GoMoPa® - der Finanznachrichtendienst (www.gomopa.net) - Pressemeldung vom 11.06.2014

Beratung a la PSD Bank Westfalen-Lippe eG: Alles Vermögen in Fonds?


Convent Die PSD Bank Westfalen-Lippe eG aus Münster ist eine Genossenschaftsbank nur für Privatkunden. 63.300 Kunden und 44.500 Genossen vertrauen dem 1999 gegründeten Regionalbankhaus ohne Filialnetz. Das Kundengeschäftsvolumen wuchs im letzten Jahr um rund 30 Millionen Euro auf mehr als 1,2 Milliarden Euro. Auf ihrer Homepage bezeichnet sich die PSD Bank Westfalen-Lippe eG als "sicher und bodenständig - einfach westfälisch".

Doch die Anlegerschutzanwältin Dr. Petra Brockmann (Foto) von Hahn Rechtsanwälte Partnerschaft mbB aus Bremen und zugleich Vorsitzende des Fachausschusses "Bank- und Kapitalmarktrecht" der Hanseatischen Rechtsanwaltskammer Bremen musste jetzt einem Kunden helfen, dem die bodenständige Bank all sein Barvermögen (210.000 Euro) nach einer Beratung im Jahre 2007 in fünf hochriskante geschlossene Beteiligungsfonds anlegte und dem die Bank außerdem noch verschwieg, dass sie für diese Fehlberatung, wie das Landgericht Münster jetzt feststellte, von den Fonds nicht, wie behauptet, nur das Agio von meist fünf Prozent bekam, sondern mit einer schmiergeldähnlichen Zahlung von 8 bis 15 Prozent (Kick Back) für jeden Verkauf extra vergütet wurde.

Für dieses Fehlverhalten folgte nun die Quittung. Rechtsanwältin Dr. Brockmann teilte dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net mit:

Zitat:


Das Landgericht Münster hat mit Urteil vom 23. April 2014 (Aktenzeichen 114 O 145/13) die PSD Bank Westfalen-Lippe eG zu Schadensersatz in Höhe von rund 194.000 Euro zuzüglich Zinsen verurteilt.

Das Landgericht folgte der Argumentation von Hahn Rechtsanwälte, die den Kläger vertreten haben, dass die Bank keine ordnungsgemäße Anlageberatung durchgeführt habe.

Der Kläger hatte sich auf Anraten der Bank im Jahre 2007 mit seinem gesamten Vermögen an fünf verschiedenen geschlossenen Fonds beteiligt

(Rothmann & Cie. TrustFonds UK 2 GmbH & Co. KG,

Garbe Logimac Fonds Nr. 2 AG & Co. KG,

König & Cie. US Real Estate Opportunity GmbH & Co. KG,

BAC Life Trust Sechs GmbH & Co. KG,

König & Cie. Renditefonds 54 Twinfonds I mit den beiden Schiffsfonds MS "Adrian" Schifffahrtsgesellschaft mbH & Co. KG sowie der MS "Stadt Rostock" Zweite T + H Schifffarts GmbH & Co. KG)

und dabei insgesamt rund 210.000 Euro investiert.

Das Landgericht sah darin keine anlegergerechte Beratung: Die Bank hätte dem Kläger nicht ausschließlich geschlossene Beteiligungen empfehlen dürfen, da hiermit ein Totalverlustrisiko verbunden sei. Eine solche Depotzusammenstellung wäre selbst für den Fall, dass der Kläger eine höhere Rendite gewünscht hätte, nicht anlegergerecht. Auch ein risikobereiter Anleger sei dahingehend zu beraten, dass bei einem Anlagebetrag von 210.000 Euro eine Risikostreuung vorgenommen werden sollte.

Zudem nahm das Gericht eine Pflichtverletzung wegen verschwiegener Rückvergütungen an. Unstreitig hatte die beklagte PSD Bank Provisionen zwischen 8 und 15 Prozent erhalten. Nach der Aussage des Anlageberaters hatte dieser jedoch allenfalls darüber aufgeklärt, dass die Bank das Agio erhalte. Hierbei handelte es sich um eine Falschinformation.


Wegen der verschwiegenen schmiergeldähnlichen Vergütungen (wie es ein Bundesrichter mal ausdrückte) hatte die Genossenschaftsbank wohl den alten Grundsatz "Lege nie alle Eier in einen Korb" einfach über Bord geworfen. Unter anderem für diese Investitionsweisheit bekam...

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