GoMoPa® - der Finanznachrichtendienst (www.gomopa.net) - Pressemeldung vom 12.11.2009

Stiftung - Ideallösung fürs Testament?


Geldlehrer Arthur Tränkle<br /> aus Schwaben©imPLUSSEIN
Geldlehrer Arthur Tränkle
aus Schwaben©imPLUSSEIN
Durch die Reform des Gemeinnützigkeits- und Spendenrechts im Jahr 2005 ist die Gründung einer Stiftung nicht allein mehr den Betuchten vorbehalten, sondern auch für Normalbürger zu einer reizvollen Geldanlage-Alternative geworden: ?Seit 2005 muss der Mindestkapitalstock einer Stiftung nur noch 10.000 Euro betragen.

Über einen Zeitraum von zehn Jahren hinweg kann bis zu einer Million Euro steuerbegünstigt in die Stiftung eingebracht werden - mehr als dreimal so viel wie vor der Gesetzesänderung", sagt der schwäbische Finanzexperte Arthur Tränkle, der in Stuttgart Geld-Lehrstunden in seiner Wohlstandsschule imPLUSSEIN erteilt, dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net.

Neben dem Wunsch, eine gute Sache zu fördern, sprechen handfeste Steuervorteile für diese Überlegung: So sind gemeinnützige Stiftungen von Erbschaft- und Schenkungsteuer befreit. Erben, die sich binnen zwei Jahren nach Erhalt des Nachlasses dazu entscheiden, einen Teil zu stiften, erhalten bereits gezahlte Erbschaftsteuern sogar zurück. Zudem darf eine Stiftung dem Gründer und dessen Familie bis zu einem Drittel der jährlichen Einkünfte - Anlagegewinne oder Mieteinnahmen - als Unterhalt zahlen, ohne den Status der Gemeinnützigkeit aufs Spiel zu setzen. Und das 1.000 Jahre lang und länger.

Mit dem zweiten Drittel wird der Vermögensstock des Stifters weiter ausgebaut, und das letzte Drittel dient dem Stiftungsprojekt: Jugendförderung, Unterstützung regionaler Künstler, Stipendien für Schüler und Studenten einkommensschwacher Familien, Förderung von Einrichtungen für bedürftige Menschen oder dem Erhalt und der Restaurierung historischer Gebäude. Somit könnten Stiftungen die Ideallösung fürs Testament sein.

2008 zählte der Bundesverband Deutscher Stiftungen mit Sitz in Berlin über 1.020 Neugründungen. Aktuell gibt es in Deutschland 16.500 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts mit einem geschätzten Gesamtvermögen von 100 Milliarden Euro. Ein Teil davon entfällt auf Großeinrichtungen wie etwa die Bosch-, Volkswagen-, Quandt- oder Bertelsmann-Stiftung, die Millionenbeträge bewegen.

"Davon sollten sich Inhaber mittlerer Vermögen aber nicht abschrecken lassen", sagte Stiftungsmanager Knut Mikoleit von der Commerzbank/Dresdner Bank dem Nachrichtensender n-tv. Drei Viertel aller Mäzene stifteten zu Beginn ein Kapital von unter 500.000 Euro. Der Kreis möglicher Stifter ist groß: Zehntausende Bürger wären in der Lage, eine Stiftung zu gründen, denn Vermögen und Erbschaften steigen in Deutschland kontinuierlich.

Dabei kommt es auf die richtige Form an: Eine rechtsfähige Stiftung mit eigener Organisation ist erst ab etwa 500.000 Euro sinnvoll. Für geringere Beträge eignet sich eine Treuhandstiftung, die ein Treuhänder unter seinem Dach verwaltet. Wer sich ohne eigene Stiftung engagieren will, kann sein Geld auch als Zustiftung einer bestehenden Stiftung zukommen lassen.

Stifter werden ist nicht schwer: der Wille zählt!

?Stiften gehen? kann jede natürliche Person, die nach dem Gesetz voll geschäftsfähig ist, also das 18. Lebensjahr vollendet hat. Auch jede juristische Person, wie beispielsweise ein rechtsfähiger Verein, kann sich als Stifter betätigen.

Dr. Hedda Hoffman<br />-Steudner©BVDS
Dr. Hedda Hoffman
-Steudner©BVDS
Justiziariatsleiterin des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, Dr. Hedda Hoffmann-Steudner, erläutert, wie man eine Stiftung gründet.

Die wichtigsten Voraussetzungen  

Entscheidende Voraussetzung für die Errichtung einer rechtsfähigen Stiftung ist, dass der Stifter seinen Willen, eine Stiftung zu gründen, zum Ausdruck bringt. Dies erfolgt im Rahmen des Stiftungsgeschäfts. In diesem erklärt der Stifter seine Absicht, eine Stiftung zu errichten. Gleichzeitig verpflichtet er sich, ein im Stiftungsgeschäft genau bestimmtes Vermögen auf die noch zu entstehende Stiftung zu übertragen.

In einer das Stiftungsgeschäft ausfüllenden Satzung entwirft der Stifter dann das rechtliche Gerüst für seine Stiftung. Hier legt er insbesondere fest, welchen Zweck die Stiftung verfolgen soll und welche Organe für die Stiftung handeln sollen.  

Erst mit der staatlichen Anerkennung des Stiftungsgeschäfts durch die Stiftungsbehörde erlangt die Stiftung den Status einer juristischen Person und damit Rechtsfähigkeit. Welche Aufsichtsbehörde für die Anerkennung zuständig ist, richtet sich nach dem Sitz der Stiftung.

In jedem Bundesland gibt es eine eigene Aufsichtsbehörde, die den gemeinnützigen Stiftungen die Rechtsfähigkeit verleiht. Sie überprüft bei der Errichtung einer Stiftung, ob die Satzung dem Stiftungsrecht entspricht und anschließend, ob die Stiftungsarbeit die Vorgaben der Satzung erfüllt.

Mit ihrer Entstehung erwirbt die Stiftung einen schuldrechtlichen Anspruch gegen den Stifter auf Übertragung des im Stiftungsgeschäft näher bezeichneten Vermögens. Nachdem der Stifter diesen Anspruch erfüllt hat, kann er nicht mehr auf das Vermögen zugreifen.   

Stiften heißt für den Stifter, sich endgültig von einem Teil seines Vermögen zu trennen.

Rechtsfähige Stiftung ab 50.000 Euro

Da eine Stiftung ihre Zwecke grundsätzlich nur mit den Erträgen aus der Verwaltung ihres Vermögens verfolgt ? gemeinnützige Stiftungen auch noch mit Spenden und sonstigen zeitnah zu verwendenden Mitteln ? ist eine nachhaltige Zweckerfüllung erst ab einem gewissen Mindestkapital realistisch möglich.

Die Stiftungsbehörden gehen daher grundsätzlich davon aus, dass zur Errichtung einer rechtsfähigen Stiftung ein Vermögen von mindestens 50.000 Euro vorhanden sein muss. Diese Mindestsumme ist jedoch nur eine Orientierungsgröße für die Mindestausstattung einer Stiftung mit Vermögen. Für eine nachhaltige Zweckerfüllung der Stiftung ist eine solche Summe jedoch oft zu wenig, wenn nicht mit großer Wahrscheinlichkeit weitere Zustiftungen oder sonstige Zuwendungen oder regelmäßige Einnahmen neben den Vermögenserträgen der Stiftung zu erwarten sind.

Bedarf es für die Zweckverwirklichung nur geringer Mittel, beispielsweise weil nur einmal jährlich ein gering dotierter Preis verliehen wird, kann eine Stiftung im Einzelfall auch mit weniger als 50.000 Euro gegründet werden. Genauso können weit mehr als 50.000 Euro zur Errichtung notwendig sein, wenn die Zweckverfolgung finanziell aufwendig ist, wie es beispielsweise bei der Förderung der Gentechnologie der Fall sein dürfte. Zu bedenken ist auch, dass eine Stiftung in der Regel Verwaltungskosten für Buchhaltung und Jahresrechnung verursacht und dass die freie Rücklage zum Inflationsausgleich ebenfalls aus Erträgen des Kapitals zu finanzieren ist. In der Praxis heißt dies, dass bei heutigem Zinsniveau einer Stiftung mit 50.000 Euro nur rund 2.000 Euro oder weniger aus Erträgen für die Fördertätigkeit zur Verfügung stehen, wenn nicht andere Zuwendungen das Budget der Stiftung erhöhen.

Welche Rechtsform ist die richtige?

Stiftungen sind sehr häufig als rechtsfähige Stiftungen des bürgerlichen Rechts organisiert. Die Absicht, Vermögen dauerhaft der Verfolgung eines bestimmten Zwecks zu widmen, kann jedoch auch durch andere Organisationsformen verwirklicht werden. Mögliche Organisationsformen können beispielsweise eine Stiftungs-GmbH oder ein Stiftungsverein sein.

Gegenüber der rechtsfähigen Stiftung bürgerlichen Rechts bietet die Stiftungs-GmbH ein höheres Maß an Flexibilität. Da die Stiftungs-GmbH nicht den Voraussetzungen der Paragraphen 80 (Entstehung einer rechtsfähigen Stiftung) und folgende des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) unterliegt, sind Satzungsänderungen und sogar Auflösungsbeschlüsse einfacher möglich. Gleiches gilt für den Stiftungsverein. Für die dauerhafte Erfüllung eines unveränderlich vorgegebenen Zwecks kann diese Flexibilität indes von Nachteil sein.

Welche Rechtsform die vorteilhaftere ist, ist im Einzelfall genau zu prüfen. Zur Erleichterung soll folgender Überblick dienen:

Rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts

Die laufende staatliche Aufsicht stellt sicher, dass die staatlichen Gesetze eingehalten und der private Stifterwille verwirklicht wird.

Die Satzung ist nach Genehmigung der Stiftung grundsätzlich nicht mehr abänderbar. Die Organe der Stiftung oder Dritte sind nicht befugt, den Stiftungszweck nachträglich beliebig zu ändern oder die Stiftung aufzulösen.

Wegen der staatlichen Kontrolle durch die Stiftungsaufsicht genießt diese Rechtsform ein hohes Maß an Vertrauen in der Öffentlichkeit, was die Einwerbung von Spenden und Zustiftungen erleichtert.

Die steuerrechtlichen Privilegien für Stiftungen greifen ein.

Grundsätzlich wird ein dauerhafter Erhalt des Stiftungsvermögens erreicht, da lediglich Zinsen und Spenden für den Stiftungszweck eingesetzt werden.

Die Stiftung wird nur genehmigt, wenn sie über eine ausreichende Vermögensausstattung verfügt; in der Regel mindestens 50.000 Euro.
Gegenüber der staatlichen Aufsichtsbehörde bestehen Berichtspflichten (Rechnungslegung).

Für bestimmte Beschlüsse kann eine Beteiligung der Behörde vorgeschrieben sein (Anzeigepflicht oder sogar Genehmigungspflicht).

Die Eingriffsmöglichkeiten der Aufsichtsbehörde reichen von der Abberufung von Organmitgliedern bis hin zur Aufhebung oder Zweckänderung der Stiftung bei Unmöglichkeit der Zweckerreichung oder Gemeinwohlgefährdung.

Fazit: Die rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts ist ein geeignetes Instrument, um als Stifter auf Dauer sein Vermögen einem bestimmten Zweck zu widmen. Die staatliche Aufsicht garantiert den dauerhaften Bestand der Stiftung und die Berücksichtigung des Stifterwillens. Durch die aufsichtsbehördliche Beteiligung und Kontrolle kann die Arbeit der Stiftungsorgane allerdings erschwert werden.

Treuhandstiftung ab 10.000 Euro

Die Treuhandstiftung kann bereits mit einem geringen Betrag gegründet werden (zirka 10.000 Euro).

Es gibt kein behördliches Genehmigungsverfahren.

Sie untersteht nicht der staatlichen Stiftungsaufsicht und wird staatlicherseits lediglich durch das Finanzamt kontrolliert.

Der Stifter kann einzelne Aufgaben bis hin zur gesamten Verwaltung der Stiftung dem Treuhänder übertragen.

Die Organisationsstrukturen des Treuhänders können ausgenutzt und damit Verwaltungskosten reduziert werden.

Die steuerrechtlichen Privilegien für Stiftungen greifen ein.

Die Treuhandstiftung besitzt keine Rechtspersönlichkeit, kann also nicht selbst Trägerin von Rechten und Pflichten sein. Das Stiftungsvermögen ist Eigentum des Trägers.

Die Struktur der Treuhandstiftung ist ungeeignet für eine operativ tätige Stiftung, da sie mangels Rechtsfähigkeit beispielsweise nicht selbst Personal einstellen oder als Veranstalter fungieren kann.

Es besteht eine große Abhängigkeit vom Treuhänder (Insolvenzgefahr).

Fazit: Die Rechtsform der Treuhandstiftung ist in der Regel das richtige Instrument für den Stifter, der sein Vermögen einem Zweck auf Dauer widmen will, ohne im Rahmen der Satzung eine Struktur schaffen zu müssen, die die Selbstverwaltung einer rechtsfähigen Stiftung erfordern würde. Die Treuhandstiftung ist in der Regel als "kleine Lösung" zu empfehlen und wegen der mangelnden Rechtsfähigkeit insbesondere für operativ tätige Stiftungen ungeeignet.

Stiftungs-GmbH ab 25.000 Euro

Zur Gründung ist ein Mindeststammkapital von 25.000 Euro erforderlich.

Gründung erfolgt nach den gesellschaftsrechtlichen Vorgaben, also ohne Anerkennung durch die staatlichen Anerkennungsbehörden.

Rechtliche Grundlage ist der Gesellschaftsvertrag.

Die Gesellschafter können durch Gesellschafterbeschluss Satzungsänderungen vornehmen.

Die Gesellschafter können die Aufhebung der Gesellschaft beschließen.

Die Möglichkeit der Satzungsänderungen und der Aufhebung kann den Bestand der GmbH als stiftungsähnliche Organisation gefährden.

Die Stiftungs-GmbH wird in der Regel auf weitere Zuwendungen des Stifters angewiesen sein, da das Mindeststammkapital für die Zweckverfolgung nicht ausreicht.

Die Berücksichtigung des Stifterwillens wird nicht durch eine staatliche Aufsicht sichergestellt.

Die spezifischen steuerrechtlichen Privilegien für Stiftungen finden keine Anwendung.

Fazit: Gegenüber der rechtsfähigen Stiftung bürgerlichen Rechts bietet die Stiftungs-GmbH ein hohes Maß an Flexibilität. Als Instrument zur dauerhaften Erfüllung eines unveränderlich vorgegebenen Zwecks ist sie indes nicht geeignet.

Stiftungs-Verein ab einem Euro

Die Gründung eines Vereins erfordert keine Mindestkapitalausstattung.

Rechtliche Grundlage ist der Gründungsvertrag. Zu seinem Abschluss sind zwei Personen ausreichend. Erst mit Eintragung des Vereins im Vereinsregister erlangt der Verein Rechtsfähigkeit. Hierfür ist eine Mindestmitgliederzahl von sieben Personen erforderlich.

Der Verein kann über Mitgliedschaften größeren Personenkreise über längere Zeit binden.

Um den Willen der Vereinsgründer/Stifter zu schützen, müssen in der Satzung Vorkehrungen gegen die willkürliche Disposition über den Vereinszweck getroffen werden. Die Möglichkeit der Vereinsmitglieder, die Satzung zu ändern, kann nicht wirksam ausgeschlossen werden.

Der Verein unterliegt keiner laufenden staatlichen Aufsicht; ein gemeinnütziger Verein wird jedoch durch das Finanzamt überwacht.

Der Verein ist auf einen grundsätzlich wechselnden Mitgliederbestand ausgelegt. Die daraus resultierende Fluktuation birgt das Risiko geringer Kontinuität.

Die spezifischen steuerrechtlichen Privilegien für Stiftungen finden keine Anwendung.

Fazit: Das Vereinsrecht ermöglicht dem Stifter einen weiten Spielraum für die Satzungsgestaltung, birgt aber auch die Gefahr, den vorgegebenen Zweck nicht dauerhaft verwirklichen zu können. Während die rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts und die Stiftungs-GmbH durch ihre Strukturen eine Kontinuität in der Willensbildung gewährleisten, besteht bei einem Stiftungs-Verein die Gefahr, dass es aufgrund wechselnder Mitglieder und unkalkulierbarer Mitgliederentscheidungen zu einer Fremdeinflussnahme kommt.

Was ist eine gemeinnützige Stiftung?

Eine Stiftung kann sowohl privatnützige als auch gemeinnützige Zwecke verfolgen. Gemeinnützig ist der Zweck einer Stiftung dann, wenn er darauf gerichtet ist, die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern.

Sollen nach dem Stiftungszweck nur abgeschlossene Personenkreise - wie beispielsweise die Mitglieder einer Familie oder die Angehörigen eines bestimmten Unternehmens - gefördert werden, liegt keine Förderung der Allgemeinheit und damit keine Gemeinnützigkeit vor.

Verfolgt eine Stiftung jedoch ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke, kann sie in den Genuss der Steuerbegünstigungen gemäß der Paragraphen 51 bis 68 der Abgabenordnung (AO) kommen, vorausgesetzt, sie ist selbstlos tätig und verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke. Um von Anfang an in den Genuss der Steuerbefreiung zu kommen, muss der Stifter für die Stiftungsgründung beim zuständigen Finanzamt unter Vorlage der Stiftungssatzung einen Antrag auf vorläufige Anerkennung der Gemeinnützigkeit stellen. Entspricht die Satzung den Vorgaben der Abgabenordnung, erteilt das Finanzamt in einem positiven Bescheid die vorläufige Anerkennung als gemeinnützig für einen befristeten Zeitraum.  

Nach Anerkennung der Stiftung durch die Stiftungsbehörde muss die Stiftung einen Freistellungsbescheid beim Finanzamt beantragen, um die Gemeinnützigkeit nachweisen zu können.  

Welche Zwecke gemeinnützig sind und damit zur Steuerbefreiung und zum Spendenabzug berechtigen, ist im Katalog des Paragraphen 52 Absatz 2 Abgabenordnung (neu) festgeschrieben. Zwecke, die sich nicht ausdrücklich im Katalog wiederfinden, gemäß ihrer Zielsetzung aber den dort genannten entsprechen, können über eine in Paragraph 52 Absatz 2 neu eingefügte Öffnungsklausel für gemeinnützig erklärt werden. Hier ist der Link zum Wortlaut der Vorschrift des § 52 AO mit dem Katalog der gemeinnützigen Zwecke.

Vermögen zu treuen Händen geben

Eine Treuhandstiftung, die auch als unselbständige oder fiduziarische Stiftung bezeichnet wird, kann bereits mit einer geringen Kapitalausstattung gegründet werden. Um sie errichten zu können, muss der Stifter zunächst eine natürliche oder juristische Person finden, die bereit ist, das Stiftungsvermögen treuhänderisch zu verwalten.

Hat der Stifter einen Treuhänder gefunden, überträgt er ihm bestimmte Vermögensgegenstände mit der Maßgabe, die Erträge aus dem Vermögen für einen bestimmten Zweck zu verwenden.  

Da die Treuhandstiftung keine eigene Rechtspersönlichkeit besitzt, wird der Treuhänder Eigentümer des Stiftungsvermögens, wobei er verpflichtet ist, das Stiftungsvermögen von seinem eigenen Vermögen getrennt zu halten. Die Errichtung einer Treuhandstiftung kann in einem relativ kurzen Zeitraum erfolgen, da staatlicherseits allein die Mitwirkung der Finanzbehörde erforderlich ist.  

Gestaltungsmöglichkeiten der Treuhandstiftung

Die Treuhandstiftung kann sowohl aufgrund eines Vertrages als auch aufgrund einer Verfügung von Todes wegen in Form der Erbeinsetzung (Testament, Paragraphen 2064, 2229 folgende oder Erbvertrag, Paragraphen 2274 folgende des BGB) oder eines Vermächtnisses unter Auflage (Paragraphen 2147 folgende des BGB) gegründet werden. Bei der Stiftungserrichtung aufgrund einer Verfügung von Todes wegen sind die erbrechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten und Formvorschriften zu beachten.

Die Gründung der Treuhandstiftung unter Lebenden kann durch den Abschluss eines Treuhandvertrages oder durch eine Schenkung unter Auflage (Paragraphen 516, 525 BGB) erfolgen. Die Paragraphen 80 folgende BGB finden auf die Treuhandstiftung keine Anwendung, so dass die Anerkennung durch die Stiftungsaufsicht entfällt.

Dem Stifter ist es auch möglich, die Stiftung zu Lebzeiten zunächst mit geringem Vermögen zu gründen und den Treuhänder sodann als Vermächtnisnehmer oder als Allein- oder Miterben mit der Auflage einzusetzen, die übertragenen Vermögenswerte für die Treuhandstiftung zu verwenden. Da die unselbständige Stiftung keine eigene Rechtspersönlichkeit besitzt, ist es ihm allerdings nicht möglich, die Stiftung selbst als Erbin oder Vermächtnisnehmerin einzusetzen.

Schritte zur Gründung einer Treuhandstiftung unter Lebenden

Grundsätzlich lassen sich bei der Stiftungserrichtung unter Lebenden vier Gründungsstufen unterscheiden:

1. Stifter und Treuhänder arbeiten zunächst den Treuhandvertrag aus, der sich aus drei wesentlichen Elementen zusammensetzt: Im Stiftungsgeschäft erklärt der Stifter, eine unselbständige Stiftung errichten zu wollen und verpflichtet sich, dem Träger der Stiftung die gestifteten Vermögenswerte zu übertragen. In der Satzung werden der Zweck und die Art und Weise der Zweckerfüllung durch den Träger einschließlich der (beratenden) Kompetenzen möglicher Gremien festgelegt. Stifter und Träger der Stiftung treffen eine Vereinbarung darüber, dass der Träger das Vermögen treuhänderisch verwalten soll (Treuhandvereinbarung).

2. Bei dem für den Stiftungsträger zuständigen Finanzamt werden eine Steuernummer sowie die so genannte vorläufige Bescheinigung der Gemeinnützigkeit beantragt.

3. Da die Treuhandstiftung keine eigene Rechtspersönlichkeit besitzt, überträgt der Stifter das für die Stiftung bestimmte Vermögen in das Eigentum des Treuhänders, der die Vermögenswerte als Sondervermögen getrennt von seinem übrigen Vermögen zu verwalten hat.

4. Der Treuhänder nimmt auf die Grundlage der Satzung und der Treuhandvereinbarung die Stiftungstätigkeit auf.

Die Errichtung einer Treuhandstiftung kann in einem relativ kurzen Zeitraum erfolgen, da staatlicherseits allein die Mitwirkung der Finanzbehörde erforderlich ist.

Steuerrecht

Das Steuerrecht räumt der Treuhandstiftung dieselben Rechte ein wie der rechtsfähigen Stiftung.

Zustiften heißt: Gutes tun!

Bei einer Zustiftung werden Vermögenswerte dem Stiftungsvermögen einer bereits bestehenden Stiftung dauerhaft zugeführt. Durch die damit verbundene Erhöhung des Stiftungsvermögens erzielt die Stiftung langfristig höhere Erträge und kann somit ihre Zwecke nachhaltiger verfolgen.

Im Gegensatz zu einer Spende sind Mittel, die zugestiftet werden, von der empfangenden Stiftung nicht zeitnah zu verwenden. Denn bei einer Zustiftung werden Vermögenswerte dem Stiftungsvermögen einer bereits bestehenden Stiftung dauerhaft zugeführt. Durch die damit verbundene Erhöhung des Stiftungsvermögens erzielt die Stiftung langfristig höhere Erträge und kann somit ihre Zwecke nachhaltiger verfolgen.

Zuzustiften ist in solchen Fällen sinnvoll, in denen sich jemand für einen bestimmten Zweck engagieren möchte, ihm aber der Gründungsaufwand einer eigenen Stiftung zu hoch ist. Durch eine Zustiftung erlangt der Zustifter in der Regel keinerlei Rechte. Steht er aber voll und ganz hinter der Arbeit und den Projekten der von ihm ausgewählten Stiftung, kann er mit wenig eigenem Aufwand gezielt und wirkungsvoll fördern. Viele Stiftungen hoffen auf Zustiftungen.

Professor Dr. Hans<br /> Fleisch©BVDS
Professor Dr. Hans
Fleisch©BVDS
"Ohne Stiftungen sähe Deutschland, gerade auch in den neuen Bundesländern, spürbar anders aus", sagt Professor Dr. Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Nach der Wende haben viele Stiftungen Mittel bereit gestellt, um den Nachholbedarf im Osten Deutschlands zumindest teilweise zu befriedigen. Mit zahllosen Projekten haben Stiftungen in den Bereichen Bildung, Kultur, Umweltschutz und im sozialen Sektor zur Annäherung der Lebensverhältnisse beigetragen. Vor allem der Umwelt- und der Denkmalschutz haben von privatem Engagement profitiert. Die ruinöse Situation vieler Denkmale und die erheblichen Umweltbelastungen erzeugten hohen Handlungsdruck. Auch die Aufarbeitung der DDR-Geschichte haben Stiftungen vielerorts initiiert.

In der DDR waren Stiftungen als private Einrichtungen weitgehend abgeschafft. Die meisten Stiftungen wurden unter der SED-Diktatur beseitigt oder so geschädigt, dass sie ihren satzungsgemäßen Auftrag nicht mehr erfüllen konnten. 20 Jahre nach dem Mauerfall sind die Narben in der Stiftungslandschaft noch erkennbar. Nur sechs Prozent der mehr als 16.500 rechtsfähigen Stiftungen befinden sich in den neuen Bundesländern. 2008 wurden 942 Stiftungen in den alten Bundesländer, aber nur 78 Stiftungen (6,3 Prozent) in den neuen Bundesländern (ohne Berlin) errichtet.

Solidität und Solidarität über Jahrhunderte hinweg

"Wenn es überhaupt eine wirklich nachhaltige Form der Vermögensanlage gibt, dann ist und bleibt das die Stiftung", betont Finanzexperte Arthur Tränkle. Manche Stiftungen haben Schicksalsstürmen getrotzt, gegen die die aktuelle Finanzkrise wie ein laues Frühlingslüftchen wirkt. "Vielen Menschen geht gerade in diesen Zeiten auf, dass bloßes Profitstreben eine der schlechtesten Vermögensstrategien ist, die man sich denken kann", erklärt Tränkle.

Fuggerei Augsburg<br />©Fuggerei
Fuggerei Augsburg
©Fuggerei
Und weiter: "Was hat etwa die Augsburger Fuggerei seit ihrer Gründung im Jahre 1521 durch Jakob Fugger, dem Reichen, nicht schon alles über sich ergehen lassen müssen? Den Dreißigjährigen Krieg ebenso wie zwei Weltkriege, diverse politische und weltanschauliche Umwälzungen, zusammenbrechende Wirtschaftskreisläufe. Und dennoch steht diese Mutter aller Stiftungen heute noch finanziell voll in Saft und Kraft: 488 Jahre nach ihrer Gründung versorgt die Fuggerei nach wie vor Menschen mit spottbilligem Wohnraum ? sofern die Wohnungsaspiranten unverschuldet in Not geraten und katholisch sind.

Schier unglaubliche finanzielle Beständigkeit ? im Extremfall sogar über Jahrhunderte hinweg ? ist eines der Hauptkennzeichen von Stiftungen, wie Arthur Tränkle ausführt: Jede Stiftung fußt auf einem Kapital-Grundstock, der nicht angetastet werden darf. Einzig und allein die überschüssigen Kapitalerträge werden für den eigentlichen Förderungszweck verbraucht.

Damit sei gewährleistet, dass das Grundkapital niemals verloren gehen könne; eine Eigenheit, die diese Form der Geldanlage von allen anderen unterscheide und hervorragend geeignet sei, ein bereits bestehendes Privat- oder Unternehmens-Vermögen dauerhaft vor dem Zerfall zu bewahren. Besonders für den Fall, dass direkte Erben oder Nachkommen fehlen, kann die Gründung einer Stiftung den Drohkulissen namens Kapitalschwund oder Firmenschließung einen zuverlässigen Riegel vorschieben. Und Vermögen, das in einer Stiftung angelegt wird, ist sogar Hartz-IV-sicher."

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