GoMoPa® - der Finanznachrichtendienst (www.gomopa.net) - Pressemeldung vom 22.10.2013

Sal. Oppenheim: Hintergingen Edelmänner das eigene Blut?


Convent Am 4. November 2013 geht vor dem Kölner Landgericht das bislang größte Wirtschaftsstrafverfahren der deutschen Nachkriegsgeschichte nach Verhandlungen im Februar und April nun mit einem neuen Prozess in die dritte Runde.

Edelmänner sollen zum Nachteil des eigenen Familien-Bankhauses Sal. Oppenheim aus Köln gehandelt haben.

Auf die Anklagebank müssen in dieser delikaten Angelegenheit der ehemalige Sprecher der Bank Matthias Graf von Krockow (64), Christopher Freiherr von Oppenheim (48), Namensträger und für das Private Banking zuständig, sowie Risikomanager Friedrich Carl Janssen (69) und Investmentbanker Dieter Pfundt (61).


Josef Esch (57) muss<br /> sich für seine Esch<br />-Fonds verantworten<br /> © Christoph Hardt
Josef Esch (57) muss
sich für seine Esch
-Fonds verantworten
© Christoph Hardt
Den Angeklagten wird in mehreren Anklagekomplexen und unterschiedlicher individueller Tatbeteiligung Untreue in besonders schwerem Fall oder Beihilfe dazu vorgeworfen. Es geht für die ehemaligen Edelbanker also um Gefängnisstrafen von bis zu zehn Jahren. Ferner wurde der schillernde Immobilienunternehmer Josef Esch (57) aus Troisdorf bei Köln angeklagt, dem außer in einem Fall vor allem Komplizenschaft (Beihilfe) vorgeworfen wird.

Die Banker und Esch sollen mehrere Immobiliengeschäfte zu Lasten des Bankhauses und damit auf Kosten der anderen Anteilseigner inszeniert und abgerechnet haben. Der Gesamtschaden soll laut Staatsanwaltschaft 145 Millionen Euro betragen haben.

Dabei spielen eine Büroimmobilie im Frankfurter Bankenviertel (Bockenheimer Landstraße), ein Bürogebäudekomplex in Köln (Oppenheim-Straße) und ein nettes Privatanwesen im Kölner Villenviertel (Marienburger Straße) eine Rolle.

Daneben wurde eine Kreditvergabe in Höhe von 20 Millionen Euro, also eigentlich weit unter Peanuts-Niveau, aus Herbst 2008 an Arcandor moniert. Das summenmäßig größte Geschäft, die üppige Kreditvergabe über 350 Millionen Euro an die Esch-Firma ADG, wurde bereits wieder zusammengedampft. Die ADG hatte den Kredit für Erb-Milliardärin Madeleine Schickedanz (70) aus Fürth aufgenommen, die 2005 selbst und über zwei Vehikel für das Geld Arcandor-Aktien einsammelte und auf Pump zockte. Der Schaden für die Bank trat letztlich wohl nicht ein, weil mehrere Bürgen aus den zwei größten Familienstämmen des Bankhauses Schlenderhan (Ullmann) und Lindenallee (Oppenheim) und Esch beziehungsweise Esch-Gesellschaften mit jeweils 35 Millionen Euro hafteten.

2009 hatte die Bank die Bürgen statt Schickedanz in Anspruch genommen; auf Betreiben von Janssen hin so heißt es. Im Prozess geht es diesbezüglich nur noch um die Umgehung von Regeln für das Kreditgeschäft und einen Verstoß gegen das Kreditwesengesetz (KWG). Der Kredit über die ADG diente gegenüber der Bank, also den anderen Anteilseignern und der Finanzaufsicht zur Verschleierung, so der Vorwurf. Denn bei einer weiteren freihändigen Kreditvergabe an die größte Privatkreditkundin des Bankhauses hätte die Aufsichtsbehörde und das hauseigene Risikomanagement Alarm schlagen müssen. Durch den Schickedanz-Kredit verloren die Bankeigner als Garanten weiter an finanziellem Spielraum und knüpften das eigene Schicksal zunehmend an Schickedanz und den 2007 von Thomas Middelhoff (60) zusammengebastelten Arcandor-Konzern.

Das OEH-Geschäftsmodell

Esch stellte sozusagen die unternehmerische Infrastruktur für die angeklagten Geschäfte der Privatbankiers bereit und an dieser Stelle wird es spannend. Als Instrument für das Abwickeln von Immobiliengeschäften dienten Esch und den Bankern bereits 70-fach erprobte geschlossene Fondskonstruktionen in der Rechtsform von Gesellschaften bürgerlichen Rechts. Diese steueroptimierten Grundstücksgesellschaften wurden unter einem gemeinsamen Dach in der Oppenheim-Esch-Holding (OEH) verwaltet und von den Bankern an die besonders reiche Kundschaft vertickt.

Das Geschäftsmodell erwies sich viele Jahre lang für die Initiatoren und Anleger als sehr erfolgreich. Bis die Auswahl der Projekte zu öffentlich wurde...

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