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Presse-Echo


11.03.2021
Schweizer HYGH AG: Die Token als Security Token (STO) zu verkaufen, war wohl ein Fehler

ConventImpfkampagne der Bundesregierung in Schaukästen der HYGH AG am Berliner Kurfürstendamm © Pressefoto HYGH AG Im Jahr 2018 sind die drei Berliner Fritz Frey (24), Antonius Paul Link (25), Vincent-Alexander Müller (26) und der Schweizer Daniel Biesuz (42) aus Zürich mit ihrer Schweizer Werbe-Firma HYGH AG aus Zug und Niederlassung in Berlin angetreten, den beiden deutschen Platzhirschen Ströer und Wall das Fürchten zu lehren.

Mit ersten Erfolgen. Im Februar 2021 konnte man in 30 Premium-Vitrinen am Berliner Kursfürstendamm (eine kostet ab 25 Euro pro Tag) Werbung der Bundesregierung zur Corona-Impfkampagne "Oma zuerst" bestaunen.

Für die von der Agentur Scholz & Friends im Dezember 2020 entwickelte Kampagne stand ein Mediabudget von insgesamt 25 Millionen Euro zur Verfügung. Ein paar Krümel gingen auch an das Berliner Startup.

Und Fritz Frey verkündete in einer Presseausssendung anfang Februar 2021:

Zitat:


HYGH rollt den Markt auf: Der digitale Außenwerber verfünffacht sein Netzwerk...

2021 wird nun das Jahr der Expansion. Wir verfünffachen unsere Reichweite und rollen unser Netzwerk deutschlandweit aus.

Unsere namhaften Kunden wie N26, Fritz Kola, About You!, Netflix oder der Bäcker und Buchladen um die Ecke erhalten so ein noch größeres und passgenaueres Angebot.


Zur Finanzierung der HD Samsung 46 Zoll (116 cm Bildschirmdiagonale) Smart Displays in den Kudamm-Vitrinen und 150 weitere City Displays in den Schaufenstern Berliner Läden und weiterer 164 Marktdisplays über den Kassen Berliner Läden verkaufte das Werbequartett Token für 3 Dollar-Cents, die die Käufer, sobald der Token an einer Token-Börse gelistet sein würde, dann für 6 Dollar-Cents verkaufen könnte.

Bis dahin würden die Token-Käufer eine Ausschüttung von 9 Prozent am Umsatz erhalten.

Mit dieser Umsatzbeteiligung haben sich die Werbe-Neulinge allerdings ein finanzielles Ei gelegt.

Hätten Sie die Token aus Nutzungs-Tokens (ICO, Initial Coins Offering) angeboten, um damit Zugang zu ihren aktuellen oder künftigen Dienstleistungen oder Produkten zu gewähren, hätten Sie keine Probleme bekommen.

Doch mit der Umsatzbeteiligung haben Sie einen Wertpapier-Token angeboten, einen Security Token (STO), mit dem man zum Beispiel auch ein Gemälde, Immobilien oder Firmenanteile rund um die Uhr in kleinen Stückelungen handeln kann.

Doch dafür hätten Sie einen Wertpapierprospekt einreichen müssen, was sie nicht taten.

Die BaFin reagierte und gab am 11. März 2021 eine Warnung heraus:

Zitat:


Die BaFin hat den hinreichend begründeten Verdacht, dass die HYGH AG, Zweigniederlassung Berlin, in Deutschland Wertpapiere in Form von Token ohne den erforderlichen Prospekt öffentlich anbietet.


Die Strafen sind saftig, so die BaFin:

Zitat:


Ein Verstoß gegen die Prospektpflicht stellt nach § 24 Absatz 3 Nr. 1 WpPG eine Ordnungswidrigkeit dar und kann gemäß § 24 Absatz 6 WpPG mit einer Geldbuße von bis zu 5 Millionen Euro bzw. 3 Prozent des Gesamtumsatzes des letzten Geschäftsjahres geahndet werden.

Auch können Geldbußen bis zum Zweifachen des aus dem Verstoß gezogenen wirtschaftlichen Vorteils verhängt werden.


Kritikern im Herforder Coinforum.de hatte Vincent-Alexander Müller noch vor zwei Jahren entgegnet:

Zitat:


Wir sind ein in der Schweiz Registriertes Unternehmen und haben auch ein Schweizer Prospekt (zu finden ist dieses auf unserer Tokensale Plattform: dashboard.hygh.tech).


Die Muttergesellschaft HYGH AG wurde zwar in Zug angemeldet, das man wegen der laschen Kryptogesetzgebung aus Krypto-Valley nennt. Aber die Tokensale Plattform ist inzwischen abgeschaltet.

Eine Wirtschaftsauskunft teilte GoMoPa aktuell über die HYGH AG mit:

Zitat:


Das Ausfallrisiko wird als überdurchschnittlich eingeschätzt.


Mit Finanzen hatten einige der Gründer schon in der Vergangenheit kein glückliches Händchen.

Der Schweizer Daniel Biesuz war 2011/2012 Präsident einer BC Beauty Care AG in Appenzell. Die hatte auch eine deutsche Niederlassung: die BC Beauty Care (Deutschland) GmbH. Die vertrieb vom bayerischen Schwandorf aus Frisörläden-Zubehör, Kosmektik, Parfüms und Haarpflegemittel. Auch hier hatte die Schweizer Mutter 100.000 Schweizer Franken als Eigenkapital eingetragen. Nach nur einem Jahr gingen beide Firmen pleite.

Der Berliner Vincent-Alexander Müller ist seit 2014 gemeinsam mit dem Berliner Milan-Nelson Paripovic (25) geschäftsführender Gesellschafter einer Dahlem Records GmbH in Berlin Schmargendorf. Die Firma vermarktet DJs. Das Ausfallrisiko wird von einer Wirtschaftsauskunft als "sehr hoch eingeschätzt".

Die bilanzielle Überschuldung wuchs von rund minus 1.100 Euro im Jahr 2016 auf rund minus 5.400 Euro im Jahr 2018.

Zugleich ist Vincent-Alexander Müller seit April 2017 zusammen mit einem Daniel Linovic aus Berlin Schöneberg Inhaber einer Scorpion Traders UG (haftungsbeschränkt) aus Berlin Mitte. Die Firma handelt mit Handyzubehör und E-Zigaretten aus China. Das Ausfallrisiko wird "als überdurchschnittlich eingeschätzt".

Scorpion-Traders-Geschäftsführer Müller hat noch keine Bilanz veröffentlicht. Auch von der HYGH AG gibt es noch keine Geschäftszahlen. Nur eine Ankündigung in einer Presseaussendung vom 5. Februar 2021: "Bis Mai 1.050 Bildschirme in fünf deutschen Metropolen." Nun denn...

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