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Presse-Echo


27.02.2020
Erneut Razzia im Vatikan - Papst Franziskus kurz vor der Pleite?

ConventSeit 2013 an der Macht in Rom: Papst Franziskus (83). Laut seinem Antikorruptionsausschuss sollen aus seinem einstigen 650 Millionen Euro Spendentopf 500 Millionen Euro für unlautere Geschäfte verschwunden sein © Pressefotos Papst, L Osservatore Romano, Vatican.Va Papst Franziskus, ein 83jähriger Jesuit aus Argentien, ist seit 2013 im Amt und verfügte noch 2014 über einen nicht im offiziellen Haushalt des Vatikans aufgeführten Finanztopf von 650 Millionen Euro, dem sogenannten Peterspfennig.

Dieser Finanztopf des vatikanischen Staatssekretariats enthält laut einem Bericht des italienischen Magazins "L'Espresso", das aus Unterlagen der vatikanischen Staatsanwaltschaft zitiert, hauptsächlich Spenden von katholischen Gläubigen. Die Gelder sind allein für karitative Zwecke und für die Unterstützung der römischen Kurie (Gesamtheit der päpstlichen Behörden und die diplomatische Vertretung Heiliger Stuhl) bestimmt.

Doch aus dem unverbuchtem Spendentopf sei laut vatikanischer Staatsanwaltschaft ein dreistelliger Millionenbetrag für Immobilienspekulationen in London missbraucht worden, die 2014 begannen und vollkommen missglückten.

ConventGiudizio universale - Das jüngst Gericht. In seinem neuesten Buch, das am 21. Oktoboer 2019 auf Italienisch erschienen ist, belegt der italienische Enthüllungsjournalist Gianluigi Nuzzi anhand von 3.000 ausgewerteten Dokumenten, dass der Vatikan in Rom kurz vor der Pleite stehen würde © Amazon.de / Twitter.com/GianluigiNuzzi Daher durchsuchten vatikanische Gendarmen am 1. Oktober 2019 in einer ersten Razzia mehrere Büros der Ersten Sektion des Staatssekretariats und Räume der Finanzaufsicht AIF. Fünf Personen wurden vom Dienst suspendiert.

Der damalige Innenresortchef Angelo Becciu (71), inzwischen zum Kardinal und Leiter für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse befördert, wies am 17. Februar 2020 kurz nach Eröffnung des vatikanischen Justizjahres die Vorwürfe zurück:

Es seien keine Spendengelder für unlautere Spekulationen eingesetzt worden, versicherte er gegenüber italienischen Medien. Das Immobilieninvestment in London habe er für eine "gute Gelegenheit" gehalten. Auch seine Mitarbeiter habe er als "ehrliche Menschen" kennengelernt. Er sei zuversichtlich, dass die Justiz alles aufklären werde, so der Geistliche.

Doch der Vatikan weitete seine Ermittlungen wegen dubioser Finanztransaktionen in den eigenen Reihen aus.

Schon einen Tag später, am 18. Februar 2020, ließ die vatikanische Staatsanwaltschaft die Büro- und Privaträume von Prälat Alberto Perlasca (59) durchsuchen. Dabei seien Dokumente und Computer des ehemaligen Verwaltungsleiters der Ersten Abteilung im Staatssekretariat beschlagnahmt worden, hieß es in einer Mitteilung.

Es ging immer noch um den Immobilienfall London.

Unter Leitung von Angelo Becciu hatte das Staatssekretariat 2014 dem italienischen Finanzier Raffaele Mincione eine hohe Geldsumme anvertraut; als sich zeigte, dass das Geschäft keinen Erfolg bringt, versuchte Beccius Nachfolger Edgar Pena Parra das Investment zu retten.

Die Affäre um die Londoner Immobilie brach demnach auf, als das Staatssekretariat angeblich eine Hypothek auf dem 17.000-Quadratmeter-Komplex mit 150 Millionen Euro abzulösen versuchte, um noch höhere Verluste zu vermeiden. Daraufhin schalteten sowohl die Vatikanbank IOR, die das Geld vorstrecken sollte, als auch das Antikorruptionsbüro die vatikanische Staatsanwaltschaft ein.

Der amtierende Antikorruptionsbeauftragte und Buchprüfer des Vatikans, Alessandro Cassinis, soll den Verdacht schwerwiegender missbräuchlicher Mittelverwendung, Korruption und Vorteilsgewährung angezeigt haben.

Der Vatikan selbst teilte offiziell zur ersten Razzai nur mit, dass am 1. Oktober 2019 Büros im Staatssekretariat und bei der vatikanischen Finanzaufsicht durchsucht und Unterlagen sowie Computer beschlagnahmt worden seien.

Laut Antikorruptionsbüro sollen die London-Immobilien-Spekulationen nur die Spitze des Eisbergs gewesen sein.

Insgesamt sollen nach Angaben der Antikorruptionsbüros 500 Millionen Euro in irreguläre Geschäfte geflossen sein. Unter anderem soll der Vatikan nach Recherche des "Espresso" 250 Millionen US-Dollar (227,12 Millionen Euro) in einer Ölplattform vor der Küste Angolas zweckwidrig investiert haben. In das Geschäft war auch der italienische Ölkonzern ENI sowie die Gesellschaft Falcon Oil des afrikanischen Finanziers Antonio Mosquito verwickelt.

Laut dem italienischen Enthüllungsjournalisten Gianluigi Nuzzi müsse Papst Franziskus möglicherweise 2023 Insolvenz anmelden.

Nuzzi habe 3.000 angebliche Geheimdokumente der vatikanischen Finanzbehörden auswerten können, die er aus internen Vatikanquellen erhielt. Die Ergebnisse hat er nur wenige Tage nach der ersten Spendenmissbrauchs-Razzia am 21. Oktober 2019 in seinem neuen Buch "Giudizia universale" (Das jüngste Gericht) in italienischer Sprache veröffentlicht.

Zahlungsunfähigkeit und Bankrott sieht der vatikanische Wirtschaftsrat demnach als akute Gefahr für den Kirchenstaat:

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