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Presse-Echo


24.05.2019
Das Sylter Immobilienkomplott

Baugrundstücke mit Meerblick sind auf der Nordseeinsel Sylt knapp. Das ist schlecht fürs Geschäft von Bauträgern, Banken, Beratern, Gutachtern und Immobilienmaklern.

» Die VR Bank Nord eG aus Flensburg (ehemals VR Bank eG, Niebüll),

» Gutachter Hanswerner Nebbe aus Schobüll,

» Finanzberater Herwig Kaeshage aus Fuhlendorf und die Rees Treuhand GmbH aus Henstedt-Ulzburg und

 Makler Herman Densch © D&S
Makler Herman Densch © D&S
» Makler Herman Densch mit der Flensburger Immobilienfirma Densch & Schmidt auf Sylt

sollen sich nach einem Bericht "Die dubiosen Immobiliengeschäfte auf Sylt" des WDR DIE STORY zusammengerauft haben, um mit einer angeblich üblen Masche doch noch an begehrte Grundstücke heranzukommen und diese dann marktgerecht zu filetieren und zu verhökern.

Für die Staatsanwaltschaft Flensburg war das trotz Anzeige kein Grund einzugreifen. Alles legal.

Makler Herman Densch musste sich lediglich im mutmasslichen Zusammenspiel mit dem einstigen Direktor der Nord-Ostsee Sparkasse aus Flensburg Frerichs Eilts (69) aus Flensburg wegen Beihilfe zur Untreue und Bestechung im Jahr 2010 vor dem Landgericht Kiel verantworten, wie GoMoPa berichtete.

Bereits in einem früheren Verfahren hatte die Staatsanwaltschaft Kiel im Februar 2009 gegen Herman Densch wegen Verstoßes gegen das Kreditwesengesetz einen Strafbefehl über eine erhebliche Geldstrafe erwirkt, erfuhr GoMoPa vom Sprecher der Kieler Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Manfred Schulze-Ziffer.

Das Hamburger Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL berichtete am 15. März 2010 über Makler Densch:

Zitat:


Densch fiel den Beamten zunächst aufgrund zweifelhafter Kreditgeschäfte auf.

Der Makler vergab erhebliche Darlehen an klamme Kunden, freilich ohne entsprechende Banklizenz, wofür Densch später eine Geldstrafe kassierte.

Ab November 2006 rückten Beamte deshalb mehrmals bei ihm zur Durchsuchung an. Auf diese Weise fanden sie weit mehr brisantes Material, als sie erwartet hatten.


Densch bestritt gegenüber GoMoPa alle Vorwürfe.

In zwei Fälllen soll sein neues Sylter Immobilienkomplott dieses Mal mit der VR Bank Nord eG, Flensburg (vormals VR Bank eG, Niebüll) bereits Erfolg gehabt und zwei alteingesessene Geschäftsleute von ihren Sylter Grundstücken vertrieben haben.

Früher war es nur das Meer, gegen das die Bewohner von Sylt ihre Insel verteidigen mussten, wie das Berlin Journal berichtete. Über Generationen kämpften sie mit der See um das knappe Land.

Inzwischen kämpfen sie wieder. Und verlieren immer häufiger. Verlieren ihre Wohnungen und ihre Häuser. Nicht an die See, sondern an Immobilienfirmen vom Festland.

Sylt ist ein Millionenmarkt. Jedes Haus, jedes Stück Land verspricht, den Verkäufer reich zu machen. Die Methoden, mit denen um die begehrten Immobilien gekämpft wird, sind nicht immer die feinsten.

1. Fall: die Vertreibung der Hotel-Gestüts-Geschäftsfrau Dagmar Moritzen

Dagmar Moritzen aus Risum-Lindholm ist eine ehemalige Sylter Hotelbesitzerin, die sich von angeblichen Beratern und Bankern um ihren Besitz gebracht sieht.

Dagmar Moritzen war einmal eine erfolgreiche Unternehmerin auf Sylt. Sie besaß 5 Millionen Euro, führte hier zwei eigene Hotels und hatte ein Gestüt mit Zuchtpferden. Jetzt hat sie nichts mehr und lebt vom Staat.

Eine Immobilienfirma hat das eine Hotel ersteigert, abgerissen und auf dem wertvollen Grundstück Apartments gebaut.

Das andere Hotel gehört heute der Tochter des Mannes, der mal Dagmar Moritzens Finanzberater war.

Dagmar Moritzens Geschichte auf Sylt begann im Jahr 1970 auf einem Campingplatz. Den hatte sie von der kleinen Sylter Gemeinde Rantum gepachtet und führte ihn mit Erfolg. Der Campingplatz lief so gut, dass Moritzen vier Jahre später ihr erstes Hotel kaufen konnte. Den Westfalen Hof.

Und weil auch hier die Urlauber kamen, expandierte Dagmar Moritzen 1986 noch einmal. Wieder ein Hotel direkt am Strand. Und auch bei der Namenswahl bleibt sie sich treu. Nach dem Westfalen Hof das Hotel Westfalen.

Zehn Jahre später kaufte Moritzen einen ehemaligen Kuhstall. Hier erfüllte sie sich einen Traum. Ein eigenes Gestüt. Mit eigenen Pferden und eigener Reithalle.

Dagmar Moritzen:

Zitat:


Wir haben gezüchtet. Wir haben aufgezogen. Wir haben ausgebildet. Wir haben die Pferde auf Turnieren vorgestellt, so lange wir das konnten mit meiner Bereiterin. Und dann haben wir die Pferde zu den großen Sportlern gegeben, die dann die Pferde in den großen Sport geritten hatten, um sie dann für gutes Geld zu verkaufen.


Ihr Prachthengst hieß Rio de Nero. Einer, der Turniere gewann und Preisgelder brachte.

Dagmar Moritzens Leben war eine Erfolgsgeschichte. Bis sie abstürzte. Oder, wie sie es sagt: Bis andere sie stürzten.

Dagmar Moritzen:

Zitat:


Ich lebe heute in einer Sozialwohnung. Ich kriege Sozialhilfe. Und muss sehen, wie ich damit über die Runden komme.


Der Sturz begann im Jahr 2003.

Die Volks- und Raiffeisenbank in Niebüll, sie war Moritzens Hausbank, verlangte ein Gutachten, um den Wert ihres Besitzes neu zu schätzen.

Dagmar Moritzen hatte ihre Grundstücke immer als Sicherheit für all ihre Kredite angegeben. Die Volksbank sorgte sich wohl, sie stecke zuviel Geld in die Pferde und zu wenig in die Hotels.

Dagmar Moritzen:

Zitat:


Ich hatte immer vorübergehend ein Darlehen für meine Geschäfte. Dieses Darlehen von 600.000 Euro, was ich bei der VR Bank hatte, das war abgesichert mit über 3 Millionen Euro.


Der Gutachter von der IHK Flensburg Diplomingenieur Hanswerner Nebbe aus Schobüll kam, prüfte und attestierte überraschend: Das Land, auf dem Dagmar Moritzen ihre Hotels gebaut hatte, sei nur halb so viel wert, wie bislang angenommen. Nur 1,2 Millionen Euro statt 3 Millionen Euro.

Damit fiel Moritzens Finanzplanung urplötzlich in sich zusammen.

Dagmar Moritzen:

Zitat:


Also ich war entsetzt, als ich die Gutachten gesehen habe, die das Amtsgericht Niebüll in Auftrag gegeben hat. In diesen Gutachten hatten die Häuser nur noch einen Wert von 50 Prozent.


Wie kam Gutachter Nebbe zu seinem Ergebnis? Wieso korrigierte er den Wert der Grundstücke so drastisch nach unten?

Nebbe sagt, er habe die Summe nach Angaben des Kreises Nordfriesland geschätzt.

Beim Kreis weiß man allerdings nichts von gesunkenen Grundstückspreisen auf Sylt.

Hans-Martin Slopionka, Sprecher Kreis Nordfriesland:

Zitat:


Wir stellen fest, insbesondere auf Sylt, dass wir seit 2002 einen Anstieg der Grundstückspreise hatten. Und seit 2005 hat es noch mal einen erheblichen Anstieg gegeben. Insbesondere von 2006 auf 2007 (...) haben wir festgestellt, dass sich die Bodenpreiese um ungefähr 82 Prozent erhöht haben innerhalb eines einzigen Jahres.


Dagmar Moritzen lässt ihre Sylter Geschäftsunterlagen von einer staatich anerkannten Steuerberaterin prüfen.

Auch Ute Kaufhold kann nicht nachvollziehen, wie der Gutachter Nebbe zu seinem Ergebnis kam:

Zitat:


Dieser Sachverständige fertigte Gutachten, die mindestens 1,6 Millionen Euro, geringfügig geschätzt, unter dem tatsächlichen Verkehrswert liegen.

Der Gutachter sagte, nein, er könne diese Gutachten auf keinen Fall ändern. Die Werte auf Sylt und Immobilienwerte wären drastisch gesunken, was bis zum heutigen Tag nicht bestätigt worden ist.


Erst später wird Gutachter Hanswerner Nebbe einräumen, dass er den Wert der Grundstücke zu niedrig angesetzt hatte. Und das Gutachten nach oben korrigieren.

Die Bank aber rechnete weiterhin mit dem alten Gutachten. Für die Bank galt: Die Grundstücke sind plötzlich nur noch die Hälfte wert.

Weil aber Dagmar Moritzen für ihre Kredite jetzt keine ausreichenden Sicherheiten mehr hatte, verlangte die Volksbank, dass von nun an ein Finanzberater ihre Geschäfte mitführte.

Gutachter Nebbe empfahl einen Berater.

Er heißt Herwig Kaesehage und kommt vom Festland aus der kleinen Stadt Fuhlendorf. Kaesehage war zu dem Zeitpunkt Angestellter der Rees Treuhand GmbH aus dem Birkenhof 68 in Henstedt-Ulzburg, die mehrheitlich (66,67 Prozent) seiner Tochter Elena Rees-Kaeshage aus Henstedt-Ulzburg gehört. Diese GmbH wurde am 26. Juli 2004 gegründet. War das schon die Vorarbeit für den Niedergang von Dagmar Moritzen?

Ob Zufall oder nicht:

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