.2013

DCM-Altlast: Süddeutscher Verlag - Schneider-Trick bei der Konzernzentrale?


"Durch die ... Glasflächen kann man hindurchsehen wie durch ein wehendes Sommerkleid, das seine Trägerin doch nicht enthüllt."

So schwärmte der Herausgeber des Münchener Architektur-Blogs "Baumeister.de", Dr. Wolfgang Bachmann, über den 2008 fertiggestellten Hochhaus-Turm der Süddeutscher Verlag GmbH in der Hultschiner Straße 8 am Rande der bayerischen Landeshauptstadt, der nach dreijähriger Bauzeit von 1.850 Verlagsmitarbeitern, darunter auch den 25 festangestellten Redakteuren der Süddeutschen Zeitung, bezogen werden konnte.

Doch der gläserne Turm birgt ein dunkles Geheimnis in sich.

Nach dem Verkauf der Immobilie war die gewerbliche Nutzfläche um mehr als ein Drittel angewachsen. Aus Fahrstuhlschächten und Seitenwänden wurden so plötzlich vermietbare Büroräume, womit sich natürlich ein ganz anderer Finanzierungspreis gegenüber der Bank darstellen ließ.

Damit nicht genug: Bei der anschließenden Vermietung hat der neue Besitzer die ursprüngliche Nutzfläche gleich mal verdoppelt, auf die nun Miete zu entrichten ist und die dem Haus natürlich einen weitaus höheren Wert gegenüber Banken und Aktienkäufern verleiht. Hier wurden noch Stellflächen aus dem Untergrund zur Nutzfläche (Büros) dazugeholt.

Doch warum sollte sich der Bauherr Süddeutscher Verlag auf eine solche wundersame Nutzflächenvermehrung einlassen, wenn er das Gebäude nach dem zwar lukrativen Verkauf dann doch selbst als Nutzer zum viel höheren Mietpreis aus der verdoppelten Nutzfläche zurückmietete (Sale and lease back Geschäft)?

Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass der Verlag vor und nach dem Verkauf gar nicht mehr derselbe ist. Vier der fünf Besitzerfamilien haben sich nach dem lukrativen Verkauf auszahlen lassen und gingen von Bord, bevor der Verlag dann als Mieter die Mietsuppe aus einer überhöhten Nutzfläche auslöffeln muss.

Wikipedia schreibt: "Mit Wirkung zum 29. Februar 2008 verkauften vier der fünf verbliebenen Gesellschafterfamilien im Dezember 2007 ihre Anteile am Verlag der SZ an die Südwestdeutsche Medien-Holding, die damit ihren Anteil auf insgesamt 81,25 Prozent aufstockt."

Das SZ-Hochhaus wurde zum 1. Dezember 2007 verkauft, nachdem im selben Jahr auch das alte Stammhaus verkauft worden war.

Das Berliner Fachmagazin BauNetz stellte am 11. November 2008 fest:

Zitat:


Die Mehrheit der Gesellschafter des Süddeutschen Verlags hatten den Verkauf der Stammimmobilie aus rein finanziellen Gründen durchgeführt, bevor sie dann 2008 ihre Anteile an die Südwestdeutsche Medien Holding veräußerten - mit sattem Aufschlag wegen des Immobiliendeals, versteht sich.


Die Südwestdeutsche Medien Holding (SWMH) in Stuttgart wird vom Manager Magazin im Jahre 2009 als eine verschwiegene Organisation beschrieben, die sich im Besitz von etwa zwei Dutzend regionaler und lokaler Verlagshäuser befindet.

Der öffentlichkeitsscheue Milliardär Dieter Schaub und seine Medien Union ("Rheinpfalz") würden mit einem Anteil von 45,9 Prozent das Kraftzentrum der SWMH bilden.

Zur Veräußerung von Altgesellschafteranteilen an die schwäbische SWMH schrieb das Manager Magazin:

Zitat:


Anfang 2008 hatten die Schwaben ihre Beteiligung am SV um 62,5 auf 81,25 Prozent aufgestockt: Der Kaufpreis betrug 625 Millionen Euro, vielleicht etwas mehr. Die Bruttoerträge der SWMH hatten 2007 bei 72,3 Millionen Euro gelegen, diejenigen des SV 83,8 Millionen Euro erreicht: Die Finanzierung, dachte man, sei kein Problem.

Doch der Streich erfolgte zum dümmstmöglichen Zeitpunkt: mitten hinein in die Rezession. Nicht nur war der Wert des SV höher veranschlagt worden, als er sich schon wenig später erweisen sollte, auch bei der Finanzierung ging man von Voraussetzungen aus, die schnell ihre Gültigkeit verloren hatten.

Die LBBW soll ein Schuldscheindarlehen über 300 Millionen Euro mit fünfjähriger Laufzeit beigesteuert haben.


Weder aus öffentlicher noch aus redaktioneller Sicht machte der Umzug vom alten Verlagshaus ins neue Hochhaus an den Stadtrand Sinn.

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (65), selbst einst Redakteur der Süddeutschen Zeitung, fand zum Abschied vom alten Standort im November 2008 deutliche Worte:

Zitat:


Wer aus der Sendlinger Straße, dieser geschichtsträchtigen 1-A-Lage, nach Steinhausen, also ins städtebauliche Wildschweingehege umzieht, muss ein ziemlicher Depp sein.


Der damalige Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung Hans Werner Kilz (1996 bis 2010 Chefredakteur) schloss an:

Zitat:


Nun, wir sind nicht freiwillig gegangen. Wir mussten weichen.


Und niemand sollte erfahren, zu welchen Bedingungen der Süddeutsche Verlag das für etwa 113 Millionen Euro erbaute Haus noch als Rohbau im Dezember 2007 erst verkauft und dann gleich wieder ab dem 1. Juli 2008 für 15 Jahre bis zum Jahre 2023 zurückgemietet hatte (mit der Option auf zwei Mal fünf Jahre Verlängerung).

Dennoch fand der Finanznachrichtendienst GoMoPa.net heraus, dass sich für den Süddeutschen Verlag die Nutzfläche des Bürohauses seit dem Verkauf auf wundersame Weise von einst 32.500 Quadratmetern ganz plötzlich auf 51.000 Quadratmeter Nutzfläche erhöht hat. Ohne bauliche Veränderungen kamen einfach so auf dem Papier 18.500 Quadratmeter Nutzfläche (rund 36 Prozent) dazu.

Convent So veröffentlicht beispielsweise der Büroausstatter "WINI Mein Büro" aus Coppenbrügge in Niedersachsen, von dem der Süddeutsche Verlag 11.200 Büromöbelstücke (Tische, Kubus-Schränke, Rollmöbel, Stühle) gekauft hatte, bis heute, dass die Nutzfläche des Hochhauses bei 51.000 Quadratmetern liegen würde.

Laut Architekt hat der SZ-Turm nur eine Nutzfläche von 32.500 Quadratmetern.

Eine Anfrage von GoMoPa.net beim Architektenbüro GKK+Architekten von Professor Swantje Kühn und Oliver Kühn in Berlin, welches das Gebäude entwarf und baute und dafür auch mit Preisen geehrt wurde, ergab jedoch eine viel geringere Zahl. Für GoMoPa.net schaute man extra noch mal in den Unterlagen nach. Das Ergebnis: Die Nutzfläche beträgt 32.500 Quadratmeter. Wörtlich teilte die Bürochefin mit:

Zitat:


Sehr geehrter Herr Siewert,

die BGF (Bruttogeschoßfläche - Anmerkung der Redaktion) oberirdisch liegt bei 51.200 Quadratmeter.

Diese enthält eine Büro-Nutzfläche von 32.500 Quadratmetern. Die Differenz bedingt sich durch Konstruktionsflächen, Funktionsflächen (Schächte), Verkehrsflächen (Treppenhaus, Aufzüge) et cetera.

Die BGF unterirdisch liegt bei 27.200 Quadratmeter. Diese enthält Nutzflächen für Archiv- und Lagerbereiche sowie eine 3-geschossisge Tiefgarage. Die Gesamt-BGF (also oberirdisch und unterirdisch) liegt somit bei 78.400 Quadratmetern.

Die Berechnung erfolgte nach DIN 277, eine weitere nach GiF.

Die Preise und Auszeichnungen entnehmen Sie bitte dem Projektblatt in der Anlage.

Wir möchten Sie bitten, unser Büro bei Veröffentlichungen wie folgt zu benennen:

GKK+Architkten
Prof. Swantje Kühn, Oliver Kühn

Sollten Sie weitere Unterlagen benötigen, melden Sie sich gern bei mir.

Mit freundlichen Grüßen

Jeanette Retzlaff
Office Manager

für GKK+Architekten
Gesellschaft von Architekten mbH
Pariser Straße 1 10719 Berlin
Tel: +49 30 2830 820
Fax: +49 30 2830 8253
info@gkk-architekten.de
www.gkk-architekten.de


Eine ähnliche Auskunft gab auch Bauoberrätin Diplom-Ingenieurin und Stadtplanerin Katja Srohhäker vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung der Landeshauptstadt München. Die Beamtin ließ GoMoPa.net mitteilen:

Zitat:


In unseren Bauakten finden sich folgende Zahlen:

5.580 qm Funktionsflächen (das sind Schächte, Heizungsräume etc.)
9.329 qm Konstruktionsflächen (das sind Wände etc.)
15.689 qm Verkehrsflächen (das sind Aufzüge, Flure etc.)
17.359 qm Nebennutzflächen (das sind Sanitärräume, Fahrzeugabstellflächen, Schutzräume etc.)
und 30.989 qm Hauptnutzflächen.

Letztere Zahl liegt dann nicht so weit weg von den Zahlen des Berliner Architekten.


GoMoPa.net bat den Büroausstatter "WINI Mein Büro", zu erklären, wie er beim Verlagshochhaus auf eine Nutzfläche von satten 51.000 Quadratmetern gekommen ist, wenn die amtlich registrierte Büro-Nutzfläche nur knapp 31.000 Quadratmeter betrage.

WINI-Manager Robin Hau erklärte:

Zitat:


Wir haben alle unsere Informationen, was das Gebäude betrifft, vom SV (Süddeutschen Verlag - Anmerkung der Redaktion) erhalten.

Unser dortiger Ansprechpartner ist Herr Wildmoser.

Mit freundlichem Gruß
Robin Hau
Objektmanagement Nord


Sein Managerkollege Torge Stoy ergänzte:

Zitat:


Wie Herr Hau Ihnen schon mitgeteilt hat, werden wir Ihnen keine Angaben zu unserem Projekt Süddeutscher Verlag geben.

Die Firma WINI hat im Jahr 2008 die Möbelausschreibung gewonnen und dabei auch eine Verschwiegenheitsklausel unterschrieben.

Alle Angaben auf unserer Webseite wurden von der Pressestelle des SV freigegeben und genehmigt.

Bei Fragen zu dem Gebäude, der Entstehung et cetera wenden Sie sich bitte an die zuständigen Personen in München.

Mit besten Grüßen
Torge Stoy
Leiter Objektmanagement Süd


Das tat GoMoPa.net und fragte schriftlich beim Süddeutschen Verlag an, warum man eine Nutzfläche von 51.000 Quadratmetern statt der vom Architekten angegebenen 32.500 Quadratmeter auf Webseiten von Geschäftspartnern verbreite, bekam aber keine Antwort.

Die Vermehrung von Nutzflächen nennt man den Schneider-Trick.

Denn der Frankfurter Ex-Baulöwe Utz Jürgen Schneider (79) erfand Nutzflächen, die es so gar nicht gab.

Als der nämlich von den Banken mehr Geld haben wollte, als er normalerweise für die Finanzierung einer Immobilie bekommen hätte, erfand er beispielsweise einfach ein Stockwerk. Die Banken holten kein Maßband oder Infrarotmessgerät heraus und vertrauten den Zahlen von Schneider.

Mit dem zuviel ausbezahlten Geld machte Schneider den nächsten Deal auf dieselbe Art klar. Die Banken wurden am Ende in Milliardenhöhe geschädigt. Schneider saß dafür von 1995 bis 1999 im Gefängnis.

Heute berät er Unternehmen. Zu seinen Klienten gehörte auch Stephan Schäfer (33) von der S&K-Gruppe aus Frankfurt. Schäfer sitzt seit 19. Februar 2013 in Untersuchungshaft. Sein Immobiliengutachter Architekt Bernd Zimmermann (70), der ebenfalls in U-Haft sitzt, soll den S&K- Immobilien auf dem Papier zu höheren Werten verholfen haben.

Die finanzierenden Banken schauen immer nach der zu erwartenden Nettojahresmiete und multiplizieren diese mit dem Faktor 10, um einen marktfähigen Kaufpreis zu berechnen.

Wenn also mehr Nutzfläche zur Vermietung zur Verfügung steht, kann auch ein höherer Immobilienkaufpreis angesetzt und finanziert werden.

Im Fall der SZ-Konzernzentrale war der Verkaufspreis geheim.

Im Geschäftsbericht der Süddeutscher Verlag GmbH für das Verkaufsjahr 2007 lässt ein umständlich formulierter Satz darauf schließen, dass für den noch nicht fertiggestellten Rohbau der Konzernzentrale immerhin 172,8 Millionen Euro in die Verlagskasse geflossen sind: "Der positive Cash Flow aus der Investitionstätigkeit in Höhe von Mio. EUR 172,8 ist im Wesentlichen durch die Investitionen für das Hochhaus ab dem Erstkonsolidierungszeitpunkt 01.12.2007 sowie dem anschließenden Verkauf bestimmt."

Der Sprecher des Käufers, der Prime Office REIT-AG aus München, Director Richard Berg, dementierte die Summe gegenüber GoMoPa.net: "Den von Ihnen genannten Kaufpreis können wir nicht bestätigen. Es wurde Vertraulichkeit vereinbart. Selbstverständlich liegt der finanzierenden Bank neben dem Mietvertrag auch die entsprechende Mietflächenberechnung vor."

Das Manager Magazin nannte einen Kaufpreis von rund 200 Millionen Euro.

Wer ist die Prime Office REIT-AG?

Neuer Besitzer des SZ-Hochhauses wurde die im Jahre 2007 gerade erst vom Münchener Fondshaus DCM AG aus der Hopfengasse 6 (Hauptgesellschafter Johann Deinböck) für einen Börsengang gegründete Prime Office REIT-AG aus der Hopfengasse 4.

Es ist jener Johann Deinböck, der im Juni 2012 die beiden ihm gehörenden DCM-Fondsverwaltungs- und DCM-Servicegesellschaften für sieben Million Euro an die S&K Asset GmbH von Stephan Schäfer und dessen Partner Jonas Köller (31) verkauft hatte, was der DCM AG am 20. Februar 2013 eine Hausdurchsuchung im S&K-Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Frankfurt einbrachte (Aktenzeichen 7310 Js 230995/12 WI).

Der Börsengang der Prime Office REIT-AG fand im Juni 2011 statt. Die 59.644 gehandelten Aktien stehen heute bei 3,67 Euro pro Aktie, also bei rund der Hälfte des Emissionspreises. Die Marktkapitalisierung beträgt 188 Millionen Euro.

Auf diese Prime Office REIT-AG Gesellschaft waren vor dem Deal mit dem Süddeutschen Verlag zwölf Büroimmobilien aus verschiedenen DCM Renditefonds übertragen worden. Aus 20.000 einstigen Hausbesitzern (Kommandit-Anteilbesitzer der DCM-Fonds) wurden plötzlich Aktionäre der Prime Office REIT-AG.

Die DCM Fonds halten mit 22,7 Prozent das größte Aktienpaket an der Prime Office REIT-AG. 36,41 Prozent sind im Streubesitz. Der Rest teilt sich unter neun institutionellen Anleger auf.

Der "SZ-Hochhausturm" kam im Jahre 2007 durch einen bankfinanzierten Realkauf ins Portfolio der Prime Office REIT-AG. Und zwar als Off-Market-Transaktion. Auf gut Deutsch: ein Deal unter der Hand. Es gab kein Bieterverfahren. Und durch den Süddeutschen Verlag auch keine Ausschreibung.

Der einstige DCM AG-Vorstand und seit 28. Juni 2007 Vorstandsmitglied der Prime Office REIT-AG, Claus Hermuth (57) aus Berg am Starnberger See in Bayern, hatte das Geschäft mit dem Süddeutschen Verlag laut Manager Magazin zum "Meilenstein" in der Geschichte seiner Firma erklärt.

Warum, das zeigt ein Blick in die Bilanzen der Prime Office REIT-AG. 2007 wurde das SZ-Hochhaus mit einem Marktwert von 200,6 Millionen Euro angegeben.

Die jährliche Nettomiete, die der Süddeutsche Verlag an die Prime Office REIT-AG zu zahlen hatte, beträgt 15 Jahre lang 10,5 Millionen Euro.

Convent Und jetzt kommt der Knaller: Die Miete wird für eine Nutzfläche von 62.237 Quadratmetern verlangt. Das ist rund das Doppelte an Nutzfläche, was der Architekt und das Bauplanungsamt offiziell in ihren Unterlagen ausgewiesen haben.

Die doppelt so hohe Nutzfläche als Mietfläche auszuweisen, bedeutet auch eine doppelt so hohe Bankbewertung für Kredite an die Prime Office AG. Die Eigenkapitalquote der Prime Office REIT-AG lag im Jahre 2007, als die Prime Office 202,5 Millionen Euro Anzahlungen für den Kauf des SZ-Hochhauses und eines Bürohauses in Stuttgart Fellbach (Landesamt für Besoldung und Versorgung, Marktwert 45,5 Millionen Euro) leistete, laut Bilanz nur bei 27 Prozent. Das heißt, 73 Prozent wurden fremdfinanziert (Schneider lässt grüßen).

GoMoPa.net fragte die Prime Office REIT-AG, wie sie auf die vermietete Nutzfläche von 62.237 Quadratmetern kam?

Der Director Investor Relations / Corporate Communication Richard Berg teilte GoMoPa.net im Namen von Claus Hermuth dazu mit: "Von einer pauschalen Nutzfläche von rd. 62 T Quadratmetern kann nicht die Rede sein. Vermietet wurden 51.120 Quadratmeter oberirdische BGF als Bürofläche + 11.117 Quadratmeter unterirdische BGF ohne TG als Lagerfläche. Hinzu kommt die Vermietung von Tiefgaragenplätzen in den Untergeschossen. (Vgl. Emissionsbericht S. E-16)."

GoMoPa.net: Auf welcher Grundlage wurde die Nutzfläche im Mietvertrag errechnet? DIN 277 oder MF-B (Richtlinie zur Berechnung der Mietfläche für Büroraum der GiF e.V.)?

Director Berg: "Die Mietfläche wurde gemäß DIN 277 errechnet."

GoMoPa.net: Welche Berechnung des Mietzinses wurde der finanzierenden Bank vorgelegt? Eine Mietzinsentwicklung auf Grundlage von 32.500 Quadratmetern Nutzfläche oder eine auf 62.237 Quadratmetern?

Director Berg: "Es wurde Vertraulichkeit vereinbart. Selbstverständlich liegt der finanzierenden Bank neben dem Mietvertrag auch die entsprechende Mietflächenberechnung vor."

GoMoPa.net: In welcher Weise sind Sie der Süddeutscher Verlag GmbH im Mietpreis entgegengekommen, wenn Sie große Teile der Bruttogeschoßfläche (BGF) als Nutzfläche ausgewiesen haben?

Director Berg: "Der Ausweis einer Nutzfläche als BGF - wie von Ihnen unterstellt - fand schlichtweg nicht statt. Die Vermietung erfolgte (wie von unabhängigen Gutachtern bestätigt) zu marktüblichen, angemessenen Konditionen."

DCM-Gutachter erstellt nur kaufmännische Gutachten.

Im Verkaufsprospekt zum Börsengang im Jahre 2011 ließ sich die Prime Office REIT-AG mit Stichtag zum 31. März 2011 für den SZ-Turm die Nutzfläche von 62.237 Quadratmetern, die Nettojahresmiete in Höhe von 10,5 Millionen Euro durch den Mieter Süddeutscher Verlag und einen Gebäudemarktwert von 186,3 Millionen Euro durch ein Marktwertgutachten der CB Richard Ellis GmbH (CBRE) mit Hauptsitz in Los Angeles und Deutschlandzentrale in Frankfurt am Main bestätigen.

Der Chefgutachter von CBRE, Stefan Gunkel (46), räumte gegenüber GoMoPa.net ein: "Wir erstellen nur kaufmännische Gutachten." Ob die Nutzflächen tatsächlich als Büroflächen zur Verfügung stehen, wird nicht nachgemessen. Gunkel: "Dennoch werden anhand von vorliegenden Informationen und Plänen Flächen plausibilisiert."

Nach Gunkels Erfahrung war es in der Vergangenheit allerdings in München üblich, die Bruttogeschoßfläche als Nutzfläche zu vermieten. Obwohl natürlich Abstellräume gar keine Büroräume sein können. Doch von dieser Praxis rücke man aktuell wieder ab.

Gunkel: "In München wurden unserer Erfahrung gewerbliche Mietverträge traditionell auf Bruttogeschoßflächen-Basis abgeschlossen. Nach und nach geht man dazu über, die in Deutschland übliche gewerbliche Vermietungspraxis nach GiF anzuwenden, das heißt nach exklusiven Nutzflächen."

Ein Bauträger verriet GoMoPa.net: "Das Vermieten der Bruttogeschoßfäche anstelle der reinen Nutzfläche wurde und wird nicht nur in München praktiziert, sondern auch in anderen deutschen Großstädten. Auf die Büroflächen werden einfach Stellflächen draufgeschlagen. Dafür kommt der Vermieter dann aber auch dem Mieter im Preis entgegen. So werden zum Beispiel statt 30 Euro pro Quadratmeter nur 21 oder 15 Euro pro Quadratmeter verlangt."

Sachverständiger Adolf Krohn<br /> © internal-audit.de
Sachverständiger Adolf Krohn
© internal-audit.de
Adolf Krohn, bestellter und vereidigter Sachverständiger für Grundstücke und Gebäude der IHK Trier aus Waxweiler, hält diese Praxis allerdings für höchst ungesetzlich:

Zitat:


Firmen wie DCM beachten ganz einfach die Gesetze nicht. Die Mietflächen stehen in keiner Verordnung. Auch nicht in der DIN 277. Dort stehen ganz klar definierte Nutzflächen oder Grundflächen oder Nebenflächen. Wenn nun einfach eine Mietfläche zur Grundlage genommen, die nirgends definiert wird, dann ist auf diese Fläche hin gar keine Bewertung des Gebäudes möglich. Und erst Recht ist keine Betriebskostenabrechnung möglich. Es laufen gegen die Praxis etliche Klagen. Aber es hat sich noch kein Richter zu einer Entscheidung durchgerungen.


Im Fall des Süddeutschen Verlages wird es wohl keine Klage geben. Denn das Problem scheint hausgemacht zu sein.

Den Deal habe Prime Office-Chef Claus Hermuth mit seinem "engen Freund und Studienkollegen" (Manager Magazin) Klaus Josef Lutz (54) aus München eingefädelt und durchgezogen. Lutz war vom 15. Juli 2007 bis 20. März 2008 Geschäftsführer der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH in Wiesbaden, einer Tochter der Süddeutschen Verlag Hüthig Fachinformationen GmbH aus der Konzernzentrale in der Hultschiner Straße 8 in München, die zu den 114 Firmen der Südwestdeutschen Medien Holding GmbH gehört, die wiederum die Süddeutsche Zeitung herausgibt.

Lutz verschaffte Hermuth den Kontakt zu Hanswilli Jenke (51) aus Ottobrunn, der zu jener Zeit Geschäftsführer der Süddeutscher Verlag GmbH (dem heutigen Mieter), der SWMH Service GmbH (dem Hauptgesellschafter des Verlages) und der SV-Druckerei Zamdorfer Straße Vermietungs GmbH war. Hanswilli Jenke wechselte im Januar 2009 zur VFH GmbH in Freising, die sich mit Managements von Holdinggesellschaften befasst.

Nachdem Jenke gegangen war, kam der Katzenjammer. "Ein Hochhaus-Deal stößt dem Medienunternehmen sauer auf", schrieb das Manager Magazin am 20. November 2009.

Die Südwestdeutsche Medien Holding (SWMH), die sich hoch verschuldet habe, um ihre SV-Beteiligung aufzustocken, galt als mittellos. SWMH-Stratege Richard Rebmann (54) versuchte 2009 , seine Gläubiger ruhigzustellen, darunter die verelendete LBBW, um eine Streckung der jährlichen Tilgungsrate von 40 Millionen Euro zu erwirken. Dies jedoch sollte nur unter der Bedingung geschehen, dass die SWMH-Gesellschafter, darunter viele Kleinverleger, von denen nicht wenige ebenfalls abgebrannt gewesen seien, als Zeichen ihres guten Willens einen Beitrag leisten in Höhe von 90 Millionen Euro.

Zum ersten Mal wurden nun kritische Fragen laut.

Das Manager Magazin schrieb:

Zitat:


Abgesehen davon, ob es sinnvoll gewesen ist, mit einer Prahl- und Protzimmobilie in den Abschwung hineinzuexpandieren, statt sich in ehemaligen Post- oder Bahngebäuden einzunisten, die damals auch zur Verfügung gestanden hatten, fragen sich die sparsamen Schwaben von der SWMH heute, ob denn zumindest die Mietkonditionen dem Verlag zum Vorteil gereichen?

Die Antwort lautet "Nein". Im Gegenteil, die Sache habe sogar ein "strenges Gschmäckle".

In der Münchener SV-Geschäftsführung selbst gilt der Abschluss als "höchst anrüchig". Man verdächtigt die früheren Verlagsleiter Lutz und Jenke, dass sie es bei den Verhandlungen mit Prime Office am nötigen Biss haben fehlen lassen, weil ihr Gegenüber, Prime-Office-Chef Claus Hermuth (53), "ein enger Freund und Studienkollege" von Lutz sei.


Ein bayerischer Immobilienexperte berichtete dem Manager Magazin, dass der Süddeutsche Verlag zwei Vergleichsexpertisen in Auftrag gegeben habe. Resultat: Der finanziell angeschlagene Verlag zahle angeblich deutlich mehr als für vergleichbare Objekte üblich, von 20 Prozent ist die Rede.

Lutz, seit 9. Juli 2008 Chef des Agrar- und Baustoffhändlers Baywa AG, ließ von dritter Seite ausrichten, dass seiner Geschäftsführung "in vollem Umfang Entlastung erteilt" worden sei "in Kenntnis aller Details der Transaktion". Nun denn...

Übrigens wollte sich der Ex-Baulöwe Utz Jürgen Schneider gegenüber GoMoPa.net nicht zu der Frage äußern, ob er auch DCM-Mehrheitseigner Johann Deinböck oder den Ex-DCM AG-Chef und Prime Office REIT-AG-Chef Claus Hermuth beraten hat.

Schneider schrieb an GoMoPa.net: Ich kann dazu "keine Auskünfte geben, da ich hierzu kein Wissen habe.

Es handelt sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren. Daher beantworte ich irgendwelche Fragen nur der Staatsanwaltschaft Frankfurt gegenüber."

Lesen Sie im nächsten Bericht: Der Schneider-Trick hatte bei den Immobiliengeschäften der DCM AG offenbar Methode.

... Fortsetzung » lesen.

 



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