GoMoPa® - der Finanznachrichtendienst (www.gomopa.net) - Pressemeldung vom 24.09.2011

Gerd Niemöller - The Wall AG pleite


Gerd Niemöller (61) aus Schaffhausen,<br /> in der Schweiz © Energy Mission AG
Gerd Niemöller (61) aus Schaffhausen,
in der Schweiz © Energy Mission AG
Es klingt beinahe trutzig, wenn der aus Lübeck stammende Diplom-Ingenieur Gerd Niemöller (61) gegenüber dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net immer noch verspricht: "Gehen Sie davon aus, dass noch sehr viele Wabenhäuser gebaut werden ? mit meinen Maschinen!"

Seine Firma The Wall AG in Schaffhausen (Schweiz) musste genau wegen dieses bislang uneingehaltenen Versprechens vor kurzem Konkurs anmelden. Und die Staatsanwaltschaften in Düsseldorf und Kiel ermitteln gegen Niemöller wegen Betruges, Beihilfe und Untreue.

Niemöller hat vor drei Jahren die SwissCell-Paneele zum Patent angemeldet - eine in Harz getränkte Papierwabe, aus der man ein stabiles, wasserdichtes und feuerfestes Wohnhäuschen für unter 4.000 Euro bauen könnte.

In einer offiziellen Pressemitteilung im August 2009 verprach Niemöller, noch im selben Jahr 125.000 Kubikmeter Wabe mit einer eigenen Maschine zu produzieren.

Niemöller fand auch genügend Geldgeber für das Projekt. Seine Vertriebsfirma in Ratingen bei Düsseldorf überwies ihm zwei Jahre lang in monatlichen Raten insgesamt rund 3 Millionen Euro (verbrauchte allerdings auch selbst rund 4 Millionen Euro). Als der Vertrieb wissen wollte, was der Erfinder mit dem Geld gemacht habe und wo der Automat bleibe, warf Niemöller den Vertrieb im Juni 2010 raus und beschuldigte die Ratinger im Gegenzug, das Geld für teure Dienstreisen, Edelfüllfederhalter, Kunst, Luxus-Autos, überzogene Rechnungen und Provisionen verschwendet zu haben.

Convent Niemöller fand neue Geldgeber und stellte ihnen anschließend 3,6 Millionen Schweizer Franken (rund 3 Millionen Euro) für die Entwicklung zweier Wabenpressautomaten in Rechnung. Ohne wiederum einen Automaten zu liefern, den man dann, wie geplant, für 1,5 Millionen Euro pro Stück hätte verkaufen können (das Foto zeigt die inzwischen insolvente Wabentestproduktion in Kiel © TPH Swiss GmbH). Im Mai diesen Jahres rückten deshalb Polizei und Staatsanwaltschaft an, um seine Privat- und Geschäftsräume zu durchsuchen.

Die Firma The Wall AG, die im Jahre 2008 zur Finanzierung und Entwicklung der Wabenpresse gegründet wurde, sowie die parallel dazu in Kiel eingerichtete Produktionsfirma Technik-Pool-Holding (TPH) Swiss GmbH mussten vor wenigen Wochen in der Schweiz Konkurs und in Deutschland Insolvenz anmelden.

Mehr als 400 Aktionäre haben 8,5 Millionen Schweizer Franken (rund 7 Millionen Euro) verloren. Vier Ulmer Privatkreditgeber verloren zusätzlich 900.000 Euro. Die zur Geldbeschaffung und Vermarktung außerdem gegründete Consido AG in Schaffhausen hatte darüber hinaus von neuen Geldgebern 1,2 Millionen Euro in das Firmengeflecht von Niemöller gepumpt und kann nun dieses Geld abschreiben. Selbst der Patentanwalt bleibt am Ende auf einer offenen Honorarrechnung von 70.000 Euro sitzen.

Niemöller sieht sich selbst als Opfer

Mehrheitsaktionär Niemöller sieht sich allerdings nicht als Täter, sondern selbst als Opfer: "Ich war selber Aktionär und habe das Risiko mitgetragen, wie alle anderen auch", teilte er GoMoPa.net mit. Dass ihn mittlerweile 40 Aktionäre bei der Staatsanwaltschaft angezeigt haben sollen, wie GoMoPa.net vom bisherigen Verwaltungsrat der The Wall AG, PR-Manager Klaus Meumann aus Ulm, erfuhr, der Gerd Niemöller vor einem Dreivierteljahr abgelöst hat, verwunderte den Erfinder sogar. "Wenn es denn so sein sollte, bin ich sehr entspannt, denn ich habe mir strafrechtlich nie etwas zu Schulden kommen lassen", beteuerte Niemöller gegenüber GoMoPa.net.

Im Magazin Focus behauptete vorigen Monat Niemöllers Ex-Geschäftspartner Georges Müller, dass das im Jahre 2009 unter großem Presserummel vorgestellte erste Muster-Wabenhaus in Kiel nur ein Fake aus Schaumstoff gewesen sei.

Niemöller ist darüber empört. Niemöller: "Der Focus hält sich leider nicht, obwohl er es besser weiß, an die Fakten, Fakten, Fakten ? - zum Glück weiß ich, dass Ihre Berichterstattung fairer sein wird."

"Alles kein Problem"

GoMoPa.net liegen Dokumente vor, in denen sich einer der Kreditgeber aus Ulm daran erinnert, wie es noch im vorigen Jahr in der Kieler Produktionsstätte bei Niemöller zuging, dessen Standardspruch gewesen sei: "Alles kein Problem".

Der Kreditgeber half dem Ingenieur als PR-Profi auch persönlich und bezog für drei bis fünf Tage in der Woche ein Sechs-Quadratmeter-Zimmer über der Maschinentüftlerwerkstatt in Kiel. Er berichtete den anderen Geldgebern: "Das Telefon steht nicht still, es kommen endlos Interessierte mit Projekten in der ganzen Welt und wollen kaufen."

Das Bahrain-Haus - keine reale Statikberechnung

Die Ulmer Kreditgeber hatten im Jahre 2010 nur deshalb Niemöller unter die Arme gegriffen und ihn nach dem Rauswurf seines Vertriebes vor der Insolvenz bewahrt, weil sie eigentlich ein Mädchenhaus in Afrika spenden wollten und dann aber zufällig auf das Super-Papierhaus von Niemöller gestoßen sind, mit dem man weltweit ganze Slumgebiete bestücken könnte, so auch in Bahrain.

Die Investoren reisten mit Niemöller vom 5. bis 7. April 2010 nach Bahrain. Eine dortige Firma war bereit, das Haus mit Niemöllers Wabenpresse vor Ort zu bauen und zu vertreiben. Allerdings wünschte man sich eine zweistöckige Variante.

Niemöller sagte auch dafür die Entwicklung einer Maschine bis Juni 2010 zu. Sogar der Tante des Kronprinzen von Bahrain, der die Baufirma gehört, habe Niemöller persönlich versprochen: "Alles kein Problem und direkt umsetzbar."

Das neue Geld aus Ulm sprudelte. Und in Bahrain plante man schon eine Einweihungsfeier mit 30 Leuten auf dem Hausdach. Bahrain forderte dafür ein Musterhaus in Bahrain zum Anfassen, das in einer großen Presse-Aktion den jeweiligen angrenzenden Staaten vorgestellt werden sollte. Die Kreditgeber aus Ulm beauftragten Niemöller, ein Musterhaus nach Vorgabe der Bauplanung aus Bahrain zu bauen und zahlten an Niemöller nach eigenen Angaben 80.000 Euro für den Bau des Musterhauses.

Convent Dazu sollte es nicht kommen. Klaus Meumann (Foto © Meumann) schätzt mit dem Wissenstand von heute ein: "Das Haus war eine völlige Fehlkonstruktion. Falsches Holz wurde benutzt, es war kaum aufzubauen; Menschen in das Haus zu lassen, wäre grob fahrlässig und lebensgefährlich gewesen."

GoMoPa.net liegen eidesstattliche Versicherungen von Ex-Mitarbeitern aus Kiel vor, nach denen das Haus unter der Last der Einweihungsgäste zusammengebrochen wäre, hätte man es nach Niemöllers Vorgaben gebaut. Es habe nie eine realistische Statikberechnung gegeben.

Michael Lange und Eberhard Hoffmann aus Schönberg erklärten am 17. November 2010 unter anderem an Eides statt:

Zitat:


Diese Konstruktion wurde mit dem Statiker Diplomingenieur Gerd Müller besprochen. Da dieser aber immer noch starke Bedenken äußerte, hat Herr Gerhard Niemöller uns angewiesen, Diplomingenieur Gerd Müller eine Statik erstellen zu lassen, die aussagt, was die Wände tragen müssten. Den Nachweis, dass die SwissCell-Wände diese Lasten aufnehmen können, würde Herr Gerhard Niemöller dann erbringen. Wie er das machen wollte, ist bis heute sowohl für den Statiker Diplomingenieur Gerd Müller als auch uns völlig unklar.

Für die Wände gibt es bis heute keine statische Berechnung!

Das Bahrain-Haus würde nach heutigem Stand nicht sicher stehen bleiben!
Wir hätten es so auch nicht aufgebaut!
Wir raten ausdrücklich, das Bahrain-Haus nicht aufzubauen.


Das Projekt "Bahrainhaus" starb genauso wie die anderen Hausprojekte in Südafrika, Nigeria, Haiti, Dominikanische Republik, USA oder Oman.

Auf Druck der Investoren gab Niemöller seinen Posten als Verwaltungsratspräsident auf. Der neueingesetzte Chef Klaus Meumann erklärte gegenüber GoMoPa.net: "Wir entschlossen uns, den Wabenpressautomaten nun von der Maschinenbau Bühler AG aus Uzwil bauen zu lassen. Die Bühler AG schlug 4 Ingenieurbüros vor, die prüfen sollten, was an unserer Maschine gemacht werden könnte, damit sie von der Bühler AG zuende gebaut werden kann."

Vernichtendes Urteil über Niemöllers Wabenpresse

Meumann weiter: "Wir entschieden uns für das Züricher Ingenieurbüro Helbling Technik AG. Das Urteil des Büros fiel vernichtend aus. Wir sollten die von Niemöller bislang entwickelte Wabenpresse ins Museum stellen. Sie sei für die Produktion einer größeren Menge an Waben unbrauchbar. Es bringe nichts, daran weiter zu tüfteln, sie sei im Kern unbrauchbar. Man müsste eine neue Maschine entwickeln.

Für eine neue Maschine hätten wir etwa 600.000 Schweizer Franken (rund 491.000 Euro) Entwicklungskosten gebraucht und zirka 300.000 Schweizer Franken (rund 246.000 Euro) zum Bau eines Vorserienprototypen. Die Sanierung der Wall AG hätte noch einmal 1,1 Millionen Schweizer Franken (900.000 Euro) gekostet. Aber keiner der Investoren war bereit, noch einmal so viel Geld nachzuschießen. Die Wall AG war praktisch am Ende."

Die Helbling Technik AG warnte in ihrem Zwischenbericht am 8. April 2011: Es bestehe Quetsch-, Stoss-, Stolper- und Verbrennungsgefahr für das Bedienpersonal. Es trete Formaldehydqualm aus. Werkzeuge könnten nicht gereinigt werden. Die Ölleitungen seien schlecht gekoppelt und würden viel zu heiß. Auch die Steuerunskomponenten würden überhitzen.

GoMoPa.net fragte Gerd Niemöller: Was sagen Sie zu dem vernichtenden Urteil des Schweizer Ingenieurbüros, dass Ihre Maschine zur Produktion eines Wabenhauses in der vorgesehenen Stückzahl von 1.200 Häusern im Jahr niemals hätte funktionieren können?

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