GoMoPa® - der Finanznachrichtendienst (www.gomopa.net) - Pressemeldung vom 14.05.2013

Bürger speichern Energie eG: Billigstrom - aber nur, wer investiert


Mittlerweile gibt es in Deutschland 650 Energiegenossenschaften, die sich getreu nach dem Motto des Genossenschaftsgründers Friedrich Wilhelm Raiffeisen "Das Geld des Dorfes dem Dorfe" mit durchschnittlich je 30 Mitgliedern ein Windrad, eine Solaranlage oder eine Biogasanlage kaufen, sich selbst mit Strom versorgen oder diesen gewinnbringend ins örtliche Netz einspeisen. Die E.ON Bayern Vertrieb GmbH aus Regensburg zahlt beispielsweise 40 Cent pro eingespeister Kilowattstunde (kWh), soweit die Genossenschaftsmitglieder den Strom nicht selbst verbrauchen.

Allen gemeinsam ist eine lokale Begrenztheit. Diese wird nun von einer neuartigen Genossenschaft mit dem Namen Bürger speichern Energie eG (BSE eG) aus Hauzenberg in Niederbayern gesprengt, die deutschlandweit alle Stromanbieter unterbieten will, indem sie Solar-, Wind- und Biogasstrom in eigenen Großbatterien speichert und dann verkauft.

Allerdings gibt es erst eine Beteiligung an einem solchen Speicher. Wo er steht und wie der Betreiber des Speichers heißt, teilt die Genossenschaft nicht mit.

Convent Die Beteiligungen und der Strombezug werden verkauft, indem Genossen andere Genossen innerhalb einer 8stufigen Vertriebspyramide als Käufer werben, die dann wiederum andere neue Genossen als Käufer der Beteiligungen und des Stromes werben.

Da der Stromverkauf nur aus einer einzigen Anlage erfolgt, für die Vermittlung des Stroms und der Beteiligungen sofort Provisionen fällig werden und auf die Genossenschafts-Beteiligungen 5 Prozent Ausschüttungen pro Jahr prognostiziert sind, liegt der Hauch eines potentiellen Schneeballsystems (Ausschüttungen nicht aus Gewinnen, sondern aus Einzahlungen von Kunden) in der Luft.

Der Geno-Strom für 19,9 Cent pro Kilowattstunde

Seit April 2013 bieten der Viehzüchter Rainer Huhn (45) aus Bergwald in Hessen und der Geflügelschlachter Ekkehard Jung (56) aus Luckau (Niederlausitz, Land Brandenburg) reinen Ökostrom aus eigenen Anlagen oder in Kooperation mit örtlichen Ökostromerzeugern zu einem unschlagbaren Hammerpreis für 19,9 Cent pro Kilowattstunde (kWh) Strom plus einer monatlichen Grundgebühr von 8,90 Euro an.

Bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 4.000 kWh, zahlt ein Privatkunde für den Genossenschafts-Strom (Geno-Strom) lediglich 902,80 Euro im Jahr. Der Preis wird laut Sromantrag bis 31. Dezember 2014 garantiert. Doch im heutigen Interview mit dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net ruderte Genossenschafts-Chef Ekkehard Jung schon wieder leicht zurück. Das Interview lesen Sie am Schluss des Artikels.

Zum Vergleich:

Die Marken grünstrom 12 und Grünwelt Energie der bundesweiten Anbieter Stromio und Gas.de kosten 28,98 Cent pro Kilowattstunde Strom. Selbst bei einem Rabatt von 25 Prozent im ersten Jahr liegt der Strompreis immer noch bei 21,74 Cent pro kWh. Die Grundgebühr beträgt 16,12 Euro pro Monat. Im Vergleichsbeispiel mit einem Privatverbrauch von 4.000 kWh im Jahr bezahlt ein Haushalt für grünstrom 12 oder Grünwelt Energie im 1. Jahr 1.014,44 Euro, also 111,64 Euro mehr als bei der Bürger speichern Energie eG, und ab dem Folgejahr 1.352,50 Euro, also 449,70 Euro mehr als bei der Genossenschaft.

Bei E.ON kostet die kWh Privatstrom 27,48 Cent plus 7,08 Euro Grundgebühr im Monat. Im Vergleichsbeispiel bezahlt der Neukunde mit einem Rabatt von 115 Euro im 1. Jahr 1.069,08 Euro, also 166,28 Euro mehr als bei der neuen Genossenschaft, ab dem 2. Jahr dann 1.184,09 Euro, also 281,29 Euro mehr.

Und selbst der augenblickliche Preisbrecher aller Anbieter, die ExtraEnergie GmbH aus Chemnitz (Sachsen) mit ihrem Produkt extrastrom12 wird von der Bürger speichern Energie eG vom Billigpreis-Thron gestoßen. Trotz eines beachtlichen Rabatts von 310.62 Euro für Neukunden müssen Privatkunden bei der ExtraEnergie GmbH immer noch 931,86 Euro zahlen, also 29,06 Euro mehr als bei der neuen Genossenschaft. Ab dem 2. Jahr werden dann 1.159,20 Euro fällig (256.40 Euro mehr als der Genossenschafts-Strom).

Allenfalls von dem stark umstrittenen Billigstromanbieter Care Energy von Martin Richard Kristek (Ex-Alleinvorstand der pleite gegangenen Euroenergie AG) und seiner mk-group aus Hamburg wird die Bürger speichern Energie eG im Vergleichsbeispiel um 19,32 Euro unterboten. Der Privathaushalt zahlt bei Care Energy nur 883,48 Euro im Jahr. Der Preis pro kWh beträgt ebenfalls 19,9 Cent, aber die Grundgebühr beträgt nur 6,99 Euro (bei der Genossenschaft 8,90 Euro) im Monat.

Die Care Energy unterlag jedoch im Mai 2012 vor dem Landgericht Berlin dem Konzern Vattenfall Europe Sales GmbH aus Hamburg. Da bei einem Kampfpreis von 19,9 Cent pro kWh Strom (30 Prozent unter dem Durchschnittspreis) nur ein Gewinn entstehen könne, wenn man sich zum Beispiel der EEG-Umlage entzieht, indem man behauptet, man sei Produzent von Licht, Wärme und Kälte, obwohl man doch nur Strom liefere, sprach das Landgericht Berlin bezüglich der Care Enery von "Schein-Contracting". Dies stelle "eine rechtswidrige Umgehung von Steuervorschriften und damit gegebenenfalls sogar eine Straftat dar." Die Geschäftsnummer des Urteils vom 8. Mai 2012 durch das Landgericht Berlin lautet: 91 047/12.

Die Folge könnten für das Unternehmen Steuernachzahlungen sein, die das Unternehmen in die Pleite führt.

Die Bundesnetzagentur hat ein Ordnungsidrigkeitsverfahren gegen Care Energy eingeleitet. Dem ZDF-Magazin Frontal 21 schrieb die Behörde: "Es besteht der Verdacht, dass Care Energy durch eine eigenwillige Rechtsauslegung versucht, [...] sich [...] der Pflicht zur Zahlung der EEG-Umlage zu entziehen."

Gegenüber dem Frontal 21 in seiner gestrigen Ausgabe beharrt Care Energy darauf: "Alle Unterstellungen, wir würden uns der Zahlung irgendwelcher Steuern, Entgelte oder Abgaben entziehen, weisen wir zurück."

Der Billig-Ökostrom der Bürger speichern Energie eG ist an eine fünfjährige Beteiligung an der Genossenschaft gebunden.

Den Billigstrom von 19,9 Cent pro kWh bekommt nicht jeder Bürger. Dazu muss man zunächst einmal Mitglied der Genossenschaft Bürger speichern Energie eG werden und sich mit einem Mindestbeitrag von 100 Euro plus 5 Prozent Agio beteiligen.

Neben der Lieferung von Billig-Ökostrom prognostiziert die Genossenschaft eine Gewinnbeteiligung von 5 Prozent pro Jahr auf die Einlage ohne Agio.

Wer mehr als den Mindestbetrag von 100 Euro investieren möchte, kann die darüber liegende Zeichnungssumme in 50 Euro Monatsraten abstottern. Allerdings müssen die 5 Prozent Agio auf die volle Zeichnungssumme sofort überwiesen werden. Wer also 3.000 Euro zeichnet, zahlt mindestens sofort 100 Euro plus 150 Euro Agio, insgesamt 250 Euro.

Falls die Genossenschaft Gewinne macht, werden die anteiligen Gewinnausschüttungen erst einmal zum Auffüllen der gezeichneten Summe genutzt. Wenn es Verluste gibt, werden diese anteilig von den einzelnen Mitgliederguthaben abgezogen.

Auf das Agio gibt es keine Ausschüttungen. Es ist außerdem laut Allgemeiner Geschäftsordnung "in keiner Form rückzahlbar."

Die Mindest-Mitgliedschaft in der Genossenschaft dauert 5 Jahre. Ein Auseinandersetzungsguthaben wird innerhalb von 2 Jahre nach Ausscheiden erstattet. Alle Ansprüche verjähren nach 2 Jahren und verfallen dann an die Genossenschaft.

Einziges Projekt auf der Homepage ist eine weitere Genossenschaft

Als einziges Projekt gibt die Bürger speichern Energie eG auf ihrer Homepage eine weitere Genossenschaft an, die BürgerEnergie Göldenitz eG mit Sitz in Rukieken bei Rostock.

Die existiert bereits seit dem 27. November 2012 und arbeitet daran, auf dem Dach eines Milchviehhofes einer niederländischen Milchhof Friesin GmbH & Co. KG in Göldenitz (Ortsteil von Rukieken) eine Photovoltaikanlage mit Speichersystem mit einer Gesamtgröße von 750 kWp zu installieren. Später ist auch eine Biogas-Stromerzeugung geplant. Rainer Huhn übernahm am 10. April 2013, also in etwa zeitgleich mit der Gründung der Bürger speichern Energie eG, einen Vorstandsposten bei der Bürgerenergie Göldenitz eG.

Ob die Stromabnehmerin, also die Milchhof Friesin GmbH & Co. KG, überhaupt in der Lage ist, den Strom auch zu bezahlen, steht noch in den Sternen. Die Milchhof KG wurde 2006 gegründet und wurde mit Anlegergeldern finanziert. Laut letzter veröffentlichter Bilanz 2011 stehen der Kapitaleinlage von knapp 1,3 Millionen Euro Verbindlichkeiten von rund 1,9 Millionen Euro gegenüber. Diese seien zwar durch Pfandrechte gesichert. Aber Stromrechnungen kann man damit nicht bezahlen.

Gildemeister ist kein direktes Partnerunternehmen:

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