GoMoPa® - der Finanznachrichtendienst (www.gomopa.net) - Pressemeldung vom 21.10.2013

Privatbank Sal. Oppenheim: die Abrechnung


Convent Der Wahlspruch des jüdischen Adelsgeschlechts von Oppenheim leuchtet noch heute weithin sichtbar in einem Stifterfenster des Kölner Doms. Er lautet: Integritas, Concordia und Industria (Redlichkeit, Eintracht, Fleiß).

Der letzte Teilhaber des Kölner Familienbankhauses Sal. Oppenheim Christopher Freiherr von Oppenheim (48) vergaß wohl den eigenen Freiherrlichen Wahlspruch - mit fatalen Folgen. Die Zusammenarbeit mit dem Immobilienfondsentwickler Josef Esch (57) aus Troisdorf bei Köln war hochspekulativ und verwandelte die einst treuesten Bankhauskunden in heutige Gegner.

Im Jahre 2008 galt Sal. Oppenheim noch als die größte unabhängige Privatbankgruppe Europas. Ihre Spezialität waren Steuerspar-Konzepte für Hocheinkommensbezieher. Im Jahre 2009 war sie nur noch ein Happen für die Deutsche Bank AG, die die Familienbank am 28. Oktober 2009 schluckte und die alte Riege entfernte.

Die von den alten Bankmanagern und Esch initiierten Fonds sollten Warenhausimmobilien in München und Potsdam an Karstadt vermieten. Sie waren als Steuersparmodelle für Superreiche gedacht, gerieten aber durch die Insolvenz des Karstadt-Mutterkonzerns in massive Turbulenzen.

Aber auch Superreiche wollen über Risiken aufgeklärt werden. Heute fühlen sich sich verraten.

Der Münchner Milliardär Wilhelm von Finck junior verlangt vor dem Bonner Landgericht 40 Millionen Euro Schadensersatz. Das Urteil wird am 15. November 2013 erwartet.

Auch Topkunden wie die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz, Schuhkönig Heinz-Horst Deichmann oder der Kölner Verleger Alfred Neven DuMont haben das Bankhaus und Esch ebenfalls auf Millionen Euro Schadensersatz verklagt.

Parallel zu den Zivilklagen folgten Strafanzeigen wegen Veruntreuung. Die Staatsanwaltschaft Köln rückte 2010 zur Razzia an.

Am 27. Februar 2013 begann ein erster Prozeß vor dem Landgericht Köln (Aktenzeichen 116 KLs 2/12) wegen scheinbar überhöhter Investitionen in zu billig vermietete Bürohäuser in Köln und Frankfurt. Dabei sollen die Manager und Esch das Bankhaus um 134 Millionen Euro geschädigt haben.

Ende April 2013 folgte ein zweiter Prozeß vor demselben Landgericht, diesmal wegen eines Kreditschadens im Fall Arcandor. Das Verfahren wurde mit dem ersten Verfahren schließlich zusammengelegt (Aktenzeichen: 112 KLs 4/13).

Im bevorstehenden dritten Prozeß am 4. November 2013 mit dem schmucklosen Aktenzeichen 116 KLs 2/12 wird eine umfassende Abrechnung mit den Bankern und dem Unternehmer Esch erwartet.

Edelbanker in Not

Sicher ist schon jetzt: Die adligen Banker waren Großzocker, die letztlich über die Insolvenz des Essener Handels- und Touristik-Konzerns Arcandor und andere bemerkenswert törichte Fehlinvestitionen stolperten.

Den Edelbankern gelang das Kunststück, 2008 weit über eine Milliarde Euro Eigenkapital der Bank zu verspielen und im Folgejahr noch mehr Briketts zu verfeuern. Die Bank verlor ihre Unabhängigkeit nach 220 Jahren.

Das ist zwar blöd gelaufen, aber misslungene unternehmerische Entscheidungen sind nicht strafbar. Es kam allerdings noch dicker: Die ehemaligen persönlich haftenden Gesellschafter (PHG) des als Kommanditgesellschaft auf Aktien firmierenden Privatbankhauses Sal. Oppenheim jr. & Cie. sollen nicht nur erfolglose, sondern auch krumme Geschäfte gemacht haben. Der ungewöhnliche Vorwurf: Sie sollen in verschiedenen Fällen ihre eigene Bank und damit die anderen Eigentümer übervorteilt haben. Das wird jetzt vor Gericht aufgearbeitet.

Die Ermittlungen:

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