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23.01.2012
Wiener Feinbäckerei Heberer: Anleihe verkauft sich nicht wie Semmeln

Als erster deutscher Bäcker hat die Wiener Feinbäckerei Heberer GmbH aus Mühlheim am Main eine Unternehmensanleihe aufgelegt, die sie ihren Kunden seit dem 1. August 2011 in ihren 350 Backshops in Flughäfen, Bahnhöfen oder Vorräumen von Einkaufszentren zu einem Stückpreis von 1.000 Euro anbietet.

Convent 600 solcher Teilschuldverschreibungen habe die Bäckereikette nach eigenen Angaben schon verkauft (siehe Ausriss aus Foodservice Branchennews vom 13. Januar 2012) und mit 6 Millionen Euro die Hälfte des anvisierten Ziels von 12 Millionen Euro eingenommen. Die Laufzeit beträgt 5 Jahre, die Rendite soll 7 Prozent pro Jahr betragen. Die Kunden bleiben trotz der hohen Rendite skeptisch, die Anleihe verkauft sich nicht wie warme Semmeln - zu Recht, wie der Finanznachrichtendienst GoMoPa.net herausfand.

Die Heberer-Anleihe sei eine "stabile und rentable Geldanlage", betont Diplomkaufmann Alexander Heberer (53), der mit Bruder und Bäckermeister Georg Richard Heberer (56) das Unternehmen besitzt und leitet. Die Anleihe sei eine "Investition ins goldene Handwerk", können die Brötchenkäufer am Tresen lesen. Und Alexander Heberer wirbt mit dem Slogan: "Brot wird eben immer gegessen."

Auch Großbäcker gingen schon pleite

Doch gerade da klingeln vielen Bäckerkunden die Ohren. Zu frisch sind die Erinnerungen an die Pleiten mehrerer Bäckereiketten: So meldete am 9. November 2011 die Großbäckerei Richard Hermann mit rund 400 Mitarbeitern, zu der auch die Vertriebskette Hermann von der Alb gehört, Insolvenz beim Amtsgericht Tübingen an. Der Großbäcker mit Sitz in Dettingen/Erms (Kreis Reutlingen) konnte den Mitarbeitern die Löhne und Gehälter für den Oktober nicht zahlen.

Die Großbäckerei Sondermann-Brot (Siegen, 130 Filialen) hatte bereits zuvor Insolvenz beantragt. Grund seien laut Siegener Zeitung höher ausfallende Baukosten für eine Backstube, steigende Energie- und Rohstoffpreise sowie Problemfilialen. Auch die österreichische Traditionsbäckerei Thurner Beugl stand letztes Jahr vor dem Aus. Wie die Wiener Zeitung berichtete, seien 178 Mitarbeiter davon betroffen. Der Großbackbetrieb belieferte unter anderem Netto und Aldi Süd. Auch die Kieler Bäckerei - Konditorei Hans Koll (4 Filialen, 30 Mitarbeiter) hat Anfang Oktober 2011 Insolvenz angemeldet. Die Bäckerei Koll ist ein 1908 gegründeter traditioneller Bäckereibetrieb.

Prospekttitelbild der
Prospekttitelbild der "Heberer Jubiliäumsanleihe"
Die Wiener Feinbäckerei Heberer GmbH nimmt nun bei ihren Kunden einen börsen- und bankenunabhängigen Kredit auf und bezeichnet die Anleihe als Jubiliäumsanleihe im 120. Jahr (2011) des Wiener Feinbäckers Heberer. Nun mag ja Heberer aus dem Raum Offenbach seit 121 Jahren Brot und Brötchen backen und verkaufen. Die Emittentin der Anleihe, die den Geldgebern die 7 Prozent Zinsen erwirtschaften und im Jahre 2016 die eingezahlten Summen zurückzahlen soll, ist nicht die Muttergesellschaft der traditionsreichen Bäckerei. Also nicht die Heberer GmbH & Co. KG, die den Bäckerssöhnen in vierter Generation je zur Hälfte gehört.

Die Anleihen-Emittentin ist eine junge Firma

Die Emittentin ist nicht 121 Jahre alt, sondern wurde erst am 18. Juni 1990 als Thüringer Spezialitäten GmbH in Weimar gegründet. Sie wurde nach einer schweren Krise (8,416 Millionen Euro Verlust zum Ende 2009) mit der in Mühlheim am Main existierenden Wiener Feinbäckerei Heberer GmbH verschmolzen. Der Hauptsitz wurde von Weimar nach Mühlheim verlegt. Die Firma wird als Wiener Feinbäckerei Heberer GmbH weitergeführt.

Die Verschmelzung hatte für die Weimarer weitreichende Konsequenzen: Während die Produktionsstätten in Weimar und Zeesen im Eigentum der Emittentin stehen, allerdings mit Hypotheken belastet, musste die Emittentin der Anleihe die Produktionsstätten in Mühlheim am Main von der Muttergesellschaft Heberer GmbH & Co. KG mieten. Das heißt, die Geschäftsführer der Emittentin, Georg und Alexander Heberer, überweisen an sich selbst (die Muttergesellschaft Heberer GmbH & Co. KG gehört ihnen allein) Miete.

Die einst aus Weimar stammende Emittentin musste mit der Heberer-Muttergesellschaft einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag abschließen. Damit steht sie nicht nur unter der Knute der Muttergesellschaft, sie muss auch für die gesamten Verbindlichkeiten der Muttergesellschaft einstehen.

Und die sind kein Pappenstiel:


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