GoMoPa® - der Finanznachrichtendienst (www.gomopa.net) - Pressemeldung vom 11.10.2011

Börsenmanipulation: So wurden 21 Firmen zum Opfer


21 Unternehmen wurden zum Spielball einer Bande von etwa 30 Finanzjournalisten und Börsenbrief-Herausgebern, die durch gezielte Marktmanipulation und Insidergeschäften zwischen Juni 2005 und April 2010 einen Reibach von 17 Millionen Euro gemacht haben sollen, wie der Finanznachrichtendienst GoMoPa.net aus zuverlässiger Quelle erfuhr. Am 21. September 2010 waren nach vierjähriger Ermittlungsarbeit der Staatsanwaltschaft München 85 Büros und Wohnungen in Deutschland und Österreich durchsucht worden - die bislang größte Razzia gegen illegale Kursmanipulationen in Deutschland.

Gegen die vier in Untersuchungshaft genommenen Hauptbeschuldigten, den mutmaßlichen Drahtzieher Tobias Bosler (derboersendienst.de) aus München, die einstigen Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) aus München Markus Straub und Christoph Öfele sowie den Börsenbriefe-Herausgeber Stefan Fiebach (Small Cap Scout, Börsengeflüster, International Stock Picker, Turboaktien) ist Anfang September 2011 Anklage erhoben wurden. Die Anklageschrift umfasst 342 Seiten, die Ermittlungsakte 50 Leitzordner.

Zur Bande sollen auch der zum 1. Oktober 2011 entlassene Gründer und Vorstand der VEM (Virtuelles Emissionshaus) Aktienbank AG aus München, Dr. Andreas Jochen Beyer (42), die ehemaligen Ressortleiter von Börse online Georg Breu (41) und Günter Pollersbeck (38) sowie der Ex-Focus-Money-Mitarbeiter Oliver Janich, zugleich Bundesvorsitzender der am 30. Mai 2009 gegründeten Partei der Vernunft für Freiheit und Bürgerrecht mit Sitz in Hilzingen in Baden-Württemberg, gehört haben (GoMoPa.net berichtete).

Doch welche Firmen sind betroffen, und wieso konnte die Bande so erfolgreich deren Aktienkurse manipulieren?

Betroffen sind: Splendid Medien AG, Medec Ltd., TIPTEL AG, Barnabus, Hucke, 3S Swiss Solar Systems AG, New Value AG, conVISUAL AG, PetroHunter Energy Corp., Solar Millenium AG, Rubincon Ventures, CineMedia Film AG Geyer-Werke Inhaber-Aktien o. N., Berentzen-Gruppe AG, NascaCell Technologies AG, Solar EnerTech Corporation, Thielert, Metrodome Group PLC Registered Shares, Dolphin Capital AG, Conergy AG, Life Jack AG und Wirecard AG.

Bei drei Unternehmen liegt die Antwort auf der Hand: Der Grasbrunner Finanzdienstleister Wirecard, der globale Öl- und Gasförderer PetroHunter Energy Corporation aus Denver (USA) und das Biotech-Unternehmen NascaCell aus München (im letzten Jahr liquidiert) haben eines gemeinsam: Sie hatten ihre Börsengänge in die Hände der VEM AG gelegt, ohne zu ahnen, dass der damalige Vorstand Beyer mutmaßlich auf Kurse wetten würde, die er zuvor über sein Netzwerk manipuliert haben soll.

Und die anderen 18 Unternehmen?

Conergy-Mitarbeiter hatten Vertrauliches ausgeplaudert

Der Rechte- und Lizenzhändler für Erneuerbare Energien Conergy AG aus Hamburg hatte das Pech, dass einige Mitarbeiter von Conergy leider Kontakte zu dem schillernden Vermögensberater und Lebemann Tobias Bosler pflegten. Über diese Kontakte soll Bosler im Jahre 2007 von einer bevorstehenden Gewinnwarnung erfahren haben. Noch ehe die Gewinnwarnung verkündet wurde, hätten Bosler, Ex-Banker Beyer, Börsenguru Fiebach, der Fondsmanager der Bank Sal. Oppenheim Cengizhan Güclü Sen und Boslers Mitarbeiter Wolfgang Bernd Wagner auf Put-Optionen der Aktien von Conergy AG gesetzt, bei der man nur einen Gewinn einfährt, wenn die Aktien zu dem angegebenen Termin auch wirklich fallen. Die Insiderhändler sollen insgesamt einen Reingewinn von 1,1 Millionen Euro eingefahren haben.

Splendid Medien, TIPTEL, Solar Millenium und CineMedia - guter Name, aber kein Auf und Ab an der Börse

Die bereits an der Börse gehandelten Firmen Splendid Medien AG, TIPTEL, Solar Millenium und CineMedia hatten einfach nur Pech, dass sie an der Börse keine Kurskapriolen schossen, an denen man gut verdienen konnte. Bosler und Fiebach wussten Abhilfe.

Im Fall der Splendid Medien AG aus Köln (vermarktet TV-Serien und synchronisiert Filme) kaufte Bosler für sein VEM Aktienbank AG Depot vom Frühjahr bis zum 6. Juni 2005 zwei Mal 790.000 Aktien zum damaligen Kurs von 1,01 Euro (heute steht die Aktie bei 1,33 Euro).

Am 4. Juli 2005 verkaufte Bosler dann mit einem Schlag 1,58 Millionen Aktien der Splendid zum Kurs von damals 2,14 Euro. Bosler machte dadurch einen Reingewinn von rund 1,8 Millionen Euro (ohne Berücksichtigung von Steuern und Gebühren).

Das wäre nicht möglich gewesen, wenn zum Beispiel nicht Joachim Joe Brunner aus Österreich (verantwortlich für die Börsenbriefe Smallcap Investor, FIRST FOCUS-Independent Research und diverse Veröffentlichungen und Verbreitungen über www.ir-world.com) am 23. Juni 2005 in seinem Smallcap Investor einen Anstieg der Splendid-Aktie von 2,50 bis 3 Euro vorausgesagt hätte. Am 27. Juni 2005 heizte Brunner die Aktie noch einmal an, diesmal im FIRST FOCUS-Independed Research. Brunner gab dort für die Aktie ein 6-Monats-Kursziel von 2,75 Euro heraus. Viele Anleger glaubten ihm und kauften die Aktien - sehr zur Freude von Bosler, der seine gehorteten Aktien nun gut abstoßen konnte.

Bosler sei nicht undankbar gewesen. Es liegen konkrete Anhaltspunkte dafür vor, dass Bosler an Brunner 6.850 Euro für dessen Empfehlungen gezahlt haben soll.

Im Fall der TIPTEL AG (Telefonhersteller aus Ratingen bei Düsseldorf, der am 1. Juli 2007 wegen Insolvenz liquidiert wurde) lief es ähnlich. Der Aktienverlauf zeigte im Jahre 2005 kaum Aktivität. Bosler kaufte für sein VEM Depot jedoch am 3. August 2005 100.000 Aktien und noch einmal 200.000 Stück am 10. August 2005 zum damaligen Preis von 1,41 Euro. Am nächsten Tag, als die Aktie für kurze Zeit auf 1,91 Euro geklettert war, verkaufte Bosler sein TIPTEL-Paket für 573.000 Euro. Der Gewinn aus dem schnellen Geschäft betrug 150.000 Euro.

Hilfe soll Bosler von vier Journalisten aus seiner Manipulationsbande gehabt haben. Der jetzt mitangeklagte Fiebach habe am 9. August 2005 in seinem Börsenbrief Small Cap Scout ein Kursziel von 5,50 Euro für die schwächelnde TIPTEL-Aktie ausgegeben. Am selben Tag verbreiteten Christian Jüptner und Rupert Stöger (Geschäftsführer) in ihrem Performaxx - Dem Anlegerbrief aus München, dass die Marke von 2 Euro überwunden werden sollte. Der mutmaßlich ebenfalls zur Bande gehörende Gerd Weger soll die beiden Empfehlungen in seinem Börsenblog auf dem Axel-Springer-AG-Portal Finanzen.net eingestellt haben.

So ähnlich ging es mit der Solar Millenium AG aus Erlangen in Bayern (Hersteller solarthermischer Kraftwerke) und der CineMedia Film AG aus Grünwald in Bayern zu.

Bei der Solar Millenium habe der angeklagte Straub mit Aktiengeschäften 3.000 Euro verdient und der angeklagte Fiebach gar 817.000 Euro. Gepusht hätten hier vom Februar 2006 bis Februar 2007 Jüptner und Stöger im Performaxx, Oliver Janich im Focus Money, Weger auf Finanzen.net und Robert F. Burschik als Chefredakteur im Börsenbrief ExtraChancen.

Mit 10.240 Aktien der CineMedia AG erzielte Fiebach vom 3. April bis 10. Mai 2006 einen schnellen Gewinn von rund 5.000 Euro, bei Veräußerungserlösen von rund 21.000 Euro. Fiebach selbst empfahl in der Ausgabe vom 3. April 2006 seines Börsenbriefes International Stock Picker den Kauf von Aktien der CineMedia. Der mutmaßlich zur Bande gehörende Burschik hatte die CineMedia-Aktie außerdem in das in seinem Börsenbrief Swiss Trading veröffentlichte "Musterdepot" aufgenommen.

Bei Berentzen war es einfach nur Rache für Verluste

... Fortsetzung » lesen.

 



Um diese GoMoPa® - Meldung vollständig lesen zu können, müssen Sie mindestens registriertes GoMoPa® Mitglied sein. Jetzt registrieren.


Sollten Sie bereits registriert sein, loggen Sie sich bitte jetzt ein:

Benutzername:
Zugangsdaten vergessen?
Passwort:
Registrieren?
 



 

Pressemitteilungen zum Thema
» VEM Aktienbank: Geschasster Dr. Beyer sieht sich als Opfer
» VEM Aktienbank AG: Börsenspekulation mit System
» VEM Aktienbank AG in Wirecard-Manipulation verstrickt?
» Gruner+Jahr: Die Manipulationen eines Verlages
» EthikBank: Klaus Euler in den Fängen von Gruner+Jahr?
» Gruner+Jahr: Der andere Anlegerschutz der Renate Daum
» BÖRSE ONLINE: Ehemalige Ressortchefs sollen Aktien manipuliert haben
» Markus Frick: Börsentipps verbrannten 760 Millionen Euro
» Hausdurchsuchungen wegen Wirecard-Marktmanipulation
» Die Gier der Aktionärsschützer

Beiträge zum Thema
» Andreas Jochen Beyer - Insidergeschäfte und Aktienmanipulation?
» VEM Aktienbank und die Empfehlungen
» Journalisten der Qualitätspresse manipulieren Nebenwerte?
» Schutzgemeinschaften und Aktionärsschützer

Kategorien zum Thema
» Nachrichten & Meldungen
» Erfahrungen mit Banken
» Private: HINTERGRUENDE
» Wer kennt, was meint Ihr dazu?

 

Copyright 2000 - 2017 by Goldman, Morgenstern & Partners LLC - GoMoPa® - der Finanznachrichtendienst (www.gomopa.net)