GoMoPa® - der Finanznachrichtendienst (www.gomopa.net) - Pressemeldung vom 15.10.2009

Datenmissbrauch: Vorsicht bei Kundenkarten


Durchschnittlich 4,5 Kundenkarten hat jeder Deutsche, und rund 90 Prozent der Verbraucher nutzen eine Kundenkarte - so das Ergebnis zweier Marktforschungsstudien aus dem Jahr 2006. Doch die Rabatte sind gering und die Gefahr des Datenmissbrauchs groß.

Das ergab der neueste Markttest der Verbraucherzentralen Rheinland-Pfalz und Niedersachsen. Sie haben im Rahmen des Projektes Wirtschaftlicher Verbraucherschutz des Bundes- ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz von März bis August 2009 insgesamt 22 verschiedene Kundenkarten genauer unter die Lupe genommen, darunter Bekleidungsgeschäfte, Baumärkte, Parfümerien.


Pressesprecherin<br /> Gabriele Peters<br />©Verbraucherzentrale<br />Niedersachsen
Pressesprecherin
Gabriele Peters
©Verbraucherzentrale
Niedersachsen
Das Fazit, so die Pressesprecherin der Verbraucherzentrale Niedersachsen, Gabriele Peters, gegenüber dem Finanznachrichtendienst www.GoMoPa.net: "Viele Unternehmen informieren nicht klar und deutlich darüber, was mit den oftmals zu viel erhobenen Daten der Verbraucher geschieht und dass Verbrauchern ein gesetzliches Auskunftsrecht über die gespeicherten Daten zusteht." GoMoPa stellt die Ergebnisse im einzelnen vor.

Kundenkarten ? Werbung und Wirklichkeit

Nahezu jeder Verbraucher ist von der Problematik des eigenen und fremden Umgangs mit zum Teil sehr persönlichen Daten betroffen. Dies, zeigt sich auch durch die Vielzahl an Kundenkarten, die fast jeder in seiner Geldbörse hat. In Deutschland sind bereits Millionen von Kundenkarten von einer Supermarktkette, einem Baumarkt oder einem Bekleidungsgeschäft im Umlauf. Mit den vielen (meist kostenlosen) Kundenkarten können Kunden bei Einkäufen Rabatte, Bonus- oder Treuepunkte sammeln und von anderen Vorteilen profitieren. Was sich die wenigsten dabei bewusst machen, ist, dass sie bei jedem Antrag zu einer Karte freiwillig eine Vielzahl an persönlichen Daten an ein Unternehmen preisgeben. Und noch Weniger fragen sich, ob sämtliche Daten, die sie für den Erhalt einer Kundenkarte angeben, tatsächlich für das Kundenkartenprogramm benötigt werden. Jeder Verbraucher kann selbst Vorkehrungen treffen, dass es nicht zu einem persönlichen ?Datenskandal? kommt.

Vergessen wird allzu oft, dass die Unternehmen die Kundenkartenprogramme nicht zum Wohle des Verbrauchers auf den Markt bringen, sondern immer eigene wirtschaftliche Zwecke verfolgen. Mit Daten zum Wohnsitz, zum Einkaufsverhalten oder zum Jahreseinkommen lassen sich durchaus lukrative Geschäfte machen. Die einzelnen Verbraucher können gezielter von den Anbietern oder Partnerunternehmen an sich gebunden werden. Auch ein Verkauf der Daten an Adresshändler kann nicht immer ausgeschlossen werden.

Natürlich bieten die Karten beim Einkauf Vorteile. Jedoch sind diese Vorteile im Vergleich zu den preisgegebenen Daten oft nur sehr gering. Der Rabattvorteil liegt in der Regel nur zwischen 0,5 und 3,0 Prozent. In manchen Geschäften gibt es einen Rabatt erst ab einem Einkauf in Höhe einer bestimmten (nicht gerade geringen) Summe, die oftmals gar nicht erreicht wird. Zudem können die gesammelten Rabattpunkte nach einer bestimmten Gültigkeitsdauer verfallen. Mit Hinweis auf die Rabatte durch Kundenkarten wird zunehmend auch verhindert, dass Verbraucher andere Preisnachlässe ohne entsprechende Karten erhalten können.

Vorteile sehr unterschiedlich

Die Liste der Vorteile der einzelnen Karten ist sehr unterschiedlich. Sie reicht vom Rabatt über das Sammeln von Treuepunkten für bestimmte Prämien oder der Auszahlung des gesammelten Bonus bis zu einer Zahlungs- und Kreditfunktion. Daneben locken die Anbieter mit zahlreichen weiteren Angeboten wie Willkommensgutscheine oder Gratisprodukte. Manche Kartenprogramme bieten dabei mehr, andere eher weniger. Ob eine Kundenkarte sich für den Einzelnen unter finanziellen Gesichtspunkten tatsächlich lohnt, lässt sich nicht allgemein sagen, sondern hängt vom individuellen Einkaufsverhalten ab.

Manche Kundenkartenprogramme bieten eine Zahlungs- oder Kreditfunktion optional an, d.h. der Verbraucher kann eine ?normale? Karte des Programms mit den üblichen Vorteilen wie Bonuspunkte o.ä. wählen oder (zusätzlich) diese besonderen Angebote nutzen. Dies bieten beispielsweise die Karten von Ikea, Karstadt oder Payback und das webmiles-Programm (Schlecker) an. Im Rahmen der Studie wurden diese besonderen zusätzlichen Funktionen bei der Auswertung nicht berücksichtigt. Lediglich die Karten, die nur eine Zahlungs- oder Kreditfunktion als Vorteil herausstellen, wie z.B. von Douglas, Breuninger und Hornbach wurden auch diesbezüglich überprüft.

Einige Kartenprogramme, machen die Bonushöhe von einem Jahres- bzw. Wochenumsatz abhängig. Eine Obi Top-Kunden-Karte lohnt sich eher für ?Bastler oder Häuslebauer?, die im Baumarkt im Jahr mehr als 2.500 ? ausgeben. Die Familie, die jede Woche bei Tegut Lebensmittel und bei Görtz im Jahr für alle Familienmitglieder Schuhe kauft, kann die Görtz Card und die Tegut ? gute Karte einsetzen und möglicherweise tatsächlich einen finanziellen Vorteil daraus erzielen. Die Karte von Miles&More ist nur für Vielflieger interessant. Auch bei Peek & Cloppenburg gibt es einen gestaffelten Treuebonus.

Verständlichkeit nicht immer oberstes Gebot der Unternehmen

Bevor der Verbraucher die Kundenkarte beantragt, sollte er sich Gedanken über den Schutz seiner Daten machen. Wünschenswert wäre es, wenn er dafür vom jeweiligen Unternehmen einen übersichtlichen, ausführlichen und vor allem verständlichen Hinweis zum Datenschutz bekäme. Dass dies leider nicht der Regelfall ist, wurde bei der Erhebung deutlich.

Bei Yves Rocher und Adler muss sich der Verbraucher mit einem sehr kurzen Hinweis auf der Seite des Antragsformulars begnügen, welchen er bei Yves Rocher wegen der minimalen Schriftgröße kaum entziffern kann. Bei den meisten Anbietern findet der Verbraucher aber entweder einen Datenschutzhinweis in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) oder eine separate Datenschutzerklärung. Zum Teil ist auch beides vorhanden.

Leider sind nicht alle Datenschutzhinweise für den Verbraucher so gefasst, dass er nach dem Lesen über den Schutz seiner Daten Bescheid weiß. Häufig finden sich unklare und komplizierte Formulierungen. Teilweise wird der Verbraucher auch durch unterschiedliche Erklärungen auf Homepage und Antrag verwirrt. Mit übersichtlichen, relativ verständlichen und ausführlichen Erklärungen gehen insbesondere die DeutschlandCard und Payback voran. Auch wer sich im Internet informieren möchte, wird nur selten mit einem unproblematisch auszudruckenden Datenschutzhinweis belohnt. Oftmals lässt sich der Hinweis nur mit technischer Finesse auf Papier bringen, manchmal kann man ihn kaum finden.

Immer wieder findet sich eine weitere Hürde für den Verbraucher, wenn es um den Schutz seiner Daten geht: Ein Datenschutzbeauftragter wurde in den Unterlagen oft gar nicht oder ohne jegliche Kontaktmöglichkeit genannt.

Datensparsamkeit oberstes Gebot für Verbraucher

Große Unterschiede gibt es bei den Kundenkartenanbietern hinsichtlich der Menge der erhobenen Daten. Zwar unterscheiden fast alle Programme zwischen zwingenden und freiwilligen Angaben, welche Daten jedoch in die jeweilige Kategorie gehören, sucht sich jedes Unternehmen selbst aus. Dass der Name und die Anschrift und auch noch das Geburtsdatum angegeben werden müssen (sog. Stammdaten), um das Programm problemlos abwickeln zu können, ist noch verständlich. So sieht es auch § 28 des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) vor: ?Für die Erfüllung eigener Geschäftszwecke ist das Erheben, Speichern, Verändern oder Übermitteln und die Nutzung personenbezogener Daten zulässig, wenn es für die Begründung, Durchführung oder Beendigung eines rechtsgeschäftlichen oder rechtsgeschäftsähnlichen Schuldverhältnisses mit dem Betroffenen erforderlich ist.? Aber sämtliche Kontaktdaten abzufragen, wie Telefonnummer, Mobilfunknummer und E-Mail-Adresse, ist nicht zwingend nötig dafür, dass der Verbraucher an dem Kundenkartenprogramm teilnehmen kann. Dennoch tauchen sie häufig alle als Pflichtangaben im Antrag auf. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Marketing und Werbung lassen sich so einfacher an den Verbraucher bringen.

Bei den Karten mit Zahlungs- und/oder Kreditfunktion wie die Karten von Breuninger, Hornbach oder Douglas werden selbstverständlich mehr Angaben verlangt, beispielsweise die Bankverbindung. Aber auch hier soll der Verbraucher Dinge preisgeben, die mit dem Kundenkartenprogramm nichts zu tun haben. So möchte Douglas wissen, ob und wie viele unterhaltspflichtige Kinder der Kunde hat, wann er in die neue Wohnung gezogen ist und in welcher Art von Wohnung er lebt. Um eine Karte bei Hornbach zu bekommen, soll der Verbraucher unter anderem seine Haushaltsgröße angeben, seinen Arbeitgeber und welche Kundenkarten er sonst noch besitzt. Es ist nicht ersichtlich, wofür diese Angaben im Rahmen des Kundenkartenprogramms gebraucht werden.

Bei einer solch umfangreichen Datenabfrage sollte jeder Verbraucher stutzig werden und sehr gut überlegen, ob er diese Kundenkarte tatsächlich benötigt. Insbesondere, wenn sämtliche Angaben laut Antrag zwingend sind. So schreibt Peek & Cloppenburg: ?Nur vollständig ausgefüllte Anträge können bearbeitet werden?. Hier wird der Verbraucher verpflichtet, für das Programm als solches nicht notwendige persönliche Daten an das Modehaus zu geben, wenn er die Karte nutzen möchte. Immer wieder wird also der Grundsatz der Datensparsamkeit gem. § 3a BDSG nicht ausreichend beachtet, nach dem so wenig personenbezogene Daten wie möglich zu erheben, zu verarbeiten oder zu nutzen sind. Lediglich Karstadt und Tegut verlangen beim manuellen Antrag tatsächlich nur den Namen und die Adresse. Bei der Spiele- Max-Card und Yves Rocher könnten diese Angaben ebenfalls ausreichen. Hier wird aber nicht zwischen freiwilligen und zwingenden Angaben unterschieden. Gerade bei den freiwilligen Angaben hat der Verbraucher die Möglichkeit, die Weitergabe seiner Daten an das Unternehmen zu beschränken. Davon sollte er unbedingt Gebrauch machen. An dem Kundenkartenprogramm kann er auch ohne freiwillige Angabe von Familienstand, Wohnart oder Telefonnummer teilnehmen.

Weitergabe der Daten an Dritte oder Partnerunternehmen?

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