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14.09.2011
Henry Lewy, der Bremer Bunker und die verschwundenen Metall-Depots

Henry Lewy alias Manfred<br /> Gläser (80) © Lewy
Henry Lewy alias Manfred
Gläser (80) © Lewy
Mit eiserner Faust meldet sich der 80jährige Edelschrotthändler und frühere Baulöwe (Neue Heimat) Manfred Gläser aus Wedel bei Hamburg, der in der Öffentlichkeit als jüdischer Milliardenerbe Henri-Isaac Lewy oder kurz Henry Lewy auftritt, auf der Kommandobrücke seiner im Jahre 2006 gegründeten Firmen Crystal International Consultants Limited (Metallkonten) und Base Metal Storage / Warehouse-Organisation Limited (BMS, Metalldepots) zurück.

Kraft seiner 95 Prozent der Aktien, die ihm an den Firmen gehören, setzte sich Lewy am 5. August 2011 selbst wieder als Geschäftsführer ein und warf seine Tochter Deborah Myriam Yasmin Gläser aus dem Amt, da diese nach Lewys Kenntnisstand eine größere Menge eingelagerter Nichteisenmetalle an unbekannte Orte umgelagert und zum Teil verkauft haben soll. "Meine Tochter hatte nicht das richtige Händchen", sagte Lewy dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net.

Zu allem Ärger meldete sie die Crystal auch noch insolvent. Das Amtsgericht Hamburg hatte daraufhin am 8. August 2011 das Insolvenzverfahren für die Crystal eröffnet und als vorläufigen Insolvenzverwalter den Hamburger Rechtsanwalt Dr. Achim Ahrendt bestellt. Das will Lewy nun rückgängig machen.

Herr Lewy, helfen Sie!

120 Metallkonten-Inhaber hatten sich an Deborahs Vater und zugleich Firmengründer gewandt: Herr Lewy, helfen Sie! Insgesamt 1.500 Anleger hatten der Crystal mehr als 20 Millionen Euro für den Kauf und die Einlagerung von Silber, Kupfer, Zink, Blei, Palladium oder Aluminium für schlechte Zeiten in einem Bunker im Freihafengelände Bremens anvertraut.

Hochsicherheits-Bunker im<br /> Bremer Freihafen © privat
Hochsicherheits-Bunker im
Bremer Freihafen © privat
Dreieinhalb Jahre war Lewy aus diesem, seinem eigenen Hochsicherheitsturm "Auf der Muggenburg" ausgesperrt gewesen, weil er angeblich 900.000 Euro aus der Firmenkasse entnommen habe. Lewy musste sogar in Untersuchungshaft. Doch dann stellte sich die Angelegenheit als eine simple Fehlbuchung seiner damaligen Prokuristin Irene Schegk aus, die ihn bei der Staatsanwaltschaft Bremen angezeigt hatte. Die Ermittler stellten das Verfahren ein. Tochter Deborah Gläser hatte damals das Ruder übernommen und bis vor kurzem allein inne.

Lewy hatte nach seiner Absetzung im Jahre 2008 mit seiner Lebensgefährtin, der früheren Sozialhilfeempfängerin und zwischenzeitlichen Wohnungsmaklerin Renata Wersien, und deren Sohn eine "Julius Stern & Co. Metallgesellschaft AG" gegründet. Firmensitz ist Renatas Wohnzimmer in der Schwachhauser Heerstraße 169 in Bremen. Ein Bremer Anwalt versucht seit Jahren, dort vergeblich sein Honorar von Renata Wersien einzutreiben. Die Internetseite Sternmetall.com ist bis heute als Baustelle deklariert.

Insolvenzantrag "in scheinbar völliger Verwirrung"

Doch nun ist Lewy auf Bitten der Anleger zurück bei Crystal und BMS. Und lässt kein gutes Haar an seiner Tochter. Sie habe "in scheinbar völliger Verwirrung" gehandelt, als sie das Insolvenzverfahren für die Crystal einleitete. Lewy will das Insolvenzverfahren stoppen. "Denn", so Lewy, "das Insolvenzverfahren wird eingestellt werden müssen, da die Gesellschaft absolut nicht insolvent ist." Als Beweis präsentiert Lewy dem Insolvenzverwalter und den Anlegern eine Bestands-Liste aus dem Jahre 2009 mit einem Warenkorb von 29 Nichteisenmetallen, darunter Silber und Palladium, mit einem heutigen Marktwert von fast 12 Millionen Euro.

Convent Allein im Bremer Bunker lagern in 30 Hochsicherheitstresoren laut Lewy sicherheitsübereignete Einzelmetalle im Wert von 3 Millionen Euro (das Foto zeigt eine Tonne mit Nickel © Lewy). Lewy hatte den 12geschossigen Bunker im Jahre 2007 gekauft und die Deckenlast, die für 500 Kilo ausgelegt war, für 2,5 Millionen Euro auf 10 Tonnen erhöht.

"Alle vorhandenen Metalldepots lassen sich jeder Zeit in Geld zurückverwandeln und zwar ohne Verluste", verspricht Lewy.

Fehlbetrag von 8 Millionen Euro

Das ist auch notwendig. Denn Lewy habe bislang einen Fehlbetrag zwischen eingekaufter Ware und bezahlten Rechnungen sowie tatsächlich vorhandener Ware von rund 8 Millionen Euro ausgemacht. Allein 1,4 Tonnen Seltene Erdmetalloxyde Europium Oxide und Terbium Oxide im Wert von 5 Millionen Euro seien laut Lewy in diesem Jahr an die österreichische Firma TREIBACHER Industrie AG für einen Spottpreis von 500.000 Euro verscherbelt worden, um die Firma Crystal liquide zu halten. Die Treibacher Industrie AG gehört dem deutschen Milliardär August von Finck.

Lewy hatte für dieses Ramschgeschäft zunächst den Erfurter Rechtsanwalt Ralph Boysen in Verdacht, der gegen die Crystal 100 Mandanten vertritt, die der Crystal eine Investition in Form eines Darlehens (meist 1.000 Euro pro Kilo physisch hinterlegter Nichteisenmetalle) gegeben hatten und nun ihr Geld zurückverlangten. Doch dann stellte sich am 16. August 2011 heraus, dass wohl die eigene Tochter den Deal gemacht habe, um die Forderungen der 100 Anleger zu befriedigen. Allerdings sei immer noch eine Summe von 1 Million Euro an diese Anleger offen.

Lewy schrieb den Anlegern am 16. August 2011:

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