GoMoPa® - der Finanznachrichtendienst (www.gomopa.net) - Pressemeldung vom 09.02.2010

Berlin - Vom Straßenmusikanten zum Immobilienmillionär und zurück


Auf der Flucht vor Gläubigern war Berlin die letzte Zuflucht, sie wurde für ihn zur Goldgrube. Völlig abgebrannt und abgerissen kam Thomas Klinge (44) vor 8 Jahren nach Berlin und tingelte als Straßenmusikant von Kneipe zu Kneipe, um sich ein warmes Essen zu verdienen. 15 Millionen Euro soll der einstige Baulöwe in Braunschweig in den Sand gesetzt haben und tauchte in der Hauptstadt unter. Doch hier geschah das Unfassbare: Mit gierigen Gleichgesinnten und einer zündenden Abzock-Idee katapultierte sich Klinge beinahe über Nacht an die Spitze der Berliner Immobilien-Schickeria.

Nach wenigen Wochen fuhr der Musikant einen geleasten Bentley (5.000 Euro Monatsrate) und einen 6er BMW, dinierte im Ritz Carlton am Potsdamer Platz und saß bei der Berliner Rotlichtlegende, Immobilienkönig und Boxpromoter Klaus Speer (67, förderte Graciano Rocchigiano) in der ersten Reihe.

Seine Berliner Immobilien-Kundschaft hingegen landete da, wo Klinge angefangen hat: in der Insolvenz. Die von Klinge verkauften Wohnungen wurden reihenweise zwangsversteigert. Seine Opfer, mehrheitlich Polizisten, Lehrer, Krankenschwestern, Mitarbeiter der Caritas, Busfahrer der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und andere öffentliche Angestellte mit sicherem Einkommen, lockte er reihenweise in die Falle, indem er ihnen versprach, sie von ihren Privatkrediten meist zwischen 10.000 und 40.000 Euro und den hohen monatlichen Raten von 500 Euro zu erlösen.

Sie bräuchten nur eine Wohnung von ihm zu kaufen, dann hätten sie nur noch eine Monatsrate von 100 Euro zu zahlen und eine schöne Altersversorgung obendrein. Das Angebot klang einfach zu gut, um es abzulehnen: Klinge garantierte für drei Jahre die Miete, übernahm die Sanierung, bezahlte auch die Eigentümerrücklagen von mehreren Tausend Euro und sogar die Grunderwerbssteuer (3,5 Prozent auf den Kaufpreis) ans Finanzamt sowie die Notarkosten - so jedenfalls lauteten die Versprechungen.

"Lehnen Sie sich entspannt zurück. Es wird ALLES für Sie erledigt. Sie brauchen sich um nichts zu kümmern", wurden die Opfer geködert.

Die Beamten und Angestellten machten mit, ohne Klinge jemals persönlich gesehen zu haben. Eben so wenig, wie die gekauften Eigentumswohnungen. Wie sollten sie auch ahnen, dass die ihnen gezeigten Hochglanzprospekte gar nicht die Objekte sind, um die es geht, und wie konnten sie annehmen, dass es dem Immobilienhändler Klinge nur darum ging, in Berlin so viel Geld wie nur möglich einzusammeln und beiseite zu schaffen, ehe die Gläubiger und der Insolvenzverwalter aus Braunschweig auf sein neues Vermögen aufmerksam werden konnten.

Und das Geldrad drehte sich in schwindelerregender Schnelligkeit. Klinge fand sehr schnell in allen Berliner Stadtbezirken heruntergekommene Wohnungen, die kein Mensch kaufte. Je mehr Ratten im Haus (Genthiner Staße 4 in Tiergarten) oder je schlechter die Lage (direkt über Stadtautobahn wie in der Fregestraße 38 in Friedenau), desto weniger musste Klinge selbst investieren. Klinge machte im Durchschnitt 300 Prozent Gewinn pro Wohnung. Kredite brauchte er für die Ankäufe kaum. In der Glasgower Straße in Wedding verkaufte er beispielsweise eine Wohnung mit einem Gewinn von 200.000 Euro gleich am Tag des Ankaufs. In der Genthiner Straße 4 in Tiergarten kassierte Klinge für Wohnungen schon im Voraus 120.000 Euro pro 60-Quadratmeter-Wohnung, obwohl er die Wohnungen erst viel später vom Eigentümer für 36.000 Euro einkaufte.

Wie konnte Klinge aus dem Nichts so hoch stapeln?

Klinge fand in Berlin eine willige Szene vor, die seit Jahren als Schrott-Immobilienszene traurige Berühmtheit erlangt hatte. Bereits zu Hunderten wurden auch ohne Klinge überteuerte Wohnungen als Altersvorsorge-Modelle verkauft, bei denen die Vertriebskosten von 30 Prozent niemals durch Weiterverkauf oder durch Mieten wieder hereingeholt werden konnten. Und Berlin wäre nicht Berlin, wenn der redselige Tingel-Musiker mit seinem Spezialwissen aus Braunschweig in den Kneipen nicht auf gierige Ohren gestoßen wäre.

Klinge lernte einen Finanzvermittler von der Citibank kennen. Der hatte Einblicke auf Bankkonten von Beamten und wusste genau, welcher Polizist mit wie viel Kredit in der Kreide stand. Ein weiterer Mann, der Geschäftsführer eines Vertriebes war, hatte gute Beziehungen zu Banken und bekam jeden eingereichten Kreditantrag genehmigt. Die Bonitätsvoraussetzungen: Zur Hälfte ein sicheres Gehalt und zur anderen Hälfte der halbe Wiederverkaufswert einer Eigentumswohnung. Ein dritter Mann wiederum sprang Klinge mit einem Bankkonto und einer Kreditkarte als Strohmann zur Seite.

Und bei 300 Prozent Gewinn konnte Klinge bei den bereits durch die Schrottimmobilien-Geschäfte verwöhnten Berliner Vertrieben sogar noch eins drauf legen. Bei Klinge gab es statt 30 Prozent sogar 40 Prozent Provision. Das zog. Sofort legten sich Euro Finanz, Profithouse, SIC Schwaben und Swisskontor ins Zeug. Klinge kam mit dem Geldzählen kaum nach. Bei einem Umsatz von mehreren Millionen Euro im Jahre 2009 hätte er locker seinen Verpflichtungen gegenüber den Wohnungskäufern nachkommen können.

Ein mit dem Klinge-Geschäftsinterna vertrauter Wirtschaftsjurist rechnete gegenüber dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net vor, dass zum Jahresende 2009 nach Abzug aller Verbindlichkeiten mindestens immer noch für Klinge ein Gewinn von 400.000 Euro gestanden hätte.

Doch was sollte Klinge mit einem offiziellen Gewinn, den er versteuern oder noch schlimmer komplett dem Insolvenzverwalter aus Braunschweig übergeben müsste? Klinge entschied sich dafür, das schnelle Geld bei dem Berliner Immobilienkaufmann Konstantin Alwin Renner (46) zu investieren. Renner ist Geschäftsführer einer Etika SL mit Sitz im spanischen Marbella.

Renners jüngstes Projekt soll eine Villenanlage von zehn Häusern in Santa Eularia auf der Ferieninsel Ibiza sein. Klinge machte Renner im November 2009 zum Geschäftsführer seiner T. K. Immobilien GmbH. Klinge und Renner sollen aus der Firma das Geld abgzogen haben.

Der Wirtschaftsjurist sagte gegenüber GoMoPa.net: "Nach meinen Unterlagen haben Renner und Klinge durch geschickte Abtretungen und kräftige Geschäftsführergehälter rund eine Million Euro heraus geschleust. Von einer zweiten Klinge-Firma, der ISB Immobilienservice GmbH, konnten ebenfalls 2009 bei einem Geschäft in der Genthiner Straße 4 an Renner insgesamt 700.000 Euro abfließen."

Und das, obwohl Thomas Klinge allein bei der Berliner Volksbank 400.000 Euro Schulden hat und Klinge die Bank noch im Oktober 2009 mit Versprechungen auf baldige neue Wohnungsverkäufe hinhielt. Das Schreiben liegt GoMoPa.net vor.

Und die Betroffenen beginnen sich zu wehren. 30 Käufer von Klingewohnungen, die ihre unsanierten Wohnungen zwangsversteigern lassen mussten, weil sie die auf 1.000 Euro hochgeschossenen Kreditraten wegen fehlender Mieteinnahmen gar nicht bezahlen können, haben gegen Klinge Strafanzeigen wegen Betruges gestellt.

Eine davon ist Elenor Remus (48), Lehrerin für sprachgestörte Kinder aus Altlandsberg, Land Brandenburg. Sie versichert an Eides statt:

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